Selbstaufwertung ist eine Art der Motivation, die darauf abzielt, das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen einer Person zu steigern. Dieses Motiv kommt vor allem in Situationen des Versagens oder der Bedrohung zum Ausdruck. Selbstaufwertung beinhaltet eine Präferenz zu positiven statt negativen Selbstansichten. Sie ist eines der vier Selbsteinschätzungsmotive neben Selbstevaluation mit Selbsteinschätzung (der Antrieb für ein akkurates Selbstkonzept) und Selbstverifikation (der Antrieb für ein kongruentes Selbstkonzept mit der eigenen Identität). Selbstaufwertungsmotive treiben den Prozess der Selbstregulation, also wie Menschen ihre Handlungen kontrollieren und ausrichten.
Es gibt eine Vielzahl von Strategien, die benutzt werden können, um das eigene Selbstwertgefühl zu verbessern. Zum Beispiel können Fertigkeiten, die man selbst nicht oder nur schlecht beherrscht, kleingeredet werden oder man kritisiert andere Menschen, um im Vergleich besser zu wirken. Diese Strategien sind insofern erfolgreich, dass Menschen glauben, sie hätten mehr positive und weniger negative Eigenschaften als andere. Obwohl Selbstaufwertung sowohl bei Menschen mit niedrigem als auch mit hohem Selbstwertgefühl gesehen werden kann, verwenden beide Gruppen unterschiedliche Strategien. Menschen, die bereits ein hohes Selbstwertgefühl besitzen, werten dieses direkt weiter auf, indem sie neue Informationen voreingenommen bzw. verzerrt verarbeiten. Menschen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl benutzen 'indirekte' Strategien, indem sie z. B. Situationen vermeiden, in denen ihre negativen Eigenschaften bemerkbar wären.
Es gibt Kontroversen, ob Selbstaufwertung vorteilhaft für das Individuum sind und ob Selbstaufwertung kulturell universell oder lediglich speziell für den westlichen Individualismus sind.
Stufen Selbstaufwertung kann in vielen verschiedenen Situation und Erscheinungsformen auftreten. Den üblichen Motiven für Selbstaufwertung können mehrere Erklärungen zugrunde liegen, jedes davon tritt entsprechend der vorliegenden Situation mehr oder weniger zum Vorschein.
Die Erklärungen für Selbstaufwertungsmotive können in verschiedenen Kombinationen auftreten. Selbstaufwertung kann als zugrundeliegendes Motiv oder als Charakterzug ohne feststellbaren Effekt auftreten.
Die vier Stufen der Selbstaufwertungsmanifestation, wie sie von Sedikides & Gregg (2008) definiert wurden.
Dimensionen Sowohl die Auswirkungen als auch die Arten der Selbstaufwertung unterscheiden sich in mehreren Dimensionen.
Selbstförderung vs. Selbstschutz Selbstaufwertung kann sowohl bei Selbstförderung als auch bei Selbstschutz auftreten. Also indem die Positivität des Selbstkonzepts aufgewertet wird oder indem die Negativität des Selbstkonzepts reduziert wird. Selbstschutz scheint das stärkere der beiden Motive zu sein, da die Vermeidung von Negativem wichtiger als die Förderung von Positiven ist. Jedoch, wie mit allen Motivationen, gibt es Unterschiede zwischen den Individuen. Zum Beispiel scheinen Menschen mit höherem Selbstwertgefühl Selbstförderung zu bevorzugen, während Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl zu Selbstschutz neigen. Dies zeigt die damit verbundenen Risiken auf; sich nicht gegen Negatives zugunsten von Selbstförderung zu wehren, bietet Potential für Verluste, wogegen man durch Selbstschutz zwar nichts direkt gewinnt, aber auch nicht die Negativität erleidet bzw. über sich ergehen lässt. Menschen mit hohem Selbstwertgefühl tendieren dazu, größere Risiken einzugehen, und entscheiden sich für die riskantere Strategie der Selbstförderung, wogegen Menschen mit weniger Selbstwertgefühl und Risikobereitschaft sich durch Selbstschutz absichern.
Öffentlich vs. privat Selbstaufwertung kann sowohl im Privaten als auch im Öffentlichen auftreten. Öffentliche Selbstaufwertung ist offensichtliche positive Selbstpräsentation, wogegen sie im privaten nur für das Individuum bemerkbar ist.Greenwald, A. G. & Breckler, S. J. (1985), "To whom is the self presented?", in B. E. Schlenker (ed.), The self and social life, New York: McGraw-Hill, pp. 126–145 Die Anwesenheit von anderen Personen kann die Selbstaufwertung bestärken oder hemmen. Während Selbstaufwertung nicht immer im öffentlichen stattfindet, wird es dennoch durch das soziale Umfeld beeinflusst, z. B. durch soziale Vergleiche.
