mini|Hauptfassade des Palais des Beaux-Arts de Lille Das Palais des Beaux-Arts de Lille (Palast der Schönen Künste von Lille), auch Musée des Beaux-Arts de Lille, ist ein Kunstmuseum in der nordfranzösischen Stadt Lille. Das 1809 eröffnete Museum beherbergt Sammlungen zur Frühgeschichte, Antike und zur bildenden Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Es zeigt Werke der Malerei und Bildhauerei, Zeichnungen, Fotografien, Kunstgewerbe, Münzen und Stadtmodelle. Das Palais des Beaux-Arts befindet sich seit 1892 am Place de la République in einem eigenen Museumsgebäude, das seither mehrfach erneuert und erweitert wurde. Das Gebäude ist seit 1975 denkmalgeschützt und als Monument historique gelistet.
Geschichte mini|Modell des Palais des Beaux-Arts mini|Präsident Jacques Chirac bei der Wiedereröffnung des Museums 1997 Als 1775 in Lille eine Académie des Arts eröffnet wurde, kam zugleich die Idee auf, ein Kunstmuseum zu begründen. Die Eröffnung eines Museums erfolgte jedoch erst mehrere Jahrzehnte später im Zusammenhang mit der Französischen Revolution. Nach der Beschlagnahmung von Kunstwerken bei Adeligen und aus kirchlichem Besitz wurde für den Raum Lille ein zentrales Lager im ehemaligen Klostergebäude des Couvent des Récollets eingerichtet. 1792 schlug der örtliche Maler Louis Joseph Watteau vor, diesen Bestand der Öffentlichkeit als Museum zur Verfügung zu stellen. 1793 wurden 20 Gemälde aus dem Lager des Couvent des Récollets, aus weiteren Klöstern, Adelspalästen und fünf Bilder aus der Kirche Sainte-Marie-Madeleine im großen Saal der Académie des arts ausgestellt. Diese Ausstellung war jedoch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, sondern nur für den Unterricht der Akademiestudenten vorgesehen. Unter der Regierung von Napoleon Bonaparte erfolgte 1801 mit dem Chaptal-Erlass der Beschluss zur Gründung von 15 Museen in der Provinz. Zu den hierbei genannten Städten gehörte auch Lille. Diese Museen erhielten in der Folge Kunstwerke aus verstaatlichtem Besitz zugewiesen. Das Museum in Lille wurde 1803 von der Stadt begründet, eröffnete allerdings erst 1809 für die Öffentlichkeit in der Kapelle des Couvent des Récollets.
1850 zog das Museum in das nach Plänen von Charles Benvignat erbaute neue Rathaus der Stadt um. Hier stand dem Museum die komplette zweite Etage zur Verfügung. Unter der Leitung des Kurators Édouard Reynart wuchs der Bestand des Museums von 188 Werken im Jahr 1841 auf 715 Arbeiten im Jahr 1875. Der Bestand stieg nicht nur quantitativ an; Reynart gelang es beispielsweise 1873 mit dem Ankauf von zwei Gemälden von Francisco de Goya zwei Spitzenstücke für die Sammlung zu sichern. Da der Platz für die stetig anwachsende Kollektion im Rathaus bald nicht mehr ausreichte, beschloss die Stadt einen Museumsneubau als Palais des Beaux-Art (Palast der Schönen Künste) zu errichten. Zur Finanzierung wurde 1882 eine städtische Lotterie veranstaltet, die 2,8 Millionen Franc einbrachte. Aus einem Wettbewerb gingen schließlich die Pariser Architekten Édouard Bérard und Fernand Delmas mit ihrem Entwurf als Sieger hervor. Der 1885 begonnene Bau im dekorativen Beaux-Arts-Stil wurde jedoch wegen unzureichender finanzieller Mittel nicht vollständig fertiggestellt, sodass bei der Eröffnung 1892 ein geplanter Gebäudeflügel fehlte. Wegen Baumängel kam es bereits 1895 zur kompletten Schließung des Hauses, das erst 1898 mit erneuerter Heizungs- und Lüftungsanlage wiedereröffnet wurde.
