Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2024 am 5. November 2024 war die 60. Wahl zum Präsidenten und Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten. Sie war Teil der Wahlen in den Vereinigten Staaten 2024, bei denen unter anderem das gesamte Repräsentantenhaus mit 435 Sitzen und etwa ein Drittel des Senats (34 Sitze von 100) gewählt wurden.
Um US-Präsident werden zu können, benötigte einer der Kandidaten mindestens 270 Stimmen der insgesamt 538 Wahlleute. Als Kandidaten der Demokraten wurde die amtierende Vize-Präsidentin Kamala Harris und deren Running Mate (Vizepräsidentschaftskandidat) Tim Walz nominiert, für die Republikaner traten der ehemalige US-Präsident Donald Trump und dessen Running Mate JD Vance an. US-amerikanische Leitmedien haben basierend auf Nachwahlbefragungen oder eigenen Berechnungen Trump am 6. November als Wahlsieger verkündet. Am 13. November wurde zudem bekannt, dass die Republikaner auch eine Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus, sowie die Mehrheit der Gouverneure gewonnen hatten.
Gewählt wurde indirekt: Durch die sich bei der Wahl ergebenden Mehrheiten in den Bundesstaaten wurden die Wahlleute des Electoral College bestimmt, die am 17. Dezember 2024 Trump zum 47. Präsidenten sowie JD Vance zum 50. Vizepräsidenten wählten. Da die Wahlleute sich in der Regel verpflichten, für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen, war diese eigentliche Wahl nur formeller Natur. Trump und Vance setzten sich bei der Abstimmung der Wahlleute mit 312-226 durch, es gab keine Abweichler. Die Wahlleuteverteilung richtete sich erstmals nach dem Zensus 2020; zuletzt wurde diese Zusammensetzung vor der Wahl 2012 geändert. Die beiden Gewinner der Wahl wurden am 20. Januar 2025 ins Amt eingeführt.
Termin, Wahlverfahren und Wahlleuteverteilung
Gemäß dem Presidential Election Day Act vom 23. Januar 1845 ist der Wahltag der Dienstag nach dem ersten Montag im November, im Jahr 2024 also der 5. November. Gewählt werden die Wahlleute des Wahlkollegiums (Electoral College), das 41 Tage nach der Wahl, also im Dezember 2024, den Präsidenten und Vizepräsidenten bestimmt. Grundsätzlich hat jeder Bundesstaat das Recht zu entscheiden, wie er seine Wahlleute vergibt. In 48 der 50 Staaten erhält derjenige, der die relative Mehrheit der Stimmen erhält, sämtliche Wahlleute des Bundesstaats zuerkannt (Mehrheitswahl). Die Bundesstaaten Maine und Nebraska haben dagegen die Besonderheit, dass drei (Nebraska) bzw. zwei (Maine) Wahlleute jeweils nach den Mehrheiten in den Kongresswahlbezirken und nicht nach den Mehrheiten im gesamten Bundesstaat bestimmt werden; zuletzt hatte auf diese Weise Barack Obama bei der Wahl 2008 einen von fünf Wahlleuten Nebraskas, Donald Trump 2016 und 2020 einen von vier Wahlleuten Maines und Joe Biden 2020 einen von fünf Wahlleuten Nebraskas gewinnen können. Maine benutzt zur Ermittlung der Wahlleute zum zweiten Mal nach 2020 bei einer Präsidentschaftswahl das Instant-Runoff-Voting, während es Alaska 2024 zum ersten Mal anwenden wird.
Jeder Bundesstaat bestimmt so viele Wahlleute, wie er Vertreter in beide Häuser des Kongresses entsendet. Da sich die Anzahl der Abgeordneten im Repräsentantenhaus nach der Bevölkerungszahl richtet, 2024 erstmals nach dem Zensus 2020, jeder Staat aber zwei Senatoren hat, sind die bevölkerungsärmeren Staaten überrepräsentiert: Kalifornien hat etwa 68-mal so viele Einwohner wie Wyoming, entsendet aber nur 54 Wahlleute, Wyoming 3. Die Hauptstadt Washington, die als District of Columbia im Kongress nicht stimmberechtigt vertreten ist, stellt nach dem 23. Zusatzartikel der Verfassung so viele Wahlmänner, wie der kleinste Bundesstaat hat, zurzeit drei. Insgesamt besteht das Electoral College aus 538 Wahlleuten, die absolute Mehrheit liegt also bei 270 Stimmen.
Gleichzeitig finden auf Bundesebene die Wahlen zum Repräsentantenhaus (alle 435 Mitglieder) und zum Senat (34 der 100 Mitglieder, Klasse I) sowie auf der Ebene der Bundesstaaten unter anderem zu verschiedenen Gouverneursämtern und Bundesstaatslegislativen statt.
