Graveland ist eine Pagan-Metal-Band aus Polen, die ihre Ursprünge jedoch im Black Metal der zweiten Welle hat und aufgrund ihrer ideologischen Ausrichtung auch dem NSBM zugeordnet wird.

Biografie Graveland wurde im Winter 1991 beziehungsweise 1992 als Soloprojekt von Robert „Rob Darken“ Fudali gegründet. Inspirationsquelle waren zunächst Emperor und Bathory. In dieser Zeit entstanden die ersten Demos Necromanteion und Drunemeton. 1993 schloss sich Capricornus als „permanenter Session-Schlagzeuger“Bob Witlox: . der Band an. Im selben Jahr wurde dann das erste gemeinsame Demo In the Glare of Burning Churches aufgenommen und veröffentlicht, dessen Titel sich affirmativ auf die durch die norwegische Black-Metal-Szene begangenen Kirchenbrandstiftungen bezieht. Vom norwegischen Inner Circle inspiriert, entstand in Polen die Gruppierung The Temple of the Fullmoon, zu dessen Gründern Nergal (Behemoth), Blasphemous (Veles) und Venom (Xantotol) gehörten. Darken bezeichnete ihn als idealistischere Kopie des norwegischen Zirkels und als „einzigst [sic!] wahre satanische Organisation in Polen“. Neben den Gründern gehörten außerdem die an Graveland angeschlossene Gruppe Infernum sowie die Bands Mysteries, Fullmoon, Kohort, Perunwit, Dark Storm, Midnight und Pagan Temple an. Nach dem Bruch mit Behemoth nahm die Organisation einen Wandel zum Rechtsextremismus an.

1994 schloss sich Karcharoth der Band an und mit ihm wurde noch im selben Jahr das Demo The Celtic Winter aufgenommen, welches vom Label No Colours Records als EP veröffentlicht wurde. Die damals begonnene Zusammenarbeit mit dem Label dauert noch bis heute an. Ein paar Monate später veröffentlichte das Label Eternal Devils Records das Album Carpathian Wolves.

Im selben Jahr erschien auch das erste Album von Karcharoths Projekt Infernum mit dem Titel …Taur-Nu-Fuin…, bei dem er von Rob Darken und Capricornus unterstützt wurde. Aufgrund rechtsextremer Inhalte auf diesem Album und im Booklet wurde die polnische Polizei auf Infernum aufmerksam und begann mit Untersuchungen. Laut Darken erlitt Karcharoth einen Nervenzusammenbruch und sagte gegen die anderen Mitglieder der Band aus, womit er Darken zufolge diesem und Capricornus „ernsthafte Probleme“ bereitete. Außerdem habe Karcharoth seine politischen Vorstellungen wöchentlich geändert und sich von der rechtsextremen Szene ab- und linken Ideen zugewandt. Er begann laut Darken mit „Anti-Graveland-Kampagnen“ und beschuldigte ihn und Xanquoreth von Fullmoon des Mordversuches an seiner Person. Im Herbst 1997 soll Karcharoth in eine psychiatrische Klinik eingeliefert worden sein Darken zufolge war er schizophren und plante, nach Norwegen zu reisen, um den Darkthrone-Schlagzeuger Fenriz zu ermorden. Karcharoth starb in der Walpurgisnacht. oder am 7. Mai. 2004 durch Suizid.

Im Zuge der Veröffentlichung dieses Albums bekam Graveland zunehmend Aufmerksamkeit durch größere Metal-Labels. So schloss die Band einen Vertrag mit dem österreichischen Label Lethal Records, auf dem 1995 das Album Thousand Swords erschien. Es gilt bei vielen Anhängern der Band bis heute als beste Veröffentlichung und in der Black-Metal-Szene als Klassiker.

