mini|300px|Relief mit einer Spinnerin, um 900–600 v. Chr. (Louvre, SB 2834) Die elamische Kunst, das Kunstschaffen im Bereich von Elam, einem Reich im heutigen Iran, lässt sich über fast vier Jahrtausende verfolgen. Elam stand oftmals unter starkem Einfluss aus Mesopotamien. Es gibt aber in Stil, Materialien und Techniken einige Besonderheiten, die das dortige Kunstschaffen deutlich von dem westlichen Nachbarn unterscheidet. Die Entwicklung der Glyptik und Rundplastik lässt sich gut verfolgen. Reste von Malerei gibt es kaum, sieht man von bemalter Keramik ab. Es gibt auch nur wenige Reste monumentaler Architektur. Eine Besonderheit sind zahlreiche elamische Felsreliefs, die die Vorläufer achämenidischer und sassanidischer Felsreliefs bilden.
Vorgeschichte (ca. 4200 bis 2900 v. Chr.)
Susa I (ca. 4200 bis 3800 v. Chr.) Die ältesten Belege von Vorläufern elamischer Kunst stammen aus dem vierten Jahrtausend v. Chr. aus Susa. Aus dieser Zeit stammt vor allem bemalte Keramik. Es gibt daneben auch zahlreiche Beispiele von kleiner Rundplastik. Die Keramik ist oftmals bemalt. Obwohl die Gefäße ähnlich wirken, gibt es doch kaum identischen Exemplare. Sie sind also nicht als Massenware gefertigt worden. Die Dekorationen sind meist in brauner Farbe auf einem hellen, beigen Hintergrund angebracht. Es finden sich vor allem geometrische Muster mit stilisierten Tier- und Menschenfiguren. Große Kelche sind anscheinend als Prestigeobjekte produziert worden. Im Gegensatz zu anderen Gefäßen ist deren Dekoration recht einheitlich.Frank Hole: Susa I Pottery, in: Prudence O. Harper, Joan Aruz, Françoise Tallon (Hrsg.): The Royal City of Susa, New York 1992, S. 32–41. Aus dieser Zeit stammen auch verschiedene, wiederum stilisierte Tonfiguren. Eine kleine Figur eines Rindes ist typisch für diese Produktion. Die Figur besteht aus hellem Ton und ist mit braunen Flecken bemalt.Agnès Spycket: Mouflon, in: Harper, Aruz, Tallon (Hrsg.): The Royal City of Susa, S. 42, Nr. 15.
Aus dieser Zeit stammen auch runde Siegelabdrücke. Die Siegel zeigen oftmals figürliche Szenen, tierköpfige Gestalten mit freiem Oberkörper und einem Schmuckanhänger um den Hals. Einige Figuren haben vogelartige Köpfe und scheinen mit Ritualen beschäftigt zu sein. Die Darstellung des Herren der Tiere ist auch beliebt.Joan Aruz: jar sealinbg showing three figures in a riutual scenes, in: Harper, Aruz, Tallon (Hrsg.): The Royal City of Susa, S. 43–44, Nr. 17.
Susa I ist eine lokale Variante der späten Obed-Zeit, die etwa von 5500 bis 4000 v. Chr. dauerte und fast den gesamten Nahen Osten umfasste.
Susa II (ca. 3800 bis 3100 v. Chr.) Im frühen 4. Jahrtausend vor Christus kommt es zu einem kulturellen Wandel in Susa, der mit einem Ende der Keramik- und Siegelproduktion im Stil von Susa I einhergeht und im Kontext der Ablösung der Obed-Zeit durch die Uruk-Zeit steht. Dieser Wandel rührt vermutlich von einem neuen engeren Verhältnis zu den anderen mesopotamischen Siedlungen, die sich wie Susa zu Stadtstaaten entwickeln. Dieses Netzwerk von Stadtstaaten wird von Uruk dominiert, was sich auch in einer zunehmenden Nähe der Kunstproduktion in Susa mit derer von Uruk zeigt.
Die Keramik wird vom fein bemalten hochwertigen Gut zur schlichten Massenware, die Glyptik hingegen zeigt ein bis dahin nicht vorhandenes komplexes ikonographisches Programm, was auch die zunehmende komplexe Gesellschaft widerspiegelt. Die erhaltenen Figuren sind meist eher klein und oftmals aus Alabaster gearbeitet. Sie sind oftmals stark stilisiert. Auf den Siegeln finden sich szenische Darstellungen. Auf einer Siegelabrollung aus Susa sieht man einen Priesterkönig mit Pfeil und Bogen, er greift Feinde an, die sich wiederum neben einem Gebäude befinden. Eine andere Siegelabrollung zeigt Reihen von Gefangenen. Ein anderes Siegel zeigt Arbeiter an einem Speicherbau.
