Der Bahnhof Fürstenberg (Havel) (bis 1951 Fürstenberg (Meckl)) liegt an der Berliner Nordbahn in der Stadt Fürstenberg/Havel und wurde 1877 eröffnet. Der Verkehr auf der abzweigenden Strecke nach Templin endete 1996. Die Bahnhofsanlage mit Empfangsgebäude und weiteren Bauten steht seit 2017 unter Denkmalschutz.
Lage und Name mini|links|Früheres Bahnhofsschild von Fürstenberg (Havel), ehemals Fürstenberg (Meckl), nun im DB Museum Halle Der Bahnhof liegt in der Stadt Fürstenberg/Havel im Landkreis Oberhavel im Norden des Landes Brandenburg unweit des Stadtzentrums von Fürstenberg etwa 500 Meter westlich vom Marktplatz. Er entstand am Streckenkilometer 78,04 der von Berlin über Neustrelitz nach Stralsund führenden Berliner Nordbahn. Ausgangspunkt der Streckenkilometrierung ist der alte Nordbahnhof in Berlin (später Bahnhof Berlin Eberswalder Straße). Die Strecke verläuft im Bahnhofsbereich annähernd in Süd-Nord-Richtung, im südlichen Bahnhofsbereich überquert die Bahnstrecke die Havel. Nördlich der Bahnsteige mündet aus Richtung Osten die mittlerweile stillgelegte Bahnstrecke aus Britz über Templin ein. Die in Britz beginnende Strecke führt die Kilometrierung der aus Berlin kommenden Stettiner Bahn fort. Somit liegt der Bahnhof Fürstenberg am Streckenkilometer 123,2 gezählt vom ehemaligen Stettiner Bahnhof in Berlin (jetzt Berlin Nordbahnhof) über Eberswalde und Britz.
Fürstenberg liegt im Fürstenberger Werder, einem schmalen von Nordwesten nach Südosten reichenden Landzipfel, der bis 1950 zu Mecklenburg gehörte, während die angrenzenden Gebiete preußisch war. Die Grenze zwischen Mecklenburg und Preußen verlief unmittelbar nördlich der Bahnsteige, so dass der nördliche Bahnhofsteil mit dem Abzweig der Strecke nach Templin bereits in Preußen lag.Meßtischblatt 2844 Fürstenberg, Reichsamt für LandesaufnahmeBerlin 1937, online
Ursprünglich trug der Bahnhof den Namen Fürstenberg i. Mecklenburg bzw. Fürstenberg i. M., ab 1888 Fürstenberg (Meckl). Nachdem die Stadt Fürstenberg im Jahr 1950 zu Brandenburg gekommen war, wurde der Namenszusatz der Bahnhofsbezeichnung geändert. Seit 1. August 1951 heißt er Fürstenberg (Havel).Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 112. Im Unterschied zur Stadt, die sich heute mit Schrägstrich Fürstenberg/Havel schreibt, wird der Bahnhofsname mit Klammern geschrieben.
Geschichte
Mitte des 19. Jahrhunderts gab es verschiedene Bestrebungen, die zu Preußen gehörende Hafenstadt Stralsund mit einer Eisenbahnstrecke mit Berlin zu verbinden. Eine Strecke auf dem annähernd kürzesten Weg über Fürstenberg, Neustrelitz und Neubrandenburg wurde schon in einer Denkschrift von 1844 favorisiert. Diese sah einen ähnlichen Streckenverlauf vor wie die über 30 Jahre später tatsächlich gebaute Strecke mit einem Bahnhof im Westen der Stadt. Sie verwies jedoch darauf, dass statt einer Station im damals in Mecklenburg-Strelitz liegenden Fürstenberg auch ein Verlauf über den östlich angrenzende, zu Preußen gehörenden Ort Ravensbrück denkbar wäre.Friedrich Wilhelm von Reden, Die Eisenbahnen Deutschlands. Zweiter Abschnitt, Ernst Siegfried Mittler, Berlin, Posen und Bromberg 1844, S. 380. Die damaligen Pläne wurden nicht verwirklicht.
miniatur|Bahnhof um das Jahr 1930 (Bild auf Informationstafel vor dem Bahnhof) Stralsund wurde Anfang der 1860er Jahre zunächst mit der Bahnstrecke Angermünde–Stralsund über Prenzlau, Pasewalk und Greifswald an das Bahnnetz angeschlossen. Auch danach gab es weiterhin anhaltende Bestrebungen für eine weitere Strecke von Berlin nach Stralsund über Fürstenberg und Neustrelitz, die auch von Großherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz, in dessen Herzogtum Fürstenberg, Neustrelitz und Neubrandenburg lagen, nachhaltig unterstützt wurden.Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 6–9. Dennoch dauerte es weiter mehr als ein Jahrzehnt, bis die Strecke über Fürstenberg tatsächlich gebaut werden konnte.