Während des Ersten Weltkrieges kam es 1914 zu erheblichen Beschädigungen des Museums durch Granatbeschüsse. Nach der Einnahme von Lille durch deutsche Truppen wurden einzelne Kunstwerke gestohlen. 1917 und 1918 kam es zum Abtransport von Teilen der Sammlung nach Brüssel. Das Museum konnte erst 1924 nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten unter der Leitung von Emile Théodore wieder für die Öffentlichkeit öffnen. Ab 1932 begannen Arbeiten zur Überdachung des Innenhofes des Museums, um weitere Ausstellungsflächen zu gewinnen. Das von Louis Mollet entworfene Atrium konnte 1935 eröffnet werden. Im Zweiten Weltkrieg blieb das Museum unbeschädigt. 1949 schenkte Maurice Masson seine bedeutende Kunstsammlung mit Werken der Impressionismus dem Museum. Seine Tochter Denise Masson ergänzte 1974 diese Stiftung um weitere bedeutende Werke.
1991 wurde das Museum wegen dringenden Renovierungsbedarfs geschlossen. Unter der Leitung der Architekten Jean-Marc Ibos und Myrto Vitart erfolgte ein sechsjähriger Umbau, der 220 Millionen Franc kostete. 1997 eröffnete das Museum in Gegenwart des Staatspräsidenten Jacques Chirac wieder für die Öffentlichkeit. Das Museum verfügt nunmehr über 22.000 m² Fläche, wovon 12.000 m² für Ausstellungszwecke zur Verfügung stehen. 2004, als Lille eine der beiden Kulturhauptstädte Europas war, zeigte das Palais des Beaux-Arts eine umfangreiche Ausstellung mit Werken des flämischen Malers Peter Paul Rubens. Mit 301.287 BesuchernBesucherzahl angegeben in [Lille] L’expo Sésostris III a reçu 105 600 visiteurs aux Beaux-Arts en trois mois, Artikel in der Rubrik Lille Actu auf Actu.fr war dies die bisher erfolgreichste Schau des Museums. Weitere bedeutende Ausstellungen widmeten sich 2004 der Malerin Berthe Morisot, 2007 dem Maler Philippe de Champaigne, 2011 dem Maler Louis-Léopold Boilly, 2014 dem ägyptischen Pharao Sesostris III.
Sammlungen Frühgeschichte und Antike Bereits 1824 wurde in Lille ein Musée d’Archéologie et de Numismatique (Museum für Archäologie und Numismatik) gegründet. Dessen Bestände gelangten 1892 in das Palais des Beaux-Arts. Heute zeigt die Museumsabteilung für Frühgeschichte und Antike Objekte von der Steinzeit bis zur gallorömischen Kultur. Zu den ältesten Objekten gehören Fundstücke wie ein bei Quiévy entdeckter Feuerstein aus dem Altpaläolithikum oder ein Klingenkern aus der Jungsteinzeit, der in Le Grand-Pressigny geborgen wurde. Ebenfalls in der Jungsteinzeit entstanden ist eine Axt aus Hirschgeweih, die im Stadtgebiet von Lille ausgegraben wurde. Aus der Bronzezeit besitzt das Museum eine verzierte Sichel, die nahe der belgischen Grenze in Wattignies gefunden wurde. Da dieses Objekt stilistisch mit ähnlichen Stücken aus England vergleichbar ist, zeugt es möglicherweise von einem frühen kulturellen Austausch auf beiden Seiten des Ärmelkanals.
Umfangreich ist die Sammlung altägyptischer Objekte im Palais des Beaux-Arts. Diese stammen zumeist aus Übertragungen von staatlichen Sammlungen. Hierzu gehören Objekte aus Ausgrabungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, die Albert Gayet in Antinoupolis durchgeführt hat und Fundstücke aus Nubien, die von einem Team der Universität Lille III im Zusammenhang mit dem Bau des Assuan-Staudamms gerettet wurden und danach als Geschenk Ägyptens an Frankreich fielen. Unter den Exponaten befindet sich unter anderem eine Totenmaske aus dem Faijum, der obere Teil einer Uschebti einer Frau aus Amarna, ein Sarkophag und eine goldene Halskette aus Mirgissa im heutigen Sudan, ein Sandsteinrelief mit Ibisköpfen aus der Regierungszeit des Pharaos Ramses II., ein Kindersarkophag aus der 18. Dynastie und ein Mumienporträt eines römischen Soldaten.
