mini|hochkant|Logo der Béliers Die ( für «Widder» oder «Sturmböcke»), formell genannt, sind ein militanter Jugendverband der jurassischen Separatisten, der 1962 im Rahmen der Jurafrage gegründet wurde. Der Name ist von einer mittelalterlichen Kriegsmaschine abgeleitet, die ähnlich einem Rammbock dem Aufbrechen von Toren und Befestigungsanlagen diente. Die traten vor allem in den 1960er- bis 1980er-Jahren mit provokativen Widerstandsaktionen in Erscheinung.
Organisation Die Ziele der sind gemäss Satzung die «Befreiung des jurassischen Volkes von der bernischen Bevormundung», die «Wiedervereinigung» des beim Kanton Bern verbliebenen Südjura, die Verteidigung der französischen Kultur und Sprache sowie die «Bewahrung des Geistes, der der Gründung des Kantons Jura zugrunde lag». Dabei greifen die Béliers oft zu radikal erscheinenden Methoden, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Gemäss Eigendarstellung besteht die Gruppierung aus jungen Männern und Frauen im Alter von 16 bis 32 Jahren aus allen soziokulturellen Schichten.
Ursprünglich an das angeschlossen, sind die seit 1981 organisatorisch unabhängig, und zwar als Verein im Sinne von Artikel 60 des Zivilgesetzbuches. Oberstes Organ ist die Delegiertenversammlung, die mindestens einmal jährlich zusammentritt. Als Exekutive vertritt das die Bewegung gegenüber Aussenstehenden und koordiniert die Aktionen der angeschlossenen Sektionen. Die Sektionen ernennen die Delegierten der Delegiertenversammlung, während an der Generalversammlung sämtliche Mitglieder teilnehmen.
Die Gegenbewegung zu den sind die antiseparatistischen .
Geschichte Die Gründung der erfolgte im Juli 1962 auf Initiative von Marcel Brêchet und Michel Gury. Ihr ursprüngliches Ziel bestand lediglich darin, die jurassische Jugend für eine stärkere Teilnahme am Fest des jurassischen Volkes zu gewinnen. Als sich deutlich mehr Teilnehmer einfanden als erwartet, gab sich die Organisation feste Strukturen, definierte sich als Jugendorganisation des und bildete zahlreiche Ortsverbände. Während das (das spätere ) vor allem mit politischer und publizistischer Arbeit für die Loslösung des Jura vom Kanton Bern eintrat, machten die militanten mit zahlreichen provokativen und aufsehenerregenden Widerstandsaktionen auf sich aufmerksam, um der Schweizer Bevölkerung die Jurafrage in Erinnerung zu rufen.Henecka: Die jurassischen Separatisten. S. 234.
Ab 1965 veranstalteten die jährlich das «Fest der jurassischen Jugend» (), zunächst in Porrentruy, später auch an anderen Orten. Die Trennung des historischen Jura in zwei Teile nach den Juraplebisziten von 1975 und 1976 schuf neue politische Rahmenbedingungen, welche die zu einer Umstrukturierung zwangen. Im Januar 1979 fusionierten sie mit der Bewegung , ihrem Pendant im Berner Jura. Seit November 1981 sind die organisatorisch nicht mehr mit dem verbunden, auch wenn nach wie vor enge Kontakte bestehen. In den 1980er und 1990er Jahren unterhielten die Béliers auch formelle Beziehungen mit der Jungen Kraft Laufental (im Zusammenhang mit dem Kantonswechsel des Laufentals).
Aktionen
1960er Jahre Seit ihrer Gründung führten die eine Reihe von Widerstandsaktionen durch, um den Kanton Bern und den Bund zu zwingen, eine Lösung für die Jurafrage zu finden. Diese Aktionen waren und sind in Fällen gegen besonders symbolträchtige Ziele gerichtet. Erstmals in Erscheinung traten sie im September und November 1963, als sie im ganzen Kanton Bern über 300'000 Flugblätter verteilten. Darin forderten sie die Bevölkerung auf, Druck auf die Behörden auszuüben. Im März 1964 blockierten sie die Eingänge zum Berner Rathaus und forderten die Freilassung der «Unschuldigen von Courfaivre», die während der Ermittlungen gegen die trotz erwiesener Unschuld wochenlang in Untersuchungshaft sassen. Am 30. August 1964 unterbrachen sie anlässlich einer Gedenkfeier beim Denkmal «Le Fritz» in der Nähe des Col des Rangiers die Ansprachen von Regierungsrat Virgile Moine und Bundesrat Paul Chaudet, wodurch sie erstmals in der ganzen Schweiz Bekanntheit erlangten.Moser: Der Jurakonflikt. S. 38.
Als die Berner Kantonsregierung am 7. Oktober 1965 in Porrentruy eine neue Haushaltungsschule eröffnen wollte, untersagte sie vorsorglich eine Demonstration der . Um das Verbot zu umgehen, nutzten sie einen am selben Tag stattfindenden Kongress von Kaminfegern, um sich wie diese zu verkleiden und vor der Schule zu protestieren. Im September 1966 verteilten die in einer einzigen Nacht über eine halbe Million Flugblätter in der ganzen Schweiz, in denen sie zur Teilnahme am Fest des jurassischen Volkes einluden. Am 10. Januar 1967 verschafften sich über drei Dutzend Aktivisten Zugang zum traditionellen Neujahrsempfang des diplomatischen Korps im Berner Bundeshaus und entrollten projurassische Spruchbänder, was auch international für Aufsehen sorgte.Moser: Der Jurakonflikt. S. 39.
