Simon Stoll (* 27. Oktober 1852 in Gsies, Südtirol;Sterbebuch Aigen im Mühlkreis, tom. V, Nr. 241 (Faksimile) † 22. Oktober 1914 in Aigen im Mühlkreis) war ein österreichischer Fabrikant, Kommunalpolitiker und Mäzen.
Leben Simon Stoll wurde am 27. Oktober 1852 in der Gemeinde Gsies in Südtirol geboren und kam – die genauen Umstände sind nicht bekannt – im Jahre 1871 nach Aigen im Mühlkreis. Abgerufen am 22. November 2020. Am 23. Juli 1890 heiratete er in der Stadtpfarrkirche von Linz die neun Jahre ältere und verwitwete Maria „Marie“ Kargruber (geborene Schauberger) und übernahm die Leinenfabrik des am 31. Mai 1889 an den Folgen einer LungenentzündungEintrag Johann Kargrubers im Sterbebuch der Gemeinde Aigen im Mühlkreis 1889 verstorbenen Mannes von Kargruber, bei der rund 3000 Arbeiter angestellt waren. Abgerufen am 22. November 2020. Abgerufen am 22. November 2020. Anderen Berichten zufolge war Stoll bereits in den frühen 1880er Jahren als Leinenfabrikant in Aigen tätig gewesen; members.aon.at, Chronik der FF Aigen, abgerufen am 22. November 2020. wahrscheinlicher ist es jedoch, dass er davor nur Geschäftsführer der Leinenfabrik gewesen war, die selbst aber noch im Besitz seiner späteren Gattin war bzw. noch Johann Kargruber gehörte.Hinweis im Verzeichnis der handelsgerichtlich protokollierten Firmen und Genossenschaften in Oberösterreich, abgerufen am 22. November 2020. In weiterer Folge betätigte er sich bis zu einem Ableben als Leinenfabrikant und war zudem von 1897 bis 1909 Bürgermeister von Aigen. Bereits 1894 war er in den Gemeindeausschuss von Aigen gewählt worden. Abgerufen am 22. November 2020. Vom k. k. Landes- und Handelsgericht in Linz wurde am 25. Juli 1894 die Firma Simon Stoll, Kargrubers Nachfolger ins Register für Einzelfirmen eingetragen. Abgerufen am 22. November 2020. Abgerufen am 22. November 2020.
Die Ehe der beiden blieb kinderlos; vielmehr widmete sich das Paar karitativen Aufgaben. Dazu zählte unter anderem die großzügige Unterstützung des Neubaus der ins Stift Schlägl inkorporierten Pfarrkirche Aigen im Mühlkreis, Abgerufen am 22. November 2020. die von 1897 bis 1901 nach Plänen des Linzer Architekten Raimund Jeblinger errichtet wurde. Bereits im März 1895 soll mit den Bauarbeiten für die Kirche begonnen worden sein; Abgerufen am 22. November 2020. der eigentliche Baustart erfolgte jedoch erst im Frühjahr 1897. Abgerufen am 22. November 2020. Außerdem unterstützte er die verschiedenen Organisationen in Aigen und der näheren Umgebung. Abgerufen am 22. November 2020. So spendete er im Jahre 1882 der Freiwilligen Feuerwehr von Aigen, deren Obmann-Stellvertreter er zu diesem Zeitpunkt auch war, 60 Meter Leinengradl zur Anfertigung von Blusen und war auch ansonsten sehr großzügig gegenüber der Feuerwehr. Aufgrund seiner Verdienste um die Feuerwehr von Aigen wurde Stoll im Jahre 1893 zu deren Ehrenmitglied ernannt. Abgerufen am 22. November 2020. Er war auch einer der großen Förderer beim Bau der Linzer Eisenbahnbrücke, Abgerufen am 22. November 2020. Abgerufen am 22. November 2020. die ein Teil der Verbindungsbahn zwischen der Mühlkreisbahn und der Westbahn war und von 1897 bis 1900 errichtet wurde. Nach der 1873 errichteten Eisenbahnbrücke Steyregg war sie die zweite über die Donau führende Eisenbahnbrücke in Linz. Im März 1896 berichtete das Linzer Volksblatt, dass sich Stoll mit einer Summe von 5000 Gulden am Bau der Brücke beteilige. Abgerufen am 22. November 2020.