Zentral vs. peripher Potentielle Gebiete der Selbstaufwertung unterscheiden sich in der Hinsicht, ob sie wichtig oder zentral für eine Person sind. Selbstaufwertung tritt mehr in Bereichen auf, die der Person am wichtigsten erscheinen, und weniger in peripheren bzw. weniger wichtigen Bereichen.
Aufrichtig vs. taktisch Selbstaufwertung kann entweder aufrichtig oder taktisch auftreten. Aufrichtige Selbstaufwertung dient dem Zweck der sofortigen Befriedigung, wogegen taktische Selbstaufwertung potentiell zu größerem Nutzen durch verzögerte Befriedigung führt.
Taktische Selbstaufwertung wird oft gegenüber aufrichtiger Selbstaufwertung bevorzugt, da offene Selbstaufwertung als sozial anstößig bei Anwesenden wahrgenommen wird.Sedikides, C.; Gregg., A. P. & Hart, C. M. (2007), "The importance of being modest", in C. Sedikides & S. Spencer (eds.), The self: Frontiers in social psychology, New York: Psychology Press, pp. 163–184 Narzissmus ist eine Veranschaulichung von extremer aufrichtiger Selbstaufwertung.
Arten Selbstaufwertung tritt nicht wahllos auf. Oft geschieht dies systematisch und kann in unzähligen Erscheinungsformen auftreten, um die Selbstwahrnehmung zu steigern. Es ist wichtig hervorzuheben, dass Selbstaufwertung normalerweise von einem selbst nicht wahrgenommen wird. Bewusstes Wahrnehmen der Selbstaufwertung würde die Fassade hervorheben, die wir zu kreieren versuchen und aufdecken, dass wir uns selbst besser wahrnehmen als wir es tatsächlich sind.
Neigung zur selbstvorteilhaften Attribution Selbstaufwertung kann auch die kausalen Erklärungen von sozialen Ergebnissen beeinflussen. Menschen neigen dazu, eine vorteilhafte Selbstattribution aufzuweisen, also positive Ergebnisse sich selbst zuzuschreiben und negative Ergebnisse anderen Faktoren, welche nicht kontrollierbar sind wie z. B. Glück oder Umstände. Kurzgefasst erheben Menschen Anspruch auf ihren Erfolg, aber leugnen Verantwortung für ihre Fehler. Die selbstvorteilhafte Attribution ist sehr robust, sie tritt im öffentlichen als auch im privaten auf, selbst wenn es Anregungen für Ehrlichkeit gibt. Menschen manifestieren am häufigsten eine selbstvorteilhafte Attribution, wenn sie den Ursprung von Ereignissen erklären, bei welchen sie selbst einen Anteil haben.
Erklärungen für moralische Überschreitungen folgen einem ähnlichen selbstdienenden Muster, genauso wie Erklärungen für Gruppenverhalten.Pettigrew, T. F. (2001), "The ultimate attribution error: Extending Allport's cognitive analysis of prejudice", in M. A. Hogg & D. Abrams (eds.), Intergroup relations: Essential readings, Philadelphia, PA: Psychology Press/Taylor & Francis, pp. 162–173 Der ultimative Attributionsfehler ist die Tendenz, negative Taten der Fremdgruppe und positive Taten der Eigengruppe zuzuschreiben, da dies 'in deren Natur liegt'. Also aufgrund ihrer Wesensart und nicht als Produkt von externen Faktoren. Dies reflektiert die Handlung zum selbstvorteilhaften Vorurteil gebrochen durch soziale Identifikation.
Selektivität
Selektives Gedächtnis
Menschen werten sich manchmal auf, indem sie sich selektiv an ihre Stärken statt ihre Schwächen erinnern. Dieses Muster von selektivem Vergessen wurde bereits als mnemische Vernachlässigung beschrieben. Mnemische Vernachlässigung betrifft Verzerrungen der Verarbeitung von Informationen bei Abspeicherung, Wieder- oder Beibehaltung.
Verzerrungen beim Abspeichern treten via selektiver Aufmerksamkeit und selektiver Exposition auf. Verzerrungen beim Wieder- und Beibehalten treten via selektivem Abruf auf.