Planungen von Mitte der 1860er Jahre sahen einen Streckenverlauf etwa eine halbe Meile westlich von Fürstenberg vor, wo die Bedingungen für den Bau einer Havelquerung einfacher waren als in Stadtnähe. Zeitgenössische Bericht meinten, dass dieser Verlauf darstellen könne.Archiv für Landeskunde in den Großherzogthümern Mecklenburg und Revüe der Landwirtschaft. Siebenzehnter Jahrgang. Verlag der Hofdruckerei von A. W. Sandmeyer, Schwerin 1867, S. 421. Bei der tatsächlichen Realisierung der Strecke wurde zehn Jahre später schließlich eine stadtnahe Havelquerung gebaut und der Bahnhof entstand direkt am Rande der Altstadt.
Am 10. Juni 1877 ging die Berliner Nordbahn zunächst zwischen Berlin und Neubrandenburg und damit auch der Bahnhof Fürstenberg in Betrieb,Peter Bley: Berliner Nordbahn – 125 Jahre Eisenbahn Berlin–Neustrelitz–Stralsund. Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7, S. 15. am 15. Mai 1878 war die Gesamtstrecke bis Stralsund fertiggestellt. 1886 nahm der Deutsch-Nordische Lloyd die auch als Lloydbahn bekannte Bahnstrecke Neustrelitz–Warnemünde in den Betrieb. Damit wuchs auch die Bedeutung des südlichen Teils der Berliner Nordbahn mit dem Bahnhof Fürstenberg, wobei die Verbindung nach Rostock wichtiger als die nach Stralsund wurde. Mit der 1899 eröffneten Bahnstrecke Britz–Fürstenberg wurde der Bahnhof zum Trennungsbahnhof. Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs auch die Bedeutung des Bahnhofs für den Güterverkehr, nachdem eine Reihe von Industriebetrieben in der Stadt entstanden. Auch im Reiseverkehr ergaben sich mit der Entwicklung der Stadt zum Luftkurort neue Aufgaben. Mitte der 1930er Jahre wurde die Bahnhofsanlage umgebaut und das Empfangsgebäude erweitert.Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, Beurteilung des Denkmals Bahnhof Fürstenberg (Havel), 8. Mai 2017.
1938 begann im benachbarten Ravensbrück der Bau des dortigen Frauenkonzentrationslagers, wo Zehntausende Frauen inhaftiert wurden. Der Bahnhof Fürstenberg (Havel) wurde Ziel von Hunderten Gefangenentransportzügen aus Deutschland und den im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten und wurde offiziell als „Bhf für das Gefangenenlager Ravensbrück“ geführt.
mini|Der Mittelbahnsteig erhielt seine Gestalt beim Umbau um 1930. Aus dieser Zeit stammt auch das Aufsichtshäuschen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das zweite Streckengleis der Nordbahn als Reparationsleistung beseitigt, die Strecke von Neustrelitz in Richtung Rostock sogar auf weiten Abschnitten komplett abgebaut. Um 1960 wurde die Eisenbahnverbindung Berlin – Fürstenberg – Neustrelitz – Rostock als leistungsfähige Eisenbahnverbindung ausgebaut. Die Strecke von Neustrelitz in Richtung Rostock wurde in teilweise neuer Trassierung wiederaufgebaut, auch die Nordbahn bis Neustrelitz erhielt ihr zweites Gleis wieder. Südlich des Bahnhofs Fürstenberg wurde die Strecke neu trassiert. Im Nordteil des Bahnhofs Fürstenberg (Havel) war ein großer Gleisjochmontageplatz entstanden, der auch nach Fertigstellung der Ausbaustrecke weiter in Betrieb blieb und bis Anfang der 1990er genutzt wurde.
Am 25. November 1963 entgleisten im Bahnhof Fürstenberg (Havel) die Lokomotive und zwei Wagen des Zuges D 24. Die Lokomotive stürzte um, dadurch wurden drei Eisenbahner getötet.
Am 21. April 1984 wurde der elektrische Betrieb aus Richtung Süden bis zum Bahnhof Fürstenberg (Havel) aufgenommen; am 2. Juni folgte der nordwärts anschließende Abschnitt von Fürstenberg über Neustrelitz bis Adamsdorf, bis 1985 war die Gesamtverbindung bis Rostock elektrifiziert.
mini|Regionalbahn aus Templin 1993, drei Jahre vor der Einstellung des Verkehrs Nach 1990 änderte sich die Verkehrsnachfrage bei der Eisenbahn. Viele Güterverkehrskunden wurden geschlossen oder stellten ihre Bedienung auf das Auto um. Fürstenberg verlor nach und nach seinen kompletten Güterverkehr. Die einst umfangreichen Anlagen wurden weitgehend zurückgebaut. Der Jochmontageplatz wurde geschlossen, auf ihm entstand nach 2000 eine große Solaranlage.
