Die Noworossijsk-Tamaner Operation (russisch: Новороссийско-Таманская операция) vom 9. September bis 9. Oktober 1943 war im Zweiten Weltkrieg eine erfolgreiche Offensive der Nordkaukasischen Front an der südlichen Ostfront. Dieser Angriff auf den letzten von der deutschen Wehrmacht gehaltenen Teil des Kuban-Brückenkopfes zwischen Noworossijsk und Taman brachte für die Rote Armee den erfolgreichen Abschluss der Schlacht um den Kaukasus. Die sowjetischen Truppen konnten den deutschen Brückenkopf auf Taman beseitigen, der die Sicherung der Krim und die Möglichkeit neuer offensiver Aktionen gegen den Kaukasus ermöglichte. Am 16. September wurde Noworossijsk von der Roten Armee befreit, am Morgen des 9. Oktober hatten die sowjetischen Truppen die gesamte Taman-Halbinsel und die Tschuschka-Nehrung von der deutschen Besatzung befreit.

Vorgeschichte Zwischen dem 4. und 10. Februar 1943 erfolgte bei Noworossijsk ein erstes Landungsunternehmen der sowjetischen Truppen, das von der deutschen 73. Infanterie-Division neutralisiert werden konnte, doch gelang es der Roten Armee sich in der Tzemess-Bucht bei Stanitschka festzusetzen und auf den Höhen von Kap Myschako einen Brückenkopf zu bilden. Am 26. August durchbrach die sowjetische Südfront die Mius-Stellung der deutschen 6. Armee, damit wurde im Kaukasus südlich davon, die 17. Armee fast isoliert. Die Truppen der Nordkaukasischen Front (9., 56. und 18. Armee, 4. Luftwaffe) näherte sich der sogenannten „Blauen-Linie“, hinter welcher sich die deutsche 17. Armee auf der Taman-Halbinsel zur Verteidigung eingerichtet hatte.

Im August 1943 erteilte die Stawka im Zusammenhang mit der günstigen Lage im Südwesten dem Befehlshaber der Nordkaukasischen Front unter Generaloberst Iwan J. Petrow über die Vorbereitung einer Offensivoperation, um die Niederlage der deutschen 17. Armee abzuschließen und ihren Rückzug auf die Krim zu verhindern. Die sowjetischen Truppen im Kubangebiet zählten 18 Schützendivisionen, 4 Schützenbrigaden, 2 Panzerregimenter – insgesamt 317.000 Mann, 4435 Kanonen und Mörser, 314 Panzer und Selbstfahrlafetten, dazu 683 Flugzeuge. Die 18. Armee operierte auf dem linken Frontflügel im Brückenkopf von Myschako und von der Küste bis zum Dorf Neberdschajewskaja. Die 56. Armee befand sich rechts davon, von Neberdschajewskaja bis Kiewskoje. Die 9. Armee folgte als rechter Flügel der Front von Kiewskoje bis zur Küste des Asowschen Meeres. Die 58. Armee übernahm nordöstlich der Front die Sicherung der Asowschen Seeküste zwischen Margartowki und Achujewa.

Da bei den vorangegangenen Luftschlachten am Kuban war die Zahl der deutschen Flugzeuge erheblich reduziert worden, daher wurde die deutsche 17. Armee auf der Krim von nur mehr etwa 300 Flugzeuge gedeckt, gegenüber doppelt so vielen Flugzeugen, welche die sowjetische 4. Luftarmee (Generaloberst K. A. Werschinin) zusammen mit der Schwarzmeerflotte aufbieten konnte.

Deutsche Verteidigung mini |GFM von Kleist im Treffen mit General de Angelis Da die gesamte deutsche Position in der Ostukraine ins Wanken geriet, bat Generalfeldmarschall Erich von Manstein das OKH, den Kuban-Brückenkopf zu evakuieren, damit die 17. Armee (General der Pioniere Erwin Jaenecke) zur Verstärkung seiner Heeresgruppe eingesetzt werden kann. Anfangs stimmte das OKH nur dem Abzug der 13. Panzer-Division aus dem Kubangebiet zu. Am Nachmittag des 3. September erklärte sich Hitler endlich bereit, den Kuban-Brückenkopf zu evakuieren. Der Befehlshaber der Heeresgruppe A, Generalfeldmarschall Ewald von Kleist erhielt darauf vom OKH den Befehl, den Kuban-Brückenkopf zu räumen. Die Evakuierung sollte am 7. September beginnen. Die vom Generalstab der Heeresgruppe A und der 17. Armee separat entwickelten Pläne für den Abzug wurden in den Unternehmen „Krimhild“ und „Brunhild“ vorgelegt. Im Plan für „Krimhild“ war für eine Evakuierungszeit von 10 bis 12 Wochen ausgelegt und sah die Zerstörung aller für die weiteren Kriegshandlungen verwendbaren Befestigungen sowie die Mitnahme einer erheblichen Anzahl von Zivilisten vor. Die Planung für „Brunhild“ sah vor, den Brückenkopf in 38 Tage zu evakuieren, das gesamte Kriegsmaterial der 17. Armee im Voraus abzutransportieren und alle Industriestätten- und militärische Anlagen unbrauchbar zu machen.

