Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (adh) ist der im Jahr 1948 gegründete Dachverband des Hochschulsports in Deutschland. Ihm gehören 206 Mitgliedshochschulen an. (Stand: Oktober 2025) Studierende und Bedienstete aller deutschen Hochschulen können an den vom adh organisierten Sportwettkämpfen (Deutsche Hochschulmeisterschaften, Deutscher Hochschulpokal, adh-Open, adh-Trophy) teilnehmen. Der Verband nominiert die Sportler, die an Studierenden-Weltmeisterschaften und den FISU World University Games teilnehmen. Daneben gehören Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für den Hochschulsport sowie die Durchführung von Bildungsseminaren zu den Aufgaben des adh. Der adh ist Mitglied in der Fédération Internationale du Sport Universitaire, der European University Sports Association und im Deutschen Olympischen Sportbund.
Geschichte Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hatte im Rahmen der damaligen Deutschen Studentenschaft ein „Amt für Leibesübungen“ bestanden, das sich ursprünglich für den studentischen Breitensport einsetzte und Spitzensportler zu den Akademischen Weltspielen (Vorläufer der Universiade) entsandte, in der Zeit des Nationalsozialismus aber auch zur Durchsetzung des obligatorischen Wehrsports instrumentalisiert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg – und dem Verbot aller NS-Organisationen durch die Alliierten – wurde am 2. April 1948 in Bayrischzell (Bayern) die Arbeitsgemeinschaft deutscher Sportreferenten (adh) gegründet,Carsten Milde: Stationen einer Reise – eine Hommage an 50 Jahre Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband Kapitel: Hochschulsport nach 1945, Darmstadt, 1998, S. 40. die bis in die 1960er Jahre zugleich als „Sportamt des Verbands Deutscher Studentenschaften“ (VDS) fungierte. Die Leitung hatte zunächst der spätere NOK-Präsident Walther Tröger.
In den Nachkriegsjahren gelang es dem adh als erstem deutschen Sportverband, wieder Anschluss an den internationalen Sportverkehr zu finden. Im Herbst 1949 starteten erstmals wieder deutsche Studierende bei der ersten internationalen Sommersportwoche in Meran.Richard Vorhammer: Stationen einer Reise – eine Hommage an 50 Jahre Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband Kapitel: Szenen aus der Gründerzeit des adh, Darmstadt, 1998, S. 47. 1951 wurde der adh Mitglied der FISU,Website der Fédération International du Sport Universitaire (abgerufen am 29. Juli 2015). 1953 folgte mit der „III. Internationalen Sommer-Hochschulsportwoche“ in Dortmund die erste internationale Spitzensportveranstaltung in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.
Entwicklung zum „Breitensport für alle“ Die Arbeit des adh konzentrierte sich in den 1950er und 1960er Jahren zunächst auf die Organisation des nationalen und internationalen Wettkampfsportes. Im Zuge der 68er Studentenbewegung und der Diskussion über Sinn und Zweck des Sports erfolgte jedoch im adh eine verstärkte Hinwendung zum Breitensport.Günter Eglin: Stationen einer Reise – eine Hommage an 50 Jahre Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband Kapitel: Die frühen Jahrzehnte des ADH, Darmstadt, 1998, S. 58. Seit den 1970er Jahren richtet sich der Hochschulsport nicht mehr ausschließlich an Studierende, sondern an alle Hochschulangehörigen. Dies schlug sich auch in den Gremien des adh nieder, die seitdem gleichberechtigt durch Studierende und hauptberufliche Mitarbeiter der örtlichen Hochschulsporteinrichtungen besetzt werden.Satzung des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes Artikel 3, Absatz 4, Dieburg, 2015.
Gleichzeitig setzte sich der adh in der Folgezeit erfolgreich für eine Professionalisierung durch hauptamtliche Sportfachkräfte und für eine gesetzliche Verankerung des Hochschulsports ein. 1976 wurde der Hochschulsport als Förderungsaufgabe der Hochschulen im Hochschulrahmengesetz festgeschrieben.Hochschulrahmengesetz, Paragraph 2, Absatz 4. 2009 erklärte der Deutsche Bundestag den Hochschulsport als unverzichtbaren Bestandteil der deutschen Sport- und Hochschullandschaft.Deutscher Bundestag: Stenografischer Bericht der 230. Sitzung des Deutschen Bundestages, Berlin, 2. Juli 2009.
