mini|400px|Das Klagenfurter Rathaus mini|hochkant|Historische Siegelmarke des Gemeinderates Die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee werden im Rahmen der landesweit stattfindenden Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen abgehalten. Die Wahlen finden alle sechs Jahre statt, in der Vergangenheit betrug die Legislaturperiode auch nur fünf oder vier Jahre. Der 1945 unter Aufsicht der britischen Besatzer mit 24 Mandataren eingerichtete Gemeinderat wurde 1948 auf 36, 1973 schließlich auf 45 Mandatare vergrößert. Sieben dieser 45 Mandatare bilden den regierenden Stadtsenat. Er setzt sich aus dem Bürgermeister, seinen beiden Stellvertretern (siehe hierzu die Liste der Bürgermeister von Klagenfurt) und vier Stadträten zusammen. Seine Besetzung erfolgt nach dem Proporzsystem – ab einer gewissen Stärke hat jede im Gemeinderat vertretene Partei ein Anrecht auf Regierungsbeteiligung. Von 1973 bis 2015 hatte der Stadtsenat neun statt sieben Mitglieder.

Seit 1990 kann die Wahl eines Bürgermeisters in Österreich als direkte Personenwahl, die gleichzeitig mit der Gemeinderatswahl stattfindet, erfolgen. Kärnten wandte diese Praxis bei der Gemeinderatswahl 1991 als erstes Bundesland an. Da ein Wähler somit zwei Stimmzettel bekommt und nicht notwendigerweise jene Partei im Gemeinderat unterstützen muss, deren Bürgermeisterkandidaten er bevorzugt, sind unterschiedliche Mehrheiten bei der Gemeinderats- und der Bürgermeisterwahl möglich.

Wahlwerbende Parteien und Systematik der Darstellung

Im Folgenden sind alphabetisch alle Parteien und Wählergruppen sowie mit ihnen verbundene Gruppierungen aufgeführt, die zumindest einmal bei Wahlen ein Mandat im Gemeinderat erringen konnten. Abspaltungen während der Legislaturperiode sind nicht berücksichtigt. Auch die Diagramme zur Sitzverteilung im Gemeinderat in den folgenden Abschnitten spiegeln nur die Situation unmittelbar nach der jeweiligen Wahl wieder. Parteien, denen der Einzug nicht gelang, sind in den Wahlergebnissen der jeweiligen Jahre unter „Sonstige“ subsumiert.

BA: Bürgerallianz BZÖ: Bündnis Zukunft Österreich EW’09: Namensliste Ewald Wiedenbauer (vormals SPÖ) FPÖ: Freiheitliche Partei Österreichs bis 1955 Verband der Unabhängigen (VdU) GRÜNE: Die Grünen – Die Grüne Alternative 1979 erstmaliges Antreten der VGÖ als Grüne Liste Klagenfurt (GLK) Bei den Wahlen 1985, 1991 und 1997 traten VGÖ und GRÜNE parallel an. KPÖ: Kommunistische Partei Österreichs auch als Wahlgemeinschaft Österreichische Volksopposition (VO), Kommunisten und Linkssozialisten (KLS), Linksblock, Soziale Initiative Klagenfurt (SIK) oder Parteilose und KPÖ (LINX) NEOS: NEOS – Das Neue Österreich und Liberales Forum ÖVP: Österreichische Volkspartei SPÖ: Sozialdemokratische Partei Österreichs TK: Team Kärnten 2015 erstmaliges Antreten als Team Kärnten-Stronach

Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2021

Termin: 28. Februar 2021 Wahlbeteiligung: 52,1 % Gewählter Bürgermeister: Christian Scheider (Team Kärnten)

Bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten am 28. Februar 2021 standen in Klagenfurt elf Parteien bzw. Listen zur Wahl, von welchen zehn auch einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt nominiert hatten. Umfragen sahen die SPÖ und deren Spitzenkandidatin, die bisherige Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz, in Führung, wobei sich eine Stichwahl zwischen ihr und einem weiteren Kandidaten abzeichnete. Für Brisanz sorgt der Bruch des vormaligen Bürgermeisters Christian Scheider mit der FPÖ – er kandidierte für das bisher nicht im Gemeinderat vertretene Team Kärnten und etablierte sich zum stärksten Herausforderer der amtierenden Bürgermeisterin. Bei der Wahl konnte die SPÖ ihr Ergebnis von 2015 leicht verbessern, größter Gewinner war jedoch das Team Kärnten, welches 2015 deutlich am Gemeinderatseinzug gescheitert war und nun mit Scheider aus dem Stand 22,4 % erreichte. Auch die Neos konnten Gewinne verbuchen, alle anderen Parteien – insbesondere die FPÖ – verloren deutlich. Das Ergebnis führte zum Rücktritt gleich dreier Politiker: Wolfgang Germ von der FPÖ und Frank Frey von den Grünen traten von allen ihren Funktionen zurück. Markus Geiger von der ÖVP legte seine Funktion als Parteiobmann zurück. Die Wahlbeteiligung sank weiter auf 52,1 %