Durch die Charakteristiken von bestimmten Verhalten oder Charakterzügen kann mnemische Vernachlässigung betont oder vermindert werden. Beispielsweise erinnerten sich Teilnehmer einer Studie, nachdem sie ein falsches Feedback bekamen, öfter an positive statt negative Verhalten. Dies aber nur, wenn das Verhalten sich auf zentrale, nicht periphere Charakterzüge bezog und wenn das Feedback den Teilnehmer, nicht aber die anderen betraf. Ähnliche Resultate treten zum Vorschein, wenn die wiederaufzurufende Information persönliche Charakterzüge, Beziehungsfördernde bzw. hemmende Verhalten, Häufigkeit von sozialen Aktivitäten und autobiographische Erinnerungen betrifft.
Selektive Akzeptanz und Widerlegung Selektive Akzeptanz nimmt schmeichelhafte oder aufwertende Information als Fakt, mit wenig Rücksicht auf deren Stichhaltigkeit. Selektive Widerlegung dagegen involviert das Suchen nach plausiblen Theorien, die es ermöglichen die Kritik zu diskreditieren. Ein gutes Beispiel für die Akzeptanz und Widerlegung wäre das als valide Erkennen einer Prüfung, bei der man gut abgeschnitten hat, gegen das aufmerksame Suchen nach Gründen, um eine Prüfung als invalide gelten zu lassen, bei der man schlecht abgeschnitten hat.Greenwald, A. G. (2002), "Constructs in student ratings of instructors", in H. I. Braun & D. N. Douglas (eds.), The role of constructs in psychological and educational measurement, Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum, pp. 277–297
Übereinstimmend mit selektiver Akzeptanz und Widerlegung ist die Observation, dass Menschen Vorwürfen gegen sie eher kritisch gegenüberstehen, aber mit erhaltenem Lob nachsichtig umgehen. Menschen werden unangenehme Informationen anfechten, aber bereitwillig und ohne Fragen angenehme Information akzeptieren.
Strategien
Strategisch soziale Vergleiche mini|200x200px|Die potentiellen Richtungen für strategisch soziale Vergleiche (aufwärts, lateral, abwärts, lateral). Die soziale Natur der Welt, in der wir leben, bedeutet, dass Selbstbewertung nicht absolut stattfinden kann – ein Vergleich mit anderen sozialen Wesen ist unvermeidlich. Viele soziale Vergleiche finden automatisch als Folge von Umständen statt, z. B. während einer Prüfung, in der soziale Vergleiche des Intellekts mit denen stattfinden, die dieselbe Prüfung ablegen. Die Stärke des Selbstaufwertungsmotivs kann jedoch zur subjektiven Ausnutzung von Szenarien führen, um dem Selbst im Vergleich zwischen dem Selbst und anderen ein günstigeres Ergebnis zu liefern. Solche unfreiwilligen sozialen Vergleiche führen zu Selbstregulierungsstrategien.
Das Selbstwertgefühl mildert die positiven, bewertenden Konsequenzen von Vergleichen mit minderwertigen und überlegenen anderen. Menschen mit höherem Selbstwertgefühl sind optimistischer, wenn es darum geht, den Fehlern und dem Unglück von untergeordneten auszuweichen und die Erfolge bzw. das Glück von übergeordneten zu sichern.
Aufwärtsgerichtete soziale Vergleiche Ein sozialer Vergleich nach oben beinhaltet den Vergleich mit einem Individuum, das als überlegen oder besser als man selbst wahrgenommen wird. Ein sozialer Vergleich nach oben mit jemandem, der als ähnlich empfunden wird, kann durch das Angleichen des Selbst und seinen (Charakter-)Eigenschaften zu einer Selbstaufwertung führen. Dies geschieht jedoch nur wenn:
Der Unterschied zwischen dem Selbst und der Bezugsperson nicht zu groß ist; Eine vergleichbare Fertigkeit oder Erfolg ist erreichbar; Die Bezugsperson wird nicht als Konkurrent wahrgenommen.
Wenn das Angleichen nicht als Ergebnis eines sozialen Vergleichs auftritt, kann stattdessen ein Gegensatz auftreten, der zu sozialen Vergleichen nach oben führen kann, die Inspiration liefern.Collins, R. L. (2000), "Among the better ones: Upward assimilation in social comparison", in J. Suls & L. Wheeler (eds.), Handbook of social comparison, New York: Kluwer Academic/Plenum, pp. 159–172
Abwärtsgerichtete soziale Vergleiche