Bei den Objekten in der Sammlung aus dem antiken Griechenland handelt es sich vor allem um verschiedene Keramiken. Dazu gehört eine Lekythos-Parfümvase mit einer Hermesdarstellung oder eine schwarzfigurige Vase mit Augenverzierung und möglicherweise einer Darstellung des Dionysos. Eine weitere schwarzfigurige Keramik ist ein auf drei Füßen ruhendes Exaleiptron mit einer reichen Figurendarstellung des Trojanischen Krieges. Beispielhaft für die etruskischer Kunst im Palais des Beaux-Arts ist eine aus dem Louvre überwiesene schwarze Amphore aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. Durch zahlreiche Funde in Nordfrankreich ist die Gallorömische Kultur im Museum repräsentiert. So wurde 1858 bei Bauarbeiten an der Kirche von Estaires ein länglicher Stein mit lateinischen Inschriften entdeckt, der als Miliarium – eine Distanzsäule an einer römischen Straße – identifiziert wurde. Weiterhin findet sich in der Sammlung beispielsweise eine Bronzebüste des römischen Sonnengotts Sol Invictus aus Bavay und drei Bronzestatuetten aus Thiennes, die die Gottheiten Mars, Mercurius und vermutlich Jupiter darstellen.
Europäische Malerei Die Abteilung für europäische Malerei im Palais des Beaux-Arts de Lille umfasst den Zeitraum von der Gotik bis zur Gegenwart. Malerei des 14. bis 16. Jahrhundert Zu den frühesten Beispielen europäischer Malerei im Museum gehören die in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstandene Apostelbildnisse Paulus, Matthäus, Judas Thaddäus des Katalanen Ramón Destorrents. Weiterhin gibt es einen kleinen Flügelaltar aus dem Umkreis des lombardischen Malers Cristoforo Moretti mit der Darstellung des gekreuzigten Jesus, der Maria mit dem Kind und mit mehreren Heiligen und eine Anfang des 15. Jahrhunderts gemalte Dreifaltigkeit des Spaniers Jacomart. Zu den frühen Höhepunkten der Sammlung des Palais des Beaux-Arts zählen vor allem die Gemälde Der Weg ins Paradies und Höllensturz der Verdammten des Niederländers Dirk Bouts. Unter den Werken der italienischen Renaissance finden sich eine Grablegung Christi von Girolamo Marchesi und eine Thronende Jungfrau mit Kind von Ambrogio di Baldese. Eine Jungfrau mit Kind gibt es in der Sammlung auch von den florentiner Künstlern Bartolomeo di Giovanni und Bastiano Mainardi. Die venezianische Malerei des 16. Jahrhunderts ist vertreten durch ein Bildnis eines venezianischen Senators von Jacopo Tintoretto, Die Jungfrau und zwei Engel betrauern Christus, Das Martyrium des Heiligen Georg und eine Paradies-Studie von Paolo Veronese. Von dem in Spanien tätigen Maler El Greco besitzt das Museum die Werke Jesus im Olivenhain und Heiliger Franziskus. Ein Beispiel deutscher Malerei des 16. Jahrhunderts ist das Vanitasmotiv Schädel und Beinknochen in einer Nische von Bartholomäus Bruyn dem Älteren.
Malerei des 17. Jahrhunderts Besonders umfangreich ist die Sammlung mit Werken des Barock, darunter vor allem niederländische und flämische Gemälde. So gibt es Personendarstellungen wie das Porträt einer Dame und das Porträt eines Herren von Jan Anthoniszoon van Ravesteyn, eine Sitzende Frau von Frans Hals und der Kopf eines alten Mannes von Jan Lievens. Von Lievens besitzt das Museum darüber hinaus eine Darstellung des Hl. Franziskus. Weitere religiöse Motive finden sich etwa bei dem Utrechter Caravaggisten Hendrick ter Brugghen, von dem es im Museum eine Verspottung Christi gibt oder bei David Teniers dem Jüngeren, dessen Ankunft eines reichen Mannes in der Hölle zum Bestand der Sammlung gehört. Hinzu kommen ein Kircheninneres in Delft mit dem Grab von Wilhelm dem Schweiger von Emanuel de Witte und das antike Motiv Der Triumph des Silenos von Gerrit van Honthorst. Weiterhin finden sich in der Sammlung Genrebilder wie Student an seinem Schreibtisch – Melancholie von Pieter Codde und Eine Frau und ein Dienstmädchen von Pieter de Hooch. Hinzu kommt das geschäftige Treiben der Schlittschuhläufer von Jan van Goyen. Die niederländische Landschaftsmalerei ist vertreten durch das Motiv Hügel mit Weizenfeld von Jacob van Ruisdael, für die Stilllebenmalerei steht exemplarisch das Bild Nach der Jagd von Jan Baptist Weenix.