Blüthen ist ein OrtsteilAuflistung als Ortsteil von Karstädt im Kommunalverzeichnis Brandenburg; abgerufen am 14. Mai 2026 der amtsfreien Gemeinde Karstädt im Landkreis Prignitz in Brandenburg. Zu Blüthen gehören die bewohnten Gemeindeteile Strehlen, Waterloo und Klockow.

Geografische Lage Das Straßendorf liegt östlich des Kernortes Karstädt an der am nördlichen Ortsrand verlaufenden Landesstraße L 13. Westlich verlaufen die B 5 und die A 14. Der Gemeindeteil Strehlen liegt nördlich von Blüthen, Waterloo im Südwesten und Klockow im Südosten. Das Gelände liegt im Bereich der Dorfkirche auf einer Höhe von rund , fällt nördlich auf rund ab und steigt im Süden auf über an. Die höchsten Erhebungen sind der hohe Silberberg im Nordwesten und der hohe Fuchsberg im Südwesten.Blüthen, Brandenburgviewer, abgerufen am 14. Mai 2026. Südwestlich des Dorfes liegt das ehemalige Vorwerk Waterloo. Die Gemarkung befindet sich etwa zwei Kilometer südlich zwischen Blüthen, Glövzin und Schönfeld; ein Flurname Der Brousenn ist überliefert und wurde mit dem Namen Brodesende in Verbindung gebracht. Am nördlichen Dorfrand, südlich der Straße nach Reetz, wurden Siedlungsspuren festgestellt, die vermutlich auf eine altslawische Besiedlung des 8. bis 9. Jahrhunderts zurückgingen. Nordöstlich der Kirche wurden außerdem Befunde einer alt- und jungslawischen Besiedlung aus dem 8. bis 12. Jahrhundert nachgewiesen.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 64

Geschichte und Etymologie Etymologie Das Dorf wurde erstmals im Jahr 1325 als tu Bluothen urkundlich erwähnt. Weitere Schreibweisen waren Bluten im Jahr 1329 und to Bluoten im Jahr 1370. Der Name stammt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie „sumpfiger Ort“Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, S. 29, ISBN 3-937233-17-2..

Besitzgeschichte Herrschafts- und Besitzverhältnisse Blüthen gehörte vor 1415 bis 1872 zur Herrschaft Stavenow, zunächst im Besitz der Familie von Quitzow, von 1647 bis 1719 der Familie von Blumenthal, von 1719 bis 1809/1819 der Familie von Kleist und seitdem der Familie von Voß. Bis 1495 bestand ein gemeinsamer Besitz mit den von Quitzow zu Eldenburg, danach wurde der Besitz geteilt. Der Anteil des Hauses Stavenow umfasste zunächst die drei Krüge mit Ober- und Untergericht sowie einen Kossätenhof (1495) und später das Kirchenpatronat sowie, gemeinsam mit dem Haus Eldenburg, das halbe Dorf mit Schulzengut, Patronat und Anteilen am Ober- und Untergericht (1559). Um 1563 wurden zwei Untertanen an die Familie von Blumenthal zu Pröttlin veräußert. Später umfasste der Anteil des Hauses Stavenow den Schulzen, sechs Hufner, zwei Halbhufner sowie ursprünglich drei Krüge, das Ober- und Untergericht und das Patronat (1647, 1684) beziehungsweise neun Untertanen mit dem Zaungericht und dem gesamten Straßen- und Feldgericht (1711, 1745). Seit 1815/1816 kamen auch die fünf Untertanen des Amtes Eldenburg hinzu.

