Der Rimatararohrsänger (Acrocephalus rimitarae) ist ein bräunlich-weiß gefärbter Singvogel aus der Gattung der Rohrsänger (Acrocephalus) innerhalb der Familie der Rohrsängerartigen (Acrocephalidae). Er ist endemisch auf der französisch-polynesischen Insel Rimatara, wo er bevorzugt mit Büschen oder Bäumen bestandene, störungsfreie Habitate bewohnt. Wegen seines beschränkten Vorkommens gilt dieser wenig erforschte Vogel als vom Aussterben bedroht. Früher wurde er als Unterart des Pitcairnrohrsängers (A. vaughani) betrachtet.
Beschreibung Aussehen Mit einer Größe von etwa 17 cm und einem Gewicht von etwa 23 bis 29 g ist der Rimatararohrsänger ein recht großer Vertreter seiner Gattung; es besteht kein Sexualdimorphismus. Er ist oberseits dunkelbraun gefleckt und unterseits weißlich gefärbt, wobei er anfällig für Leuzismus bzw. Teilalbinismus ist.
Der verhältnismäßig lange Schnabel ist oben dunkelgrau und unten insbesondere an der Basis blassrosa. Zur Spitze hin wird der Unterschnabel dunkler. Der recht schwach ausgeprägte Überaugenstreif ist von gelblicher Farbe und reicht von der Schnabelbasis bis auf Augenhöhe, aber nicht weiter. Klar erkennbar ist hingegen der schwarze Zügelstreif. Auch hinter dem von einem weißlichen Ring umgebenen Auge, dessen Iris dumpf braun ist, ist eine gut erkennbare, sich fortsetzende Linie sichtbar, weswegen man von einem dunklen Augenstreif sprechen kann. Die Ohrdecken sind blass aschgrau und haben cremefarbene Federspitzen; nach unten hin werden sie blasser. Kinn und Kehle sind weiß gefärbt, oft mit hellgrauer Tönung. Auf der länglichen Stirn und dem runden Scheitel ist der Vogel im Normalfall aschgrau bis dumpf olivbraun gefärbt, wobei die Federn schmale, weiße Spitzen aufweisen. Der Nacken ist etwas dunkler als der Oberkopf und üblicherweise nicht mit hellen Federsäumen versehen. Mantel und Schultern sind düster olivbraun, wobei durch blasse aschgraue Federumrandungen ein fleckiges Aussehen erzeugt wird. Die Federn des Bürzels und der Oberschwanzdecken sind innen braun und außen von breiten, blass aschgrauen Rändern umgeben, wodurch sie insgesamt heller als die Mantelfedern wirken. Der Schwanz ist normalerweise dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Die Unterschwanzdecken sowie die Flanken sind cremeweiß bis blassgelb, letztere teilweise auch mit blassem bräunlichem Anflug. Bauch und Brust sind hellgelb getönt, wobei vor der Handwurzel an der Seite der oberen Brust eine dunklere graubraune Färbung erkennbar ist. Nicht leuzistische Individuen haben dunkelgraubraune Rand- und mittlere Armdecken mit schmalen, blass bräunlichweißen Federspitzen. Die großen Armdecken haben deutlich breitere Federsäume und -spitzen derselben Färbung. Die Handdecken sind dunkelbraun ohne umrandete Federn. Die ebenfalls dunkelbraune Alula hat hingegen schmale, blassbraune Federsäume. Die Schirmfedern, Armschwingen und Handschwingen sind dunkelbraun gefärbt und mit blassbraunen Rändern und Spitzen versehen. Im geschlossenen Zustand wird die Flügelspitze von der vierten, oft zusammen mit der dritten und fünften Handschwinge gebildet. Dabei ist bei der dritten und vierten Handschwinge eine deutliche Ausbuchtung zu erkennen. Die geschlossenen Flügel sind zudem recht kurz und erreichen gerade einmal die Spitzen der kürzesten Federn der Oberschwanzdecken. Die Unterflügeldecken sind von cremeweißer Farbe. Die verhältnismäßig langen Beine sowie die Füße und Krallen sind dunkelgrau.
Immature Vögel (Jungvögel) sind oberseits durchschnittlich einfarbiger braun gefärbt. Auf den weißlichen Flanken und der Brust ist eine zimtbraune Tönung auszumachen.