Kandidaten Historisch gesehen stellten bisher meistens (seit der Wahl von 1852 durchgängig, sieht man vom Zusammenschluss der Republikaner mit einem Teil der Demokraten bei der Wahl von 1864 zur National Union Party ab) die Demokratische Partei oder die Republikanische Partei den US-Präsidenten. Bei jeder Präsidentschaftswahl treten zusätzlich Kandidaten kleinerer Parteien oder ohne Parteiangehörigkeit an. In vielen Bundesstaaten ist es zudem möglich, irgendeinen Namen – auch wenn es kein offizieller Kandidat ist – auf den Stimmzettel zu schreiben, der dann als gültige Stimme gewertet wird (write-in). In Alaska und Oregon beispielsweise haben Write-in-Kandidaten traditionell eine größere Rolle gespielt.
Die parteiinterne Entscheidung über den letztlichen Kandidaten der jeweiligen Partei wird im Jahr der Wahl getroffen, in diesem Fall ab Januar 2024 bei den sogenannten Primaries und Caucuses, den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl.
Als ehemalige Präsidenten waren Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama von einer erneuten Kandidatur für eine dritte Amtszeit ausgeschlossen. Eine dritte Wahl nach zwei Amtszeiten verbietet der 22. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten. Der amtierende Präsident Joe Biden sowie die ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter und Donald Trump waren jedoch für eine zweite Amtszeit wählbar, weil sie nur eine Amtszeit Präsident waren. Trump gab am 15. November 2022 seine Bewerbung bekannt und begann am 28. Januar 2023 seinen Vorwahlkampf.
Historisches und Hintergrund Donald Trump, der bereits von 2017 bis 2021 Präsident der Vereinigten Staaten war, gelang 132 Jahre nach Grover Cleveland (US-Präsident 1885 bis 1889 und 1893 bis 1897) als zweitem Präsidenten überhaupt eine Wiederwahl nach Amtszeitunterbrechung.
Trump war bei seinem Amtsantritt im Januar 2025 knapp ein halbes Jahr älter, als sein Vorgänger Biden bei dessen Amtsantritt 2021, der mit vor ihm der älteste Amtsinhaber überhaupt war. Damit wird er der älteste Präsident bei Amtsantritt sowie bei Ende seiner Amtszeit im Jahr 2029 noch vor Biden der älteste Präsident im Amt überhaupt sein.
Trump war neben Richard Nixon (Kandidat 1960, 1968 und 1972, wobei die beiden letzten Male siegreich) der einzige Kandidat der Republikaner, der dreimal nominiert wurde.
Eine weitere Besonderheit der Kandidatur Trumps lag im Umstand, dass er zur Wahl 2024 nicht wie zu den Wahlen von 2016 und 2020 mit Mike Pence, sondern mit JD Vance als Kandidat für die Vizepräsidentschaft antrat. Damit war er der erste Präsidentschaftskandidat einer der großen Parteien seit 1976 (und der zweite seit 1944), der für eine weitere Amtszeit einen anderen Running Mate auswählte. Zur Wahl von 1976 war Gerald Ford mit Bob Dole angetreten, weil sein bisheriger Vizepräsident Nelson Rockefeller für eine Kandidatur nicht zur Verfügung stand. (Darüber hinaus gab es zwei Präsidentschaftskandidaten der beiden großen Parteien, die bei einer zweiten Nominierung nach einem erfolglosen ersten Versuch den Running Mate austauschten: Adlai Stevenson trat zu den Wahlen von 1952 und 1956 mit unterschiedlichen Vizepräsidentschaftskandidaten – John Sparkman bzw. Estes Kefauver – an, Richard Nixon kandidierte nach der (verlorenen) Wahl von 1960, in der er mit Henry Cabot Lodge junior als Running Mate angetreten war, beim (erfolgreichen) zweiten Versuch 1968 mit Spiro Agnew).
Da die bei der Wahl unterlegene Kandidatin der Demokraten Harris am 2. August 2024 zur Präsidentschaftskandidatin der Demokraten bestimmt wurde, trat erstmals seit der Präsidentschaftswahl 2000 (als der Demokrat Al Gore kandidierte) ein amtierender Vizepräsident als Präsidentschaftskandidat an. Amtierende Vizepräsidenten hatten davor bislang viermal in Präsidentschaftswahlen (in den Wahlen von 1796, 1800, 1836 und 1988) gewonnen, waren aber auch ebenso oft unterlegen (1860, 1960, 1968 und 2000).