Der Anteil des Hauses Eldenburg (Familie von Quitzow) bestand vor 1495 gemeinsam mit Stavenow, danach eigenständig und wurde 1719 in das Amt Eldenburg beziehungsweise Eldenburg-Lenzen überführt. Im 17. und 18. Jahrhundert umfasste er sechs Bauern beziehungsweise fünf Zweihufner (1745, 1769) und wurde 1815/1816 an die Familie von Voß zu Stavenow verkauft. Weitere Besitzanteile lagen bei den Gütern Nebelin, Kuhwinkel und teilweise Dergenthin (Familien von Wartenberg, von Vielrogge, später von Platen und Rogge), die seit 1599 über einen Hufner und drei Kossäten, später vier Bauern (1647) und im 18./19. Jahrhundert über kleinere Restanteile verfügten. Das Gut Bresch (bis 1800 von Kaphengst, danach von Kleist) besaß mindestens seit 1387 Rechte in Blüthen, darunter mehrere Höfe und später bis zu sechs Bauern (1745). Die Familie von Karstedt (bis 1742) hielt Besitzanteile, darunter Kossätenhöfe und Bauernstellen, die später an das Gut Klockow gelangten. Die Familie von Winterfeld verfügte seit 1344 über Hebungen aus Blüthen, später im Zusammenhang mit dem Gut Dallmin über einzelne Bauern- und Kossätenstellen. Seit 1799 ging dieser Besitz an die Familie von Jagow über. Das Gut Neuhausen (Familien von Schepelitz, von Rohr und von Winterfeld) besaß seit dem 14. Jahrhundert ebenfalls Anteile, darunter mehrere Bauernhöfe, die teilweise veräußert wurden. Die Familie von Blumenthal zu Pröttlin erwarb um 1563 Anteile aus den Quitzowschen Besitzungen und verfügte später über zwei Bauern (1745). Auch Perleberger Bürger hatten seit dem 14. Jahrhundert Besitzrechte in Blüthen, darunter die Familie Dobberzin, die mehrere Höfe besaß, diese jedoch 1480 an die Familie von Rohr veräußerte. Schließlich verfügten verschiedene geistliche Institutionen in Perleberg seit dem 14. Jahrhundert über Einkünfte aus Blüthen, darunter das Heiliggeist-Hospital, ein Altar in St. Jacobi sowie die Kirche St. Nicolai. Nach der Reformation wurden diese Einkünfte vom Gemeinen Kasten zu Perleberg verwaltet. Weitere Anteile lagen bei den Familien von Möllendorf, die bis ins 15. Jahrhundert Höfe in Blüthen besaßen und diese später veräußerten.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 65

14. und 15. Jahrhundert Blüthen bestand bereits 1325 als Dorf. Im frühen 15. Jahrhundert war der Ort wiederholt von gewaltsamen Übergriffen betroffen. 1414/15 kam es im Zusammenhang mit mecklenburgischen Raubritterschäden zu Verlusten, bei denen elf Pferde geraubt wurden. Zwischen 1422 und 1425 erlitt der Perleberger Bürger Giese Luder Verluste an Schafvieh in Blüthen. 1437 wurden die „armen Leute“ (Untertanen) von Perleberger Bürgern sowie des Heiliggeist-Hospitals durch Raubzüge geschädigt. 1441 wurden 32 Rinder sowie Schweine und Ziegen aus Blüthen geraubt und nach Stavenow verbracht. 1457 teilten Mitglieder der Familie von Quitzow und andere Raubritter die aus Mecklenburg geraubte Beute auf einem Berg bei Blüthen. 1460 wurden Wismarer Kaufleute auf der Heerstraße in Richtung Perleberg bei Blüthen überfallen und beraubt. 1472 galt das Dorf Blüthen als wüst gefallen. 1496 werden drei Krüge im Ort erwähnt, was darauf hindeutet, dass Teile der Siedlung oder zumindest einzelne wirtschaftliche Funktionen wieder in Nutzung genommen worden waren.Lieselott Enders (Bearbeitung): Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Karte der Prignitz am Ende des Bandes (=Friedrich Beck, Klaus Neitmann [Hrsg.]: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil I; Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 3). 2., überarbeitete und wesentlich erweiterte Auflage, Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1997, ISBN 978-3-7400-1016-4. doi:10.35998/9783830542995, S. 66