Bei der Bürgermeisterdirektwahl lag Maria-Luise Mathiaschitz mit 33,38 % knapp vor Christian Scheider mit 30,55 %, die Kandidaten der anderen Parteien lagen deutlich zurück. Bei der Stichwahl am 14. März konnte er sich mit 53,49 % deutlich gegen Maria-Luise Mathiaschitz durchsetzen und so seine zweite Amtszeit (nach 2009 bis 2015) als Bürgermeister antreten. Jürgen Pfeiler behielt das Amt des Ersten Vizebürgermeisters, trat jedoch im Oktober 2021 zurück, sein Nachfolger wurde Philipp Liesnig, dem im Juni 2024 Ronald Rabitsch folgte. Zweiter Vizebürgermeister wurde Alois Dolinar, ab Februar 2024 Alexander Kastner, ab April 2025 Patrick Jonke. Scheider vereinbarte ein „Arbeitsübereinkommen“ mit der SPÖ und der ÖVP, im Stadtsenat entfielen 3 Mandate auf die SPÖ, 2 auf das Team Kärnten und je eines auf ÖVP und FPÖ. Das Arbeitsübereinkommen wurde im Juni 2023 seitens der SPÖ aufgekündigt. Vorangegangen war ein länger schwelenden Konflikt um die von Scheider forcierte Weiterbestellung des Magistratsdirektors Peter Jost und von der Stadt angestoßene kurzfristige Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Journalisten Franz Miklautz, der zweifelhaftes Gebaren seitens der Stadt im Zusammenhang mit Jost publik gemacht hatte. Im Jänner 2025 erklärte das Team Kärnten in einer Presseaussendung die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Scheider für beendet. Als Gründe wurden „interne Querelen und eine fehlende politische Konsistenz“ genannt. Mitte 2025 gründete er mit Vizebürgermeister Patrick Jonke die Freie Soziale Bürgerpartei (FSP). Dauerhaft problematisch war die angespannte Finanzlage der Stadt. Mangels eines Budgetbeschlusses wurden die Ausgaben im Großteil des Jahres 2025 (Beschluss erst im Juli) und ebenso Anfang 2026 über die „Zwölftelregelung“ (jeder Abteilung wird monatlich ein Zwölftel des Vorjahresbudgets zugerechnet, freiwillige Leistungen und Subventionen sind nicht möglich) gesteuert.

Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2015

Termin: 1. März 2015 Wahlbeteiligung: 57,1 % Gewählte Bürgermeisterin: Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ)

Bei der im Rahmen der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Kärnten 2015 abgehaltenen Wahl erlitt die FPÖ, die 2009 noch als BZÖ kandidiert hatte und kurz nach dem Unfalltod des Parteigründers Jörg Haider beträchtliche Erfolge verbuchen konnte, große Verluste. Die SPÖ erholte sich nach dem Tiefpunkt 2009 deutlich, die Grünen konnten leichte Zugewinne verbuchen. Die Neos zogen erstmals in den Gemeinderat ein, lagen jedoch nur wenige Stimmen vor der Bürgerallianz des kurz vor der Wahl aus der FPÖ ausgetretenen ehemaligen Vizebürgermeisters Albert Gunzer. Insgesamt waren 13 Listen zur Wahl angetreten, von welchen sechs den Einzug in den Gemeinderat schafften. Trotz dieser historisch größten Zahl an Kandidierenden erreichte die Wahlbeteiligung mit 57,1 % einen neuen Tiefststand.