Die Vollmauser der Altvögel findet vermutlich im Anschluss an die Brutzeit, also ab Dezember statt, da im Oktober und November gefangene Individuen über ein stark abgetragenes Gefieder verfügten, während ein Großteil der im März gefangenen Individuen gerade die Schwungfedern mauserte und ein kleinerer Teil bereits fertig gemausert hatte. Bei einem Großteil der gefangenen immaturen Vögeln war das Gefieder hingegen sowohl im Oktober und November als auch im März frisch gemausert.
Genau wie beim Pitcairnrohrsänger (A. vaughani) und beim Hendersonrohrsänger (A. taiti) tritt – wie bereits erwähnt – häufig Leuzismus auf. Dies äußert sich in der weißen Färbung zufällig verteilter Federn auf dem Oberkopf, dem Rücken, dem Schwanz und den Flügeln. Insbesondere bei den Schwung- und Steuerfedern wechseln sich normale (dunkelbraune bis schwarze) und leuzistische (weiße) Federn ohne erkennbares Muster ab.
Artabgrenzung Die Abgrenzung vom Pitcairnrohrsänger (A. vaughani) und vom Hendersonrohrsänger (A. taiti), mit denen der Rimatararohrsänger früher als konspezifisch betrachtet wurde, ist nicht sicher möglich, da das Gefieder bei allen drei Arten sehr ähnlich ist. Sogar Teilleuzismus tritt bei allen drei Arten häufig auf. Im Durchschnitt ist der Rimatararohrsänger etwas größer und langschwänziger als die beiden Arten, es besteht jedoch eine große Variation, weswegen dies kein verlässliches Merkmal ist. Im Vergleich zum Langschnabel-Rohrsänger (A. caffer) sowie zu Nord- (A. percernis) und Südmarquesas-Rohrsänger (A. mendanae) ist er hingegen etwas kleiner und außerdem kurzschnäbeliger. Die Unterscheidung von ähnlichen Arten erübrigt sich allerdings in freier Natur, da der Rimatararohrsänger nur auf Rimatara und nicht auf Nachbarinseln vorkommt und auch auf Rimatara keine ähnlichen Arten angetroffen werden können.
Stimme Der Gesang des Männchens besteht aus aneinandergereihten, variierten Pfeiflauten von geringer Lautstärke, Tonhöhe und Komplexität. Im Vergleich zum Langschnabel-Rohrsänger (A. caffer), zum Tuamoturohrsänger (A. atyphus) und zum Südmarquesas-Rohrsänger (A. mendanae) ist er schwächer, kürzer und weniger kompliziert. Von den beiden Arten, mit denen der Rimatararohrsänger früher als konspezifisch betrachtet wurde, dem Pitcairnrohrsänger (A. vaughani) und dem Hendersonrohrsänger (A. taiti), ist abgesehen von wiederholten, langen und dünnen Tönen, die vermutlich eine Gesangsfunktion einnehmen, gar kein Gesang bekannt. Dass diese beiden Arten und der Rimatararohrsänger über einen wenig entwickelten Gesang verfügen, liegt vermutlich nicht an ihrer hohen Siedlungsdichte, da beispielsweise beim Südmarquesas-Rohrsänger, der einen komplexen Gesang hat, ähnlich hohe Dichten nachgewiesen wurden.
Die Alarm- und Kontaktrufe ähneln denen anderer polynesischer Rohrsängerarten und werden von Vögeln beiderlei Geschlechts abgegeben. Der häufigste Ruf ist ein lautes, grelles „scarp“, das entweder im Abstand von mehreren Sekunden oder unmittelbar aufeinanderfolgend wiederholt wird; in letzterem Fall ergibt sich ein unmelodisches Quietschen, das an ein Kinderspielzeug erinnert. Es ist davon auszugehen, dass andere, seltener zu hörende Rufe wie ein hohes „chirp“ oder „chack“ Variationen des Hauptrufs darstellen und keine abweichende Funktion einnehmen. Bettelrufe werden sowohl von Jungvögeln als auch von Weibchen abgegeben und sind ebenfalls typisch für Rohrsänger der pazifischen Inseln.
