mini|Der Marinebefehlshaber Kanalküste, Admiral Hermann von Fischel, bei einer Inspektion im September 1941 Marinebefehlshaber Kanalküste war die Bezeichnung einer militärischen Dienststelle der deutschen Kriegsmarine und ihres Befehlshabers. Sie entstand im Juli 1940 durch Ausgliederung des nordöstlichen Teils des Befehlsbereichs des Marinebefehlshabers Nordfrankreich und hatte zunächst ihren Sitz in Wimille, etwa drei Kilometer nördlich von Boulogne-sur-Mer. Der Befehlsbereich umfasste zunächst die französische Kanalküste östlich der Somme-Mündung und die belgische Küste mit Ausnahme Antwerpens, das zum Befehlsbereich des Kommandierenden Admirals in den Niederlanden gehörte.Walter Lohmann, Hans H. Hildebrand: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. Sammelwerk in drei Bänden. O.O. 1956. Band II, Hauptkapitel XIV, Kapitel 3, S. 1 ff.
Bereits im Februar 1941 wurden die beiden Befehlsbereiche wieder vereinigt, wobei die Dienststelle des Marinebefehlshabers Nordfrankreich aufgelöst wurde. An seiner Stelle übernahm der Stab des Marinebefehlshabers Kanalküste unter Beibehaltung seiner Bezeichnung die Führung des gesamten Befehlsbereichs und das Stabsquartier in Trouville. Bei dieser Reorganisation wurde die Westgrenze des Bereichs an die Mündung der Rance bei Saint-Malo verschoben.
Im Spätsommer 1942 verlegte der Marinebefehlshaber sein Stabsquartier nach Rouen. Am 1. Februar 1943 wurde die Bezeichnung in Kommandierender Admiral Kanalküste geändert. Nach der Landung der Alliierten in der Normandie wurde die Dienststelle im September 1944 aufgelöst. Die Festungen, die sich nicht ergaben und weiter Widerstand leisteten, wurden dem Marineoberkommando West unterstellt.
Organisation Juli 1940 bis Februar 1941 Die Organisation im Bereich Kanalküste unterschied sich zunächst dahingehend von anderen Kommandobereichen, dass die Seekommandanten die Marineartillerie führten, nicht jedoch die Hafenkommandanten und -kapitäne, die dem Marinebefehlshaber direkt unterstellt waren. Der Marinebefehlshaber Kanalküste führte somit folgende Dienststellen unmittelbar:
Kommandant der Seeverteidigung Flandern Kommandant der Seeverteidigung Pas de Calais Hafenschutzflottille Kanalküste Hafenkommandant Zeebrügge-Blankenberge Hafenkommandant Ostende Hafenkommandant Nieuwpoort Hafenkommandant Dünkirchen Hafenkommandant Gravelines Hafenkommandant Calais Hafenkommandant Boulogne Marinebaubataillon 316 (Boulogne) Kriegsmarinedienststelle Ostende Kriegsmarinedienststelle Dünkirchen Kriegsmarinedienststelle Boulogne Marineartilleriezeugamt (MAZA) Boulogne (im Juni 1940 als MAZA Nordfrankreich aufgestellt, ab August 1940 MAZA Kanalküste, ab November MAZA Boulogne)
Februar bis Dezember 1941 Anlässlich der Zusammenführung der Befehlsbereiche Kanalküste und Nordfrankreich im Februar 1941 wurde der unterstellte Bereich vergrößert und reorganisiert. Die bisherigen Seekommandanten erhielten zunächst die Bezeichnung Marineartillerieabschnittskommandeur, die noch im Februar 1941 in Marineartilleriekommandeur im Abschnitt geändert wurde. Die größeren Hafenkommandanturen wurden zu Seekommandanturen aufgewertet. Damit unterstanden dem Marinebefehlshaber nunmehr folgende Stellen:
Kommandant der Seeverteidigung Ostende Kommandant der Seeverteidigung Dünkirchen Kommandant der Seeverteidigung Calais Kommandant der Seeverteidigung Boulogne Kommandant der Seeverteidigung Le Havre Kommandant der Seeverteidigung Cherbourg Marineartilleriekommandeur Flandern Marineartilleriekommandeur Pas de Calais Marineartilleriekommandeur Normandie Marineartilleriekommandeur Seine-Somme Marinebaubataillon 316 (Boulogne) Kriegsmarinedienststelle Ostende Kriegsmarinedienststelle Dünkirchen, bis Mai 1941 Marineartilleriezeugamt Boulogne
Dezember 1941 bis September 1944 Ende 1941 wurde die Organisation im Befehlsbereich Kanalküste erheblich gestrafft. Mehrere Seekommandanturen wurden zusammengefasst und die Artilleriekommandos wurden in die Seekommandanturen integriert. in einem letzten Schritt wurden im Juli 1942 die Kanalinseln aus dem Bereich des Seekommandanten Normandie ausgegliedert und einer eigenen Seekommandantur zugeordnet. Damit unterstanden dem Marinebefehlshaber, ab Februar 1943 Kommandierenden Admirals Kanalküste, folgende Stellen:
