William Beeston (* zwischen 1606 und 1611; † 24. August 1682) war ein Schauspieler des 17. Jahrhunderts. Ab 1638 folgte er seinem Vater Christopher Beeston ins Theatermanagement und gilt als umtriebiger Theatermacher, insbesondere in der Zeit der Schließung der Londoner Theater zwischen 1642 und 1660.
Anfänge William wuchs auf im Theaterumfeld seines Vaters, wurde Schauspieler und stand ihm im Management seiner beiden Häuser Cockpit Theatre (eigentlicher Name Phoenix Theatre) und Red Bull Theatre zur Seite. Dies beinhaltet auch die Leitung der verschiedenen Theaterkompanien, welche über die Jahre in seinen Theatern engagiert waren. Namentlich die Beeston’s Boys, welche sein Vater noch ein Jahr vor seinem Tode ins Leben rief und ein großer Erfolg wurden. Als er 18 Jahre alt war, könnte er sich unter dem Namen William Bee den Lady Elizabeth’s Men angeschlossen haben. Zumal diese auch bei seinem Vater unter Vertrag waren. Im November 1632 wandte William sich zusammen mit dem Theatermanager William Blagrave (welcher auch Assistent des amtierenden Master of the Revels war) mit einer Petition an den Lord Chamberlain, um das Sorgerecht für einen jungen Schauspieler namens Stephen Hammerton zu erwirken, welcher in zunächst prekären Verhältnissen bei einer anderen Theatergruppe unter Vertrag war. Sie blieb jedoch erfolglos. Hammerton blieb bei den King’s Men und arbeitete die folgenden zehn Jahre bis 1642 als alle Londoner Theater behördlich und dauerhaft geschlossen wurden.G. E. Bentley: The Salisbury Court Theater and Its Boy Players. In: Huntington Library Quarterly, Februar 1977, Vol. 40, Nr. 2, S. 143–144 und 148–149.
Als im Oktober 1638 Christopher Beeston starb, vermachte er seiner zweiten Frau Elizabeth und William das Theater, einige Grundstücke und die Geschäftsanteile an den Beeston’s Boys.Sie bestätigt in einer Kanzleibeschwerde von 1651, dass „Christopher Beeston durch seinen letzten Willen schriftlich die gesamte Laufzeit und das Interesse und den Nachlass des besagten Christopher mit dem besagten Mietvertrag an diesen Angeklagten gegeben und vermacht hat … [und] sie … nach dem Tod des besagten Christopher Beeston betrat sie die besagten Räumlichkeiten und besaß diese rechtmäßig“, hinterlegt in Eintrag NA C10 35/2 des The National Archives Trotz tatkräftiger Unterstützung seiner Stiefmutter bewies William aber kein gutes Händchen in der Führung. So brachten seine Beeston’s Boys im Frühjahr 1640 ein Theaterstück auf die Bühne, welches beleidigende Inhalte gegenüber dem Umfeld von Königin Henrietta darbot. Namentlich sollen in der Aufführung – es wird vermutet, dass es sich um das Stück The Court Beggar von Richard Brome handelte – der Höfling und Poet John Suckling und William Davenant satirisch kritisiert worden sein.Andrew Gurr: The Shakespearean Stage 1574–1642. 3. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 1992. S. 64. (Anderen Quellen zufolge soll die Niederlage des Königs bei der Niederschlagung der schottischen Presbyterianer im sogenannten Bischofskrieg 1639 Ziel des Spotts gewesen sein.) Obgleich Beeston seit Längerem den für das Theater- und Zensurwesen zuständigen Behördenleiter, Master of the Revels Henry Herbert, mit Zuwendungen bedachte (u. a. ein Paar Samthandschuhe für seine Frau zu 20 Schillingen) kam dieser nicht umhin, Beeston am 5. Mai 1640 ins Marshalsea-Gefängnis zu überstellen. Am 27. Juni 1640 setzte er per königlichem Dekret William Davenant, der sich zuvor schon vergeblich um einen Theaterneubau in der Fleet Street bemühte, als Leiter des Cockpit-Theaters ein. Jedoch war der königsergebene Davenant auch politisch recht umtriebig, plante sogar eine Gefangenenbefreiung und die gewaltsame Besetzung des Towers (siehe Army Plots (1641)) und hatte wenig Zeit für die Leitung des Theaters. Folgerichtig waren die Vorstellungen der Beeston’s Boys nicht so erfolgreich, wie unter ihrem Namensgeber.Gerald Eades Bentley: The Jacobean and Caroline Stage. Band 1. Clarendon, Oxford 1941. Die Behörden sahen dies natürlich nicht voraus. Als Davenant im Jahr darauf aus England fliehen musste, waren die Behörden gezwungen, William Beeston wieder einzusetzen. Gegen Kaution wurde dieser aus dem Gefängnis entlassen und übernahm wieder die Geschäfte des Phoenix (Cockpit).