Am 6. September wurde das AOK 17 aufgefordert, auch die bei Gostagajewskaja konzentrierte 125. Infanterie-Division sofort zur Heeresgruppe Süd zu überführen, obwohl die Evakuierung noch nicht begonnen hatte. Obwohl der sowjetische Generaloberst Petrow von den Rückzugsabsichten der 17. Armee nichts wusste, befahl er seiner 9., 18. und 56. Armee, lokale Fixierungsangriffe durchzuführen, um die Deutschen daran zu hindern, weitere Einheiten der Heeresgruppe Süd zu übertragen. Zu diesem Zeitpunkt bestand die 17. Armee noch aus 13 Infanterie- und 1 Kavalleriedivision sowie mehreren anderen Einheiten, die sich auf der Taman-Halbinsel konzentrierten. Zusammen etwa 220.000 Mann (davon etwa 40.000 rumänische Verbündete), 2860 Kanonen und Mörser, etwa 150 Panzer und Sturmgeschütze sowie etwa 300 Flugzeuge.

17. Armee Mitte September 1943 V. Armeekorps (General der Infanterie Karl Allmendinger) mit 4. Gebirgs-, 9. und 73. Infanterie-Division XXXXIV. Armeekorps (General der Artillerie de Angelis) mit 97. und 101. Jäger-Division, 79. und 98. Infanterie-Division sowie rumänische 10. Division XXXXIX. Gebirgskorps (General der Gebirgstruppe Konrad) mit 9. Flak-Division, 50. und 370. Infanterie-Division Rumänisches Kavallerie-Korps (Generalmajor Gheorghe Cealik) mit rumänischer 4. Gebirgs-, 9. Kavallerie- und 19. Division

Am linken Flügel der 17. Armee verteidigten zwei Infanteriedivisionen (370. und 50.) bis zum Kuban-Abschnitt. Vier weitere Divisionen (79., 98., 97. und 9.) verteidigten im Zentrum der Blauen Linie den 35 Kilometer breiten Abschnitt von Kiewskoje bis zum Dolgaja Gebirge. Vor Noworossijsk bis zum Dolgaja Gebirge wurden 20 Kilometer von zwei Infanteriedivisionen (4. Geb. und 73.) gehalten. In der Tiefe der Verteidigung, bei Glebowka und südlich Oserejka befanden sich zusätzliche, zumeist rumänische Reserven. In taktischer Reserve hatten die Deutschen zwei Regimenter südlich des Wolchi Vorota Passes stehen, ein weiteres Regiment war in Krasno-Medwedowskaja bereitgestellt.

Angriffsplanung Das sowjetische Oberkommando beschloss den Hauptangriff bei Noworossijsk anzusetzen. In Übereinstimmung mit dem von der Stawka vorgelegten Operationsplan übertrug der Frontkommandeur am 30. August die 18. Armee mit der Führung des Hauptschlages. Der Angriffsplan bestand darin, die deutsche Verteidigung durch eine Reihe kombinierter Angriffe von Land und Meer zu trennen. Eine von den deutschen Truppen sorgfältig vorbereitete Verteidigungslinie, die sogenannte „Blaue Linie“, führte durch ein Gelände, das den sowjetischen Truppen eine hervorragende Sicht für die Beschießung bot. Die deutsche Hauptverteidigungslinie, mit einer Tiefe von bis zu 5–6 km, basierte auf Widerstandsknoten und Hochburgen auf beherrschenden Höhen. Drahtbarrieren in 5–6 Reihen, die vor den Gräben, Minenfeldern und abgebauten Trümmern installiert waren, waren mit Maschinengewehren und leichter Artillerie aus betonierten Unterständen und Bunkern gedeckt.

Am 1. September berichtete der Kommandeur der Schwarzmeerflotte dem Kriegsrat der Front über seinen Plan zur amphibischen Landung. Insgesamt sollten 147 Einheiten eingesetzt werden, die zu separaten Gruppen zusammengefasst wurden. Es wurden drei Landungsabschnitte eingeteilt: beim ersten sollten 59, beim zweiten – 19 und beim dritten – 26 Einheiten eingesetzt werden. Die Deckungsflottillen, zu denen 43 Kriegsschiffe gehörten, bestand aus vier Gruppen. Die erste Gruppe hatte die Aufgabe, die Minen an den Eingangstoren des Hafens von Noworossijsk zu zerstören und die bereits vorhandenen Passagen für Boote mit Landetruppen zu erweitern. Anschließend sollten die zweite und dritte Gruppe, die in den Hafen einbrachen, die Westküste der Tsemesskaja-Bucht und die Hafenliegeplätze angreifen und dort die Verteidigung des Feindes unterdrücken. Eine vierte Gruppe von Kriegsschiffen hatte Befehl, den Landevorgang vom Meer aus zu decken.