Struktur des adh Im Vorstand, den Gremien des Verbandes sowie in den Projekt- und Arbeitsgruppen sind hauptberufliche Vertreter sowie Studierende zu gleichen Teilen vertreten. Die adh-Geschäftsstelle mit Sitz im hessischen Dieburg setzt die Beschlüsse der Gremien um. Die jährliche adh-Vollversammlung ist das höchste Organ des adh.Satzung des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes, Artikel 9, Absatz 1.
Neben der Üblichen Verbandsarbeit werden im Rahmen der Vollversammlungen auch der Sportler und die Hochschule des Jahres geehrt. In den vergangenen Jahren gehörten erfolgreiche Sportler wie Schwimmerin Sarah Köhler, der Nordische Kombinierer Tobias Simon, die Ruderer Katrin Thoma und Johannes Ursprung, Turner Fabian Hambüchen, Hochspringerin Ariane Friedrich, Turnerin Kim Bui, die Ruderer Julius Peschel und Mathias Arnold und Judoka Ole Bischof zu den Preisträgern.
Wettkämpfe
Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband ist Veranstalter von jährlich rund 50 nationalen studentischen Wettkämpfen in rund 30 Sportarten, die von adh-Mitgliedshochschulen ausgerichtet werden.Wettkampfordnung des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes, Paragraph 2, Absatz 1. Auf nationaler Ebene hat der adh vier Wettkampfformate installiert. Startberechtigt sind bei allen Formaten Studierende und Hochschulangehörige aller deutschen Hochschulen.
Deutsche Hochschulmeisterschaft Die Deutsche Hochschulmeisterschaft (DHM) ist das Nationalturnier des deutschen Hochschulsports in der jeweiligen Sportart. Zugangsbeschränkungen gibt es bei einer DHM nicht. So sind die Teilnahmefelder gespickt mit Aktiven des Spitzen- und Breitensports. Mitglieder der deutschen Studierenden-Nationalmannschaft messen sich bei den deutschen Hochschulmeisterschaften mit Studierenden, die oft erst an der Hochschule die jeweilige Sportart kennengelernt haben. Die DHM verbindet den Wettkampf mit dem studentischen Austausch und der weitergehenden Kommunikation. So entsteht eine besondere studentische Atmosphäre.
Eine deutsche Hochschulmeisterschaft kann nur in Sportarten stattfinden, die in den adh-Sportartenkanon aufgenommen worden sind.Wettkampfordnung des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes, Paragraph 3. Der Aufnahmeantrag wird der Vollversammlung, dem höchsten Gremium des adh, zur Abstimmung vorgelegt. Wird diesem Antrag entsprochen, kann im Anschluss eine Deutsche Hochschulmeisterschaft in dieser Sportart ausgerichtet werden. Dabei werden verschiedene Disziplinen in den jeweiligen Sportarten zusammengefasst. Mit der Aufnahme der Sportart „Radsport“ wurden so beispielsweise deutsche Hochschulmeisterschaften im Rennrad, Mountainbike und Bahnrad möglich.
In der Regel wird die DHM einer Sportart jährlich durchgeführt. Die Sieger werden mit der traditionellen adh-Siegernadel ausgezeichnet.Wettkampfordnung des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes, Paragraph 28, Absatz 1.
In Teamsportarten finden Vorrunden zur Deutschen Hochschulmeisterschaft statt. Die Vorrunden-Gruppen werden in der Regel nach Regionen eingeteilt. Die Sieger der Vorrunden beziehungsweise Zwischenrunden qualifizieren sich für die Endrunde.
Deutscher Hochschulpokal Der Deutsche Hochschulpokal (DHP) ist ein Turnierformat für Mannschaften der kleinen Hochschulen (unter 10.000 Studierende).Wettkampfordnung des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes, Paragraph 7, Absatz 5. Der Deutsche Hochschulpokal wird in den Sportarten Basketball, Handball, Fußball und Volleyball ausgespielt. Dabei haben sich in den vergangenen Jahren Mixed-Formate etabliert, bei denen Frauen und Männer in einer Mannschaft um den jeweiligen Titel spielen. Vorrunden zum DHP gibt es nur im Fußball.