Bei der Direktwahl des Bürgermeisters lag Amtsinhaber Christian Scheider (FPÖ) im ersten Wahldurchgang mit 31,08 % knapp vor der SPÖ-Kandidatin Maria-Luise Mathiaschitz mit 30,08 %. Bei der folgenden Stichwahl konnte diese sich mit 53,3 % der Stimmen durchsetzen und die SPÖ erstmals seit 1973 den Bürgermeister stellen. Erster Vizebürgermeister wurde Jürgen Pfeiler, Christian Scheider erhielt das Amt des zweiten Vizebürgermeisters, gab es kurz vor der Wahl 2021 jedoch an Wolfgang Germ ab und trat aus der FPÖ aus. Nach Vorbild der amtierenden Landesregierung Kaiser I vereinbarte Mathiaschitz eine Koalition mit ÖVP und Grünen. Von den nun wieder sieben Mitgliedern des Stadtsenates entfielen drei auf die SPÖ, eines auf die ÖVP. zwei auf die FPÖ und eines auf die Grünen.

Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2009

Termin: 1. März 2009 Wahlbeteiligung: 71,7 % Gewählter Bürgermeister: Christian Scheider (BZÖ/FPÖ)

Die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen wurden in Kärnten am 1. März 2009 parallel mit der Landtagswahl abgehalten. In Klagenfurt standen zehn Parteien sowie acht Bürgermeisterkandidaten und damit soviele Gruppierungen wie noch nie zur Wahl. Sechs Parteien schafften den Einzug in den Gemeinderat. Deutlich stimmenstärkste Partei wurde das 2005 vom kurz vor der Wahl verunfallten Landeshauptmann Jörg Haider gegründete BZÖ. SPÖ und ÖVP erlitten jeweils Verluste im zweistelligen Prozentbereich. Die Grünen konnten in der polarisierten Politiklandschaft leicht zulegen. Die FPÖ, deren Funktionäre 2005 fast vollständig zum BZÖ übergelaufen waren, errang einen Sitz im Gemeinderat, ebenso die Liste EW'09 des nach internen Konflikten und Betrugsvorwürfen aus der SPÖ ausgetretenen ehemaligen Vizebürgermeisters Ewald Wiedenbauer. Die Wahlbeteiligung war mit 71,7 % höher als bei den beiden vorangegangenen Gemeinderatswahlen.

Bei der Bürgermeisterwahl galt Amtsinhaber Harald Scheucher im Vorfeld als klarer Favorit. Am Wahltag musste er sich jedoch überraschend mit 22,1 % der Stimmen und damit nur Rang drei hinter Christian Scheider (BZÖ, 40,7 %) und Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ, 24 %) geschlagen geben. Die ÖVP verlor damit den Posten des Bürgermeisters, den sie seit 1973 kontinuierlich besetzen konnte. Bei der folgenden Stichwahl setzte sich Scheider mit rund 64 % klar gegen seine Konkurrentin durch. Erster Vizebürgermeister wurde Albert Gunzer, Mathiaschitz übernahm das Amt der Zweiten Vizebürgermeisterin. Christian Scheider vereinbarte ein Arbeitsübereinkommen mit der SPÖ. Von den neun Mitgliedern des Stadtsenates entfielen vier auf das BZÖ, je zwei auf SPÖ und ÖVP sowie eines auf die Grünen. Das Übereinkommen zwischen BZÖ und SPÖ zerbrach nach zweieinhalb Jahren, für den Rest der Legislaturperiode war die Stadtpolitik von rauen Tönen gekennzeichnet.

Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2003

Termin: 9. März 2003 Wahlbeteiligung: 62,6 % Gewählter Bürgermeister: Harald Scheucher (ÖVP)

Bei den 2003 stattfindenden Wahlen konnte die SPÖ sich nach den starken Verlusten des Jahres 1997 erholen. Auch die ÖVP konnte Zugewinne verbuchen, blieb jedoch hinter den Prognosen, welche sie vor der Wahl in Führung gesehen hatten, zurück. Die FPÖ musste deutliche Verluste hinnehmen. Nach Aussage von Spitzenkandidat Mario Canori waren die Entwicklungen in der Bundespolitik, die der Partei bei der Nationalratswahl im Dezember 2002 gravierende Verluste beschert hatten, für die Niederlage ausschlaggebend. Nachdem die VGÖ nicht mehr zur Wahl antrat, konnten die Grünen geeint auftreten und deutliche Zugewinne erzielen. Damit waren sie erstmals stark genug im Gemeinderat vertreten, um einen Stadtratsposten beanspruchen zu können. Die Wahlbeteiligung betrug 2003 nur noch 62,6 %.