Die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 1966 diente zur Ermittlung der Teilnehmer an der Endrunde in England.
Übersicht mini|453px|Teilnehmer der Qualifikation zur WM 1966 Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1966 in England hatten insgesamt 71 Mannschaften gemeldet, darunter
31 Mannschaften aus Europa, 16 Mannschaften aus Afrika, 4 Mannschaften aus Asien (2 aus dem Nahen und 2 aus dem Fernen Osten), 1 Mannschaft aus Ozeanien, 10 Mannschaften aus Südamerika und 9 Mannschaften aus Nord- und Mittelamerika.
Neben den 71 gemeldeten Mannschaften hatten noch drei weitere Mannschaften Interesse bekundet. Doch die Philippinen durften nicht teilnehmen, da sie die Meldegebühr nicht bezahlt hatten, Guatemala überschritt die Meldefrist und die Demokratische Republik Kongo reichte ihre angekündigte schriftliche Meldung nicht ein. Die Meldezahl von 71 Mannschaften bedeutete erneut einen Teilnehmerrekord. Da Titelverteidiger Brasilien und Veranstalter England direkt qualifiziert waren und die WM-Endrunde mit 16 Mannschaften ausgetragen wurde, standen für die verbleibenden 69 Mannschaften 14 freie Endrundenplätze zur Verfügung.
Diese wurden wie folgt an die verschiedenen Kontinentalverbände verteilt:
Titelverteidiger: Gastgeber: 9 an Europa 3 an Südamerika 1 an Nord- und Mittelamerika 1 an Asien und Afrika
Aufgrund der Tatsache, dass die FIFA für 19 afrikanische, asiatische und ozeanische Länder nur einen Endrundenplatz zuließ, zogen aus Protest bereits im Vorfeld der Qualifikationsspiele 15 afrikanische Mannschaften sowie eine aus Asien ihre Meldungen zurück. Hinzu kam noch eine weitere asiatische Mannschaft, die sich aus anderen Gründen zurückzog. Zudem wurde Südafrika wegen seiner Apartheidspolitik von der FIFA auf Druck der übrigen afrikanischen Nationen suspendiert. So nahmen am Ende insgesamt 53 Mannschaften an den Qualifikationsspielen teil. Konföderationsübergreifende Qualifikationsspiele, wie bei der letzten WM-Qualifikation gab es diesmal nicht. Allerdings wurden Syrien und Israel aus geographischen Gründen in die Europa-Qualifikation eingegliedert.
Europa 150px|links|Europäische Zone Da England als Gastgeber schon qualifiziert war, blieben 30 europäische Nationalmannschaften übrig. Diese spielten gemeinsam mit zwei asiatischen Mannschaften, die der Europaqualifikation zugeordnet worden waren, um neun freie WM-Plätze. Die 32 Mannschaften wurden in neun Gruppen aufgeteilt. Fünf Gruppen spielten dabei mit vier und vier Gruppen mit jeweils drei Mannschaften. Die jeweiligen Gruppensieger waren direkt für die WM qualifiziert. Bei Punktgleichheit auf dem ersten Rang entschieden nicht die Tore, sondern es gab ein Entscheidungsspiel auf neutralem Boden.
Mit der Tschechoslowakei und Jugoslawien konnten sich erneut die beiden besten europäischen Mannschaften der letzten WM nicht für die Endrunde qualifizieren.
