Das Bild der Religionen in Berlin ist von großer Pluralität an Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften geprägt. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2015 über 250 Religions- bzw. Weltanschauungsgemeinschaften in Berlin aktiv waren.Die religiöse und weltanschauliche Situation in Berlin. In: berlin.de, abgerufen am 8. August 2024.
Von den melderegisterbasiert rund 3,9 Millionen Berlinern waren 2025 11 % evangelisch, 6,6 % katholisch und 82,5 % gehörten anderen Konfessionen und Glaubensgemeinschaften an oder waren konfessionslos.Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 5 – hj 2 / 25. Einwohnerregisterstatistik. Berlin 31. Dezember 2025. Bestand – Grunddaten. (PDF; 1,3 MB) In: statistik-berlin-brandenburg.de, abgerufen am 21. Februar 2026.Statistischer Bericht A I 5 – hj 2 / 23. Einwohnerregisterstatistik Berlin 31. Dezember 2023. Bestand – Grunddaten. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2024 (statistik-berlin-brandenburg.de [PDF; 766 kB]). Von den Einwohnern Berlins waren 2025 elf Prozent muslimisch.Kirchliche Landschaft in Berlin ist vielfältiger als angenommen; abgerufen am 6. Juni 2026Elmar Schütze: Gewalt in Berlin: „Erschreckender Antisemitismus“ – oder sind alle gleich bedroht? In: Berliner Zeitung, 4. April 2025; abgerufen am 9. April 2025.
Dreiviertel aller Berliner haben eine säkulare Lebensauffassung (Stand 2016).Dreiviertel aller Berliner haben eine säkulare Lebensauffassung. In: fowid.de, Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland, 20. September 2016, abgerufen am 7. August 2024.
Geschichte
500–1200 Das Gebiet des heutigen Berlin-Brandenburg war vor dem Jahr 1200 weitreichend von slawischen Stämmen besiedelt. Über die mythischen Vorstellungen und die sich darin widerspiegelnde Weltanschauung der Bewohner lässt sich kein deutliches Gesamtbild zeichnen, da eine zusammenhängende schriftliche Überlieferung der Stämme fehlt.
mini|Kloster Lehnin, gegründet 1180 in der Mark Brandenburg
Die ursprüngliche Religion der Slawen war derjenigen anderer früher indogermanischer Völker ähnlich. In den Naturerscheinungen, besonders den Phänomenen des Himmels, sahen die Slawen wirkliche Wesen, die sie sich mit Denken und Empfinden ausgestattet vorstellten.
Erst mit der Eroberung des Gebiets 1157 durch Albrecht den Bären wurde die territoriale Grundlage für neue Besiedlungen geschaffen. So wurde im Jahr 1180 aus wirtschaftlichen, machtpolitischen und religiösen Erwägungen heraus das Kloster Lehnin gegründet. Die katholische Zisterzienserabtei befand sich 70 Kilometer südwestlich von Berlin und war maßgeblich an der Verbreitung der Schriftkultur in der Region beteiligt.
Die Konsolidierung des neuen Gebiets Mark Brandenburg mit seiner slawischen Bevölkerung erreichten die herrschenden Askanier durch eine Doppelstrategie. Zum einen riefen sie christliche Siedler, beispielsweise aus Flandern, in das Land, die schnell ein Gegengewicht zur „heidnischen“ slawischen Bevölkerung bildeten. Zum anderen holten sie mit der Klostergründung der Zisterzienser besonders tatkräftige Christen in die Mark Brandenburg, deren wirtschaftlich erfolgreiche Tätigkeit sehr bald Vorbildfunktion gewann.
Bei der schrittweisen Erweiterung nach Osten über die Flusslinie Havel-Nuthe, das Berliner Urstromtal und den Barnim flankierten die Mönche mit der Christianisierung der verbliebenen Slawen und mit ihren Kirchenbauten die askanische Siedlungspolitik.
1200–1500 mini|Graues Kloster in Berlin, um 1910
Der Franziskanerorden, eine christliche Ordensgemeinschaft, hatte ebenfalls einen Anteil an der deutschen Besiedlung der Gebiete zwischen Elbe und Oder.Bernd Schmies und Volker Honemann: Die Franziskanerprovinz Saxonia von den Anfängen bis 1517: Grundzüge und Entwicklungslinien. In: Volker Honemann (Hrsg.): Von den Anfängen bis zur Reformation (= Sächsische Franziskanerprovinz [Hrsg.]: Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinz von der Gründung bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Band 1). Schöningh, Paderborn u. a. 2015, ISBN 978-3-506-76989-3, S. 21–44, hier S. 33–37. Eine der ersten Niederlassungen des Ordens im Berliner Raum, das Graue Kloster, gab es mutmaßlich bereits vor 1250.
