mini|hochkant=1.3|Burgtheater (2020) Das Burgtheater ist ein Schauspielhaus an der Ringstraße in der österreichischen Hauptstadt Wien. Gegründet 1748 als k. k. Theater nächst der Burg, ist es das größte Schauspielhaus des deutschsprachigen Raumes und eines der bedeutendsten Schauspielhäuser der Welt. Das Neorenaissancegebäude wurde von 1874 bis 1888 unter Franz Joseph I. von Gottfried Semper und Karl von Hasenauer als k. k. Hofburgtheater errichtet. Direktor des Burgtheaters ist seit September 2024 Stefan Bachmann.Impressum – Burgtheater

Geschichte mini|Die möglicherweise älteste erhaltene Wiener Fotografie zeigt die Wiener Hofreitschule und das alte Burgtheater (rechts). Andreas von Ettingshausen, Daguerreotypie, vor Juni 1840 Altes Burgtheater am Michaelerplatz mini|k. k. Theater nächst der Burg am Michaelerplatz, vor 1888

Das ursprüngliche Burgtheater wurde in einem Ballhaus eingerichtet, das der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Ferdinand I. 1540 im unteren Lustgarten der Hofburg erbauen ließ, nachdem das alte Ballhaus 1525 einem Brand zum Opfer gefallen war. Bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde dort das Jeu de Paume gespielt, ein Vorläufer des Tennis. Am 14. März 1741 erteilte schließlich Kaiserin Maria Theresia, die nach dem Tod ihres Vaters eine allgemeine Theatersperre angeordnet hatte, dem „Entrepreneur der königlichen Hofopern“ und Pächter des 1708 errichteten Theaters am Kärntnertor, Joseph Karl Selliers, die Erlaubnis, das Ballhaus in ein Theater umzuwandeln. Gleichzeitig wurde ein neues Ballhaus Ecke Schauflergasse / heutige Bruno-Kreisky-Gasse errichtet, das dem heutigen Ballhausplatz seinen Namen gab.

Am 14. Mai 1748 wurde das neu gestaltete Theater nächst der Burg mit Christoph Willibald Glucks Oper Semiramide riconosciuta eröffnet. 1756 erfolgten größere Umbauarbeiten, wobei unter anderem eine neue Rückwand errichtet wurde. Der Zuschauerraum des alten Burgtheaters war noch eine reine Holzkonstruktion und fasste etwa 1200 Gäste. Die kaiserliche Familie konnte ihre Hofloge direkt von den kaiserlichen Gemächern aus erreichen, mit denen das Burgtheater baulich verbunden war. An der alten Spielstätte am Michaelerplatz wurden unter anderem mehrere Werke von Gluck, Ludwig van Beethoven, Wolfgang Amadeus Mozart sowie Franz Grillparzer uraufgeführt.

Am 17. Februar 1776 erklärte Kaiser Joseph II. das Theater zum Teutschen Nationaltheater. Er war es auch, der per Dekret anordnete, dass die Stücke keine traurigen Ereignisse behandeln sollten, um die kaiserlichen Zuschauer in keine schlechte Stimmung zu bringen. Viele Stücke mussten deswegen geändert und mit einem „Wiener Schluss“ (Happy End) versehen werden, beispielsweise Romeo und Julia oder Hamlet. Ab 1794 trug das Theater den Namen k.k. Hoftheater nächst der Burg.

1798 wurde der Dichter August von Kotzebue zum Leiter des Burgtheaters ernannt, aber nach Auseinandersetzungen mit den Schauspielern verließ er 1799 Wien. Unter Direktor Joseph Schreyvogel wurde Deutsch statt Französisch und Italienisch als neue Bühnensprache eingeführt. Heinrich Laube aus Sprottau wurde 1872 die Leitung des Theaters angetragen. Er hatte diese Stelle mit einer Pause bis 1880 inne.

Am 12. Oktober 1888 fand die letzte Vorstellung im alten Haus statt. Das Burgtheaterensemble übersiedelte in die neue Spielstätte am Ring. Das alte Burgtheater musste der Komplettierung des Michaelertrakts der Hofburg weichen. Die Pläne dazu hatte Joseph Emanuel Fischer von Erlach bereits knapp 200 Jahre vor dem Abriss des alten Burgtheaters gezeichnet. Eine 1817 errichtete, originalgetreue (aber verkleinerte) Kopie des Theatersaales befindet sich im rumänischen Oravita.