Verbreitung und Lebensraum
Dieser Endemit kommt nur auf Rimatara vor, einer 8,6 km² großen Insel im zentralen Südpazifik, die als Teil der Austral-Inseln zum französischen Überseegebiet Französisch-Polynesien zählt und sich bis zu aus dem Meer erhebt. Die Art ist auf der gesamten Insel verbreitet und wird als häufig beschrieben. Außerhalb Rimataras ist bislang kein Nachweis erbracht worden, weswegen es sich wohl um einen Standvogel handelt. Die Art kommt in einer Vielzahl verschiedener Habitate vor: Neben dem bevorzugten Wald- und Buschland bewohnt sie auch Plantagen, Röhrichte, mit Farn bewachsene Flächen und andere Vegetationsarten in Feuchtgebieten. Zur Brutzeit werden insbesondere Gärten, Unterholz von Kokosplantagen sowie küstennaher Primärwald mit Kalkboden präferiert. Die unmittelbare Nähe menschlicher Siedlungen wird jedoch eher gemieden.
Verhalten Ernährungsverhalten Die Nahrungssuche erfolgt in Büschen und Bäumen oder unter diesen am Boden. Dabei sammeln diese insektivoren Vögel Beutetiere von Pflanzenbestandteilen auf, wie es von den meisten polynesischen Rohrsängern bekannt ist.
Gesangsaktivität Der Gesang wird nicht ganzjährig vorgetragen. Zur Brutzeit ist die Gesangsaktivität am frühen Morgen, abends und bei hellem Mondschein nachts am höchsten, während mittags fast kein Gesang zu vernehmen ist. Im Gegensatz dazu singen nah verwandte Arten wie der Langschnabel-Rohrsänger (A. caffer), der Tuamoturohrsänger (A. atyphus) und der Südmarquesas-Rohrsänger (A. mendanae) vorwiegend tagsüber.
Territorialverhalten Männchen des Rimatararohrsängers verteidigen ihr Brutrevier durch Gesang. Die durchschnittliche Reviergröße beträgt 0,72 ha, was sich aus einer durchschnittlichen Entfernung singender Männchen von 96 m zueinander und dem daraus resultierenden Radius jedes Reviers von durchschnittlich 48 m ergibt, wobei angenommen wird, dass die Reviere ungefähr kreisförmig sind.
Fortpflanzungsverhalten Die Brutzeit ist eindeutig eingrenzbar und dauert etwa von Mitte September bis Ende Dezember; somit deckt sie sich mit der des Hendersonrohrsängers (A. taiti). Das becherförmige Nest ist durchschnittlich 12,5 cm hoch und etwa 5 cm tief ausgehöhlt, wobei sein Außendurchmesser ungefähr 10 cm beträgt. Es besteht aus Pflanzenfasern und Blättern, beispielsweise von Kokospalmen (Cocos nucifera), vom Schraubenbaum Pandanus tectorius, von Kapokbäumen (Ceiba pentandra) und von der Passionsblume Passiflora maliformis; zur Auskleidung werden feinere Fasern derselben Pflanzen verwendet. Das Nest liegt in einer Astgabel oder zwischen senkrechten Ästen in einer Höhe von durchschnittlich 4 bis 7 m in verschiedenen, größtenteils neophytischen Baumarten, so zum Beispiel in Lindenblättrigem Eibisch (Talipariti tiliaceum), in Arabica-Kaffee (Coffea arabica), in der Fiederaralie Polyscias guilfoylei, in Portiabäumen (Thespesia populnea), in Syzygium jambos, in Falcataria moluccana und in Echter Limette (Citrus × aurantiifolia). Sowohl im Aussehen als auch im Standort des Nests bestehen keine Unterschiede zu anderen polynesischen Rohrsängerarten. Das Gelege umfasst meist nur ein Ei, manchmal auch zwei, und ist damit durchschnittlich kleiner als das des Hendersonrohrsängers.
Manchmal tritt eine Verhaltensweise auf, bei dem ein dritter adulter Vogel die beiden Elternteile als Bruthelfer bei der Aufzucht der Jungen unterstützt, was auch bei anderen pazifischen Rohrsängerarten wie etwa beim Hendersonrohrsänger, nicht aber beim Pitcairnrohrsänger (A. vaughani) beobachtet werden konnte. Durch dieses Phänomen beteiligen sich durchschnittlich 2,37 Altvögel bei einer Brut. Weitere Details zum Fortpflanzungsverhalten sind nicht bekannt.
Gefährdungssituation und Bestand