Obwohl er im Mai 1897 noch als einfaches Gemeindeausschussmitglied wiedergewählt worden war, Abgerufen am 22. November 2020. scheint Stoll erstmals im August 1897 als Bürgermeister von Aigen auf. Abgerufen am 22. November 2020. Im März 1898 wurde Stoll als Stellvertreter für den I. Wahlkörper als Kandidat für die Personaleinkommenssteuerschätzungskommission aufgestellt. Abgerufen am 22. November 2020. Abgerufen am 22. November 2020. Weiters unterstützte Stoll im Jahre 1898 den Bau einer Handelsakademie in der Landeshauptstadt Linz. Abgerufen am 22. November 2020. Nach dem Donauhochwasser 1899 zeigte sich Stoll ebenso spendenfreudig und unterstützte dabei das Landeshilfskomitee. Abgerufen am 22. November 2020. Im Frühjahr 1900 wurde Stoll in eine zweite Amtszeit als Bürgermeister wiedergewählt. Abgerufen am 22. November 2020. Abgerufen am 22. November 2020. Im März 1901 erfolgte Stolls Wiederwahl zum Obmann des lokalen Krankenhausvereins, dem er seit seiner Gründung im Jahre 1898 vorstand Abgerufen am 22. November 2020. und dem er in seinem Amt als Bürgermeister zur gleichen Zeit auch Schuldforderungen in Höhe von 1200 Kronen erließ. Abgerufen am 22. November 2020. Wohltätig zeigte er sich dabei nicht nur beim lokalen Krankenhausverein, sondern spendete im nachfolgenden Frühjahr auch für den Erweiterungsbau des Spitals der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Linz. Abgerufen am 22. November
Im Juli 1901 wurde bekannt, dass Stoll und seine Ehefrau, die als die größten Förderer und Gönner des Baus der Pfarrkirche in Aigen galten, den von der Linzer Filiale des in Innsbruck ansässigen Unternehmens Josef Linser & Söhne in den Jahren 1897 bis 1901 ausgeführten Hochaltar aus Carrara-Marmor der Kirche gespendet haben. Abgerufen am 22. November 2020. Als im Jahre 1901 das sogenannte „Steigerhaus“ der Freiwilligen Feuerwehr bei der Adresse Dreisesselbergstraße 2 in Aigen errichtet wurde, übernahm Stoll auch hier die Errichtungskosten. Abgerufen am 22. November 2020. Von der Uniformierten privilegierten Bürgergarde Aigen-Schlägl wurde er noch im selben Jahr, anlässlich seines 49. Geburtstags, zu deren Ehrenmitglied ernannt. Abgerufen am 22. November 2020. Nachdem sich Stoll in den Jahren davor schon bei der Finanzierung des Ausbaus der Mühlkreisbahn und deren Anbindung verdient gemacht hatte, übernahm Stoll zusammen mit dem Vizebürgermeister von Budweis Anfang des Jahres 1902 die vakant gewordenen Leitung des Exekutivkomitees zum Bahnbau Aigen – Budweis. Abgerufen am 22. November 2020. Ebenfalls in diesem Zeitraum wurde Stoll in einem anderen Fall wegen Ehrenbeleidigung angeklagt, jedoch kurz darauf freigesprochen. Abgerufen am 22. November 2020.
Weiters setzte sich der aus Südtirol stammende Leinenfabrikant für den Katholischen Pressverein Oberösterreichs ein und unterstützte diesen beim Ausbau der im Jahr 1902 erworbenen Liegenschaft in der Linzer Landstraße. Abgerufen am 22. November 2020. Abgerufen am 22. November 2020. Im März 1902 erfolgte Stolls Wahl in die oberösterreichische Handels- und Gewerbekammer, wo er Mitglied der Gewerbesektion war. Abgerufen am 22. November 2020. Am 19. Mai 1922 fand durch Abt Norbert Schachinger eine Fahnenweihe statt; die Familie Stoll hatte der örtlichen Bürgergarde eine neue Fahne übergeben; als Fahnenmutter fungierte Maria Stoll. Abgerufen am 22. November 2020.Die Bürgergarde Aigen-Schlägl, abgerufen am 22. November 2020. Über einen Großteil des Jahres 1903 war Stoll mit einer weiteren Ehrenbeleidigungsklage in den österreichischen Medien, wobei diesmal er sich als Opfer sah und einen Berichterstatter und Journalisten des Neuen Wiener Journals vor dem Schwurgericht in Wien verklagte, Abgerufen am 22. November 2020. Abgerufen am 22. November 2020. worüber mitunter sogar in der Ostdeutschen Rundschau berichtet wurde. Abgerufen am 22. November 2020. Am 30. September 1903 wurden die angeklagten Herrschaften des Neuen Wiener Journals vor dem Schwurgericht Wien freigesprochen, was in weiterer Folge in den meisten österreichischen Zeitungen abgedruckt wurde. Abgerufen am 22. November 2020. Eineinhalb Jahre nachdem der Zeitungsartikel, der den Anstoß zur Klage gegeben hatte, veröffentlicht worden war, wurde die Richtigkeitsbeschwerde – Stoll hatte nach dem Freispruch der Journalisten Einspruch eingelegt – von Stoll selbst im März 1904 zurückgezogen und diese Sache somit niedergelegt. Abgerufen am 22. November 2020.