Susa III / Proto-Elamische Zeit (ca. 3100 bis 2900 v. Chr.) Um 3100 v. Chr. entwickelt sich in Susa ein eigenes Schriftsystem, das Proto-Elamische. Die proto-elamitische Zeit ist grundlegend für die nachfolgende Entwicklung einer elamitischen Identität, die aus der Interaktion zwischen den Bewohnern des Hochlands und des Tieflands resultierte.
Eine Reihe von äußerst berühmten und bekannten Stücken von höchster Qualität stammen angeblich aus der proto-elamischen Zeit, wobei keins dieser Stücke eine nachgewiesene Herkunft hat, so dass ihre Authentizität teilweise angezweifelt wird.
Altelamische Periode (ca. 2900 bis 1880 v. Chr.) Die Kunst dieser Zeit ist weiterhin stark von Mesopotamien beeinflusst, zeigt aber auch einige Eigenheiten und Verbindungen zu Kulturen im Osten des heutigen Iran. Susa war ab etwa 2300 v. Chr. auch Teil des akkadischen Reiches. Die Kunstproduktion der Stadt wurde damit Teil der akkadischen Kunst. Dieser Einfluss ist auch in der Folgezeit zu spüren, als Susa wieder unabhängig war.
Aus Susa stammen einige Beterstatuen, wie sie auch aus Mesopotamien bekannt sind. Solche Figuren stellen in der Regel eine stehende Person dar, mit den Händen auf Bauch in Beterhaltung. Ein Exemplar aus Susa zeigt einen stehenden Mann mit den Händen in der typischen Beterhaltung. Das Gesicht und die Körperformen sind stark stilisiert und dabei vor allem stark geometrisch.Zainab Bahraini, Worshiper, in: Harper, Aruz, Tallon (Hrsg.): The Royal City of Susa, S. 83–84, BNr. 50. In Susa fand sich auch eine Statue des akkadischen Statthalters Ešpum. Es handelt sich wiederum um eine Beterstatue, die vielleicht älter als die Inschrift ist und um 2900 bis 2600 v. Chr. datiert. Vor allem die kurzen Haare und der Bart, der nur das untere Kinn bedeckt, haben keine Parallelen in Mesopotamien. Es handelt sich also offensichtlich um eine lokale Arbeit.Zainab Bahrani: Statue of Eshpum, in: Harper, Aruz, Tallon (Hrsg.): The Royal City of Susa, S. 86–87, Nr. 53.
Aus dem dritten Jahrtausend v. Chr. stammen auch einige Tafeln, die aus verschiedenen Materialien gefertigt sind und zum Teil ein Loch in der Mitte aufweisen. Solche Tafeln sind auch aus Mesopotamien gut bekannt, wo sie neben Türen angebracht waren. In dem Loch befand sich einst ein Stift, um dem wiederum ein Seil befestigt werden konnte, das die Tür verschloss. Die Figuren auf einer Tafel aus Susa sind wiederum schematischer als die Figuren auf mesopotamischen Tafeln. Auch scheint der elamische Künstler Schwierigkeiten mit dem Loch in der Mitte der Tafel gehabt zu haben. Auf mesopotamischen Tafeln sind die Löcher Teil der Komposition, auf der Tafel aus Susa winden sich die Figuren etwas unelegant darum.Zainab Bahraini: Plaque with Banquet and Animal Combat Scenes, in: Harper, Aruz, Tallon (Hrsg.): The Royal City of Susa, S. 84–85. Eine Besonderheit elamischer Kunstproduktion ist die Verwendung von Bitumen, das mit anderen Materialien gemischt und dann modelliert und gehärtet wurde. Eine Tafel aus einem Bitumengemisch zeigt zwei nackte Männer und Schlangen und ein vierbeiniges Tier zwischen ihnen. Die Männer haben große Köpfe und sind muskulös. Ihre Darstellung ähnelt anderen Menschendarstellungen aus Kerman im Osten des Iran.Javier Álvarez-Mon: The Sculptural arts of Elam, in: Álvarez-Mon, Pietro Basello, and Wicks (Hrsg.): The Elamite World, S. 605–607.
Zu der Kunstproduktion dieser Periode gehören auch zahlreiche Gefäße aus Bitumen. Sie sind zum Teil in Tiergestalt gearbeitet, haben Füße in Tiergestalt, oder sind mit Friesen aus Tier- und Menschengestalten, die in das Material gearbeitet sind, dekoriert.Zainab Bahrani: Vessels of Bitumen Compound, in: Harper, Aruz, Tallon (Hrsg.): The Royal City of Susa, S. 99–105.
