Joachim von der Lühe (* 3. April 1526 in Vogelsang; † 9. Juni 1588 in Güstrow) war mecklenburg-güstrowscher Hofmarschall und Geheimer Rat, Klosterhauptmann und Landwirt.
Leben Joachim von der Lühe war ein Sohn des Gutsbesitzers Otto von der Lühe auf Vogelsang und dessen Ehefrau Livia, geborene von Rohr.
Im Alter von 12 JahrenDr. Ingrid von der Lühe: Jochim (Joachim) von der Lühe. Nr. 517, Braunschweig 1993.Conrad Lüder von Pentz: Geschlecht derer Lühe. 1774, G Nr. I/7. wurde Joachim 1538 auf die Universität nach Rostock geschicktEintrag 1543 im Rostocker Matrikelportal. In den Rostocker Matrikel wurde er aber erst 1544 als Joachimus van der Luhe genannt., dann weiter nach Leipzig. Nach Unruhen in Leipzig wegen der lutherischen Lehre zog er 1546 mit seinem Wirt Lussel nach Freyburg. 1547 wieder in Mecklenburg, setzte er sein Studium im Herbst 1547 in Leipzig fort. Bei einem Versuch an der Magdeburger Belagerung teilzunehmen, geriet er 1550 bei Aschersleben gemeinsam mit Georg von Mecklenburg in Gefangenschaft und wurde am 19. Dezember 1550 für mehrere Monate in die Kasematten in Magdeburg eingebracht. Nach der Kapitulation der Stadt Magdeburg zog er mit 10 Pferden nach den Niederlanden, um sich noch eine Weile im Kriegswesen zu versuchen. Als Herzoglicher mecklenburgischer Oberst wurde er vom Herzog Ulrich von Mecklenburg zu seinem Mundschenk ernannt.Dr. Ingrid von der Lühe: Jochim (Joachim) von der Lühe. Nr. 517, Braunschweig 1993. Joachim von der Lühe wurde am 19. Mai 1564 zum Hofmarschall und Geheimen Rat am Güstrower Hof ernannt.Peter Starsy: Datenblatt Joachim von der Lühe. 2020.
1566 wurde er zum Reichstag nach Augsburg gesandt, wo die Reichswährung neu geregelt wurde. Von dort ging es nach Venedig und 1568 an den kaiserlichen Hof zu Maximilian II. nach Wien.Dr. Ingrid von der Lühe: Jochim (Joachim) von der Lühe. Nr. 517, Braunschweig 1993. Schon 1565 ernannte Kaiser Maximilian II. Schweriner Domherren, Doktoren der Rechte und Joachim von der Lühe aus Püttelkow als Mitglieder einer Kommission im Reichskammergerichtsprozess des Klosters Dobbertin mit Propst, Priorin und dem Konvent gegen Claus von Cramon auf Woserin wegen des Sees zu Woserin. Sie sollen in einer gesetzlichen Frist Zeugen vernehmen und dem Reichskammergericht berichten.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 221. Doch das Endurteil vor dem Reichskammergericht erging erst am 29. April 1580, auch im Beisein von Joachim von der Lühe. Die Urkunde mit dem Konventsiegel wurde durch Mäusefraß stark beschädigt.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 230. Als Gesandter Herzog Ulrichs war von der Lühe 1569 wegen dänischer Angelegenheiten um die Ostseeherrschaft in Kopenhagen.LHAS 2.11-2/1 Auswärtige Beziehungen einschl. Reich. Nr. 575.
Ab 1569 war er noch als Provisor im Dobbertiner Nonnenkloster und ab 1572 dann Klosterhauptmann im Dobbertiner Landeskloster tätig.Horst Alsleben: Das Jungfrauenkloster als evangelisches Damenstift - ein Klosteramt in Mecklenburg-Schwerin. 2012, S. 49. 1576 ging er als Minister nach Braunschweig zur Klärung von Streitigkeiten zwischen Herzog Julius zu Braunschweig–Lüneburg und der Stadt Braunschweig. Während der Abwesenheit von Herzog Julius war Heinrich von der Lühe, der acht Jahre jüngere Bruder von Joachim, dort Statthalter.Dr. Ingrid von der Lühe: Heinrich von der Lühe. Nr. 439, Braunschweig 1993.
