mini|Kiran Bedi 2017

Kiran Bedi (Hindi: किरण बेदी, Western Punjabi: رن بیدی; geboren 9. Juni 1949 in Amritsar, Punjab, Indien) war von 2016 bis 2021 Vizegouverneurin von Puducherry. Sie gehörte als erste Frau dem Indian Police Service (IPS) an und hatte dort zahlreiche Führungspositionen inne. Unter anderem wurde sie zum Generalinspekteur des Tihar-Gefängnis-Komplexes in Delhi – einem der größten Gefängnisse der Welt – ernannt und hat dort weltweit beachtete Reformen durchgeführt. Von 2003 bis 2005 war sie als erste Frau Zivilpolizeiberaterin der Vereinten Nationen. Nachdem sie auf eigenen Wunsch aus dem Indian Police Service ausschied, engagierte sie sich als Aktivistin und Politikerin für Straßenkinder, Frauenförderung, Polizei- und Gefängnisreformen und gegen Korruption.Iyer 2012, Seite 26

Jugend und Ausbildung Bedi wurde am 9. Juni 1949 in Amritsar in eine wohlhabende Punjabi-Unternehmerfamilie geboren. Sie ist eine von drei Töchtern des Ehepaars Prakash Lal Peshawaria und Prem Lata (geb. Janak Arora). Ihr Ururgroßvater Lala Hargobind war von Peshawar nach Amritsar ausgewandert, wo er ein Unternehmen gründete. Bedi wurde sowohl in hinduistischer als auch in Sikh-Tradition erzogen (ihre Großmutter war Sikh).Iyer 2012, Seite 15 Bedi wurde 1954 eingeschult. Bedis Vater legte Wert darauf, dass seine Töchter eine gute Ausbildung bekommen, daher schickte er sie in die christliche Sacred Heart Convent School in Amritsar. Bedi trat dem National Cadet Corps (NCC) bei, einer Jugendorganisation der indischen Armee. In der 9. Klasse wechselte sie ins Cambridge College, einem privaten Institut, das naturwissenschaftlichen Unterricht anbot und sie auf die Immatrikulationsprüfung vorbereitete.#Iyer 2012, Seite 20 Bedi schloss 1968 das Government College for Women in Amritsar mit einem Bachelor (Honours) in Englisch ab. 1970 erwarb sie einen Master in Politikwissenschaft an der Panjab University in Chandigarh.

Während ihrer Schul- und Studienzeit spielte Bedi aktiv Tennis und gewann zwischen 1965 und 1978 auch einige Meisterschaften. 1972 heiratete sie Brij Bedi; die beiden hatten sich auf den Tennisplätzen des Service Clubs in Amritsar kennengelernt.

Von 1970 bis 1972 unterrichtete Bedi politikwissenschaftliche Kurse als Dozentin am Khalsa College für Frauen in Amritsar. Später, während ihrer Karriere beim indischen Polizeidienst, erwarb sie 1988 einen Abschluss in Rechtswissenschaften an der University of Delhi und 1993 einen Doktortitel an der Fakultät für Sozialwissenschaft des Indian Institute of Technology Delhi.#Magsaysay 1994

Im indischen Polizeidienst Als junge Frau besuchte Bedi den Service-Club in Amritsar, wo sie die Begegnung mit hochrangigen Beamten zu einer Karriere im öffentlichen Dienst inspirierte. Am 16. Juli 1972 begann Bedi ihre Polizeiausbildung an der National Academy of Administration in Mussoorie. Sie war dort die einzige Frau in einer Gruppe von 80 Männern und wurde die erste weibliche Offizierin des Indian Police Service. Nach einer 6-monatigen Grundausbildung absolvierte sie eine weitere 9-monatige Polizeiausbildung am Mount Abu in Rajasthan und 1974 eine weitere Ausbildung bei der Punjab-Polizei. Durch Los wurde entschieden, dass sie dem Kader der Unionsterritorien (heute: AGMU Cadre Management) zugewiesen wurde.

Distrikt-Polizeichefin von Chanakyapuri (Neu-Delhi) Bedis erste Entsendung nach der Ausbildung erfolgte 1975 nach Chanakyapuri, einem Stadtteil von New Delhi. Im selben Jahr war sie die erste Frau, die bei der Parade zum Tag der Republik das rein männliche Kontingent der Polizei von Delhi anführte. Ihre Tochter Sukriti (später Saina) wurde im September 1975 geboren.

