Martin Otto Andersch (* 18. November 1921 in München; † 22. November 1992 in Hamburg-Blankenese) war ein deutscher Maler, Grafiker und Hochschullehrer (ProfessorGermanisches National Museum – Deutsches Kunstarchiv (Kurzbiografie)) für Gestaltung.

Leben Martin Andersch stammte aus einem bürgerlich-konservativen Elternhaus. Er war der Jüngste von drei Söhnen des Tierarztes, späteren Buchhändlers, Immobilienkaufmanns und Versicherungsagenten Alfred Andersch sen. (1875–1929) und dessen Ehefrau Hedwig, geb. Watzek (1884–1976). Sein Vater kam aus einer nach Ostpreußen ausgewanderten Hugenotten-Familie, die Mutter war österreichisch-tschechischer Herkunft. Seine Brüder waren Rudolf (1909–1981) und Alfred (1914–1980).

Mit siebzehn Jahren kam Andersch, nach langer Krankheit, nach Hamburg. Alfred Andersch biografische Erzählung Brüder über einen Elbspaziergang handelt davonHoffmann: Gelehrter der Schrift: Martin Andersch zum Gedenken. Sein Bruder Alfred Andersch riet ihm, Grafikgestalter zu werden. Alfreds zweite Frau, Gisela Groneuer, war auch Malerin und Grafikerin.

Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft fuhr Martin Andersch zunächst als Kartenzeichner auf Forschungsschiffen zur See. Er war aber von der handwerklichen Ästhetik und Ausdrucksfähigkeit des Schreibens schon seit seinen Studien bei der Münchner Kalligraphin Anna Simons fasziniertDer Spiegel und Hamburger Abendblatt. Später fanden die dezenten, modernen Buchumschläge, Titelblätter und Einbände des Malers und Grafikers rasch Anklang. Er war als Lehrer tätig –, erst an der Werkkunstschule, dann auf einer Professur an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg. Ein Band voller Spuren, Zeichen, Buchstaben (1988) war das Vermächtnis des Künstlers, der sich selbst nüchtern einen „Schreiber“ nannteDer Spiegel und Hamburger Abendblatt.

Martin Andersch heiratete 1949 die Glasmalerin Anna Kinau (1914–2005). Ihr gemeinsamer Sohn Dirk Andersch (* 1950 in Hamburg) wurde Maler und Radierer. Anna Andersch-Marcus war in dritter Ehe mit Shlomo Marcus, einem Enkel von Josef Eschelbacher, verheiratet. Sie konvertierte hierzu zum jüdischen Glauben und lebte ab 1969 in IsraelAnna Kinau in: Ralph Busch: Liskor - Erinnern, S. 31.

Andersch starb vier Tage nach seinem 71. Geburtstag in HamburgHoffmann: Gelehrter der Schrift: Martin Andersch zum Gedenken.

Wirken/Methode In Anfängerkursen gab der Schriftkünstler seinen Schülern als erstes Packpapier und eine Rohrfeder in die Hand. Sie sollten erfahren, dass Buchstaben mehr sind als bloß Informationsträger. Martin Andersch hatte sich als Maler der Schrift verschrieben – „als Mahnung gegen den Verlust von Fähigkeiten im Gebrauch der Handschrift und als Konsequenz aus Druck und Computer“Die Welt. Dabei hatte der „Handwerker“ Andersch ein besonderes Verhältnis zu Papieren, Schreibwerkzeugen und Tuschen entwickelt. Das Ergebnis seiner Arbeit sind nicht nur über 1000 Bücher, die er künstlerisch gestaltet hat, sondern auch Kalligrafien mit einer eigenen Ästhetik, die – der fernöstlichen Kalligrafie vergleichbar – die Worte in Bilder umsetzt. Ganz im Sinne Ostasiens gehörte auch für Andersch die kontemplative Ruhe zum SchreibenDie Welt.

In zahlreichen Workshops und Akademie-Lehrgängen brachte Martin Andersch den Studenten und Lehrern die Humanistische Kursive in der Form der Cancellaresca corsiva von Arrighi nah. Seiner Meinung nach sollte man auch überlegen, sie in den Schulen einzuführen, weil „die Humanistische Kursive international die lesbarere ist ... als die ästhetisch redundanten Formen der Vereinfachten Ausgangsschrift ... Das kleine Island hat schon den Anfang gemacht.“Diff-Heft Seite 73 und Koranda Seite 48–53 (samt Schrift-Vorlage). Seinen Plan, eine „Schule der Schrift“ zu gründen, verwirklichte er im Haus der Katholischen Akademie HamburgHamburger Abendblatt 1992.

Nachlass Sein schriftlicher Nachlass befindet sich im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

Werke Spuren, Zeichen, Buchstaben: Über das Schreiben von Schrift, das Experimentieren mit Alphabeten und das Interpretieren von Texten; OM-Verlag, Ravensburg 1988 Manual: Geschriebene Interpretationen poetischer Texte; OM-Verlag, Ravensburg 1991 Martin Andersch: Kommentar zu einem Kommentar. In: Helmut Schreier u. a.: Schrift und Schreiben. Studieneinheit. Projekt Musisch-Ästhetische Erziehung in der Grundschule; 78. DIFF-Heft, Tübingen 1989. S. 79–83.

Quellen Der Spiegel: Nachruf für Martin Andersch; 30.11.1992 (s. Weblinks) P.T. Hoffmann: Phantasien von Geist und Hand – Martin Andersch ist siebzig; in: Hamburger Abendblatt, 18. Nov. 1991, Seite 6 P.T. Hoffmann: Gelehrter der Schrift: Martin Andersch zum Gedenken; in: Hamburger Abendblatt, 25.11.1992, Seite 8 (siehe Weblinks) Die Welt: Die Galerie Blankenese zeigt Bilder von Andersch, Busch und Ruths; 21. Juni 2001 (siehe Weblinks) Josef Koranda: Vom Bild zur Schrift; Eigenverlag, Ravensburg 1993 Pioniere der Kalligrafie: Martin Andersch, Anna Simons u. a.; (siehe Weblinks) Fritz Peyer: Martin Andersch am Arbeitstisch; Zeitungsfoto für das Hamburger Abendblatt, 1991/92 (siehe Weblinks)

Weblinks Hamburger Abendblatt 18.11.1991 Hamburger Abendblatt 25.11.1992 Der Spiegel 30.11.1992 Pioniere der Kalligrafie Die Welt 29.06.2001 Deutsche NationalBibliothek

Einzelnachweise

Kategorie:Kalligraf (Deutschland) Kategorie:Hochschullehrer (Hamburg) Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Bayer Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1921 Kategorie:Gestorben 1992 Kategorie:Mann