Polyglott (Adjektiv, vom altgriechischen πολύγλωττος (polýglōttos) für mehrsprachig bzw. vielsprachig, das seinerseits auf πολυ (poly) „viel“ und γλῶττα (glōtta) „Zunge, Sprache“John Simpson und Edmund Weiner: The Oxford English Dictionary, Second Edition. Oxford University Press, Oxford 1989, ISBN 978-0-19-861186-8. Artikel zu polyglotEintrag in der Datenbank der offiziellen Internetseite des Duden zu polyglott; siehe: duden.de zurückgeht) nennt man – im weiteren Sinne – eine Person, die mehrere Sprachen spricht (auch Multilinguale, Mehrsprachige, siehe Mehrsprachigkeit).
Im engereren Sinne ist ein Polyglott eine für das Beherrschen von vielen Fremdsprachen bekannte Person. Es ist weder definiert, wie viele Sprachen man wie gut sprechen können muss, um polyglott in diesem Sinne genannt zu werden, noch ist der Grad der aktiven und passiven Beherrschung einer Sprache objektiv definiert.
Personen, die als Polyglott bekannt sind Inbegriff eines polyglotten Menschen ist jemand, der das Erlernen vieler verschiedener Fremdsprachen als Hobby betreibt oder sich zumindest mit dem Erlernen fremder Sprachen besonders leicht tut.
Unter bekannten polyglotten Personen sind der englische politische Ökonom, Reisende und Schriftsteller Sir John Bowring (1792–1872), der nach eigenen Angaben über 200 Sprachen konnte und über 100 davon auch sprach, der deutsche Diplomat Emil Krebs (1867–1930),Cecile und Oskar Vogt Archiv, Düsseldorf, Interview Dr. Zwirner/Mande Krebs im Hirnforschungszentrum Berlin-Buch 1930; Nachruf Prof. Dr. Eduard Erkes, Litterae Orientales 1931, S. 13 und 14. der 68 Sprachen in Wort und Schrift beherrschte, sowie der italienische Kardinal Giuseppe Mezzofanti (1774–1849), der Italien nie verließ, aber 38 Sprachen beherrschte und 50 Dialekte aus verschiedenen Sprachen kannte.
Ein lebender Polyglotter ist der Grieche Ioannis Ikonomou, der über 30 Sprachen spricht und als Übersetzer für die Europäische Kommission in Brüssel arbeitet.Europäische Kommission: Häufig gestellte Fragen: Mehrsprachigkeit und Sprachenlernen 25. September 2012 Die mehrsprachige Wissenschaftlerin, Übersetzerin und Schriftstellerin Sabira Ståhlberg ist als polyglotte Autorin bekannt.
A – F
Paul Ariste, 1905–1990, estnischer Sprachwissenschaftler Heinrich Barth, 1821–1865, deutscher Afrikaforscher, 10 Sprachen Theodor Berchem, 1935, deutscher Romanist, ca. 15 Sprachen Dante Bernabei, 1936–2021, ein Sprachforscher, der sich gesellschaftspolitisch für die europäische Gemeinsamkeit und Verständigung engagierte Chand Bibi 1550–1600, Regentin von Bijapur (1580–90) und Regentin von Ahmednagar (1596–99). Sie war polyglott, sprach u. a. Arabisch, Persisch, Türkisch, Marathi und Kannada John Bowring, 1792–1872, kannte 200 und sprach 100 Sprachen, von denen er mit seinem letzten Buch (Poetry of the Magyars ) die Ungarische Sprache linguistisch besonders würdigte Boris Brainin, 1905–1996, österreichischer Dichter, Satiriker, Nachdichter, Übersetzer, Polyglott (sprach fließend 15 Sprachen; in seinem letzten Buch sind Nachdichtungen aus 26 Sprachen veröffentlicht) und Antifaschist Charles Berlitz, 1914–2003, US-amerikanischer Schriftsteller, 32 Sprachen Richard Francis Burton, 1821–1890 Nico Castel, 1931–2015, ein portugiesisch-amerikanischer Opernsänger (Tenor), Gesangspädagoge und Sprachlehrer Jean-François Champollion, 1790–1832, einer der Entzifferer der Hieroglyphen Alphonse Chérel, 1882–1956, Gründer des Assimil-Verlages, sprach sieben Sprachen Johann Amos Comenius, 1592–1670, Pädagoge Heinrich von Coudenhove-Kalergi, 1859–1906, österreichischer Diplomat und Weltbürger, der 16 Sprachen, darunter auch Türkisch, Arabisch, Hebräisch und Japanisch beherrschte Aleksandrs Dauge, 1868–1937, lettischer Pädagoge und Literaturwissenschaftler, sprach neun Sprachen: Neben seiner Muttersprache Lettisch auch Russisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Estnisch und Polnisch sowie Latein und Alt-Griechisch. Georges Dumézil, 