Glövzin ist ein bewohnter Gemeindeteil im Ortsteil Premslin der amtsfreien Gemeinde Karstädt im Landkreis Prignitz in Brandenburg.
Lage Zu Premslin gehört auch der bewohnte Gemeindeteil Neu-Premslin. Glövzin liegt südöstlich des Kernortes Karstädt an der B 5. Die Kreisstraße K 7029 verläuft südlich. Das Dorf ist ein Angerdorf mit Dorfkirche. Westlich befand sich die Dorfstelle von Banekow. Archäologische Befunde weisen in der Umgebung auf frühe slawische Besiedlung hin: Etwa 1,2 km nordöstlich wurde vermutlich eine altslawische Siedlung nachgewiesen, während sich rund 0,6 km nordöstlich eine weitere Siedlung des 7. bis 8. Jahrhunderts befand.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 257
Geschichte und Etymologie Etymologie Der Ort wurde erstmals 1252 durch einen Auftritt von Heinoldus de Glawezin erwähnt. 1299 erscheint die Form Brun de Globesin in Perleberg, 1315 in Glouecin, 1373 Glouessin, 1440 Glofetzin sowie 1485 to Glouetzyn. Der Name leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet „Siedlung eines Mannes namens Glowka oder Glowatsch“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 64, ISBN 3-937233-17-2..
Besitzgeschichte Im 14. Jahrhundert war Glövzin ein markgräfliches Dorf, das teilweise weiterverliehen wurde und dessen Einkünfte bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts teilweise an geistliche Institutionen vergeben waren. Ein Hauptanteil lag vor 1373 bis 1440 bei der Familie Bosel, die bis 1373 Lehnsbesitzer und danach Eigentümer der Dörfer Premslin, Glövzin und Semlin mit Ober- und Untergerichtsbarkeit sowie dem Kirchenpatronat waren. Nach dem Aussterben der Familie Bosel wurden diese Dörfer 1440 von den von Quitzow zu Stavenow gekauft und mit ihnen belehnt, wobei sie tatsächlich bereits um 1414/1415 in Glövzin begütert waren. Von 1440 bis 1647 übten die von Quitzow die Ober- und Untergerichtsbarkeit sowie das Patronat aus (für 1542 belegt) und verfügten seit 1576 auch über den Besitz der Pfarrkirche zu Lenzen. 1647 ging dieser Anteil mit der Herrschaft Stavenow an die von Blumenthal über, die bis 1719 Ober- und Untergerichtsbarkeit, Patronat und 19 Untertanen (1684) innehatten. Von 1719 bis 1809/1819 folgten die von Kleist zu Stavenow mit einem Bestand von 14 Bauern und sieben Kossäten (1745), bevor der Besitz von 1809/1819 bis 1872 an die von Voß zu Stavenow überging. Ein weiterer wesentlicher Anteil befand sich von vor 1315 bis 1872 im Besitz der von Karstedt, zunächst zu Glövzin, seit 1548 zu Kaltenhof ansässig. Diese veräußerten 1315/1316 einen Hof mit zwei Hufen einschließlich Zaungerechtigkeit und Einkünften an den Kaland beziehungsweise die Mariengilde in Perleberg, behielten jedoch bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts einen Wohnhof im Ort und danach noch Anteile mit vier Hufnern und drei Kossäten (1649) beziehungsweise drei Bauern und drei Kossäten (1745); seit 1759 umfasste ihr Besitz auch Klein Linde. Ein dritter Anteil lag vor 1485 bei dem Bürger Dobberzin in Perleberg, wurde 1485 an die von Rohr verkauft und gelangte 1618 mit deren Gütern Neuhausen und Klein Linde an die von Winterfeld zu Dallmin; 1734 wurde dieser Besitz zusammen mit Klein Linde an den Zolldirektor Seebaldt veräußert und fiel seit 1759 an dessen Erbin, eine geborene von Karstedt zu Kaltenhof. Weitere Rechte bestanden bei geistlichen Institutionen: Von 1315 bis nach 1542 verfügte die Marienbruderschaft beziehungsweise der Kaland in Perleberg über aus dem Besitz der von Karstedt erworbene Hebungen eines Hofes mit zwei Hufen sowie über die Ober- und Untergerichtsbarkeit über diesen Hof; nach der Reformation ging dieser Besitz in die Verwaltung des Gemeinen Kastens zu Perleberg über. Ebenso besaß die Jakobikirche in Perleberg von 1345 bis nach 1711 vom Markgrafen übertragene Hebungen von zunächst sechs Höfen, später von vier Bauern und vier Kossäten. Schließlich hatte die Pfarrkirche zu Lenzen (Altar St. Marien und Heilig Geist) von 1348 bis 1576 Einkünfte aus acht Stücken beziehungsweise Wörden in Glövzin inne, die 1576 vom Rat zu Lenzen für 100 Reichstaler an die von Quitzow zu Stavenow verkauft wurden.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 258
14. und 15. Jahrhundert Glövzin wird 1315 erstmals als Dorf erwähnt. In den Jahren 1414/1415 entstanden im Zusammenhang mit den Raubritterfehden der mecklenburgischen Adligen bei den Anhängern der Familie von Quitzow Schäden im Ort. 1416 sind die von Karstedt als in Glövzin ansässig nachweisbar.