Kommandant der Seeverteidigung Pas de Calais (Wimille) Kommandant der Seeverteidigung Seine-Somme (Le Havre) Kommandant der Seeverteidigung Normandie (Cherbourg) Kommandant der Seeverteidigung Kanalinseln (Saint Peter Port, Guernsey), ab Juli 1942 2. Funkmessabteilung (Wimille), ab Juni 1942 20. Marinekraftfahrabteilung (Rouen), ab August 1942
Chronik einzelner Dienststellen Kommandanten der Seeverteidigung Kommandant der Seeverteidigung Boulogne Die Dienststelle ging im Februar 1941 aus der des Hafenkommandanten Boulogne hervor, dessen Aufgaben sie weiterhin wahrnahm. Bereits im Dezember 1941 wurde sie wieder zu einer Hafenkommandantur zurückgestuft und dem neu eingerichteten Kommandanten der Seeverteidigung Pas de Calais unterstellt. mini|Ein als Hafenschutzboot der Kriegsmarine requiriertes französisches Fischerboot
Unterstellte Stellen Hafenschutzflottille Boulogne Hafenkapitän Étaples Hafenkapitän Abbeville Marineausrüstungsstelle Boulogne
Seekommandant Kapitän zur See Friedrich Frisius
Kommandant der Seeverteidigung Calais mini|Im Hafen von Calais zurückgelassenes Kriegsgerät nach dem britischen Rückzug aus Frankreich (31. Mai 1940) Die Dienststelle ging im Februar 1941 aus der des Hafenkommandanten Calais hervor, dessen Aufgaben sie weiterhin wahrnahm. Bereits im Dezember 1941 wurde sie wieder zu einer Hafenkommandantur zurückgestuft und dem neu eingerichteten Kommandanten der Seeverteidigung Pas de Calais unterstellt.
Unterstellte Stellen Hafenkapitän Gravelines Marineausrüstungsstelle Calais
Seekommandant Kapitän zur See Ernst Fischer
Kommandant der Seeverteidigung Cherbourg/Normandie →Kommandant der Seeverteidigung Normandie
Kommandant der Seeverteidigung Dünkirchen Die Dienststelle ging im Februar 1941 aus der des Hafenkommandanten Dünkirchen hervor, dessen Aufgaben sie weiterhin wahrnahm. Bereits im Dezember 1941 wurde sie wieder zu einer Hafenkommandantur zurückgestuft und dem neu eingerichteten Kommandanten der Seeverteidigung Pas de Calais unterstellt. Dieser übernahm wiederum im Oktober 1944 die Funktion des Festungskommandanten Dünkirchen.Walter Lohmann, Hans H. Hildebrand: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. Sammelwerk in drei Bänden. O.O. 1956. Band II, Hauptkapitel XIV, Kapitel 8, S. 1 ff.
Unterstellte Stellen Hafenschutzflottille Dünkirchen Marineausrüstungs-/Versorgungsstelle Boulogne
Seekommandant Fregattenkapitän Karl Schneider
Kommandant der Seeverteidigung Flandern →Marineartilleriekommandeur Flandern
Kommandant der Seeverteidigung Kanalinseln
Geschichte Der Befehlsbereich des Kommandanten der Seeverteidigung Kanalinseln wurde im Juli 1942 aus der Seekommandantur Normandie ausgegliedert. Der Dienstsitz des Seekommandanten befand sich auf Guernsey. Die Kanalinseln blieben bis zum Kriegsende in deutscher Hand und kapitulierten am 9. Mai 1945.
Seekommandanten Kapitän zur See Julius Steinbach, Juli 1942 – Juli 1944 Vizeadmiral Friedrich Hüffmeier, Juli 1944 – Mai 1945
Kommandant der Seeverteidigung Le Havre →Kommandant der Seeverteidigung Seine-Somme
Kommandant der Seeverteidigung Normandie mini|Konteradmiral Walter Hennecke, Generalleutnant Karl-Wilhelm von Schlieben (Mitte) und Generalmajor J. Lawton Collins bei der offiziellen Kapitulation Cherbourgs am 26. Juni 1944 Die Dienststelle des Seekommandanten Cherbourg/Normandie wurde erstmals im Juli 1940 eingerichtet und führte ausschließlich Marineartillerieeinheiten. Sie wurde im Februar 1941 in Marineartilleriekommandeur Normandie umbenannt. Zugleich wurde die Dienststelle des Seekommandanten Cherbourg eingerichtet. Im Dezember 1941 wurde eine neue Dienststelle mit der Bezeichnung Kommandant der Seeverteidigung Normandie mit Stabsquartier in Cherbourg geschaffen, wobei der bisherige Artilleriekommandeur der aufgelösten Dienststelle des Marineartilleriekommandeur Normandie die Aufgabe des Seekommandanten übernahm. Der Zuständigkeitsbereich erstreckte sich somit von der Orne bis Rande. Im Juli 1942 wurde der Bereich der Kanalinseln ausgegliedert und der neuen Dienststelle Kommandant der Seeverteidigung Kanalinseln unterstellt. Im Juli 1944 entfiel der Befehlsbereich nach der Landung der Alliierten in der Normandie.