1898–1986, französischer Philologe, 40 Sprachen Raphael Eliaz, 1905–1974, ein israelischer Schriftsteller, Poet, Herausgeber, Autor, Übersetzer und Liedtexter in den Genres Drama und Poesie Friedrich Engels, 1820–1895, deutscher Philosoph, Gesellschaftstheoretiker, Historiker, Journalist und kommunistischer Revolutionär, 32 Sprachen Michael Everson, 1963, Experte in den Schriften der Welt Jakob Philipp Fallmerayer, 1790–1861, österreichischer Orientalist und Publizist, 14 Sprachen Katharina Fink, 2002, ehemalige Badmintonspielerin, Südtirol, 7 Sprachen (Deutsch, Italienisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Chinesisch, Tschechisch)
G – K Hans Conon von der Gabelentz, 1807–1874, Sinologe, 80 Sprachen Ernst von Glasersfeld, 1917–2010, österreichisch-amerikanischer Philosoph, Kommunikationswissenschaftler und Mitbegründer des Radikalen Konstruktivismus Antoni Grabowski, 1857–1921, früher Esperanto-Aktivist; polnischer Linguist, sprach und schrieb in 40 Sprachen, verstand 100 Sprachen Otto von Habsburg, 1912–2011, deutsch-österreichischer Schriftsteller, Publizist und Politiker, sprach fließend Deutsch, Englisch, Französisch, Kroatisch, Latein, Spanisch und Ungarisch. Claude Hagège, 1936, französischer Linguist, hat Kenntnisse in fünfzig Sprachen, darunter Ungarisch, Navajo, Guarani, Punjabi, Persisch, Malaiisch, Hindi, Quechua, Tamilisch, Türkisch, Japanisch, die madagassische Sprache, Fulfulde und die kongolesische Tetela-Sprache. Jack Halpern, 1937–2018, Linguist, sprach 10 Sprachen und konnte 4 weitere lesen Bernhard Havestadt, 1714–1781, ein deutscher Jesuit, Missionar und Sprachforscher der indigenen amerikanischen Sprache Mapudungun (Araukanische Sprachen); er sprach neben Deutsch und Latein noch Spanisch, Englisch, Italienisch, Niederländisch und Portugiesisch sowie späterhin Mapudungun Sven Hedin, 1865–1952, schwedischer Geograph und Entdeckungsreisender, mindestens 12 Sprachen Audrey Hepburn, 1929–1993, Schauspielerin, sprach sechs Sprachen: Englisch, Italienisch, Niederländisch, Deutsch, Spanisch und Französisch Lorenzo Hervás y Panduro, 1735–1809, Jesuit, der großen Einfluss auf die Entwicklung der Sprachwissenschaft ausübte Milan Hodža, 1878–1944, ein tschechoslowakischer beziehungsweise slowakischer Journalist, Politiker und als erster Slowake Ministerpräsident der Tschechoslowakei (1935–1938), neben dem Slowakischen sprach er sieben weitere Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch, Serbokroatisch, Rumänisch und Ungarisch Franz Conrad von Hötzendorf, 1852–1925, Chef des Generalstabes für die gesamte bewaffnete Macht Österreich-Ungarns beherrschte fließend deutsch, italienisch, französisch, serbo-kroatisch und tschechisch. In Ungarisch, Rumänisch und Englisch konnte er sich in Grundzügen verständigen.Conrad von Hötzendorf revisited. In: Harald Heppner (Hrsg.): Der verhängnisvolle Irrtum. Zur Analyse von Fehlleistungen in politisch-militärischen Kontexten (= Historische Forschungen 103, Berlin 2014), S. 83–96. Wilhelm von Humboldt, 1767–1835, deutscher Gelehrter, sprach Griechisch, Latein, Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Baskisch, Ungarisch, Tschechisch, Litauisch und besaß Kenntnisse in mindestens sieben weiteren Sprachen Ioannis Ikonomou, Dolmetscher / Übersetzer in der EU-Kommission, 32 Sprachen plus einige alte Sprachen und Dialekte, die er nur passiv beherrscht oder unvollkommen Hermann Jacobsohn, 1879–1933, Indogermanist, lernte innerhalb von 6 Wochen eine Sprache in ihren grammatischen Strukturen und beherrschte etwa 30 Sprachen Michael Jelden, 1971, Violinist, der acht Sprachen fließend spricht Theodor Kaluza 1899–1954, deutscher Physiker und Mathematiker Bedros Keresteciyan, 1840–1907, ein polyglotter osmanischer Linguist, Journalist, Übersetzer und Verfasser des ersten etymologischen Wörterbuchs der türkischen Sprache Bertha Kipfmüller, 1861–1948, deutsche Lehrerin, Frauenrechtlerin, Pazifistin und Privatgelehrte, 12 Sprachen Kleopatra VII., 69 v. Chr. – 30 v. Chr., Königin des Ptolemäerreiches, sprach mindestens 8 Sprachen Hryhorij Kotschur 1908–1994, ein ukrainischer Poet, Übersetzer, Literaturwissenschaftler und Polyglott Emil Krebs, 1867–1930, Sinologe, der bereits als Abiturient zwölf Sprachen sprach, 68 Sprachen