Chanakyapuri ist ein wohlhabender Stadtteil, zu dem das Parlamentsgebäude, ausländische Botschaften und die Residenzen des Premierministers und des Präsidenten gehören. Die Verbrechen im Stadtteil beschränken sich hauptsächlich auf geringfügige Diebstähle. Aber politische Demonstrationen finden regelmäßig statt. In den 1970er Jahren gab es viele Zusammenstöße zwischen Nirankari und Akali Sikhs. Am 15. November 1978 hielt eine Gruppe von Nirankaris einen Gottesdienst in der Nähe des India Gate ab. Ca. 700 bis 800 Akalis organisierten eine Gegendemonstration. Die Mannschaft des Distrikt-Polizeichefs Bedi wurde eingesetzt, um die Demonstranten zu stoppen und Gewalt zu verhindern. Als die Demonstranten dazu übergingen, Steine zu werfen, setzten Bedi und ihre Leute Schlagstöcke ein. Letztendlich konnte ihre Einheit die Demonstranten zerstreuen. Für diese Aktion erhielt Bedi im Oktober 1980 die President's Police Medal for Gallantry – eine Tapferkeitsmedaille.#Saxena 2000, Seite 33

Distrikt-Polizeichefin von West-Delhi 1979 wurde Bedi nach West-Delhi versetzt. Um das hohe Volumen krimineller Aktivitäten im Distrikt zu bewältigen, begann sie, zivile Freiwillige zu rekrutieren. Jede Gemeinde im Distrikt wurde nachts von sechs Zivilisten überwacht, die von einem bewaffneten Polizisten angeführt wurden.

Bedi setzte sich gegen Raubkopien und das illegale Alkoholgeschäft ein. Sie führte eine Politik der offenen Tür ein, um die Bürger zu ermutigen, mit der Polizei Kontakt aufzunehmen. Sie richtete eine Beschwerdebox ein – „Beat-Box“ genannt –, die von sogenannten Beat-Polizisten betreut wurden. Innerhalb von drei Monaten sank die Anzahl der Verbrechen. Auch die Fälle von sexueller Belästigung von Frauen und das Schlagen von Frauen nahmen ab.

Distrikt-Polizeichefin für Verkehr von Neu-Delhi Im Oktober 1981 wurde Bedi zum Distrikt-Polizeichef (DPC = District Police Commissioner) für Verkehr in Delhi ernannt. Die Vorbereitung auf die Asienspiele 1982 hatte in der Stadt zu großen Verkehrsproblemen geführt. Der Bau von 19 Sportstadien und mehreren Überführungen hatte zu großen Staus und Umleitungen geführt. Bedi koordinierte zwischen der Stadtverwaltung von Delhi, der Delhi Stromversorgung und der Delhi Bau- und Entwicklungsbehörde. Bei Fehlverhalten im Verkehr griff sie mit harter Hand durch. Sie ersetzte Strafzettel (Challans) durch sofortige Geldstrafen. Ihr Team schleppte Fahrzeuge, die nicht ordnungsgemäß geparkt waren, mit sechs Abschleppwagen ("Kränen") ab. Dies brachte ihr den Spitznamen "Crane Bedi" ein. Am 5. August 1982 wurde dabei ein Auto der Fahrzeugflotte von Premierministerin Indira Gandhi (Autokennzeichen: DHI 1817) von Unterinspektor Nirmal Singh abgeschleppt, da es verkehrsbehindernd geparkt war. Ein Diplomat war mit diesem Fahrzeug unterwegs. Bedi und ihr Vorgesetzter Ashok Tandon stellten sich bedingungslos hinter Singh.#Agarwal 1989#Saxena 2000, Seite 149 Um Geld für Verkehrsleitfäden zu sammeln, präsentierte Bedi einer Gruppe von Sponsoren den Verkehrsmanagementplan für die Asienspiele. Die Sponsoren verpflichteten sich, Informationen zur Verkehrssicherheit und anderes Lehrmaterial im Wert von 35.000 Pfund Sterling (£) bereitzustellen. Bedi kaufte auch Jeeps für ihre Beamten, die zum ersten Mal mit Autos unterwegs waren. Nach den Asienspielen wurde sie mit dem Asian Jyoti Award für herausragende Leistungen ausgezeichnet. Sie lehnte es ab, die Auszeichnung für sich allein anzunehmen, und empfahl, sie an die gesamte Verkehrseinheit zu vergeben.#Iyer 2012, Seiten 32–33

Da Bedi Verkehrssünder aus dem reichen und einflussreichen Teil der Gesellschaft nicht verschonte, hatte sie bald eine mächtige Lobby gegen sich. Zu ihren "Opfern" gehörten auch der Direktor des Central Bureau of Investigation und ihre eigene Schwägerin.