Unterstellte Stellen Hafenkommandant Cherbourg Hafenschutzflottille Cherbourg Marineausrüstungsstelle, ab 1941 Marineausrüstung- und Reparaturbetrieb (Maureb) Cherbourg Hafenkommandant Granville Hafenkommandant Saint-Malo Marineausrüstungs- und Versorgungsstelle Saint-Malo (fachlich unter Maureb Cherbourg) 22. Marinekraftfahrabteilung (Cherbourg) Seetransportchef Saint-Malo: von Mai 1942 bis Mai 1943 Kapitän zur See Max Lutter Marineartilleriezeugamt Cherbourg (ab 1943 Marineartilleriearsenal Cherbourg) Hafenkommandanten Jersey, Guernsey und Alderney, ab Juli dem →Kommandant der Seeverteidigung Kanalinseln unterstellt mini|Bombardierung deutscher Artilleriestellungen der Marineartillerieabteilung 608 auf der Île de Cézembre, August 1944 Marineartillerieabteilungen des vormaligen Marineartilleriekommandeurs Normandie, ab Dezember 1941
Seekommandanten Kapitän zur See Werner Stichling, Juni – Juli 1940 Korvettenkapitän Joachim Asmus, August – Dezember 1940 Kapitän zur See Max Fink, Dezember 1940 – April 1943 (Februar – Dezember 1941 Marineartilleriekommandeur Normandie) Konteradmiral Walter Hennecke, April 1943 – Juni 1944
Kommandant der Seeverteidigung Ostende Die Dienststelle ging im Februar 1941 aus der des Hafenkommandanten Boulogne hervor, dessen Aufgaben sie weiterhin wahrnahm. Bereits im Dezember 1941 wurde sie wieder zu einer Hafenkommandantur zurückgestuft und dem neu eingerichteten Kommandanten der Seeverteidigung Pas de Calais unterstellt.
Unterstellte Stellen Hafenschutzflottille Ostende Hafenkommandant Zeebrügge-Blankenberge Hafenkommandant Nieuport Marineausrüstungs- und Versorgungsstelle Ostende Marineausrüstungsstelle Niesport
Seekommandant Kapitän zur See Johannes-Henning Schneider
Kommandant der Seeverteidigung Pas de Calais Die Dienststelle des Seekommandanten Pas de Calais wurde erstmals im Juli 1940 eingerichtet und führte ausschließlich Marineartillerieeinheiten. Sie wurde im Februar 1941 in Marineartilleriekommandeur Pas de Calais umbenannt.
Im Dezember 1941 wurde eine neue Dienststelle mit der gleichen Bezeichnung geschaffen, unter der die Bereiche der bisherigen Seekommandanten Ostende, Dünkirchen, Calais und Boulogne zusammengefasst wurden. Der Zuständigkeitsbereich erstreckte sich somit von der Somme im Südwesten bis an die belgisch-niederländische Grenze mit Ausnahme Antwerpens, das dem Seekommandanten Südholland zugeteilt war. Im Herbst 1943 wurde diese Grenze zurückgenommen, um die gesamte Scheidemündung in die Verantwortung des Seekommandanten Südholland zu geben. Stabssitz war zunächst Wimille, nach der Invasion im Juni 1944 Dünkirchen. Im September 1944 war lediglich noch die Stadt Dünkirchen in deutscher Hand, und der Seekommandant übernahm die Funktion des Festungskommandanten. Ihm war der Hafenkommandant Dünkirchen unterstellt. Im Folgemonat wurde die Dienststelle des Seekommandanten aufgelöst.
Unterstellte Stellen Hafenkommandant Zeebrügge Hafenkommandant Ostende Hafenschutzflottille Ostende Marineausrüstungsstelle Ostende Marineausrüstungsstelle Nieuport Hafenkommandant Dünkirchen Marineausrüstungs- und Versorgungsstelle Dünkirchen Hafenschutzflottille Dünkirchen Hafenkommandant Gravelines, im November 1942 herabgestuft zum Hafenkapitän Hafenkommandant Calais Marineausrüstungsstelle Calais Hafenkommandant Boulogne Hafenschutzflottille Boulogne Marineausrüstungsstelle Boulogne