1903 unterstützte er mit einer Spende das sechs Jahre zuvor fertiggestellte Bischöfliche Gymnasium Petrinum am Fuße des Pöstlingberges in Linz. Abgerufen am 22. November 2020. Durch Bemühungen von Simon Stoll und Adalbert Swoboda wurde im Mai 1903 ein Musikverein, der heute noch immer existierende MV Aigen-Schlägl, gegründet und Stoll zu dessen Obmann gewählt. Abgerufen am 22. November 2020. Im selben Monat trat Stoll seine dritte Amtszeit als Bürgermeister von Aigen an. Abgerufen am 22. November 2020. Einen Monat später wurde der Bürgermeister zum stellvertretenden Obmann des Aigener Ortsschulrates gewählt. Abgerufen am 22. November 2020. Vom k.k. Eisenbahnministerium erhielten Stoll als Bürgermeister von Aigen, der ebenfalls in Aigen ansässige Brauereibesitzer Heinrich Almesberger und der Fabriksbesitzer und Bürgermeister von Rohrbach Rudolf Pöschl im Sommer 1904 die Vorkonzession zur Vornahme technischer Vorarbeiten für eine normalspurige Lokalbahn von der Station Aigen-Schlägel der Mühlkreisbahn über Schwarzbach nach Stuben oder einer anderen geeigneten Station der Staatsbahnlinie Budweis – Salnau auf die Dauer eines Jahres. Abgerufen am 22. November 2020. Ein Jahr später wurde diese Bewilligung um ein weiteres Jahr bis zum 8. August 1906 verlängert. Ebenfalls im Jahr 1905 spendete Stoll der Volksschule von Aigen eine Schulglocke. Abgerufen am 22. November 2020.
Im Oktober 1905 erfolgte Simon Stolls Wiederwahl in die oberösterreichische Handels- und Gewerbekammer, wo er Mitglied der Gewerbesektion war. Abgerufen am 22. November 2020. Im Jahr 1906 verlängerte ihm das k.k. Eisenbahnministerium die Vorkonzession für die Bahnarbeiten abermals um ein Jahr; weitere einjährige Verlängerungen erfolgten daraufhin auch 1907, 1908, 1909, 1910, Abgerufen am 22. November 2020. 1911, 1912, Abgerufen am 22. November 2020. und auch ein Jahr vor seinem Ableben, im Jahr 1913. Abgerufen am 22. November 2020. Ebenfalls 1906 übernahm Stoll seine vierte Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Aigen und wurde abermals zum stellvertretenden Obmann des Ortsschulrates gewählt. Abgerufen am 22. November 2020. Abgerufen am 22. November 2020. Gegen Jahresende 1907 ließ das Ehepaar Stoll, das einst den Hochaltar der Pfarrkirche Aigen gespendet hatte, ebendiesen seitlich verbreitern, sodass dieser sich in weiterer Folge besser in das Presbyterium einfügte. Abgerufen am 22. November 2020. Im darauffolgenden Jahr spendete er unter anderem anlässlich des 60. Thronjubiläums von Kaiser Franz Josef an das Kaiserjubiläums-Wohltätigkeits-Landeskomitee. Abgerufen am 22. November 2020. Bei der Kaiser-Jubiläums-Ausstellung, die vom 10. bis zum 12. Oktober 1908 in Linz stattfand, wurde Stoll mit der Silbernen Medaille der k.k. oberösterreichischen Landwirtschaftsgesellschaft ausgezeichnet. Abgerufen am 22. November 2020. Ebenfalls im Oktober 1908 fand unter Stolls Amtszeit die Elektrifizierung der Marktes Aigen statt. Abgerufen am 22. November 2020.