Das zur katholischen Kirche gehörende Benediktinerinnenkloster Spandau wurde 1239 von den askanischen Markgrafen Johann I. von Brandenburg und Otto III. dem Frommen gegründet, um „ein religiöses und kulturelles Zentrum für die Mittelmark zu schaffen“.Joachim Pohl: Das Benediktinernonnenkloster St. Marien zu Spandau und die kirchlichen Einrichtungen der Stadt Spandau im Mittelalter (= Veröffentlichungen aus den Archiven Preußischer Kulturbesitz / Beiheft. Nr. 5). Böhlau, Köln/Weimar/Wien 1996, ISBN 3-412-03496-7, S. 42 (Zugl.: Berlin, Freie Univ., Diss., 1995).
Bewohner jüdischen Glaubens in Berlin wurden im 13. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt, wie auch das 1297 dokumentierte Dominikanerkloster Cölln. Ab 1536 wurde das Kloster von Kurfürst Joachim II. zur Hof- und Domkirche der Hohenzollern ausgebaut.
1500–1900 Die Residenzstadt Berlin-Kölln des Kurfürstentums Brandenburg zählte nach 1517 vermutlich nicht zu den frühen Zentren der Reformation in der Mark Brandenburg. Vor 1539 gibt es keine überlieferten Nachweise für die Verbreitung reformatorischen Gedankenguts unter der Stadtbevölkerung oder den ansässigen Herrschern. Erst aus dem Frühjahr 1539, als Bürgerschaft und Magistrat der Stadt Berlin um die kurfürstliche Erlaubnis einer österlichen Abendmahlsfeier mit Brot und Wein nachsuchten, ist ein eindeutiger Beleg bekannt. Im gleichen Jahr führte Kurfürst Joachim II. die Reformation in Berlin ein. Zahlreiche katholische Klosteranlagen in der Region wurden infolgedessen aufgelöst. Die Besitztümer der Klöster wurden zumeist säkularisiert.
mini|links|Gutenberg-Bibel (um 1455 erstellt) der Staatsbibliothek Berlin, eines von weltweit 49 bekannten Exemplaren
Die im Jahr 1613 vollzogene Konversion von Kurfürst Johann Sigismund und seines Hofes vom lutherischen zum reformierten Bekenntnis führte zu langanhaltenden konfessionellen Spannungen mit der überwiegend lutherisch geprägten Bevölkerung Berlins.
Zur Annäherung der beiden protestantischen Konfessionen in Brandenburg fand 1662–1663 das Berliner Religionsgespräch statt. Der erste Kirchenneubau für die Anhänger der reformierten Kirche war die 1695 erbaute Parochialkirche.
Die faktische Bikonfessionalität der Stadt mit einer lutherischen und einer reformierten Bevölkerung wurde bewirkt, nachdem Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620–1688) mit dem Edikt von Potsdam 1685 die in Frankreich verfolgten Hugenotten nach Brandenburg einlud. Unter den 20.000 reformierten Glaubensflüchtlingen, die damals der Einladung folgten, ließen sich allein 6.000 in Berlin nieder. Die Berliner Hugenottengemeinde ließ die Französische Friedrichstadtkirche errichten und 1705 einweihen.
Die Koexistenz beider Konfessionen wurde mit der von König Friedrich Wilhelm III. mit gleichzeitiger Wirkung in Potsdam und Berlin 1817 eingeführten Union kirchenrechtlich besiegelt.
Die St.-Thomas-Kirche im heutigen Kreuzberg wurde zur Zeit ihrer Erbauung 1869 mit 3000 Plätzen der größte Sakralbau Berlins. Die St.-Thomas-Gemeinde mit etwa 150.000 Mitgliedern entwickelte sich zu einer der größten evangelischen Gemeinden der Welt.
1900 bis zur Gegenwart mini|Kirchenraum in Berlin, erbaut 1928 mini|hochkant=1.5|Religionen in Berlin (Stand: 2017)Kirchenmitglieder und Konfessionsfreie in Berlin, 1867–2017. Tabelle 2.2. In: fowid.de, Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland, 18. März 2019, abgerufen am 8. August 2024.
Sowohl eine Ausgabe der Gutenberg-Bibel als auch eine hebräische Bibel aus dem Nachlass des Reformators Martin Luther, die heute Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes sind, befinden sich seit mehr als 350 Jahren im Besitz von Berliner Bibliotheken.