Im April 1996 endete der Verkehr auf der Strecke auf dem Teilstück Fürstenberg–Templin der Bahnstrecke Britz–Fürstenberg. Bereits im Juni 1996 wurde der Abschnitt zur ersten touristischen Draisinenbahn Deutschlands, die bis 2021 in Betrieb war. Der Startpunkt lag am Weidendamm in Fürstenberg, etwa einen Kilometer vom Bahnhof entfernt. 1999 wurde die Fahrkartenausgabe im Bahnhofgebäude geschlossen.Neue Heimat Fürstenberg: Wie Ex-Berliner einen Kleinstadtbahnhof mit Leben erfüllen. In: Berliner Zeitung, 7. Juli 2019, online.
Der Eisenbahnkorridor Berlin–Rostock wird seit 2005 schrittweise ausgebaut, die Reisegeschwindigkeit erhöht. Im Zuge der Baumaßnahmen wurde von September 2012 bis April 2013 die Nordbahn nördlich von Oranienburg gesperrt. Damit hatte auch der Bahnhof Fürstenberg (Havel) acht Monate lang keinen planmäßigen Zugverkehr. Der Bahnhof Fürstenberg (Havel) wurde noch nicht umgebaut, dies war wie auch der Umbau einiger weiterer größere Stationen für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen.
Im Jahr 2017 wurden Empfangsgebäude, Bahnsteige und einige Nebengebäude unter Denkmalschutz gestellt. Deswegen musste frühere Umbauplanungen, die unter anderem einen völligen Neubau des Mittelbahnsteigs vorsahen, komplett überarbeitet werden.Bahn-Report, 5/2020, S. 38. Mit den Änderungen der Umbaupläne wurde die Verzögerung beim Start des Umbaus begründet. Ursprünglich sollte der Umbau in den Jahren 2020/21 stattfinden, nun wird mit einem Baubeginn nicht vor 2025 gerechnet.Baubeginn am Fürstenberger Bahnhof frühestens 2025 . In: Märkische Allgemeine Zeitung, 22. Mai 2019, online. Die Bahnsteige sollen barrierefrei zugänglich werden, nach Planungen aus dem Jahr 2019 ist ein prinzipieller Erhalt des Mittelbahnsteigs und der Bau von Rampen geplant.Bahnhofsumbau wird geplant. In: Märkische Allgemeine Zeitung, 17. Mai 2019, online
Anlagen
Denkmalschutz
miniatur|hochkant|Zugang im Art-déco-Stil zum Bahnsteigtunnel Der Bahnhof „bestehend aus Bahnhofsempfangsgebäude, Hausbahnsteig mit Überdachung, Mittelbahnsteig mit Überdachung und Dienstgebäude, Bahnsteigtunnel, Treppenpavillon über der Tunneltreppe Hausbahnsteig, Wirtschaftsgebäude Bahnsteig 1, Eisenbahnergarten mit dazugehörigem Wirtschaftsgebäude“ steht unter Denkmalschutz. Das Landesdenkmalamt begründet dies sowohl mit der verkehrsgeschichtlichen als auch der bau- und architekturgeschichtlichen, der städtebaulichen sowie „in besonderer Weise“ der sozialgeschichtlichen Bedeutung. In verkehrsgeschichtlicher Hinsicht liegt der Denkmalwert in der Bedeutung des Bahnhofs als Trennungsbahnhof und als Schnittstelle zum Wasserverkehr auf der nahegelegenen Havel, architektonisch in der Kombination der „Architektursprache des stattlichen Bahnhofsgebäudes“, der Bahnsteige mit Funktionsbauten und des Tunnelpavillons. Die sozialgeschichtlicher Bedeutung liegt laut Denkmalgutachten vor allem in der Funktion des Bahnhofs als Zubringer für das Konzentrationslager Ravensbrück. In städtebaulicher Hinsicht hebt das Gutachten die Wirkung des Bahnhofs als Entree zur Stadt hervor.
Empfangsgebäude miniatur|Empfangsgebäude mit Vorplatz Das Gebäude stammt im Kern aus der Eröffnungszeit der Strecke, wurde aber mehrfach erweitert. Zunächst geschah dies um die Wende zum 20. Jahrhundert mit der Bahnhofserweiterung im Rahmen des Baus der Strecke aus Templin, später in den 1930er Jahren. Es ist ein zweigeschossiger, dreizehnachsiger traufständiger Bau mit Walmdach und prägendem Mittelrisalit.Jörg Raach, Matthias Baxmann, Faszination Eisenbahn. Bahnkultur in Brandenburg, L+H Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-939629-21-4, S. 107. Ein Teil der ursprünglichen Innengestaltung ist enthalten. Nachdem das Bahnhofsgebäude 1999 seine Funktionen in der Fahrgastabfertigung verloren hatte, wurde es weiterhin von einer Gaststätte und für Wohnzwecke genutzt.