Premslin ist ein Ortsteil der amtsfreien Gemeinde Karstädt im Landkreis Prignitz in Brandenburg. Zu Premslin gehören die bewohnten Gemeindeteile Glövzin und Neu-Premslin.
Lage Der Ort liegt südöstlich des Kernortes Karstädt an der B 5 und an der Kreisstraße K 7029. Das Dorf ist als Winkelangerdorf mit Kirche ausgebildet. Etwa 2 km südlich befindet sich das Etablissement Vorwerk Neu Premslin, rund 1 km südsüdöstlich des Ortskerns von Premslin gelegen. Südwestlich davon erstreckt sich teilweise die wüste Feldmark Raduchelsdorf (Flurname Rodüchelstücke; vgl. auch Nebelin), westlich anschließend die Wendfeldschen Wiesen. Archäologische Funde belegen mehrere slawische Siedlungsplätze in der Umgebung: Rund 2,7 km nordöstlich liegt vermutlich eine altslawische Siedlung des 9. bis 10. Jahrhunderts. Etwa 2,4 km ostnordöstlich wurde eine alt- und jungslawische Siedlung des 9. bis 12. Jahrhunderts nachgewiesen. In 1 km ostsüdöstlicher Entfernung befand sich vermutlich eine jungslawische Siedlung des 11. bis 12. Jahrhunderts sowie späterer Zeitstellung. Weitere vorwiegend jungslawische Siedlungsreste des 9. bis 12. Jahrhunderts liegen etwa 0,7 km nordöstlich des Ortes.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (= Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 672
Geschichte und Etymologie Etymologie Der Ort wurde erstmals im Jahr 1315 als in Premslin urkundlich erwähnt. Weitere überlieferte Namensformen sind Promcelin und Prempzelyn (1316), Prornczelin (1440), to Promseleyn (1453) sowie Premtzlin (1540). Der Name stammt aus dem Slawischen und bedeutet „Siedlung eines Mannes namens Premysl“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 133, ISBN 3-937233-17-2..
Besitzgeschichte Die Besitzgeschichte von Premslin ist durch mehrere Anteile geprägt. Ein Hauptanteil lag vor 1373 bis 1440 bei Bosel, der die Dörfer Glövzin, Premslin und Semlin mit Ober- und Untergericht sowie dem Kirchenpatronat innehatte. Nach dem Heimfall wurde dieser Anteil 1440 an die von Quitzow zu Stavenow verliehen, die ihn bis 1647 als Hauptanteil besaßen, zunächst ohne Patronat in Premslin, jedoch seit 1515 auch über einen Hof des Bernd von Rohr sowie seit 1545 über das vom Stift Marienfließ erworbene Patronat. Damit verfügten sie über einen Rittersitz (1606) mit 17 Bauern und vier Kossäten (1624). Im Jahr 1624 wurde der Besitz schuldenhalber für 25 Jahre an Joachim Möller zu Heiligenthal veräußert, bevor 1647 die gesamte Herrschaft Stavenow von den Gläubigern an die von Blumenthal auf Pröttlin verkauft wurde. Diese besaßen den Anteil bis 1719 mit Meierei, Wasser- und Windmühle, Straßengericht, Patronat und 21 Untertanen. Von 1719 bis 1809/1819 gehörte der Besitz den von Kleist zu Stavenow mit einem Rittersitz, 18 Bauern, drei Kossäten, Schmiede, Wasser- und Windmühle (1745), bevor er schließlich von 1809/1819 bis 1872 an die von Voß zu Stavenow und Premslin überging. Ein weiterer bedeutender Anteil befand sich von vor 1315 bis 1872 im Besitz der von Karstedt zu Premslin und später zu Kaltenhof (im 18. und 19. Jahrhundert auch zu Klein Linde und Fretzdorf). Diese veräußerten 1315 Hebungen von vier zu drei Bauernhöfen gehörigen Hufen an die Mariengilde oder den Kaland in Perleberg und übertrugen 1328 das Patronat an das Kloster Marienfließ in Stepenitz. Bis 1548 besaßen sie einen Wohnhof in Premslin, der ab 1540 nach Kaltenhof verlegt wurde; danach verblieben ihnen anteilige Rechte an Diensten, Pachten und Geringen Abgaben sowie 1598 beziehungsweise später fünf Untertanen mit Zaungerechtigkeit und vier Bauern und einem Kossäten (1745). Das Patronat selbst lag von 1328 bis 1545 beim Kloster Marienfließ, das es 1328 von den von Karstedt erworben hatte und 1545 nach Vorverhandlungen an die von Quitzow überließ.