Gruppe 1 In Europa-Gruppe 1 wurde der letzte der 16 Endrundenteilnehmer ermittelt. Erst am 29. Dezember 1965 stand mit Bulgarien der sechzehnte WM-Teilnehmer fest. Die Dramaturgie der Qualifikationsspiele in dieser Gruppe erinnerte stark an die der Europa-Gruppe 3 der Qualifikation 1962. Denn schon damals gab es ein Entscheidungsspiel mit bulgarischer Beteiligung, schon damals fand das Spiel in Italien statt, schon damals war Bulgarien der Außenseiter und schon damals stand Bulgarien am Ende als der lachende Sieger da. Vor dem Spiel hatten die meisten Experten auf Belgien getippt. Zwar hatten die Belgier ihre erste Begegnung gegen die Bulgaren in Sofia deutlich mit 0:3 verloren, doch gab es einen Monat später mit einem überaus beeindruckenden 5:0 der Belgier die große Revanche. Es war der große, damals 23-jährige Stürmerstar der Bulgaren, Georgi Asparuchow, der mit zwei Toren innerhalb von nur 53 Sekunden in der 19. und 20. Spielminute die Träume der Belgier beendete. Am Ende hieß es 2:1 für Bulgarien, das damit zum zweiten Mal an einer WM-Endrunde teilnahm.
Tabelle
Spielergebnisse 09.05.1965 Brüssel Belgien – Israel 1:0 (1:0) 13.06.1965 Sofia Bulgarien – Israel 4:0 (2:0) 26.09.1965 Sofia Bulgarien – Belgien 3:0 (2:0) 27.10.1965 Brüssel Belgien – Bulgarien 5:0 (1:0) 10.11.1965 Tel Aviv Israel – Belgien 0:5 (0:3) 21.11.1965 Tel Aviv Israel – Bulgarien 1:2 (0:1)
Entscheidungsspiel
Gruppe 2 Die Bundesrepublik Deutschland hatte in der Qualifikation gegen Schweden und Zypern einige Mühe. Nachdem die deutsche Mannschaft in ihrem ersten Spiel zu Hause gegen Schweden nur 1:1 gespielt hatte, schien die Qualifikation durchaus in Gefahr. Rudolf Brunnenmeier von TSV 1860 München hatte die deutsche Mannschaft zwar in Führung gebracht, doch konnte der Italien-Profi Kurt Hamrin (noch bekannt von der WM 1958 in Schweden) kurz vor Schluss den Ausgleich für Schweden besorgen. Damit musste die Entscheidung im Rückspiel am 26. September 1965 in Stockholm fallen. Bei diesem Spiel machte Franz Beckenbauer vom Bundesliga-Aufsteiger FC Bayern München sein erstes Länderspiel. Die Schweden gingen durch Jonsson in der 44. Minute in Führung, doch Werner Krämer konnte im Gegenzug bereits ausgleichen. Uwe Seeler erzielte in der 54. Minute den 2:1-Siegtreffer für die deutsche Mannschaft und sorgte damit für die Vorentscheidung in der Qualifikation.dfb.de: „Sieg in Schweden: Uwe Seeler öffnet das Tor zur WM 1966“
Tabelle
Spielergebnisse 04.11.1964 Berlin BR Deutschland – Schweden 1:1 (1:0) 24.04.1965 Karlsruhe BR Deutschland – Zypern 5:0 (3:0) 05.05.1965 Norrköping Schweden – Zypern 3:0 (1:0) 26.09.1965 Stockholm Schweden – BR Deutschland 1:2 (1:1) 07.11.1965 Famagusta Zypern – Schweden 0:5 (0:4) 14.11.1965 Nikosia Zypern – BR Deutschland 0:6 (0:2)
Gruppe 3 Für Frankreich war die Auslosung der Qualifikationsgruppen ein Schock, denn Jugoslawien war der ausgewiesene Angstgegner der Franzosen. Vier Mal stand Frankreich bei Welt- und Europameisterschaften den Jugoslawen gegenüber und vier Mal war man am Ende der Verlierer. Und auch diesmal schien sich die Erfolglosigkeit der Franzosen zu wiederholen – verlor man doch das erste Duell gegen den „Angstgegner“ in Belgrad mit 0:1. Doch dann wendete sich das Blatt: Jugoslawien erlebte beim krassen Außenseiter Norwegen mit 0:3 ein regelrechtes Debakel, während Frankreich drei Monate später an gleicher Stelle mit 1:0 siegreich blieb. Und drei weitere Wochen später konnten die Franzosen im Heimspiel gegen Jugoslawien durch einen 1:0-Sieg den Bann endlich brechen. Für die zweiterfolgreichste europäische Mannschaft der vorherigen Weltmeisterschaft bedeutete dies den endgültigen K.O. Am Ende landete man sogar hinter den überraschend starken Norwegern nur auf Rang 3.