In den zwischen Dänemark und Holstein herrschenden Lehnsstreitigkeiten über das Herzogtum Schleswig war Joachim von der Lühe mit Dr. Heinrich Husan im Auftrage Herzog Ulrichs als Vermittler vom 3. bis 26. März 1579 in den Verhandlungen zu Odense wirksam gewesen, wo am 25. März 1579 ein Vergleich erfolgte.LHAS 2.11-2/1 Auswärtige Beziehungen einschl. Reich. Nr. 732. Am 28. März 1579 bezeugte sogar König Friedrich II. dem Herzog Ulrich, dass seine Gesandten einen getreuen und mühseligen Fleiß, Geschicklichkeit und Sorgsamkeit bei den Verhandlungen in Odense zeigten.Albrecht Friedrich Wilhelm Glöckler: Das Leben des Canzlers Heinrich Husan des Aelteren. MJB 8 (1843) S. 138. Im Juni 1579 war er im Auftrag von Herzog Ulrich bei der Verhandlung zwischen Hamburg und Dänemark wegen des Elbschiffahrtsstreites in Flensburg und zuvor in Lüneburg bei der Schlichtung des Rechtsstreits zwischen Holstein und dem Stift Lübeck wegen der Besteuerung Lübecker Güter in Holstein. Ebenso bewährte sich Johann von der Lühe als Vermittler in der Verhandlung des Erbschaftsstreites zwischen Dänemark und Holstein über den Nachlass des 1580 verstorbenen Herzogs Johann des Aelteren zu Hadersleben, zu der ihn Herzog Ulrich vom 26. Juni bis 15. August 1581 nach Flensburg sandte. Über die Aufgaben als Unterhändler und die Stimmung der Fürsten in den Verhandlungen berichtete sogar Johannes Caselius in der Leichenpredigt laudatio Joachimi Luhii vom September 1588.Johannes Caselius: JACHIMI LVHI. Leichenpredigt, Rostock, September 1588.
1582 begleitete Joachim von der Lühe Herzog Ulrich auf dessen Fahrt zum Reichstag nach Augsburg. Mit 220 Pferden, 16 Kutschen, 10 Rüstwagen und mehr als 100 Personen durchzog Herzog Ulrich, nebst Gemahlin und beiden Neffen, in 34 Tagen vom 9. Mai bis zum 13. Juni 1582 die auf 97 Meilen geschätzte Wegstrecke bis Augsburg. Sie wurden dort vom Kaiser Rudolph II. empfangen und blieben sechs Wochen lang.Albrecht Friedrich Wilhelm Glöckler: Das Leben des Canzlers Heinrich Husan des Aelteren. MJB 8 (1843) S. 140.
1583 zog von der Lühe in das ab 1580 für ihn durch den Hofbaumeister Philipp Brandin erbaute Haus am Domplatz 16. Von 1629 bis 1631 war dort Wallensteins Hofgericht und danach war das Mecklenburgische Landgericht ansässig. 1584 wurde er zum Statthalter ernannt, als Herzog Ulrich zur Beerdigung des verstorbenen Königs Friedrich II. nach Dänemark reiste. 1586 förderte Joachim durch Stipendien an Verwandte und arme Predigersöhne deren Studium der Theologie. 1586 stiftete er den Taufstein für die Klosterkirche in Dobbertin.
Joachim von der Lühe starb 1588 unverheiratet in Güstrow. Seine Leichenpredigt hielt Johannes Caselius.Johannes Caselius: JOACHIMI LVHI. Leichenpredigt, Rostock, September 1588.
Klosterhauptmann im Kloster Dobbertin
Da sich niemand fand, die vacante Stelle als Provisor während der Reformationsjahre mit den ständigen Visitationen im Dobbertiner Nonnenkloster zu übernehmen, wählten die mecklenburgischen Landstände am 8. Februar 1569 Joachim von der Lühe.Johann Peter Wurm: Der dullen Nonnen Krich. Die Reformation des Benediktinerinnenklosters Dobbertin 1557–1578. 2012, S. 35. Die Visitationskommission erreichte in den Jahren wenig, daher sollte Joachim von der Lühe mithelfen, das Papsttum im Kloster endgültig abzuschaffen, die Kirche ansehnlig zu verbessern und die Reformation durch zusetzen. Doch erst Anfang 1570 ließ sich auff sonderliche vnterhandlung unser Hofmarschalck Joachim vonn der Luhe erst auf besondere fürstliche Unterredung zu bewegen, die Stelle eines Klosterhauptmanns anzunehmen.Friedrich Lisch: Die Reformation des Klosters Dobbertin. MJB 22 (1857) S. 137, 170–171. Am 13. März 1570 war die Visitationskommission mit den Theologieprofessoren Dr. Conrad Becker und Dr. Simon Pauli für einen Tag im Nonnenkloster. Der Klosterhauptmann Joachim von der Lühe und der neu eingesetzte Pastor Joachim KrögerHorst Alsleben: Zusammenstellung aller Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin. Schwerin 2010–2013.Friedrich Lisch: Die Reformation des Klosters Dobbertin. MJB 22 (1857) S. 116. hatten über die Durchsetzung der neuen Kirchenordnung und Abschaffung der alten Riten und Zeremonien zu berichten.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden. Dobbertin, Nr. 49. Die letzte Visitation auf Anordnung von Herzog Ulrich fand im Kloster Dobbertin am 27. März 1578 statt. Neben dem Klosterhauptmann Joachim von der Lühe nahmen hier auch die Klosterprovisoren Jürgen von Below auf Kargow, Johann von LinstowOtto Ferdinand von Linstow: Nachrichten über das Adelsgeschlecht von Linstow. 1886. auf Bellin und Claus von Oldenburg auf Gremmelin teil.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden. Dobbertin, Nr. 436. Am 17. Januar 1579 schloss der Klosterhauptmann Joachim von der Lühe mit seinen Provisoren zum Tag des mecklenburgischen Umschlag in Rostock mit dem Bürgermeister und dem Rat einen Vertrag zu Einkünften, deren Zinsen jährlich dem Kloster gezahlt werden sollten.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten, Nr. 228.
