Westerhausen ist ein Ortsteil der Stadt Thale im Landkreis Harz des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt.
Geographie mini|Westerhausen (von West nach Ost)
Westerhausen liegt im nördlichen Harzvorland zwischen den beiden Städten Blankenburg (Harz) und Quedlinburg. Der Ort grenzt an den Ortsteil Warnstedt der Stadt Thale, an die Stadt Blankenburg mit ihrem Ortsteil Börnecke, an die Gemeinde Harsleben und die Stadt Quedlinburg. Der Ort wird von West nach Ost vom Zapfenbach durchflossen. Das Wahrzeichen des Ortes ist die Felsengruppe Königstein.
Geschichte Im Bereich von Westerhausen sind 6000 Jahre alte Siedlungsaktivitäten nachgewiesen.Karl Schirwitz: Die vorgeschichtliche Besiedlung der Hessenberge bei Westerhausen. In: Jahresschrift für mitteldt. Vorgeschichte. Band 41, Halle 1957, S. 127–138; Berthold Schmidt: Ein Hügelgräberfeld der jüngeren Bronzezeit bei Westerhausen. In: ebd.. Band 51, 1961, S. 165–191, Taf. 16–24; Adolf John in Westerhäuser Heimatblätter. 3, 1995.
In Westerhausen war zum Schutz des Überganges an einer wichtigen Ost-West- und Nord-Süd-Straßenverbindung über die Nordharzer Seen und Sümpfe eine fränkische Wasserburg errichtet worden, deren -hausen-Name bald auf den ganzen Siedlungskomplex überging.Walther Schulz: Merowingerfunde zwischen Ohre und Harz. In: Zs. f. d. Vorgeschichte der sächs.-thür. Länder, XII (1925). S. 80–87, Taf. XVI; Martin Prell: Befund und Methodisches zur Wegführung. In: Ausgrabungen u. Funde. Band 23 (1978), S. 266–270, Taf. 42–44; Bernd Feicke in Harz-Forschungen 22 (2006), Abb. 3 = Karte nach Prell (1982) Vor 827 war die Halberstädter Missionskirche St. Stephan errichtet worden.
Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte am 19. Februar 1046 in einer in Wallhausen ausgestellten Urkunde des Königs Heinrich III., in der er die Schenkung verschiedener Güter des Markgrafen Ekkehard II. von Meißen, darunter auch Wesderhvson, an die Abtei Gernrode bestätigt, deren Besitz noch im 13. Jahrhundert nachweisbar ist.Urkunde Nr. 150 in Papstbestätigungen für das Reichsstift Gernrode 1207, 1227: in Ercstede (heute wüst) et in Westerhusen sedecim mansos, vgl. Hans K. Schulze: Das Stift Gernrode (= Mitteldt. Forschungen, Band 38), Köln, Graz 1965, Regesten S. 130 ff.; Bernd Feicke: Das Vorwerk des Reichsstiftes Gernrode und das Küchengut der Blankenburger Grafen in Westerhausen. Das Erbe der Uta von Ballenstedt. In: Harz-Zs. 64 (2012), S. 13–21. Am 20. Juli 1064 erfolgte in Goslar eine weitere Nennung in einer Urkunde, in der König Heinrich IV. Schenkungen seiner Mutter, Kaiserin Agnes, darunter Witesleib (Weddersleben) und Westerhvsvn, an das Peterskloster in Goslar bestätigt.Urkunde Nr. 133 in
Seit dem 12. Jahrhundert wird in Westerhausen Landbesitz der Halberstädter Klöster St. Paul und St. Johann sowie auch Rechte des Reichsstiftes Quedlinburg deutlich. Das Kloster St. Johann hat mit seinem Propst Wichmann (dem späteren Erzbischof von Magdeburg) Mitte des 12. Jahrhunderts mit Hilfe flämischer Familien für erste Entwässerungsmaßnahmen in der Westerhäuser Umgebung Sorge getragen.Hermann Lorenz: Flamländer im und am Harz. In: Am Heimatborn, Beilage zum Quedlinburger Kreisblatt, Nr. 345 (26. Juni 1934), S. 1393 f.; Bernd Feicke: Stifts- und Klosterbesitz im Halberstädter Archidiakonatssitz Westerhausen am Harz. In: Harz-Forschungen. Band 22 (2006), S. 246; Gerlinde Schlenker: Bäuerliche Verhältnisse im mittleren Elbe- u. Saale-Gebiet vom 12. bis 15. Jh. Halle 2000, S. 57, Anm. 28. Das Quedlinburger Freigut am Plan, das zur Propstei gehörte und das die Grafen von Blankenburg-Regenstein zum Lehen und ein v. Rustleben zum Afterlehen hatte, wurde 1541 an zwei private Halbspänner verkauft, deren Dienste zwar an das Amt geleistet werden mussten, aber dessen Oberlehnshoheit des Reichsstiftes Quedlinburg erst 1802 endgültig an Preußen fiel.