L – R Sir Christopher Frank Carandini Lee, CBE, CStJ, 1922–2012, britischer Schauspieler und Sänger, RAF- und SOE-Veteran Kató Lomb, 1909–2003, eine der ersten Konferenzdolmetscherinnen der Welt Louis Loewe, 1809–1888, Orientalist, Begleiter von Sir Moses Montefiore Hiob Ludolf, 1624–1704, Begründer der Äthiopistik, 25 Sprachen Mykola Lukasch, 1919–1988, ein ukrainischer Übersetzer, Linguist und Polyglott Uku Masing, 1909–1985, estnischer Linguist, Theologe, Ethnologe und Dichter, 65 Sprachen Jakob Joseph Matthys, 1802–1866, Schweizer Priester, verfasste seine Lebensbeschreibung in 35 Sprachen Muhamed Mešić, 1984, kann 52 Sprachen, 28 davon fließend. Giuseppe Mezzofanti, 1774–1849, Kardinal, der 57 Sprachen verstanden haben soll Rafael Merry del Val, 1865–1930, Kurienkardinal, beherrschte 63 Fremdsprachen Paul Georg von Möllendorff Heinrich Noë, 1835–1896, ein deutscher Schriftsteller (Reise-Sachbücher und Romane), angeblich konnte er sich in 18 Sprachen verständigen Mario Pei, 1901–1978, Linguist, der etwa 30 Sprachen sprach Peter II., 1825–1891, brasilianischer Kaiser, soll 14 Sprachen beherrscht haben Rasmus Christian Rask, 1787–1832, dänischer Philologe, Mitbegründer der Indogermanistik, 35 Sprachen Friedrich Rückert, 1788–1866, hat sich mit 44 Sprachen übersetzend, lehrend oder sprachwissenschaftlich beschäftigt
S – T Georg Sauerwein, 1831–1904, Linguist, Verfechter der Minderheitensprachen im Deutschen Kaiserreich, 50 Sprachen Paul Scheffer, 1883–1963, deutscher Journalist Emanuel Schiffers, 1850–1904, russischer Schachmeister Heinrich Schliemann, 1822–1890, Kaufmann und Archäologe Johann Martin Schleyer, 1831–1912, Pfarrer und Erfinder des Volapük Johann Andreas Schmeller, 1785–1852, Germanist und bayerischer Sprachforscher, 25 Sprachen Nikolaus Schmidt-Küntzel, 1606–1671, deutscher Landwirt, 15 Sprachen Franz August Schmölders, 1809–1880, Arabist: 22 Fremdsprachen (u. a. Arabisch, Avestisch, Englisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Latein, Persisch, Sanskrit, Syrisch) Boris Sidis 1867–1923, US-amerikanischer Psychologe, Psychiater und Psychopathologe William James Sidis, 1898–1944, Wunderkind, 40 Sprachen, lernte eine Sprache an einem einzigen Tag Milton Sills, 1882–1930, bedeutender US-amerikanischer Theater- und Stummfilmschauspieler sowie Universitätsprofessor Laurynas Algimantas Skūpas, 1937–2005, ein litauischer Romanist, Esperantist und Polyglott Therese von Bayern, 1850–1925, Ethnologin, Zoologin, Botanikerin, 12 Sprachen August Tholuck, 1799–1877, Theologe, der bereits als 17-Jähriger 19 Sprachen beherrscht haben soll Michel Thomas, 1914–2005, Sprachlehrer, entwickelte eine einzigartige Sprachlernmethode J. R. R. Tolkien, 1892–1973, britischer Schriftsteller, der eigene Sprachen erfand Berç Keresteciyan Türker 1870–1949, polyglotter osmanisch-türkischer Bankier und Politiker armenischer Herkunft
U – Z Karl von Utenhove, 1536–1600, humanistischer Gelehrter und Dichter Caterina Valente, 1931–2024, Sängerin, 12 Sprachen Johan Vandewalle, 1960, Architekt, Orientalist, Slawist und Linguist, der bereits 1987 31 Sprachen beherrschte Fausto Veranzio, 1551–1617, Gelehrter, beherrschte sieben Sprachen fließend und schrieb ein Wörterbuch für Deutsch, Italienisch, Latein, Kroatisch und Ungarisch. Otto Weininger, 1880–1903, österreichischer jüdischer Philosoph Heinz Friedrich Wendt, 1914–2006, deutscher Sprachwissenschaftler, Wendt beherrschte 16 Sprachen und schuf für Langenscheidt bedeutende Sprachlehrwerke. Albert Wesselski, 1871–1939, österreichischer Erzählforscher und Übersetzer Eugen Wolf, 1850–1912, deutscher Journalist und Forschungsreisender
Literatur