16. Jahrhundert Kirchlich bestand 1542 eine wüste Pfarrhofstätte mit vier Kossätenhöfen sowie drei Wiesen (wischplacken) mit einem Ertrag von zwei Fuder Heu; der Pfarrer erhielt von zwei Bauern 26 Scheffel Roggen Pacht. Im selben Jahr gab es etwa 100 Kommunikanten.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 259 Ein Küster war zunächst nicht vorhanden, ist jedoch 1558 und weiterhin um 1600 bezeugt; seine Einkünfte bestanden aus Naturalabgaben aus den Haushalten (von Hufnern 1 Scheffel, von Kossäten 1 Viertel), eigenem Acker für drei bis vier Scheffel Aussaat, drei Scheffel Roggen von einem Kamp, vier Scheffel Roggenpacht eines Bauern, einer Wiese sowie weiteren Zinseinnahmen.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 260 1548 errichteten die von Karstedt einen neuen Wohnhof im benachbarten Kaltenhof und gaben ihren Wohnsitz in Glövzin auf. Für 1576 sind 17 Einhufner und 8 Kossäten belegt.
17. Jahrhundert Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs befand sich Glövzin 1649 im Besitz des Hauses Stavenow. Der Dorfschulze lebte noch, doch waren die Gebäude seines Hofes zerstört. Es existierten 13 Hufnerhöfe, von denen sieben wüst waren, sowie sechs Kossätenhöfe (darunter ein halber Hufner, vier Kossäten (einer davon wüst) und ein Halbkossät, vormals ein Schneider). Hinzu kamen vier Hufner- und drei Kossätenstellen im zugehörigen Kaltenhof. Die Bauern mussten die Schafe der Schäfereien Banekow und Semlin auf ihren Feldern hüten. Der Pfarrer von Premslin besaß eine Wiese beim Damme oder wendischen Brocke. 1652 waren sechs Hufner und fünf Kossäten mit insgesamt elf Personen ansässig. 1686 werden 17 Hufner (acht wüst), zehn Kossäten (einer wüst), ein Krug (als Hufnerstelle geführt), ein Zimmermann auf einem wüsten Hof und ein Kuhhirte genannt. Die Aussaat betrug insgesamt 23 Wispel und 6 Scheffel, wobei die Hufner jeweils 18 Scheffel Wintersaat und 9 Scheffel Sommersaat einbrachten. Die Erträge lagen bei Roggen etwa im dritten Korn, bei Gerste darunter. Die Wiesen waren schlecht (ein bis drei Fuder Heu), die Weide hingegen gut, jedoch stark durch die beiden Schäfereien belastet. Der Acker war im Dorfnahbereich gut, im Hinterfeld schlechter; Mast, Fischerei und ausreichendes Brennholz fehlten weitgehend.