1995 verkündete Darken gegenüber dem Ablaze: „Wir unterstützen alle Terroraktivitäten gegen das Christentum und die Demokratie! […] Lass die Judenverschwörung uns nicht zerstören! […] Der deutsche Kriegsgeist muss erwachen! Das arische Europa wird sterben, wenn wir nicht erwachen!“ Infolgedessen kündigte das Label Lethal Records der Band. Michael Piesch von Lethal Records verkündete noch in derselben Ablaze-Ausgabe: „Vollidioten wie Rob Darken (deren Vorfahren wahrscheinlich selbst Juden waren) tragen dazu bei, die gesamte Szene in ein schlechtes Licht zu rücken.“ Darken gründete daraufhin sein eigenes Label Isengard (später Eastclan), auf dem er kurz darauf Thousand Swords als MC wiederveröffentlichte. Im Begleitheft heißt es: „Isengard-Produkte sind Anti-Osmose-Nuclear-Blast-Lethal, gegen diese jüdische Business-Verschwörung.“Graveland: Thousand Swords. MC, Isengard Distribution. Zitiert nach: Unheilige Allianzen. S. 322. Ironischerweise erschien 1995 der Graveland-Titel Born for War auf Nuclear Blast Soundcheck – Series Volume 2. Auch in Interviews sprach er sich gegen Labels wie Osmose Productions und dort unter Vertrag stehende Bands wie Immortal aus und gab weiterhin offen rechtsextreme Äußerungen von sich, wie 1996 gegenüber dem Dark Philosophies: „Ich kämpfe mit den Ideen, die den heiligen arischen heidnischen Krieg gegen das Judeo-Christentum unterstützen. […] Auschwitz wartet nachwievor auf die Tage seines neuerlichen Ruhms.“ Gegenüber dem Pit magazine gab er eine Vermischung heidnischer und neonazistischer Ideologie von sich:

Graveland veröffentlichte aufgrund der Probleme mit Karcharoth und der Nachwirkungen erst wieder im Jahr 1997 neue Musik, in Form des Albums Following the Voice of Blood, welches bei den Anhängern jedoch nicht den gleichen Zuspruch erhielt wie das Thousand-Swords-Album.

Auf der 1999er-Veröffentlichung Immortal Pride war die Musik, wie Filmmusik (auf der MySpace-Seite Gravelands gab Darken die Bands Bathory, Manilla Road, In the Woods… und die Filmmusik zu Conan der Barbar als Einflüsse an), sehr viel epischer und bombastischer. Keyboards und Chöre wurden in großem Maße eingesetzt, und die Lieder wurden deutlich länger, so besteht das Immortal-Pride-Album aus nur vier Liedern, wovon zwei als Intro beziehungsweise Outro fungieren. Die anderen beiden Songs sind ihrerseits etwa 24 und 17 Minuten lang. Da Capricornus sich mit Darkens neuer musikalischer Ausrichtung nicht identifizieren konnte, verließ er Graveland und begann, sich stärker eigenen Ideen zu widmen. Das Verhältnis der beiden Musiker ist laut Capricornus jedoch weiterhin gut. Capricornus führte danach neben seinem bereits vor dem Ausstieg existierenden Label Capricornus Prod. die Soloprojekte Capricornus und Thor’s Hammer und veröffentlichte ein Magazin namens Into the Pentagram. Inzwischen hat er sich aus der Szene zurückgezogen.Kris Boehmunde: THOR’S HAMMER. „May the Hammer smash the Cross“. In: A-blaze. Nr. 4, Mai/Juni 2008, S. 51.

Im Winter 1999/2000 schrieb Rob Darken Musik für eine Veröffentlichung mit der rechtsextremen und ebenfalls aus Polen stammenden Band Honor, welche unter dem Titel Raiders of Revenge bei Resistance Records auf CD und in Polen bei Triskelon Records auf Kassette erschien. Im Jahr 2000 erschien dann das Album Creed of Iron, welches den auf Immortal Pride eingeschlagenen Weg weiterführte. Darken arbeitete ab diesem Album ohne Capricornus am Schlagzeug weiter.

2001 erschien die Mini-CD Raise Your Sword! und 2002 das Album Memory and Destiny, wobei beide Veröffentlichungen ebenfalls sehr episch ausfielen. Mit dem Album In the Fire of Awakening von 2003 manifestierte Darken seine Form des Pagan Metal, die für Graveland typisch ist und setzte diesen Stil auch auf dem 2004er-Album Dawn of Iron Blades fort.

Im September 2008 wurden vier Graveland-Veröffentlichungen durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert (Liste B).BAnz. Nr. 148 vom 30. September 2011.

Graveland hat ein bekanntes Seitenprojekt, Lord Wind, dessen Musik Darken und No Colours Records zufolge von der Musik des Mittelalters, Folk, Dead Can Dance und der Filmmusik zu Conan der Barbar beeinflusst ist. Darken ist bzw. war neben Infernum in einige weitere Gruppen involviert, darunter die Bands Veles, Thoth und Legion.