Nach der Umwandlung in ein Landeskloster erfolgte die Verwaltung des Dobbertiner Klosterbesitzes durch den Klosterhauptmann als Geschäftsführer mit seinen Provisoren und dem Küchenmeister als Finanzbeamten.Horst Alsleben: Das Jungfrauenkloster als evangelishes Damenstft - ein Klosteramt in Mecklenburg-Schwerin. 2012, S. 42–52. Der Konvent im dortigen Damenstift wurde von einer auf Lebenszeit gewählten Vorsteherin geleitet. In Dobbertin war es 1581 die Domina Margarethe von Pritzbuer.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden. Dobbertin, Nr. 213.Horst Alsleben: Der Dobbertiner Konvent - Eine christliche Gemeinschaft im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin. 2012, S. 53–63.
Nach dem Tode des Klosterhauptmanns Joachim von der Lühe wurde durch Herzog Ulrich am 2. November 1588 der Landrat Joachim von Bassewitz auf Levetzow zum Hauptmann, Vorsteher und Verwalter des Klosters bestätigt.LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden. Dobbertin, Nr. 9.Stadtarchiv Ribnitz: Kloster Dobbertin. Bestallung des Klosterhauptmanns Joachim von Bassewitz, D 59/2.
Taufstein in der Klosterkirche mini|hochkant|Sandsteinfünte in der Klosterkirche Dobbertin (2020) Joachim von der Lühe zählte zu den wichtigsten adligen Auftraggebern des Bildhauers Philipp Brandins. Obgleich archivalische Belege fehlen, stammt die Sandsteinfünte in der Dobbertiner Klosterkirche aus der Werkstatt Brandins.Carsten Neumann: Der Taufstein der Dobbertiner Klosterkirche aus dem Jahre 1586. 2012, S. 208. Laut Inschrift der Kartuschen ANNO DOMINI M. D. XXCVI. wurde der Taufstein 1586 vollendet und nach JOACH. V. D. LVHE. FFT. von Joachim von der Lühe dem Kloster Dobbertin, nun als Landeskloster, gestiftet.Friedrich Schlie: Das Kloster Dobbertin. 1901, S. 466.
Stilistisch ist die Taufe als typisches Werk der mecklenburgischen Renaissance niederländischer Prägung anzusehen.Deutsch-Niederländische Gesellschaft: Spuren der Niederländer in Norddeutschland. Historische Stätten in Mecklenburg-Vorpommern. Dobbertin, Klosterkirche. 2001, S. 96–97. Er ist in Vasenform, kelchartig und plastisch reich verziert mit Hermenpilastern, Fruchtgehängen und Beschlagwerk und einem geschnitzten Eichendeckel, auf dem eine Taube als Symbol für den Heiligen Geist sitzt.Horst Alsleben: Eine Taube kehrt zurück. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 6. November 2020. Der obere Teil des Taufbeckens zeigt einen geflügelten Engelskopf, das Lühesche Wappen und zwei Kartuschen aus Roll- und Beschlagwerk sowie eine umlaufende Inschrift am Rand des Beckens. Die Umschrift lautet AVGVSTIN IANVA BAPTISMI DAT SEMINA CHRISTIANISMI ANNO 1586.
Durch die etwas grobe Ausführung der Details und der Figuren am Mittelteil wird vermutet, dass hier auch seine Gesellen mitwirkten.Carsten Neumann: Der Taufstein der Dobbertiner Klosterkirche aus dem Jahre 1586. 2012, S. 208. Der Eichendekel mit der neu geschnitzten Taube wurde nach der Restaurierung Ende März 2020 wieder auf den Taufstein gelegt wurde.Horst Alsleben: Eine Taube kehrt zurück. SVZ, Mecklenburg-Magazin, 6. November 2020.
Güstrow, Domplatz 16 mini|Haus der Familie von der Lühe mit Backsteinfassade am Domplatz 16 in Güstrow (2012) Das bedeutendste, besser als Wallensteins Hofgericht bekannte Gebäude ist das 1583 im Stil der niederländischen Backstein-Renaissance errichtete Haus am Domplatz 16. Über Jahrhunderte bau- und personengeschichtlich geprägt, ist es in Güstrow von städtebaulicher Bedeutung.