mini|Kathedrale der Heiligen Mutter Gottes Die Kathedrale der Heiligen Mutter Gottes () war eine armenisch-apostolische Kathedrale in Stepanakert, der Hauptstadt der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach (1991–2023). Sie wurde 2019 erbaut und 2026 abgerissen, nachdem Aserbaidschan die völkerrechtlich zu ihm gehörende Region Bergkarabach 2023 zurückerobert hatte.
Standort Die Kathedrale stand im Süden Stepanakerts (Ստեփանակերտ) an der Vazgen-Sargsyan-Straße (Վազգեն Սարգսյան փողոց), etwa 100 m westlich von deren nördlichem Ende, 600 m südlich des ehemaligen Gebäudes der Nationalversammlung der Republik Arzach (das an der Nordseite des Platzes der Wiedergeburt lag), rund 500 m nördlich der Bezirksgrenze zu Hajkawan (Հայքավան) und etwa 1,3 km nördlich des Stadtteils Krkdschan (Կրկժան, auch Kirkidschan/Kirkidzhan oder Kirkidschahan/Kərkicahan).
Geschichte Das 1923 von der Sowjetmacht gegründete Stepanakert hatte lange keine einzige Kirche. Die auf dem Stadtgebiet befindliche Georgskirche (Surp Kevork) vom Ende des 19. Jahrhunderts wurde unter Josef Stalin in den 1930er Jahren abgerissen, um dem Stepanakerter Theaterbau Platz zu machen. So waren die nach wie vor mehrheitlich der Armenischen Apostolischen Kirche angehörenden Stepanakerter ohne Gotteshaus. Es gab zwar am nördlichen Rand der Stadt noch ein kleines mittelalterliches Kirchengebäude mit dem Namen Vararakn, das jedoch nicht mehr als Kirche diente.Naira Hayrumyan: . Armenia Now, 7. März 2013.
Nach dem Ende der Sowjetmacht und der Gründung der – international nicht anerkannten – Republik Arzach begannen die Bemühungen, für die Gläubigen Stepanakerts Kirchen zu errichten. Am 9. Mai 2007, dem 15. Jahrestag der Einnahme Schuschis, wurde die Jakobskirche (Surp Hakob) eröffnet.Laura Grigorian: . Armtown, 4. April 2012. Kathedrale des armenisch-apostolischen Bistums Arzach blieb jedoch die erst 1998 nach 78 Jahren wiedereröffnete Erlöserkirche (Ghasantschezoz)Murad Hasratyan, Zaven Sargsyan. Armenia – 1700 Years of Christian Architecture. Moughni, Jerewan 2001. S. 234. im nahe gelegenen Schuschi, das zwar bis zum Schuscha-Pogrom 1920 die größte mehrheitlich armenische Stadt der Region gewesen war,Первая всеобщая перепись населения Российской Империи 1897 nach den gegenseitigen Massenvertreibungen schließlich im Jahre 2015 nur noch rund 4400 Einwohner hatte, viel weniger als die arzachische Hauptstadt Stepanakert.
Mit dem Bau der Stepanakerter Kathedrale wurde am 19. Juli 2006 begonnen. Finanziert wurde der anfangs auf 2 Millionen US-Dollar projektierte Bau unter anderem von seinem Architekten, Gagik Yeranosyan. Stepanakert-Church.org, abgerufen am 22. November 2020. Wichtige Mäzene waren auch Hrant Vardanyan und seine Söhne Mikael und Karen, die 400 Millionen Dram beisteuerten.The Holy Mother of God Cathedral in Stepanakert. Santo Sepulcro, Vela de Jerusalén, 17. Dezember 2019, abgerufen am 22. November 2020. Die Arbeiten dauerten auch wegen der komplizierten Finanzierung mehr als 12 Jahre. Die Kathedrale wurde am 7. April 2019 vom Katholikos Karekin II. Nersissian im Beisein des Erzbischofs von Arzach, Pargev Martirosyan, geweiht und eröffnet.Cathedral Stepanakert. Petit Futé, abgerufen am 22. November 2020. Geplant war auch eine schließlich nicht verwirklichte 4 m hohe Statue des Königs Watschagan III. auf einem 2 m hohen Sockel neben der Kirche.. Im Krieg um Bergkarabach 2020 diente die Kathedrale als Schutzraum, deren massive Wände sie nach Aussagen eines Priesters zu einem der sichersten Orte der Stadt machten.Karabakh cathedral repurposed as bomb shelter. France24.com, 4. Oktober 2020. Die Kathedrale in Schuschi wurde in diesem Krieg Opfer zweier RaketenangriffeBBC News: Nagorno-Karabakh: Armenia accuses Azerbaijan of shelling Shusha cathedral. Abgerufen am 8. Oktober 2020. und Schuschi bald darauf von aserbaidschanischen Truppen erobert, während Stepanakert beim Waffenstillstand den Karabach-Armeniern verblieb. So war die Stepanakerter Kathedrale die einzige, die dem Bistum Arzach noch bis zu der Aserbaidschanischen Offensive und der Auflösung Arzachs blieb. Die letzte Liturgie wurde am 1. Oktober 2023 in der Kathedrale abgehalten, nachdem die gesamte armenische Bevölkerung aus der Stadt geflohen war und Aserbaidschan die Kontrolle übernommen hatte. Die Kathedrale wurde im April 2026, vor dem Gedenktag für den Völkermord an den Armeniern, von den aserbaidschanischen Behörden abgerissen.
Architektur Die Kathedrale Stepanakert war eine Rundkirche mit einem Durchmesser von 30 m und einer Höhe von 35 m. Genau genommen war die Rotunde ein Polygon (genauer: zwölfeckiger Querschnitt), der sich der Kreisform nur annäherte. Insgesamt nahm die Kathedrale eine Grundfläche von 900 Quadratmetern ein. Die Wände des Gebäudes bestanden innen und außen aus aprikosenfarbigem Tuffstein aus Artik (Armenien), wie er auch in der armenischen Hauptstadt Jerewan, der „aprikosenfarbenen Stadt“, weithin verwendet wird. An der Ostseite der Kirche, wo sich auch der Altar befand, war die Wand durch ein 12 m hohes Kreuz geschmückt. An der Westseite der Kirche stand über dem Eingang ein Narthex, dessen achtseitiges Pyramidendach mit dem großen zwölfseitigen Pyramidendach der Rotunde an den Kleinen und den Großen Ararat erinnern soll – ähnlich wie bei der Sankt-Hripsime-Kirche in Etschmiadsin. Gleichzeitig war die Kirche der Kathedrale von Swartnoz nachempfunden. Nach Angaben des Architekten der Kirche, Gagik Yeranosyan, trug die Gestaltung als (annähernde) Rotunde zur hohen Erdbebensicherheit der Kathedrale bei.Арам Гарегинян: Новое сердце: в Степанакерте освятили церковь по образу Звартноца и с символом Арарата. Sputnik Armenia, 7. April 2019.
Weblinks
Einzelnachweise
Stepanakert Kategorie:Kirchengebäude in Bergkarabach Stepanakert Stepanakert Stepanakert Kategorie:Bauwerk in Stepanakert Kategorie:Erbaut 2019 Kategorie:Zerstört in den 2020er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Aserbaidschan