Familie
Beeston nutzte, wie zuvor sein Vater, zu verschiedenen Anlässen den Nachnamen Hutchinson. Möglicherweise war dies sogar der wahre Familienname und Beeston nur ein Künstlername. William Beeston heiratete ausweislich der Aufzeichnungen seiner Pfarrgemeinde St. Giles in the Fields am 28. Oktober 1633 unter dem Namen Beeston Margaret Howson und am 15. Juli 1642 als Hutchinson („William Hutchinson alias Beeston“) Alice Bowen, eine wohlhabende Kaufmannswitwe (welche Beeston viele Investitionen ermöglichte). Die Pfarr-Aufzeichnungen belegen zwischen 1637 und 1647 auch die Taufen und später auch die Beerdigungen von acht Beeston-Kindern (u. a. George, Sackfield (oder Sackville, 1654 zu Ehren seines verstorbenen Gönners Edward Sackville getauftLeslie Hotson: The Commonwealth and Restoration Stage. Harvard University Press, Cambridge MA 1928.), Anne, Jane (getauft 1. April 1644; beerdigt 25. Juni 1647)Gerald Eades Bentley: Players in the Parish of St. Giles in the Fields. In: Review of English Studies, April 1930, Ausgabe 6, No. 22, S. 149–166 und 152–153.). Sein Sohn George hatte einen Sohn, welcher ebenfalls Schauspieler wurde: Beneniah Beeston, Testamentslegung 26. März 1742. George starb vor seinem Vater und wurde am 12. November 1677 in der Pfarrgemeinde St. Leonard in Shoreditch zu Grabe getragen.
Während der Londoner Theaterschließung
Nach der Schließung der Londoner Theater (1642) versuchte Beeston sein Projekt der Beeston’s Boys zu erhalten. 1650, nach einer Einigung mit seiner Stiefmutter und ihrem neuen Mann Lewis Kirke (ein Offizier und Bruder von David Kirke), welche die Geschäfte des Cockpit vollends übernommen hatten, wandte er £200 auf, um das Cockpit Theatre zu reparieren, und versammelte um sich eine Gruppe von „Lehrlingen und Festangestellten, um sie in den Qualität des Schauspiels zu unterweisen und für die Bühne zu ertüchtigen“, wie er es später in einer Zeugenaussage nannte.Michael Shapiro: The Introduction of Actresses in England: Delay or Defensivess? In: Vivana Comensoli, Anne Russell (Hrsg.): Enacting Gender on the English Renaissance Stage. University of Illinois Press, Champaigne IL 1998, S. 184. Zitat: „a group of prentices and covenant servants to instruct them in the quality of acting and fitting for the stage“ Seine Mühen waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt, da die von den Puritanern geführten Behörden dem Theater weiterhin feindlich gegenüber standen.