Weitere Besitzanteile ergänzten diese Struktur. Von 1315 bis nach 1600 verfügte die Mariengilde beziehungsweise der Kaland in Perleberg über Hebungen aus vier zu drei Bauernhöfen gehörigen Hufen, die 1315 von den von Karstedt erworben und 1317 einschließlich Ober- und Untergericht bestätigt wurden; nach der Reformation verwaltete der Gemeine Kasten zu Perleberg diesen Besitz. Vor 1316 besaß der Markgraf vier Hufen, die 1316 an die von Wartenberg für eine Altarstiftung in Nebelin verkauft wurden. Ein weiterer Anteil lag 1453 bei Hermann Rodevoß zu Premslin und gelangte anschließend vermutlich an die von Rohr; vor 1515 besaß Bernd von Rohr einen Hof, der um 1515 an die von Quitzow verkauft wurde. Daneben bestanden Rechte einzelner Bürger aus Perleberg: 1323/1351 besaß ein Bürger Sander entsprechende Rechte, 1345 Radolf Hebungen in Höhe von 12 Wispel aus Premslin. Schließlich verfügte der Pfarrer zu Premslin von vor 1542 bis nach 1745 über zwei Kossätenhöfe mit allen Rechten (1542, 1647) beziehungsweise über zwei Bauernstellen (1745).Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 673
14. und 15. Jahrhundert Premslin wurde 1315 erstmals als Dorf erwähnt. Bereits 1317 war es ein Pfarrdorf mit einem Dorfschulze. Im Ort bestanden unter anderem drei Zweihufnerhöfe, von denen vier Hufe (2+1+1) der Mariengilde in Perleberg gehörten, während zwei Hufen (1+1) der Kirche in Premslin zugeordnet waren; dies stand im Zusammenhang mit einem Vergleich über die Ober- und Untergerichtsbarkeit. 1453 ist ein Wohnhof des als Friedensbrecher angeklagten Hermann Rodevoß überliefert.
16. Jahrhundert 1515 befand sich ein Hof des Bernd von Rohr im Ort, der inzwischen von den von Quitzow erworben und als Eigenhof weiter ausgebaut worden war. 1542 erhielten diese die kurfürstliche Genehmigung zum Bau einer Windmühle vor Premslin. Die kirchlichen Verhältnisse sind seit 1542 detailliert belegt. Das Pfarrhaus verfügte über einen Hopfen- und Kohlgarten (1558), 1581 zusätzlich über einen Kohlgarten vor dem Dorf. Zur Pfarre gehörte eine Hufe auf dem Feld, die vom Pfarrer selbst bewirtschaftet wurde (1558: Aussaat von etwa 16 Scheffel Roggen, sechs Scheffel Gerste und fünf Scheffel Hafer), sowie eine weitere Hufe auf dem Kleinen Wendfeld, die von zwei zur Pfarre gehörigen Kossäten bestellt wurde. Hinzu kamen Hebungen vom Dorfschulzen und vier weiteren Bauern; die Gemeinde zählte etwa 120 Kommunikanten. In der Kirche bestand eine Kommende mit dem St.-Katharinen-Altar, die Einkünfte aus Steinberg, Glövzin und Premslin bezog und nach dem Willen Lutke von Quitzows der Pfarre zugelegt werden sollte. Ein Küster war zunächst nicht vorhanden; ein Hopfenhof gilt als ehemalige Küsterei und wurde später vom Pfarrer genutzt. 1558 ist ein Küster belegt, der über ein Haus, einen Hopfen- und Kohlgarten vor dem Dorf, drei Stück Land mit 4 bis 5 Scheffel Aussaat, eine Wiese zu 3 Fuder Heu sowie eine weitere Kirchenwiese verfügte; außerdem erhielt er von jedem Hufner Scheffel und von jedem Kossäten ein Viertel Roggen.