In der folgenden Phase hatte 9. Armee in Zusammenarbeit mit der Asowschen Flottille auf Temrjuk und Warenikowskaja, die 56. Armeen auf Gladkowskaja und Gostagajewskaja anzugreifen. Nachdem die 18. Armeen und die Schwarzmeerflotte Noworossijsk befreit hatten, sollten sie auf Werchne-Bakanski und Anapa vorrücken. Die deutsche Front sollte zügig durchbrochen werden und die gegnerischen Truppen der Rückzug über die Straße von Kertsch abgeschnitten werden. Die Vorbereitungen für die Offensive sollten bis zum 7. September abgeschlossen sein. Der Beginn des Infanterieangriffes der 56. und 9. Armee hing vom Erfolg der Kämpfe um Noworossijsk ab. Bereits während der Vorbereitungszeit am 5. September sollten die Truppen der 9. und 56. Armee die Aufmerksamkeit des Feindes vom bevorstehenden Angriff auf Noworossijsk durch Angriffe kleinerer Abteilungen auf sich ziehen.

Die 9. Armee sollte mit Unterstützung der Asowschen Militärflottille von Konteradmiral Sergei G. Gorschkow eine Offensive entlang des Flusses Kuban nach Kurchanskaja, Temrjuk und die 56. Armee nach Gladkowskaja und Gostagajewskaja ansetzen. Der Hauptschlag sollte von der 18. Armee unter Generalleutnant Konstantin N. Lesselidse geführt werden. Sie erhielt die Aufgabe in Zusammenarbeit mit den Streitkräften der Schwarzmeerflotte von Vizeadmiral L. A. Wladimirski den Hafen Novorossijsk befreien und Seeangriffe gegen Werchne-Bakanskaja und Anapa auszuführen. Danach war an den Durchbruchsstellen ein schneller Vormarsch der Fronttruppen vorgesehen, um die deutschen Hauptkräfte zu den Häfen der Taman-Halbinsel abzuschneiden und deren Evakuierung auf die Krim zu verhindern. Die Streitkräfte der Schwarzmeerflotte trainierten die Landung von Angriffskräften und die Interaktion von Gruppen von Kampfunterstützungsschiffen mit Landungsschiffen. Besonderes Augenmerk wurde auf die Vorbereitung von Torpedobooten bei der Zerstörung von Auslegern und Minenfeldern sowie auf die Abgabe eines Feuerschlags auf den Feind in den Landegebieten gelegt. Zusätzlich wurden praktische Übungen zur Organisation der Nachtpassage von Schiffen und Booten mit Landetruppen durchgeführt. Der Leiter der politischen Abteilung der 18. Armee, Oberst L. I. Breschnew überprüfte die Vorbereitungen und sprach mit Soldaten, hielt Treffen mit den Kommandeuren und politischen Arbeitern zur Koordination der Operation ab. Zu den Truppen der Nordkaukasischen Front gehörten die 9., 18., 56. und die 58. Armee sowie die 4. Luftarmee, welche zusammen 21 Schützendivisionen, 10 Schützen- und 3 Marine-Brigaden, mehrere Panzerbrigaden und separate Panzerregimenter zählten.

mini|Generalleutnant Konstantin N. Lesselidse mini|Alexei Alexandrowitsch Gretschkin

18. Armee (Generalleutnant Konstantin Nikolajewitsch Lesselidse, Mitglied des Militärrates: Generalmajor S. J. Kolonin, Stabschef: Generalmajor N.O. Pawlowski) 89. Schützendivision, Oberst Nwer Georgjewitsch Safarjan 1339. Schützenregiment, Oberstleutnant Sergei Nikolajewitsch Kadanschik 255. Marine-Brigade, Oberst A. S. Potapow 393. Marine-Bataillon, Kapitänleutnant Wassili Andrejewitsch Botyljow 290. NKWD-Schützenregiment, Oberst Iwan Wassiljewitsch Piskarew 318. Schützendivision, Oberst Valentin Apollinarjewitsch Vrutzki 20. Schützenkorps, Generalmajor Dmitri Wassiljewitsch Gordejew 176. Schützendivision, Generalmajor Sergei M. Bytschew 8. Garde- und 107. Schützen-Brigade 81. und 83. Marine-Brigade Reserve: 55. Garde-Division, Generalmajor Boris Nikitowitsch Arschintzew, später Oberst P. I. Nesterow 5. Garde-Panzerbrigade, Oberst P. K. Schurenkow

9. Armee (Generalmajor A. A. Gretschkin, Mitglied des Obersten Militärrates: N. Jemeljanow, Stabschef: Generalmajor M. S. Filippowski)

11. Schützenkorps, Generalmajor Iwan Terentjewitsch Samerzew 19., 57., 84., 131. Schützen-Brigade