Offensichtlich unterstützte Beeston den König nicht militärisch wie seine Schauspiellehrlinge Michael Mohun, Robert Shatterel und Nicholas Burt vor 1647, und es gibt auch keine Beweise dafür, dass er sich dem Hof von Prinz Charles im Exil anschloss (wie etwa George Jolly). Die Erklärung der Treue während der Kriege war wohl eine zutiefst persönliche Angelegenheit und die Erinnerung an seine Inhaftierung durch die Regierung des Königs im Jahr 1640 könnte Beeston veranlasst haben, politisch neutral zu bleiben. Eine solche Haltung würde mit seiner offensichtlichen Weigerung vereinbar sein, sich offen royalistischen Schauspielern anzuschließen, als sie sich 1646 und 1647 in London neu formierten.
Salisbury Court Theatre
Beeston beabsichtigte eindeutig, auch während der verfügten Untersagungen einen funktionierenden Spielbetrieb wiederherzustellen und er lernte offenbar aus seiner bitteren Erfahrung von 1640 eine Lektion über den Wert der Schirmherrschaft (Patronage). Er bemühte sich das Salisbury Court Theatre zu erwerben und ebenso um seine soziale Vertrautheit mit dem alternden Edward Sackville, 4. Earl of Dorset und amtierender Lord Chamberlain of the Household (1642–1649). Denn 1648 plante der bisherige Pächter des Salisbury Court, John Herne, das Theater in ein Brauhaus umzuwandeln. Das wollte der Grundstückseigner Sackville nicht zulassen und bot Beeston den Mietvertrag an. Hierfür war er auch willens Schulden von 700 Pfund, die Sackville dem Händler Thomas Bowen, Alice Beestons verstorbenem Ehemann, schuldete, zurückzuzahlen.National Archive: C10/53/7 Dies war vorerst jedoch nur eine Absichtserklärung, weshalb Beeston in Vorkasse ging und aus seinen Mitteln, wozu auch Verpfändungen gehörten, begann das Theater zu übernehmen. Jedoch wurde es wenige Monate, am 30. Januar 1649 aufgrund der Verschärfung der politischen Situation (der König wurde an diesem Tage hingerichtet) von Parlamentssoldaten stark beschädigt und somit unbespielbar gemacht. Zudem erkrankte sein Gönner und starb im Sommer 1652. Sein Sohn und Erbe führte die Geschäfte weiter und hielt sich auch weitgehend an die Abmachungen. Er brachte aber zusätzliche Anforderungen hinein, wonach ein Garten angelegt werden musste. Am 24. März 1653 bertrug der Earl das Theater an Theophilus Bird für £480. Beeston verpfändete weitere Objekte aus seinem Besitz um die Bedingungen des Erls zu erfüllen. So musste er auch auf seine Kosten (300 £) die Dachöffnungen wieder schließen lassen, die der Vorgänger im Zuge seines Brauhausvorhabens anlegte. Genau das aber brachte Beeston an das Ende seiner finanziellen Leistungsfähigkeit und die Bauarbeiten wurden eingestellt. Dies veranlasste Sackville dazu den Pachtvertrag wieder zurückzuziehen. Zudem verließ er das Land um eine Rundreise durch Frankreich zu unternehmen. Einige Forscher nehmen an, dass das Salisbury Court Theatre in der Zeit von 1652 bis 1658 als stillgelegte Baustelle brach lag.Philip H. Highfill: A Biographical Dictionary of Actors, Actresses, Musicians, Dancers, Managers & Other Stage Personnel in London, 1660–1800. Southern Illinois University Press, 2006 Andere Quellen belegen aber, dass Beeston und Bird in dieser Zeit sehr wohl Stücke im Salisbury Court Theatre auf die Bühne brachten. So soll Beeston Kontakt zur Sackvilles Ehefrau Lady Frances Cranfield aufgenommen haben, der die Objektverwaltung ihres Mannes oblag. Sie soll Beeston die Nutzung des Theaters schließlich erlaubt haben.National Archives C6/297/123
Beschuldigung des Verrats