Westerhausen gehörte seit Mitte des 12. Jahrhunderts als Halberstädter Lehen den Grafen von Blankenburg-Regenstein, die hier ein Küchengut, später ein Vorwerk des Amtes Blankenburg einrichteten, das 1525 im Bauernkrieg zerstört wurde. Bereits 1523 hatte in der St. Stephan-Kirche Henning Radecke im Sinne Martin Luthers gepredigt; 1530 war Radecke an der Einführung der Reformation in der Grafschaft beteiligt. Die Grafenfamilie selbst, die sich besonders im 16. Jahrhundert mit einer erheblichen Verschuldung und daraus resultierenden Verpfändungen auseinandersetzen musste, trat aus politischen Gründen erst 1539 zum lutherischen Glauben über.E. Jacobs: Ulrich XI., Graf von Regenstein (1499–1551). In: Zs. d. Harzvereins 34 (1901), S. 151–443.
Nach dem Aussterben der Blankenburg-Regensteiner 1599 kam es an die Herzöge von Braunschweig. 1643 kam die „Grafschaft Reinstein“ an die Grafen von Tattenbach, was im Westfälischen Frieden ausdrücklich bestätigt wurde. Sie richteten hier ein Amt ein. 1670 besetzten Truppen des Kurfürsten von Brandenburg, der seit 1648 Oberlehnsherr war, gewaltsam Westerhausen. Hans Erasmus von Tattenbach waren wegen seiner Beteiligung an der ungarischen Magnatenverschwörung gegen Kaiser Leopold I. seine Lehen abgesprochen worden. Die Besonderheit des Amtes (Reinstein-)Westerhausen innerhalb des preußischen Fürstentums Halberstadt drückte sich in seinem nunmehrigen Siegelbild aus: Es trug die Umschrift SIGEL DES AMBTS WESTERHAUSEN, unter dem Kurhut lag ein viergeteiltes Wappen mit dem Regensteiner Gehörn und dem aufgelegten Kammerzepter.Abb. in Ztg. Freiheit. Halle, 9. Oktober 1956 Die Bemühungen Braunschweigs, wieder in den Besitz von Westerhausen zu gelangen, blieben erfolglos. Letztmals versuchte Braunschweig im Vorfeld des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 Reinstein-Westerhausen gegen seine Rechte am Rammelsberg bei Goslar zu tauschen.Bernd Feicke: Die Auswirkungen des Reichsdeputationshauptschlusses im Westharz. In: Beiträge zur Regional- u. Landeskultur Sachsen-Anhalts, H. 29, Halle 2004, S. 41–45 Zum Amt Westerhausen gehörten die Orte Warnstedt, Weddersleben, Thale und Neinstedt (zeitweilig anteilig) und in der Tättenbacher Zeit auch das Amt Westerburg mit den Orten Rohrsheim, Dedeleben, Deersheim, Dingelstedt, die wüste Burg Regenstein, zahlreiche wüste Feldmarken, Forsten und die Lehnsherrschaft über die Wasser-Burg Westerburg (Pfand der v. Steinberg) und anteilig die Lehnsherrschaft über das Städtchen Derenburg (Pfand der v. Veltheim) gehörten, wobei Dedeleben und Dingelstedt anteilig zum preußisch Halberstädter Amt Schlanstedt gehörten und in Thale (v. Knigge) und Deersheim eigene Patrimonialgerichtsbezirke bestanden. Die Reinstein-Tättenbacher Ritterschaft bildeten die v. Hoym (Stecklenberg), v. Knigge (Thale), v. Steuben (Thale), v. Steinacker (Deersheim) und v. Hünecke (Dedeleben)Walter Möllenberg: Die Grafschaft Regenstein zu Ausgang des dreißigjährigen Krieges. In: Zeitschrift des Harzvereins 54 (1921), S. 51–58; Bernd Feicke: Westerhausen im 18. Jh.. In: Nordharzer Jahrbuch 18/19 (1995), S. 123–132, Kt..
In der preußischen Zeit bildeten die Ämter Westerhausen, das 1718 durch Ankauf des Adeligen Hofes (Wasserburg) durch König Friedrich Wilhelm I. erweitert worden war (nach Schleifung der Festung 1758 war auch der Regenstein als Kammergut zum Amt gekommen), und Stecklenberg einen eigenen Kreis Westerhausen im Fürstentum Halberstadt. Dieser ist auf der Karte von Tobias Mayer (1750 bei Homann-Erben, Nürnberg) im Detail sichtbar und zählte 1808–1813 zum Kanton Quedlinburg-Land (Hauptort Ditfurt) des westphälischen Saaledepartements. Ab 1815 war Westerhausen ein Amtsbezirk im Kreis Aschersleben-Quedlinburg der preußischen Provinz Sachsen. 1844 wurden gegen das Herzogtum Braunschweig im Bruch neue Grenzsteine gesetzt, die die im Besitz Westerhäuser Landwirte befindlichen Flächen zu Lasten Braunschweigs der Gemeinde Westerhausen und somit Preußen zuordneten.André Schürger: Ein Grenzstein von 1844 und die Annektierung des Westerhäuser Bruchs durch Preußen. In: Archäologie in Sachsen-Anhalt, Sonderbd. 4, Halle 2006, S. 263–264 Nachdem Aschersleben 1901 (bis 1950) Stadtkreis geworden war, gehörte Westerhausen durchgängig bis 2007 zum Kreis Quedlinburg, der allerdings in seiner Geschichte unterschiedlich groß war und zu unterschiedlichen Bezirken gehörte. 1913 wurden vom preußischen Fiskus Teile des Forstbezirkes Eselsstall gekauft.
Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Westerhausen mit der Landgemeinde Westerhausen vereinigt. Seit dem 1. Juli 2007 gehört Westerhausen zum Landkreis Harz (Kreisstadt Halberstadt).
Zu DDR-Zeiten wurde in "Fiedlers Mühle" ein Kinder-Ferienlager errichtet und unterhalten, das durch einen Brand zerstört worden ist.
Das 1987 gefeierte 1050-jährige Bestehen beruhte auf einem zweifachen Irrtum. Man bezog sich auf eine Urkunde von 937, die im 1764 erschienenen Codex Diplomaticus Quedlinburgensis von Anton Ulrich von ErathAnton Ulrich von Erath: Codex Diplomaticus Quedlinburgensis. Frankfurt/M. 1764, Urk. V (der Hinweis auf die Urk. erfolgte von der Sektion Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle, wurde aber schon damals von der Ortsgeschichtsforschung als problematisch angesehen), vgl. Bernd Feicke, Adolf John: Zur Siedlungsgeschichte von Westerhausen. Ein Beitrag aus Anlaß der 1050jährigen ersten bekannten urkundlichen Erwähnung. In: Nordharzer Jahrbuch, Band 12, Halberstadt 1987, S. 45–53, Taf. 3, bes. S. 53, Anm. 8 falsch datiert wurde. In dieser Urkunde wird Uuesterhuse als einer von mehreren Orten genannt, mit welchen das neu gegründete Nonnenstift Quedlinburg dotiert wurde. Die falsche Datierung war u. a. bereits mit der Berichtigung der Datierung im ersten Band der Diplome der Quellenedition Monumenta Germaniae Historica auf den 13. September 936 korrigiert worden, was in der Vorbereitungsphase 1985/86 noch nicht bekannt und ein Vorziehen auf 1986 organisatorisch deshalb nicht möglich war. Deshalb wurde die mit beachtlichem Aufwand der örtlichen Wirtschaft und Einrichtungen vorbereitete Feier wie ursprünglich geplant im Juli 1987 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durchgeführt. Auch die inzwischen in der wissenschaftlichen Forschung erfolgte richtige örtliche Zuordnung des in der Urkunde von 936 genannten Ortes zu Westerhüsen bei Magdeburg sowie der gleiche Bezug in den Corveyer Traditionen (Tr 035 von 822/26) war damals nicht bekannt, wurde aber von der Ortsgeschichtsforschung inzwischen korrigiert.Leopold Schütte: Die alten Mönchslisten und die Traditionen von Corvey. Paderborn 1992, Band 6, T. 2, S. 93–94; Bernd Feicke: Urkundliche Nachrichten zur Geschichte von Westerhausen. In: Westerhäuser Heimatblätter 4–5 (1996/97), S. 1–2
Am 1. September 2010 wurde der Ort nach Thale eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010 Er gehörte bis dahin zur Verwaltungsgemeinschaft Thale. Letzter Bürgermeister war Eberhard Heintze.
Gedenkstätten In der St. Stephani-Kirche befinden sich Gedenktafeln mit den Namen der aus Westerhausen stammenden Gefallenen des Siebenjährigen Krieges, der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 und der Deutschen Einigungskriege 1864, 1866, 1870/71. Nach Bildung einer Kommission 1919 beschloss der Gemeinderat 1920, für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges ein Gefallenendenkmal am Kirchplatz Richtung Hauptstraße zu errichten, das nach Entwürfen von Ebert von Zeitzmann und Kranz errichtet und am 16. Oktober 1921 eingeweiht wurde. Für die Gefallenen und Opfer aus Westerhausen des Zweiten Weltkriegs, denen man zu DDR-Zeiten an diesem Denkmal keinen gesonderten Gedenkstatus widmete, wurden am 17. November 1996 am Halbrondell Gedenktafeln eingeweiht.Adolf John: Das Kriegerdenkmal. In: Westerhäuser Heimatblätter (6–7) 1998/1999, S. 11–12.
Auf dem Ortsfriedhof erinnert eine Grabstätte von Adam Rogaczenski, der während des Zweiten Weltkrieges aus Polen nach Deutschland verschleppt und ein Opfer von Zwangsarbeit wurde. Eine weitere Gedenktafel erinnert an André Galice, der im April 1945 während des „Todesmarschs“ des KZ Langenstein-Zwieberge getötet wurde.