Neues Burgtheater am Franzensring mini|k. k. Hofburgtheater, um 1900 mini|Kaiserstiege, um 1900 mini|Ansicht des Zuschauerraums, 1888

Das „neue“ k. k. Hofburgtheater am Ring gegenüber dem Rathaus, ist ein Bau des Historismus. Es wurde am 14. Oktober 1888 mit Grillparzers Esther und Schillers Wallensteins Lager eröffnet. Es wurde von Gottfried Semper (Äußeres) und Karl Freiherr von Hasenauer (Inneres), die bereits das Kaiserforum in Wien gemeinsam geplant hatten, in den Formen des Neorenaissance entworfen. Die Bauarbeiten begannen am 16. Dezember 1874 und zogen sich 14 Jahre hin, in denen sich das Architektenduo zerstritt. Bereits 1876 zog sich Semper aufgrund gesundheitlicher Probleme nach Rom zurück und ließ Hasenauer den Bau alleine fortsetzen, der sich im Streit der Architekten vor allem für ein prachtvoll ausgestaltetes Logentheater eingesetzt hatte.

Indes schuf der Wiener Maler Gustav Klimt gemeinsam mit seinem Bruder Ernst Klimt und Franz Matsch von 1886 bis 1888 die Deckengemälde in den beiden Stiegenhäusern des neuen Theaters. Die drei übernahmen diese Aufgabe nach ähnlichen Auftragsarbeiten in den Stadttheatern von Fiume und Karlsbad sowie im Bukarester Nationaltheater. In der Erzherzogstiege auf der dem Café Landtmann zugewandten Seite bildete Klimt die Künstler des Antiken Theaters Taormina auf Sizilien, in der Kaiserstiege auf der dem Volksgarten zugewandten Seite das Londoner Globe Theatre und die Schlussszene aus William Shakespeares „Romeo und Julia“ nach. Über dem Eingang zum Zuschauerraum ist Der Eingebildete Kranke Molières zu entdecken. Im Hintergrund verewigte sich der Maler in Gesellschaft seiner beiden Kollegen. Kaiser Franz Joseph I. gefielen die Deckengemälde so sehr, dass er den Mitgliedern der Künstlerkompanie von Klimt das Goldene Verdienstkreuz verlieh.

Das neue Gebäude ähnelt äußerlich der Dresdner Semperoper, mehr noch aber, aufgrund der beiden für Theaterbauten ganz untypischen Querflügel mit den Prunkstiegen, Sempers unausgeführtem Entwurf für ein Münchner Richard-Wagner-Festspielhaus aus den Jahren 1865/1866 in der Nähe des Maximilianeums am Hochufer der Isar. Die beiden großdimensionierten Stiegenhäuser sollten ein architektonisches Pendant zu der breiten Fassade des neuen Rathauses bilden. Über dem Mitteltrakt befindet sich eine Loggia, die von zwei Seitenflügeln eingerahmt und aus einem Bühnenhaus mit Giebeldach und einem Zuschauerhaus mit Zeltdach geteilt wird. Über dem Mittelhaus schmückt eine Statue von Apollon die Fassade, der zwischen den Musen für Drama und Tragödie thront. Über den Haupteingängen befinden sich Friese mit Bacchus und Ariadne. An der Außenfassade rundum sind Porträtbüsten der Dichter Calderon, Shakespeare, Molière, Schiller, Goethe, Lessing, Halm, Grillparzer und Hebbel zu sehen. Die Masken, die ebenfalls hier zu sehen sind, weisen auf das antike Theater hin, außerdem schmücken allegorische Darstellungen die Seitentrakte: Liebe, Hass, Demut, Herrschsucht, Egoismus und Heroismus. Obwohl das Theater seit 1919 den Namen Burgtheater trägt, ist die alte Aufschrift k. k. Hofburgtheater über dem Haupteingang immer noch vorhanden. Einige Bilder der alten Porträtgalerie wurden im neuen Gebäude aufgehängt und sind heute noch zu sehen – allerdings waren diese Bilder ursprünglich kleiner, man musste sie verlängern, damit sie im hohen Raum besser wirken. Die Stellen dieser Ergänzungen sind als feine Linien auf der Leinwand sichtbar.