Distrikt-Polizeichefin für Verkehr von Goa Nach den Asienspielen wurde Bedi im März 1983 für drei Jahre nach Goa versetzt. Ihre 7-jährige Tochter litt seit ihrem dritten Lebensjahr an einem nephritischen Syndrom und war zu diesem Zeitpunkt schwer krank. Bedi beantragte beim Innenministerium, sie nicht aus Delhi zu versetzen, bis sich der Zustand ihrer Tochter stabilisiert habe.#Iyer 2012, Seiten 34–35 Ihrem Antrag wurde nicht stattgegeben. Sie musste ihre Tochter zurücklassen, die zu krank war, um Bedi nach Goa zu begleiten.

Einige Monate nach Bedis Ankunft in Goa wurde die Zuari-Brücke fertiggestellt, aber nicht für die Bevölkerung zugänglich gemacht. Die Landesregierung wollte, dass Indira Gandhi aus Delhi komme und sie offiziell einweihe. Sie erhielt jedoch tagelang keine Bestätigung von Indira Gandhi. Die Bevölkerung musste Fähren benutzen, um ihre Fahrzeuge über den Zuari-Fluss zu bringen. Eines Tages bemerkte Bedi während einer Patrouille, dass sich am Einstiegspunkt der Fähre eine riesige Menschenansammlung wartete. Sie fuhr zur Brücke, hob die Absperrungen auf und leitete den Verkehr, der an der Fähre wartete, zur Brücke um. Diese inoffizielle Brückeneinweihung verärgerte viele Politiker.#Iyer 2012, Seite 36

Im November 1983 war Goa Gastgeber des Commonwealth Heads of Government Meeting (CHOGM). Bedi setzte Angehörige des National Cadet Corps (NCC) für die Verkehrsregulierung entlang der VIP-Strecken in Goa ein. Kurz nach dem Ende des CHOGM verschlechterte sich der Gesundheitszustand ihrer Tochter. Bedi beantragte Urlaub, damit sie nach Delhi gehen und sich um ihre Tochter kümmern konnte.#Iyer 2012, Seiten 37–38 Der Generalinspekteur der Polizei (IGP), Rajendra Mohan, unterstützte ihren Urlaubsantrag, aber von der Regierung des Bundesstaates Goa wurde der Urlaub nicht genehmigt. Bedi ging trotzdem nach Delhi. Ihre Tochter wurde ins Krankenhaus des All India Institute of Medical Science (AIIMS) eingeliefert. Nachdem ihre Tochter aus dem Krankenhaus entlassen worden war, beschloss Bedi, bis zu ihrer Genesung in Delhi zu bleiben. Bedi sandte einen persönlichen Brief an den Inspector General of Police (IGP) sowie eine ausführliche Erklärung an die Regierung von Goa mit medizinischen Berichten und Zertifikaten. Gegenüber der United News of India (UNI) erklärte der Präsident von Goa Pratapsingh Rane jedoch, sie sei flüchtig und ohne Urlaub abwesend. Nachdem die UNI den Zustand von Bedis Tochter in Delhi gesehen hatte, veröffentlichte sie eine Gegendarstellung zur Erklärung des Präsidenten von Goa. Dies stimmte die Regierung von Goa noch feindlicher gegenüber Bedi.

Zurück in Neu-Delhi Da Bedi für abwesend ohne sanktionierten Urlaub erklärt worden war, erhielt sie sechs Monate lang keinen Auftrag. Als sich der Zustand ihrer Tochter stabilisiert hatte, traf sie den Innenminister der Union, T. N. Chaturvedi, der sie wieder in Dienst nahm. Sie wurde als stellvertretende Kommandantin der Eisenbahnschutztruppe in Neu-Delhi zugeteilt.

Sechs Monate später, nachdem sie sich an einen hochrangigen Beamten im Büro des Premierministers gewandt hatte, wurde sie als stellvertretende Direktorin in die Abteilung für industrielle Entwicklung versetzt. Dort arbeitete sie unter der Directorate General of Industrial Contingency (DGIC) als Streikvermittlerin zwischen Arbeitern und Management. Bedi verließ die DGIC im Oktober 1985 und kurz nach ihrer Abreise wurde die Organisation auf Initiative aus der Wirtschaft hin aufgelöst.#Iyer 2012, Seite 38

1985 beantragte Polizeipräsident Ved Marwah, Bedi im Polizeipräsidium anzustellen. Dort bearbeitete Bedi an einem einzigen Tag einige liegengebliebene Akten und genehmigte 1.600 Beförderungen, um die Mitarbeiter zu motivieren.

Distrikt-Polizeichefin von Nord-Delhi