mini|Der Tempel von Bziza mini|Plan des Tempels mit späteren Änderungen in grau Der Tempel von Bziza ist ein gut erhaltener römischer Tempel im heutigen Libanon. Bziza ist ein Dorf im Norden des Landes im Distrikt Koura. Der Tempel wird heute als Saydet ‘Awamid (Notre-Dame-des-Colonnes) bezeichnet, was sich auf die Kirche bezieht, in die der Bau in byzantinischer Zeit umgewandelt wurde. Die Tempelruine war westlichen Reisenden seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt und ist mehrmals von frühen Reisenden gezeichnet worden.René Dussaud: Le Peintre Montfort en Syrie (1837–1838) (Troisième article). In: Syria. Band 2, 1921, S. 63–72, hier besonders S. 67–68 (online). Der Tempel war wahrscheinlich dem Azizu geweiht. Der Name des Gottes ist durch keine Inschrift am Tempel belegt, doch wurde er von Ernest Renan aus dem Ortsnamen Bziza erschlossen.Ernest Renan: Mission of Phoenicia. Imprimerie impériale, Paris 1863, S. 134 (online). Daniel Krencker und Willy Zschietzschmann untersuchten den Tempel zu Beginn des 20. Jahrhunderts.Die Ergebnisse sind publiziert in: Daniel Krencker, Willy Zschietzschmann: Römische Tempel in Syrien. 1965 wurde der Tempel von Haroutune Kalayan vollständig freigelegt, der vor allem das Podium entdeckte, auf dem der Tempel steht.Julien Aliquot: Liban-Nord. In: derselbe: La Vie religieuse au Liban sous l’Empire romain. Presses de l’Ifpo, Beirut 2009, ISBN 9782351592991 (doi:10.4000/books.ifpo.1451).
Die nach Nordwesten ausgerichtete Fassade des Tempels ist mit vier ionischen Säulen (Tetrastylos) dekoriert. Der Tempel steht auf einem Podium, das über eine Treppe betreten werden kann. Der Pronaos ist an beiden Seiten von Anten flankiert. Bis auf eine handelt es sich bei den Säulen um Monolithen. Die Kapitelle haben stilistisch Parallelen in Anatolien und Syrien, die wiederum ins 2. Jahrhundert n. Chr. datieren. Der Türsturz und die Türpfosten sind mit Reliefs dekoriert, die florale Motive zeigen. Die Südwestwand im Inneren weist zwei Nischen auf, die einst von jeweils zwei kleinen Säulen flankiert waren. Die Rückseite des Inneren hat ein Adyton, das über eine Treppe betreten werden kann.Julien Aliquot: Liban-Nord. In: derselbe: La Vie religieuse au Liban sous l’Empire romain. Presses de l’Ifpo, Beirut 2009.
In byzantinischer Zeit wurde der Tempel in eine Kirche umgewandelt. Die Säulen an der Front wurden zugemauert und in die Südwestwand wurde eine Tür eingebrochen. Die Wand des Adyton wurde niedergerissen.Julien Aliquot: Liban-Nord. In: derselbe: La Vie religieuse au Liban sous l’Empire romain. Presses de l’Ifpo, Beirut 2009. Die Apsis von Kirchen ist in der Regel nach Osten orientiert, vor allem im byzantinischen Reich. Deshalb wurde für den Bau der Kirche die Nordostwand des Tempels eingerissen, um zwei Apsiden einzubauen.Lévon Nordiguian: Trois chapelles médiévales de Bziza (Koura – Liban). In: Mélanges de l’université Saint-Joseph. Band 66, 2015–2016, S. 392–394 (Digitalisat).
Der Tempel erscheint auf diversen Briefmarken aus dem Libanon.35 Libanesische Piaster, 200 Libanesische Piaster.
Literatur Daniel Krencker und Willy Zschietzschmann: Römische Tempel in Syrien, nach Aufnahmen und Untersuchungen von Mitgliedern der Deutschen Baalbekexpedition 1901–1904. 2 Bände. W. de Gruyter, Berlin/Leipzig, 1938, Band I, S. 4–7, Band II, Tafeln 3–4.
Einzelnachweise
Kategorie:Römisches Bauwerk im Libanon Kategorie:Archäologischer Fundplatz (Levante) Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Asien Bziza Kategorie:Byzantinisches Kirchengebäude Kategorie:Umgewidmete sakrale Stätte Bziza Bziza Bziza Kategorie:Gouvernement Nord-Libanon