Graveland spielte bis 2015 nicht live, kündigte aber 2015 erste Live-Auftritte an. 2015/2016 fanden sowohl lokale Auftritte als auch solche unter anderem auf dem finnischen Steelfest und dem französischen Ragnard Rock Fest statt. Am 25. Dezember 2017 trat Graveland erstmals in Deutschland auf.

Stil Zu Beginn spielte die Band einen sehr rohen, langsamen oder mittelschnellen, aber recht aggressiven Black-Metal-Stil mit rauem Gesang und einer vom Einsatz des Keyboards ausgehenden, dunklen Atmosphäre.Michel Renaud: Classic Review: Graveland – In The Glare Of Burning Churches. Graveland spielten eine Kombination von schnellen hardcore-lastigen Riffs ähnlich denen von Discharge, welche sich mit epischen, Walzer-artigen Passagen abwechselten.. Darken verwendet hier einen der Kirchenorgel nachempfundenen Keyboard-Klang, während auf späteren Werken Chor-ähnliche Keys dominieren. Die Alben Thousand Swords und Following the Voice of Blood markierten den Anfang der Entwicklung zur Pagan-Metal-Band. Diese Alben gelten als die besten von Graveland.Lars Christiansen: Graveland – Thousand Swords Review. Auf ihnen waren ein dünner, wenig verzerrter, aber trotzdem sehr roher Gitarrenklang sowie sphärische Keyboards zu finden.. Als einzigartig gilt das an Pferdegalopp erinnernde Schlagzeug.Alex Donks: .

Ab 1998 setzte Darken auf starke Einflüsse aus Filmmusik und Bathorys Viking-Metal-Phase, nutzte aber weiterhin durchgängig gutturalen Gesang; lediglich auf Immortal Pride wird epischer Klargesang eingesetzt. Trotz des Stilwechsels erschien im selben Jahr eine EP mit zwei Neuaufnahmen alter Stücke im Black-Metal-Stil, aber mit Elementen aus der neuen Phase der Band. Durch den Ausstieg von Capricornus wurde die Musik zunächst statischer und langsamer, auf den beiden letzten Alben wird aber wieder schnelleres Schlagzeugspiel eingesetzt.Hannes: CD-Reviews / Graveland – Creed of Iron.Alex Donks: . Das Keyboardspiel späterer Alben diente als Grundlage für das Seitenprojekt Lord Wind. Der Stil von Graveland wurde mit dem von Bathory zu Zeiten ihrer Hammerheart-Ära verglichen, die Melodien auch mit denen von Emperor.

Ideologischer Hintergrund Die Texte Gravelands sind zwar nicht eindeutig rechtsradikal, dennoch wird Graveland zu den Gruppen der NSBM-Bewegung gezählt. Dies liegt vor allem an der Einstellung und den rechtsextremen Aussagen, die die Band immer wieder in Interviews wiedergibt, aber auch an ihrer Mitgliedschaft im NSBM-Netzwerk The Pagan Front. Darken betrachtet sich selbst als Heiden und sieht im Christentum den größten Feind für die „weißen Europäer“. Er strebt eine Rückkehr der weißen Europäer zu dem angeblichen Erbe ihrer Ahnen an. Dabei ist seine Interpretation eines Neuheidentums von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Verschwörungstheorien geprägt. So spricht er sich beispielsweise ausdrücklich gegen „Rassenmischung“ aus. Auf der EP Raise Your Sword! von 2001 wird das Heidentum zur „arteigenen“, für den weißen Europäer universell und unumstößlich gültigen (Natur-)Religion erklärt: „Heidentum oder vielmehr ethnische, natürliche Glaubensvorstellungen und Religionen sind Bestandteil unserer Natur, Teil unseres rassischen Erbes.“Graveland: Raise Your Sword! MCD, No Colours Records, 2001. Zitiert nach: Unheilige Allianzen. S. 120.

Darkens ehemaliger Bandkollege Capricornus vertrat ebenfalls oft rechtsextreme und rassistische Standpunkte. Darken selbst arbeitet außerdem mit rechtsextremen Plattenvertrieben und Skinhead-Bands wie Honor aus Polen zusammen. Weiterhin hat beispielsweise Hendrik Möbus von Absurd den Text zu White Hand’s Power für Graveland beigesteuert. Für ihn, wie auch für Varg Vikernes und Timothy McVeigh (durch einen Text von William Luther Pierce), finden sich Ehrbezeugungen auf der Webseite Gravelands. Als Inspiration dienen zudem die von David Eden Lane gegründeten, neonazistisch-neuheidnischen Gruppen Wotansvolk und Temple of Wotan.