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 675 Die Kirche selbst besaß Ackerland zu 6 Scheffel Aussaat (1558: teils in einem Feld, teils zu Wispel im anderen), das jedoch laut Angabe von 1581 etwa 20 Jahre zuvor von den von Karstedt eingezogen worden war und der Kirche wieder zugelegt werden sollte. Ferner gehörte eine Wiese zu 2 Fuder Heu zur Ausstattung, die 1558 vom Küster genutzt wurde.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 676 Im Jahr 1543 wurde ein Hof von Stavenow aus zu einem stattlichen Viehhof, nahezu einem Rittersitz, ausgebaut; dieser verfügte über Anteile am Großen und Kleinen Wendfeld, wobei 1542 ein Streit mit den von Karstedt über den Neubau auf dem Wendfeld bestand. 1548 wurde der Rittersitz der von Karstedt in Premslin zugunsten des neu angelegten Kaltenhof aufgegeben. 1576 umfasste das Dorf 20 Einhufner und fünf Kossäten; ein Hof lag wüst.
17. Jahrhundert Im Jahr 1608 bestand ein Rittersitz der von Quitzow. 1617 wurde der Ehefrau des Cuno von Quitzow, Clara von Schlieben, ein Leibgedinge eingeräumt, das unter anderem den Meierhof in Premslin mit Ackerwerk und Holzung, insbesondere Hünerland und Wendfeldt, einen Karpfenteich sowie Wasser- und Windmühle und die Dienste von zehn Hufnern und fünf Kossäten umfasste. 1649 war der Rittersitz eingefallen; erhalten waren ein von Wassergraben und Zugbrücke umgebener Platz, ein kleines Gebäude, eine Scheune mit 23 Gebinden, Baum-, Kohl- und Hopfengarten sowie Wiesen von 130 Fuder Heu. Der Ackerbau erfolgte in drei Schlägen mit einer Aussaat von 8 Wispel Roggen, Wispel Gerste und 10 Wispel Hafer laut altem Register. Es bestanden Schweine- und Schafhaltung, fünf Teiche sowie Holzung im Wendfeld und Hünerland; die 1647 nahezu wüste Wassermühle wurde 1648 neu erbaut. Im Dorf gab es 19 Bauernhöfe einschließlich des Schulzen (davon zehn wüst), einen Kossätenhof sowie ein kleines Haus bei der Kirche mit einer neu eingerichteten Schmiede anstelle der im Dreißigjährigen Krieg zerstörten. Hinzu kamen zwei zur Pfarre gehörige wüste Kossätenhöfe und sechs dem Kaltenhof zugehörige Untertanen. 1652 wurden elf Vollhufner und zwei Halbhufner mit insgesamt 14 Personen gezählt. 1686 bestanden 18 Hufner (davon zehn wüst), sechs Halbhufner (davon drei wüst), drei Kossäten (einer wüst), ein Kötter sowie ein Einlieger auf einem wüsten Kossätenhof. Ferner gab es eine wüste Schmiedestelle, eine Wind- und eine Wassermühle sowie einen Kuhhirten und einen Schweinehirten. Die Aussaat betrug insgesamt 25 Wispel 18 Scheffel; bewirtschaftet wurden drei Felder, wobei das dritte Korn gewonnen wurde. Die Wiesen galten als schlecht, Acker und Weide als gut; Mast und Fischerei fehlten, Brennholz war nur notdürftig vorhanden. Das Dorf wurde in die zweite Klasse eingeordnet.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 674
18. Jahrhundert