Puzur-Inschuschinak König Puzur-Inschuschinak (um 2100 v. Chr.) entfaltete in Susa eine rege Bautätigkeit und schmückte die Tempel mit zahlreichen Kunstwerken. Von der Tempelarchitektur ist so gut wie nichts erhalten. Unter dem Herrscher operierte aber wahrscheinlich eine Werkstatt für Steinskulpturen in Susa, die zumindest eine große Statue des Herrschers produzierte. Insgesamt kann man seiner Bautätigkeit etwa 33 Statuen und 12 kleinere Objekte zuschreiben, einige von ihnen ohne weitere Parallele.Javier Álvarez-Mon: The Sculptural arts of Elam, in: Álvarez-Mon, Basello, and Wicks (Hrsg.): The Elamite World, S. 605. Das Kunstschaffen unter dem Herrscher ist in Susa stark mesopotamischen Vorbildern verpflichtet. Zu den unter Puzur-Inschuschinak gestalteten Werken gehört auch eine Statue der Göttin Narunte (Louvre SB 54), die vielleicht ihr Kultbild ist und den Namen des Herrschers trägt. Die Statue ist 109 cm hoch und aus Kalkstein gearbeitet. Das Gesicht war einst wahrscheinlich vergoldet. Auf den Seiten des Thrones finden sich in kräftigen Relief Darstellungen von Löwen.Béatrice André=Salvini: Statue of the goddess Narundi/Narunte, in: Harper, Aruz, Tallon (Hrsg.): The Royal City of Susa, S. 90 Eine Votivstein (Louvre SB 6) trägt auf der Oberseite die nicht gut erhaltene Darstellung einer Schlange, die sich um ein Loch windet, bei dem es sich wahrscheinlich um das Zentrum des Steines handelt. Auf der Vorderseite findet sich die halbknieende Figur eine Gottes mit einem übergroßen Nagel in den Armen. Vergleichbare Darstellungen sind aus Mesopotamien bekannt. Solche Steine dienten als Gründungsbeigaben bei einem Tempelbau und sollten den Tempel symbolisch schützen. Auf dem Objekt befinden sich Inschriften in akkadisch und elamisch. Das Objekt stammt wahrscheinlich von dem Inšušinak-Tempel. Im Gegensatz zu älteren Menschendarstellungen aus Susa sind die Figuren gut proportioniert. Selbst Details, wie Beinmuskeln sind naturgetreu wiedergegeben. Die Figur eines Gottes mit Nagel ist bisher nur aus Mesopotamien bekannt. Stilistisch ist die Figur sehr eng mit akkadischer und post-akkadischer Kunst verwandt.Béatrice-AndréSalvini: Votive boulder of Puzur-Inshushinak, in: Harper, Arux, Tallon (Hrsg.): The Royal City of Susa, S. 88–90, Nr. 54; Holly Pittman: Origins of monumental sculpture in Elam, in: Álvarez-Mon, Pietro Basello, and Wicks (Hrsg.): The Elamite World, S. 596
Glyptik Aus dieser Zeit stammen auch zahlreiche Siegel und Siegelabrollungen. Zylindersiegel waren nun die Regel. Sie sind stilistisch oftmals schwer von denen aus Mesopotamien zu unterscheiden. Es gibt Siegel von Beamten, aber auch solche, die eine Götterschlacht wiedergeben. Eine bemerkenswerte Ausnahme ist ein Siegel mit einer Melkszene aus Susa. Das Zylindersiegel datiert um 2600 bis 2500 v. Chr. Melkszenen sind aus Mesopotamien gut bekannt, erscheinen dort aber nicht auf Siegeln.Joan Aruz: Seals of the Old Elamite Period, in: Harper, Aruz, Tallon (Hrsg.): The Royal City of Susa, S. 106–110. Zylindersiegel aus dem Osten des Reiches zeigen einen anderen Stil. Sie fanden sich zuerst in Tal-i Malyan, dem antiken Anschan. Die Figuren auf den Siegeln haben sehr weite Gewänder und tragen spezifische Kopfbedeckungen. Sie ähneln Statuetten, die man in Baktrien fand. Die Siegel werden als Anshanite (Anschanitisch) bezeichnet.Potts: The Archaeology of Elam. S. 151–153.
Mittelelamische Periode (ca. 1880 bis 1050 v. Chr.)
Sukkalmah-Dynastie (ca. 1900 bis 1500 v. Chr.)