mini|Carta del Lavoro Die Charta der Arbeit von 1927 () war ein grundlegendes Dokument des italienischen Faschismus. Es enthielt neben Gesetzesbestimmungen auch Programmsätze für die zukünftige Gesetzgebung und Politik.

Geschichte und Inhalt Die Charta wurde von den Juristen Carlo Costamagna und Alfredo Rocco erstellt, am 21. April 1927 vom Großen Faschistischen Rat verabschiedet und am 30. April 1927 in der Gazzetta Ufficiale veröffentlicht. Kommentare aus der Zeit des Faschismus stammten von Giovanni Gentile und Giuseppe Bottai. Das Dokument enthält 30 Artikel, die vielfach die Form von Postulaten annehmen. Es beginnt mit einer Definition der italienischen Nation als moralische, politische und ökonomische Einheit, die vollständig im faschistischen Staat verwirklicht wird.

Die Charta der Arbeit ist durch die Ideologie des Korporatismus geprägt, der als dritter Weg zwischen sozialistischem Kollektivismus einerseits sowie Liberalismus und Kapitalismus andererseits erscheint. Benito Mussolini und seine Anhänger feierten die Charta als „Richtschnur für die gesamte soziale Gesetzgebung“.Dietmar Stübler: Rezension von: Julius F. Reiter. Entstehung und staatsrechtliche Theorie der italienischen Carta del Lavoro. Frankfurt am Main: Peter Lang, 2005. 391 S. ISBN 978-3-631-54340-5. In: H-Net, März 2006, (online). Artikel 2 beschreibt die Arbeit als soziale Pflicht.

Den Privatunternehmen wird in der Charta große Bedeutung zugewiesen. Artikel 7 lautet:

Zu staatlichen Eingriffen heißt es in Artikel 9:

Artikel 5 legt zur Regelung von Konflikten ein Arbeitsgericht („Magistratura“) fest, dessen Mitglieder jedoch nicht von den Arbeitern, sondern vom Staat ernannt werden.

Nach dem Sturz des faschistischen Regimes wurde die Charta der Arbeit am 9. November 1944 offiziell abgeschafft.Gazzetta Ufficiale. Jahrgang 85, Nr. 79, 9. November 1944, S. 506, (Digitalisat).

Literatur Walter Heinrich: Der Faschismus. Staat und Wirtschaft im neuen Italien. 2., neubearbeitete Auflage, mit dem italienischen und deutschen Text der Carta del Lavoro. Bruckmann, München 1932. Julius F. Reiter: Entstehung und staatsrechtliche Theorie der italienischen Carta del Lavoro (= Rechtshistorische Reihe. 316). Lang, Frankfurt am Main u. a. 2005, ISBN 3-631-54340-9 (Zugleich: Berlin, Humboldt-Universität, Dissertation, 2005). Carta del lavoro. In: Dizionario di Storia. Treccani, Istituto dell’Enciclopedia Italiana, 2010.

Weblinks Carta del Lavoro, abgerufen am 29. November 2020

Einzelnachweise

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