Tabelle
Spielergebnisse 20.09.1964 Belgrad Jugoslawien – Luxemburg 3:1 (2:0) 04.10.1964 Luxemburg Luxemburg – Frankreich 0:2 (0:1) 08.11.1964 Luxemburg Luxemburg – Norwegen 0:2 (0:1) 11.11.1964 Paris Frankreich – Norwegen 1:0 (1:0) 18.04.1965 Belgrad Jugoslawien – Frankreich 1:0 (0:0) 27.05.1965 Trondheim Norwegen – Luxemburg 4:2 (1:2) 16.06.1965 Oslo Norwegen – Jugoslawien 3:0 (1:0) 15.09.1965 Oslo Norwegen – Frankreich 0:1 (0:1) 19.09.1965 Luxemburg Luxemburg – Jugoslawien 2:5 (1:4) 09.10.1965 Paris Frankreich – Jugoslawien 1:0 (0:0) 06.11.1965 Marseille Frankreich – Luxemburg 4:1 (4:0) 07.11.1965 Belgrad Jugoslawien – Norwegen 1:1 (1:1)
Gruppe 4 Der amtierende Vizeweltmeister Tschechoslowakei war der erklärte Favorit dieser Qualifikationsgruppe. Portugal und Rumänien traute man nur eine Außenseiterrolle zu, obwohl Benfica Lissabon 1961 und 1962 den Europapokal der Landesmeister gewonnen und im Mai 1965 nochmals das Endspiel erreicht hatte. Doch genau einer dieser beiden Außenseiter, nämlich Portugal, das sich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie für eine WM-Endrunde qualifizieren konnte und bis zum Beginn der Qualifikation nur ganze zwei Siege in WM-Qualifikationsspielen aufzuweisen hatte, sollte das Geschehen in dieser Gruppe bestimmen. Spätestens nach zwei Siegen gegen die Türkei und dem 1:0-Erfolg in Prag gegen die Tschechoslowakei musste man mit den Portugiesen rechnen, die sich schließlich mit einem 2:1-Heimsieg gegen Rumänien und einem 0:0 im Rückspiel gegen die Tschechoslowaken die Endrundenteilnahme sicherten. Die 0:2-Niederlage der Portugiesen im letzten Spiel gegen die Rumänen war bedeutungslos. Garant des portugiesischen Erfolges war der Stürmer Eusébio, der allein sechs der neun Qualifikationstore erzielte. Mit der Tschechoslowakei war nun auch die beste europäische Mannschaft bei der WM 1962 ausgeschieden.