18. Jahrhundert 1719 bestanden 16 Hufner, sieben Kossäten und zwei Häusler sowie zwei Hirten ohne Vieh; verzeichnet sind 17 Hufen mit Abgaben von jeweils neun Groschen. 1734 lebten im Dorf 17 Bauern, acht Kossäten, 15 Einlieger, ein Schäfer und ein Hirte; die Aussaat betrug weiterhin 23 Wispel, sechs Scheffel und acht Metzen. 1745 ist Glövzin als Dorf mit 17 Bauern und zehn Kossäten beschrieben. 1760 bestanden 17 Hufner, acht Kossäten, zwei Kötter, ein Paar Einlieger und ein Dorfschäfer. 1791 wurden 17 Bauern, ein Halbbauer, vier Kossäten, fünf Büdner, 14 Hauswirte und ein Krüger mit insgesamt 49 Feuerstellen gezählt.
19. Jahrhundert 1801 lebten 17 Ganzbauern, vier Halbbauern, drei Kossäten, ein Büdner, zwölf Einlieger und ein Handwerker (Radmacher) in insgesamt 49 Feuerstellen. 1816 lösten die zum Gut Stavenow gehörigen spanndienstpflichtigen Bauern ihre Verpflichtungen durch Landabtretung ab; anschließend ließ von Voß das Vorwerk Waterloo gründen. 1819 wurden erneut 17 Hufner, acht Kossäten, zwei Kötter sowie ein Schäfer und Kuhhirt und zwei Einliegerpaare gezählt. 1846 bestanden 55 Wohnhäuser. 1852 wurde eine Dreifelderwirtschaft mit einschürigen Wiesen beschrieben; Hauptnahrungsquelle war der Ackerbau, ergänzt durch Viehzucht (Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Pferde), während Geflügel-, Bienen- und Fischzucht fehlten. 1860 umfasste der Ort vier öffentliche Gebäude, 55 Wohn- und 46 Wirtschaftsgebäude. Die Gemarkungsgröße betrug 1860 insgesamt 2715 Morgen (darunter 1877 Morgen Acker, 250 Morgen Wiesen, 382 Morgen Weide, 94 Morgen Wald).
20. Jahrhundert 1900 umfasste Glövzin 34 Häuser bei einer Fläche von 633 ha. 1907 lebten im Ort unter anderem zwölf Bauern, zwei Kossäten sowie zahlreiche Handwerker und Gewerbetreibende. 1928 wurde der Gutsbezirk Kaltenhof eingemeindet; 1931 bestand die Landgemeinde mit dem Wohnplatz Kaltenhof und 59 Wohnhäusern, die Fläche betrug 942 ha. 1939 wurden ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb über 100 ha, 17 Betriebe von 20 bis 100 ha sowie weitere kleinere Betriebe erfasst; daneben waren Einwohner in Industrie, Handwerk, Handel und Verkehr tätig.
Nach 1945 wurden im Zuge der Bodenreform 193,50 ha enteignet und auf Neubauern und Altbauern verteilt. 1955 entstand die erste LPG Neue Saat vom Typ III mit 12 Mitgliedern und 57,02 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. 1960 bestanden eine LPG Typ I Einigkeit und eine LPG Typ III. In den Jahren 1968 bis 1973 erfolgten mehrere Zusammenschlüsse regionaler LPG zur LPG Vereinte Kraft Glövzin. 1978 wurde eine LPG Tierproduktion gebildet. 1990 schlossen sich die LPG Tierproduktion Vereinte Kraft Glövzin, die LPG Pflanzenproduktion Premslin und weitere Betriebe zusammen; 1991 erfolgte die Liquidation. Am 7. Mai 1971 wurde Glövzin nach Premslin eingemeindet.
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung in Glövzin von 1734 bis 1964 Jahr 1734 1772 1791 1801 1817 1837 1858 1871 1895 1925 1939 1946 1964 Einwohner 202 212 240 223 166 276 241 269 280 250 258 453 313
Sehenswürdigkeiten In der Liste der Baudenkmale in Karstädt (Prignitz) ist für Glövzin die Dorfkirche als einziges Baudenkmal aufgeführt. Die im Jahr 1896 im Stil der Neogotik erbaute evangelische Kirche ist ein Saalbau aus Back- und Feldstein mit einem hohen Turm.
Siehe auch Karstädt (Prignitz)#Glövzin und Kaltenhof
Weblinks
Glövzin auf gemeinde-karstaedt.de Dorfkirche Gkövzin in Denkmale in Brandenburg. Stand: 9. Oktober 2020 auf ns.gis-bldam-brandenburg.de
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Karstädt (Prignitz)