Auch die Siegermannschaften des DHP erhalten bei der Siegerehrung die obligatorischen adh-Siegernadeln. Trotz der separaten Wettkampfveranstaltungen für kleine Hochschulen dürfen die Mannschaften dieser auch an der Deutschen Hochschulmeisterschaft teilnehmen.
adh-Open Die adh-Open sind Hochschulmeisterschaften, die es noch nicht in den offiziellen Sportartenkanon des adh geschafft, sich aber durch überregionale nationale Wettkämpfe in den Fokus des adh gespielt haben. Erst wenn zwei unterschiedliche Hochschulen die adh-Open in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ausgetragen haben, kann die Sportart vom adh offiziell als Deutsche Hochschulmeisterschaft veranstaltet werden. Artikel auf adh.de, abgerufen am 30. August 2018.
adh-Open werden unter anderem in den folgenden Sportarten veranstaltet: Discgolf, Lacrosse, Faustball, Floorball und Wellenreiten.
adh-Trophy Seit dem Sommersemester 2008 hat der adh das Wettkampfformat der adh-Trophy in seinem Wettkampfprogramm etabliert. Die adh-Trophy ist die Wettkampfveranstaltung für Trend- und Funsportarten, die an den jeweiligen Hochschulen angeboten werden. Während der Wettkämpfe stehen vor allem der Spaß und der gemeinsame Austausch unter den Teilnehmenden im Vordergrund. In der Regel kommen die Ideen für die Durchführung einer adh-Trophy in einer Fun- oder Trendsportart aus den Hochschulsporteinrichtungen oder studentischen Trainingsgruppen.
Nationale Wettkämpfe fanden dadurch schon in den Sportarten Segeln, Unterwasserrugby und Headis statt.
Internationaler Wettkampfsport Der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband unterstützt die Beschickung von Wettkämpfen des europäischen und internationalen Hochschulsportverbandes.Wettkampfordnung des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes, Paragraph 2, Absatz 3. Deutsche Studierende nehmen für ihre Hochschulen an den Europameisterschaften der Studierenden (EUC) und den Europaspielen der Studierenden (EUSA-Games) teil. Die Qualifikation für die kontinentalen Maßnahmen ist die Deutsche Hochschulmeisterschaft. Der adh unterstützt die Hochschulen organisatorisch bei der Beschickung der Maßnahmen.
Bei Maßnahmen des Weltverbandes FISU entsendet der adh Studierenden-Nationalmannschaften. Diese werden vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes nominiert. Zu den Wettkämpfen der FISU zählen die Weltmeisterschaften der Studierenden – engl.: World University Championship (WUC) – und die World University Games (WUG). Die WUC finden in den geraden Jahren in den einzelnen Sportarten statt, WUG in den ungerade Jahren. Veranstaltet werden diese von der FISU, ausgerichtet von einem nationalen Hochschulsportverband. Der adh entsendet die einzelnen Mannschaften zu den Veranstaltungen und unterstützt die Teams bei der Organisation der Maßnahmen. In der Regel übernimmt ein adh-Verbandsvertreter die Delegationsleitung. Die letzten WUC in Deutschland fand 2018 im Münchner Olympiapark statt (WUC Beachvolleyball). Die letzten WUG in Deutschland fanden 2025 in NRW und Berlin statt.
FISU World University Games
Der adh nominiert und entsendet die Deutschen Studierenden-Nationalmannschaften (Team Studi) zu den World University Games. Vor allem junge Sportlerinnen und Sportler werden in die Deutsche Studierenden-Nationalmannschaft berufen. Damit verfolgen der adh und die teilnehmenden Fachverbände eine gezielte Förderung deutscher Talente im Umfeld einer Multisportveranstaltung, die in ihren Ausmaßen an Olympische Spiele erinnert.
1991 traten in Sapporo erstmals Sportler aus dem wiedervereinten Deutschland in einer Mannschaft an. Ein Jahr vor den Olympischen Spielen von Albertville und Barcelona stellte die deutsche Delegation der Winter-Universiade somit die erste gesamtdeutsche Mannschaft nach der Wiedervereinigung bei einer Multisportveranstaltung dar.Dorothea Scheel: Stationen einer Reise – eine Hommage an 50 Jahre Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband Kapitel: Auf dem Weg zur deutsch-deutschen Vereinigung im Hochschulsport, Darmstadt, 1998, S. 101.
World University Games Summer