Biden, der aufgrund der Vorwahlergebnisse bereits als „Presumptive Nominee“ (voraussichtlicher Kandidat) für eine Nominierung vorgesehen war, aber noch vor seiner offiziellen Nominierung von einer Kandidatur absah, war der bislang am spätesten ausgeschiedene Kandidat für die US-Präsidentschaft einer großen Partei – sieht man von Horace Greeley ab, der bei der Wahl von 1872 als von den Demokraten unterstützter Präsidentschaftskandidat der „Liberal Republican Party“ gegen den amtierenden republikanischen Präsidenten Ulysses S. Grant antrat, jedoch zwischen der Volkswahl und der Stimmabgabe im Electoral College verstarb. Damit war Biden zudem der erste amtierende Präsident seit Lyndon B. Johnson, der sich nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stellte, obwohl sie nach den Bestimmungen des 22. Verfassungszusatzes möglich gewesen wäre.
Trump, der zur Wahl von 2016 noch als Einwohner New Yorks antrat, wo er auch geboren wurde, war infolge seines Umzugs 2019 nach Mar-a-Lago der erste Präsidentschaftskandidat mit Florida als Heimatstaat.
Besondere Brisanz erhielt die Wahl durch die Vorgänge im Jahr 2020, als mit einer Desinformationskampagne des Trump-Lagers die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl in Abrede gestellt und Gerüchte von demokratischer Wahlmanipulation in die Welt gesetzt wurden. Diese Dynamik führte am Ende zum Sturm auf das Kapitol in Washington 2021. Keine der Behauptungen, die als Big Lie tituliert werden, hielten einer gerichtlichen Prüfung stand.
Demokratische Partei Offizielle Kandidatin Kamala Harris, Vizepräsidentin der USA seit 2021, ehemalige US-Senatorin (2017–2021) für Kalifornien. Am 6. August 2024 gab Harris bekannt, mit dem Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, als Vizepräsidentschaftskandidaten ins Rennen zu gehen.
Nachdem der amtierende US-Präsident Joe Biden seine Kandidatur am 21. Juli 2024 zurückgezogen hatte, sprach er auch seine Unterstützung für Kamala Harris als neue Kandidatin der Demokraten für die Präsidentschaftswahl aus. Die Kandidatur wurde am selben Tag bei der FEC eingetragen und offiziell bekanntgegeben.
Am 22. Juli 2024 wurde bekannt, dass Harris die Unterstützung von mehr als 1.976 Delegierten für den Parteitag erreicht hatte und damit die voraussichtliche Kandidatin der Demokraten war (Englisch: presumptive nominee). Am 23. Juli 2024 hatte Harris bereits die Unterstützung von mehr als 75 Prozent der Delegierten, bzw. von mehr als 3.000 der 3.949 Delegierten (ohne Superdelegierte). Für eine Nominierung bereits im ersten Wahlgang hätte die Mehrheit der Stimmen genügt.https://www.nytimes.com/interactive/2024/07/22/us/politics/harris-democratic-nominee-endorsements.html Eine Online-Bestätigung von Harris durch die Delegierten fand zwischen dem 1. und 5. August 2024 statt, um die Frist zur Platzierung auf dem Stimmzettel in Ohio (am 7. August) einzuhalten. Potentielle Kandidaten mussten bis spätestens 27. Juli 2024, 18 Uhr Ortszeit (Ostküste), ihre Kandidatur bekanntgeben. Neben Harris reichten noch 3 weitere, wenig bekannte, Personen ihre Kandidatur fristgerecht ein: Robert C. „Robby“ Wells Jr., Gibran Nicholas und Ralph Hoffman. Diese vier gemeldeten Kandidaten hatten bis zum Abend des 30. Juli 2024 Zeit um nachzuweisen, dass sie die Zulassungskriterien erfüllen. Dazu mussten sie vor allem die Unterstützung von mindestens 300 Delegierten gewinnen, von denen nicht mehr als 50 aus einem einzigen Staat stammen dürfen. Am 31. Juli 2024 wurde von den Demokraten bekannt gegeben, dass nur Harris diese Voraussetzungen erfüllt und demnach die einzige Kandidatin für die Nominierung ist. Bereits am zweiten Tag der Online-Abstimmung der Delegierten am 2. August 2024 erreichte Harris die nötige Mehrheit und wurde am 6. August 2024 offiziell als demokratische Kandidatin nominiert. Nach Abschluss der Abstimmung wurde bekannt, dass Harris mehr als 99 Prozent aller teilnehmenden Delegierten erhalten hat. Die zeremonielle Nominierung und Abstimmung wurde am ersten Tag des Parteitags der Demokraten vollzogen, der vom 19. bis 22. August 2024 in Chicago abgehalten wurde.