Das Burgtheater wurde zunächst auf Grund seines prachtvollen Aussehens und der technischen Neuerungen wie elektrischer Beleuchtung von den Wienern gut aufgenommen, doch bald wurde Kritik an der schlechten Akustik laut. 1897 erfolgte ein Umbau des Zuschauerraums, um die Akustikprobleme zu mindern. Das neue Theater wurde zu einem wichtigen Treffpunkt des Gesellschaftslebens und zählte schon bald zu den „Heiligtümern“ der Wiener. Im November 1918 ging die Aufsicht über das Theater vom Obersthofmeister des Kaisers auf den neuen Staat Deutschösterreich über. 1922/1923 wurde das Akademietheater als Kammerspielbühne des Burgtheaters eröffnet. Am 8. Mai 1925 ging das Burgtheater in die österreichische Kriminalchronik ein, als hier Mentscha Karnitschewa ein Revolverattentat auf Todor Panitza verübte.

Die Belüftung des Burgtheaters verwendet eine Luftbrunnenanlage, die durch einen Tunnel zu einer Öffnung im Volksgarten führt. Damit wird saubere Luft aus dieser Gartenanlage in das Gebäude geleitet, die Abluft strömt über Öffnungen im Dach wieder aus.Günther Kain, Friedrich Idam, Alfons Huber, Markus Goldsteiner: Luftbrunnenanlage des Burgtheaters Wien: Nachhaltige Klimatisierungsstrategien. In: Bauphysik. 43. Jahrgang, Februar 2021, , S. 1–11.

NS-Diktatur und Zweiter Weltkrieg Nationalsozialistische Ideen hinterließen auch Spuren in der Geschichte des Burgtheaters. 1939 erschien im Adolf Luser Verlag das stark antisemitisch geprägte Buch des Theaterwissenschaftlers Heinz Kindermann, Das Burgtheater. Erbe und Sendung eines Nationaltheaters. In diesem analysierte er unter anderem den „jüdischen Einfluss“ auf das Burgtheater.vgl. dazu: Klaus Dermutz: Das Burgtheater 1955–2005. Mit einem Essay von Klaus Bachler. Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, Wien 2005, S. 135ff. Am 14. Oktober 1938 wurde zum 50-jährigen Eröffnungsjubiläum des Burgtheaters eine Don-Carlos-Inszenierung von Karl-Heinz Stroux gezeigt, die die Ideologie Hitlers bediente. Die Rolle des Marquis Posa spielte derselbe Ewald Balser, der ein Jahr zuvor in einer anderen Don-Carlos-Inszenierung (von Heinz Hilpert) am Deutschen Theater in derselben Rolle mit dem Satz Richtung Joseph Goebbels’ Loge wetterte: „Geben Sie Gedankenfreiheit!“. Der Schauspieler und Regisseur Lothar Müthel, der zwischen 1939 und 1945 Direktor des Burgtheaters war, inszenierte 1943 den Kaufmann von Venedig, in dem Werner Krauß den Juden Shylock eindeutig antisemitisch darstellte. Derselbe Regisseur inszenierte nach dem Krieg Lessings Parabel Nathan der Weise. Adolf Hitler selbst besuchte während des NS-Regimes das Burgtheater nur einmal (1938), später weigerte er sich aus Angst vor einem Attentat.

Der Schauspieler Otto Hartmann war im Burgtheater als Spitzel der Gestapo tätig, was zur Zerschlagung einer Widerstandsgruppe, zu langjährigen Haftstrafen und mehreren Todesurteilen führte. Für die Schauspieler und Theatermitarbeiter, die nach dem Reichsbürgergesetz von 1935 als „jüdisch“ eingestuft wurden, wurde bald Auftrittsverbot verhängt; sie wurden beurlaubt, entlassen oder verhaftet. Der Spielplan wurde stark zensuriert, nur wenige schlossen sich aktiv dem Widerstand an, so Judith Holzmeister (damals auch am Volkstheater engagiert) oder der Schauspieler Fritz Lehmann. Vielen jüdischen Ensemblemitgliedern wurde zur Emigration verholfen; ein Schauspieler, Fritz Strassny, wurde in einem Konzentrationslager ermordet.dazu ebda S. 153f.

Im Sommer 1944 musste auch das Burgtheater wegen der angeordneten allgemeinen Theatersperre geschlossen werden. Ab 1. April 1945, als sich die Rote Armee Wien näherte, lagerte eine militärische Einheit im Haus, ein Teil wurde als Waffenlager benutzt. Bei einem Bombenangriff wurde das Haus am Ring beschädigt und brannte am 12. April 1945 weitgehend aus. Zuschauerraum und Bühne wurden unbrauchbar, nur die Stahlkonstruktion blieb erhalten. Die Deckengemälde und Teile des Foyers waren beinahe unbeschädigt.

Nachkriegszeit und Wiederaufbau mini|Frontfassade mini|Erzherzogstiege mini|Ansicht des Zuschauerraums, 1955