Tabelle
Spielergebnisse 24.01.1965 Lissabon Portugal – Türkei 5:1 (2:1) 19.04.1965 Ankara Türkei – Portugal 0:1 (0:0) 25.04.1965 Bratislava Tschechoslowakei – Portugal 0:1 (0:1) 02.05.1965 Bukarest Rumänien – Türkei 3:0 (1:0) 30.05.1965 Bukarest Rumänien – Tschechoslowakei 1:0 (1:0) 13.06.1965 Lissabon Portugal – Rumänien 2:1 (2:0) 19.09.1965 Bratislava Tschechoslowakei – Rumänien 3:1 (1:1) 09.10.1965 Istanbul Türkei – Tschechoslowakei 0:6 (0:3) 23.10.1965 Ankara Türkei – Rumänien 2:1 (1:0) 31.10.1965 Porto Portugal – Tschechoslowakei 0:0 21.11.1965 Brünn Tschechoslowakei – Türkei 3:1 (2:1) 21.11.1965 Bukarest Rumänien – Portugal 2:0 (2:0)
Gruppe 5 Die Europa-Gruppe 5 galt im Expertenkreis als die ausgeglichenste. Die Schweiz, Nordirland und die Niederlande wurden als annähernd gleich stark eingeschätzt, während man dem vierten Gruppenmitglied, Qualifikationsneuling Albanien, die Rolle des Punktelieferanten zuteilte. Tatsächlich reduzierte sich aber der erwartete Dreikampf zu einem Zweikampf zwischen der Schweiz und Nordirland, da die Niederländer mit Ausnahme des Spiels gegen Albanien ihre Heimspiele nicht gewinnen konnten und dies auch nicht durch Punktgewinne bei den Konkurrenten kompensieren konnten. Vor dem letzten Spiel dieser Qualifikationsgruppe sprach alles für ein Entscheidungsspiel zwischen den Eidgenossen und den Nordiren. Doch dann sorgte ausgerechnet der krasse Außenseiter Albanien für die Entscheidung. Das 1:1 der Nordiren in Tirana ließ die Schweiz nach England fahren. Das erste Spiel dieser Qualifikationsgruppe war gleichzeitig das Eröffnungsspiel der WM-Qualifikation.
Tabelle
Spielergebnisse 24.05.1964 Rotterdam Niederlande – Albanien 2:0 (0:0) 14.10.1964 Belfast Nordirland – Schweiz 1:0 (0:0) 25.10.1964 Tirana Albanien – Niederlande 0:2 (0:1) 14.11.1964 Lausanne Schweiz – Nordirland 2:1 (2:1) 17.03.1965 Belfast Nordirland – Niederlande 2:1 (1:1) 07.04.1965 Rotterdam Niederlande – Nordirland 0:0 11.04.1965 Tirana Albanien – Schweiz 0:2 (0:1) 02.05.1965 Genf Schweiz – Albanien 1:0 (1:0) 07.05.1965 Belfast Nordirland – Albanien 4:1 (2:0) 17.10.1965 Amsterdam Niederlande – Schweiz 0:0 14.11.1965 Bern Schweiz – Niederlande 2:1 (1:0) 24.11.1965 Tirana Albanien – Nordirland 1:1 (0:0)
Gruppe 6 In Gruppe 6 wurde Ungarn seiner Favoritenrolle voll gerecht. Die Mannschaft blieb in seinen vier Spielen ungeschlagen und durfte daher nach England fahren. Das entscheidende Spiel wurde von den Ungarn gegen die DDR dank fragwürdiger Schiedsrichterleistung mit 3:2 gewonnen. Das Spiel hatte für die DDR gut begonnen, denn die Deutschen waren durch Peter Ducke in der 31. Minute mit 1:0 in Führung gegangen. Doch in der 41. Spielminute konnten die Ungarn durch Gyula Rakosi den Ausgleich erzielen. Acht Minuten nach Beginn der zweiten Spielhälfte (53.) gingen dann die Gastgeber durch einen Foulelfmeter von Dezső Nowak mit 2:1 in Führung. Es war erneut Peter Ducke, der mit seinem zweiten Tor an diesem Tag den Ausgleich erzielte und die DDR wieder ins Spiel brachte. Doch neun Minuten vor dem Schlusspfiff (81.) erzielte Janos Farkas den Siegtreffer für die Ungarn.
Tabelle
Spielergebnisse 25.04.1965 Wien Österreich – DDR 1:1 (0:0) 23.05.1965 Leipzig DDR – Ungarn 1:1 (1:1) 13.06.1965 Wien Österreich – Ungarn 0:1 (0:1) 05.09.1965 Budapest Ungarn – Österreich 3:0 (1:1) 09.10.1965 Budapest Ungarn – DDR 3:2 (1:1) 31.10.1965 Leipzig DDR – Österreich 1:0 (1:0)
Gruppe 7