2024 waren 12 % der Berliner Bevölkerung Protestanten, 10 % Muslime, etwa 7 % Katholiken und 0,3 % Juden. Weit mehr als die Hälfte der Einwohner ist konfessionslos.Die Hedwigs-Kathedrale ist ein Fragezeichen; abgerufen am 22. Dezember 2024
Konfessionsstatistik Das Land Berlin war 2022 eines von zehn deutschen Bundesländern, in denen der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Einwohnerzahl unter 50 % liegt. Dies waren außer Berlin die fünf östlichen Länder, drei nördliche Länder (Hamburg seit 1995, Bremen seit 2014 und Schleswig-Holstein seit 2019) und Hessen seit 2022.Kirchenmitglieder in Großstädten, die Daten. In: fowid.de, Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland, 20. Juli 2023, abgerufen am 24. September 2023.Kirchenmitgliederzahlen Stand 31.12.2019. (PDF; 4,0 MB) S. 7: Kirchenmitglieder nach Bundesländern am 31. Dezember 2019. In: ekd.de, Evangelische Kirche in Deutschland, 13. Oktober 2020, abgerufen am 25. November 2020.
Mit Stand Juni 2026 waren 10,8 % der Einwohner evangelische Kirchenmitglieder, 6,4 % katholisch und 82,8 % gehörten einer sonstigen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Statistik Berlin Brandenberg: Einwohnerbestand Berlin Tabelle 15 Einwohnerinnen und Einwohner nach Bezirken und Religionsgemeinschaftszugehörigkeit in Berlin am 30. Juni 2026.
Bezirk Evangelisch (%) Römisch-katholisch (%) Sonstige bzw. keineReligionszugehörigkeit (%) Steglitz-Zehlendorf 19,2 9,3 71,5 Reinickendorf 15,8 8,1 76,1 Tempelhof-Schöneberg 14,1 8,5 77,4 Charlottenburg-Wilmersdorf 13,2 8,8 77,9 Spandau 14,3 7,6 78,1 Neukölln 11,0 6,7 82,3 Mitte 8,3 6,7 84,9 Pankow 9,1 5,3 85,6 Friedrichshain-Kreuzberg 7,7 5,3 87,0 Treptow-Köpenick 7,3 3,7 89,0 Lichtenberg 5,3 3,8 91,0 Marzahn-Hellersdorf 5,3 3,3 91,4 Berlin insgesamt 10,8 6,482,8
Im Stadtzentrum und in den östlichen Bezirken der Stadt ist der Anteil christlich gebundener Personen besonders niedrig.
Beim Zensus 2022 wurde ermittelt, dass 13,6 % der Berliner Bevölkerung der evangelischen Landeskirche angehörten, 7,6 % der römisch-katholischen Kirche und 78,9 % gehörten sonstigen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.Zensus 2022 Bevölkerung 2022 nach Religionszugehörigkeit und Ländern. (statistikportal.de).
Über die Zahl der in Berlin lebenden Muslime liegen keine genauen Angaben vor. Die Zugehörigkeit zum Islam ist statistisch nicht exakt zu erheben, da in der Bundesrepublik Deutschland keine Pflicht zur Angabe der Religionszugehörigkeit besteht und so weder der islamische Glauben noch die Mitgliedschaft in islamischen Gemeinden behördlicherseits systematisch erfasst wird.
Nach einer Berechnung aus den Zensuszahlen für Personen mit Migrationshintergrund lag der Bevölkerungsanteil der Muslime in Berlin im Jahr 2011 bei 7,6 % (rund 249.200 Personen), nahe bei der vom Statistischen Landesamt für 2009 veröffentlichten Zahl (rund 249.000), wohingegen die BAMF-Studie Muslimisches Leben in Deutschland von rund 279.800 Muslimen in Berlin im Jahr 2008 ausging (6,9 % von rund 4.055.100 Muslimen in der Bundesrepublik Deutschland).
Kirchenbauten
Im Jahr 2017 gab es 404 Kirchen in der Stadt. Davon waren 295 evangelisch, 106 katholisch und drei russisch-orthodox. Seit 1980 wurden in der Stadt mehr als zehn katholische Kirchengebäude profaniert und mindestens acht evangelische Kirchenbauten entwidmet.
Christentum
Evangelisch-lutherische und -reformierte Kirchen
Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) mit Sitz in Berlin ist eine von 20 Gliedkirchen (Landeskirchen) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ihre derzeit gültige Grundordnung wurde 2004 in Kraft gesetzt. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Landeskirche fungiert als unierte Kirche, es besteht also eine Union zwischen lutherischem und reformiertem Bekenntnis. Die evangelisch-reformierten Gemeinden der Landeskirche bilden einen gemeinsamen Reformierten Kirchenkreis Berlin-Brandenburg.
mini|links|Berliner Dom, 2023