16. Jahrhundert 1540 wurde Blüthen als Dorf bezeichnet. 1542 war der Pfarrhof wüst und verfügte nur über wenig Ackerland. Der Pfarrer erhielt von jedem Hausbewohner 1½ Scheffel Roggen als Messkorn, insgesamt 1 Wispel und 21 Scheffel. Im selben Jahr wurden etwa 100 Kommunikanten gezählt. 1551 ist zusätzlich ein Krug belegt. 1558 wurden 30 Einwohner (Wirte) gezählt. Es bestand wieder ein Pfarrhaus mit Ackerland zur Aussaat von drei Scheffeln. Der Pfarrer bezog Pachteinkünfte von vier Hufen, die zu dieser Zeit im Besitz der Familie von Quitzow waren. Aus jedem Haus erhielt er einen Scheffel Roggen, zusätzlich einen Scheffel Gerste von den Hufnern und die Hälfte davon von den Kossäten. 1542 und 1558 war kein Küster vorhanden. Erst 1600 wurde festgelegt, dass die Gemeinde einen Küster anstellen und ein Küsterhaus errichten sollte. Zur Besoldung hatte jeder Hufner ein Viertel Scheffel Roggen und jeder Kossät ein halbes Viertel beizutragen. Die Kirche verfügte 1542 über Ackerland zur Aussaat von fünf Scheffeln. 1558 gehörten dazu eine Wiese sowie Ackerland mit dreijähriger Brache zur Aussaat von drei Scheffeln. 1581 wurde ein sechsjährig genutztes Ackerland mit einer Aussaat von 13 Scheffeln sowie fünf Wörden verzeichnet. Im Jahr 1551 ist zusätzlich ein Krug belegt. 1558 wurden 30 Einwohner (Wirte) gezählt. 1576 bestanden 23 Hufner und sieben Kossäten, 1581 waren es 25 Hufner und vier Kossäten.

17. Jahrhundert Im Jahr 1647 nutzte das Dorf Blüthen die Weide auf der Feldmark Semlin; zuvor hatten drei Krüge bestanden. 1652 wurden vier Hufner, zwei Halbhufner und drei Kossäten gezählt; insgesamt lebten neun Personen im Dorf. 1686 bestand eine stark von Wüstungen geprägte Struktur: Es wurden 17 Zweihufner, davon neun wüst, zwei Halbhufner mit je 1½ Hufen (beide wüst), sieben Halbhufner mit je einer Hufe (davon zwei wüst) sowie vier Kossäten (davon zwei wüst) verzeichnet. Hinzu kamen zwei Krüge (entsprechend einem Hufner und einem Halbhufner) sowie eine wüste Krugstelle, auf der noch ein Haus stand. Außerdem lebten ein Kuhhirt, der zugleich die Schweine hütete, sowie ein Schäfer im Ort. Der gesamte Hufenbestand belief sich auf 44 Hufen, mit einer Aussaat von 47 Wispeln und fünf Scheffeln. Die wüsten Höfe waren den Bauern überlassen worden. Die Feldmark war in drei Felder geteilt, wobei das vierte Korn gewonnen wurde. Die Wiesen waren von geringer Qualität und lieferten kaum mehr als ein Fuder Heu pro Hof. Die Weide war mittelmäßig, ebenso die Viehzucht, während der Acker als gut galt. Mastmöglichkeiten und Fischerei bestanden nicht; Brennholz wurde auf den Hufenschlägen gewonnen. Insgesamt wurde die wirtschaftliche Lage der zweiten Klasse zugeordnet.

18. Jahrhundert 1719 wurden in Blüthen 19 Hufner, fünf Kossäten, vier Kötter sowie rund anderthalb Paare Einlieger gezählt. Hinzu kamen ein Hirte mit Vieh und ein weiterer ohne Vieh. Der Hufenbestand betrug 44 Hufen, die mit je neun Groschen veranschlagt waren. 1734 bestanden 19 Bauern, fünf Kossäten und zwölf Häuslinge sowie ein Schäfer und zwei Hirten. Die Gesamtfläche umfasste weiterhin 44 Hufen mit einer Aussaat von insgesamt 32 Wispeln und 15 Scheffeln. 1745 wurde Blüthen als Dorf mit 26 Bauern und vier Kossäten verzeichnet. 1754 verlor die Gemeinde das bis dahin genutzte Weideland auf der Feldmark Semlin an das Gut Stavenow und pachtete stattdessen Wiesen auf der Feldmark Birkholz; diese Regelung bestand noch 1764. Im Jahr 1760 wurden 19 Hufner, neun Kossäten, ein Paar Einlieger, ein Dorfschäfer und ein Kuhhirt gezählt; der Hufenbestand lag weiterhin bei 44 Hufen. 1791 bestanden 18 Bauern, sechs Kossäten, vier Büdner, 14 Hausleute sowie ein Pfarrer. Insgesamt wurden 39 Feuerstellen gezählt.

19. Jahrhundert