Fünf führende Mitglieder der legten am 4. Mai 1968 auf dem Berner Bundesplatz öffentlichkeitswirksam ihre Militärutensilien nieder und erklärten sich zu «Dienstverweigerern aus Patriotismus», um gegen die Untätigkeit des Bundes zu protestieren. Sie wurden bei ihrer Rückkehr nach Delémont von über 2000 Personen empfangen. Diesem Beispiel folgend verweigerten zahlreiche Jurassier den Militärdienst. Am 29. Juni desselben Jahres drangen rund 120 Aktivisten in das Statthalteramt von Delémont ein und hielten es fast einen Tag lang besetzt. Rund tausend abgestellte Autos blockierten die Zufahrtswege. Auf Drängen des Regierungsstatthalters griff die Polizei nicht ein und die Aktivisten verliessen das Gebäude in einem einwandfreien Zustand.Moser: Der Jurakonflikt. S. 39–41. Etwa 30 drangen am 11. Dezember 1968 ins Bundeshaus ein und unterbrachen eine Sitzung des Nationalrats, um eine Erklärung zu verlesen. Dabei kam es vereinzelt zu Rangeleien mit Politikern (darunter Kurt Furgler und Hans Tschumi).Moser: Der Jurakonflikt. S. 42–43. Etwa ein Jahr später, am 29. November 1969, versammelten sich über 300 auf dem Bundesplatz und verbrannten öffentlich 5000 Ausgaben des umstrittenen roten Zivilverteidigungsbuches.Moser: Der Jurakonflikt. S. 44.
1970er Jahre mini|Aktivisten giessen Asphalt über Berner Tramschienen (1972) Während des Spiels zwischen Schweden und der Tschechoslowakei bei der Eishockey-Weltmeisterschaft 1971 in Bern nutzten die eine Spielunterbrechung, um Pucks in den jurassischen Farben aufs Eis zu werfen. Acht Aktivisten stürmten mit jurassischen Fahnen und Transparenten das Spielfeld, der Zwischenfall wurde live im Fernsehen übertragen. Ein halbes Jahre später, am 4. September 1971, mauerten die die Eingänge des Berner Rathauses zu. Damit drückten sie aus, dass sie nichts akzeptieren würden, was hinter diesen Mauern entschieden werde. Am 18. März 1972 demonstrierten rund 2000 Jurassier in Bern für den Bau der Autobahn Transjurane. Nach dem Ende der friedlichen Kundgebung übergoss eine Gruppe von etwa 50 die Tramschienen in der Spitalgasse auf einer Länge von 50 Metern mit Asphalt. Mit dieser Aktion sollte die Tatsache angeprangert werden, dass die jurassischen Strassen von der Berner Kantonsregierung nicht instand gehalten werden.Moser: Der Jurakonflikt. S. 45.
Etwa 30 unbewaffnete Aktivisten besetzten am 13. Juli 1972 die Schweizer Botschaft in Paris. Sie erklärten, die Schweiz werde erst zur Ruhe kommen, wenn der Jura «vom Berner Joch befreit» sei. Nach Verhandlungen mit dem Botschafter und der Zusicherung, dass die französische Polizei nicht einschreiten werde, reinigten die die benutzten Räume und verliessen das Gebäude nach sechs Stunden. Der damalige -Chef Jean-Claude Montavon wurde wegen Hausfriedensbruchs zu einer Haftstrafe von 20 Tagen verurteilt, die er nach einem langwierigen juristischen Verfahren fünf Jahre später in Halbgefangenschaft verbüsste.Moser: Der Jurakonflikt. S. 46–47. Zwei Besetzungen ereigneten sich am 3. August 1972: Unterstützt von fünf wallonischen Separatisten hielten 29 die belgische Botschaft in Bern für knapp eine Stunde besetzt. Gleichzeitig drang eine weitere Gruppe in Brüssel in die Schweizer Botschaft ein und hielt sich dort fast einen Tag lang auf; die belgischen Behörden verzichteten auf eine Anzeige. 20 besetzten in der Nacht auf den 4. August den Kantonspolizeiposten in Delémont und erzwangen auf diese Weise die Freilassung der fünf Wallonen aus der Untersuchungshaft. Am 12. August 1973 begaben sich hundert in die Festhalle des Marché-Concours in Saignelégier, entzündeten Rauchpetarden und unterbrachen die Ansprache von Regierungsrat Ernst Jaberg. 30 Aktivisten hielten am 1. Juli 1976, zweieinhalb Wochen vor Beginn der Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal, den Hauptsitz des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne besetzt. In einer Erklärung liessen sie verlauten, dass die französischsprachige Bevölkerung der kanadischen Provinz Québec unter dem Kolonialismus leide.Moser: Der Jurakonflikt. S. 48–50.
Mehrmals kam es vor, während und nach den Juraplebisziten bei Veranstaltungen zu Schlägereien mit Anhängern der und daraus resultierenden Sachbeschädigungen. Wie angespannt die Lage damals war, zeigt ein Vorfall vom 23. Juni 1974, dem Vortag des ersten Juraplebiszits. Drei stiegen in Boncourt auf ein Hausdach, um eine Jurafahne zu befestigen. Ein Anwohner feuerte mehrere Schüsse ab, wobei ein Querschläger den Aktivisten Maurice Wicht in den Rücken traf. Zweieinhalb Wochen später erlag er seinen Verletzungen, worauf mehr als 3000 Separatisten ihm die letzte Ehre erwiesen, darunter die Führungsspitze des . Die Antiseparatisten bestritten Gerüchte, wonach der Schütze ein militanter Berntreuer gewesen sei, entschieden zurück. Am 30. Juni 1979 versammelten sich 200 in Tramelan, um das Denkmal des Dichters Virgile Rossel zu besuchen. Auf dem Rückweg wurden sie von Mitgliedern der mit Wurfgeschossen attackiert. Ausserhalb des Dorfes kam es daraufhin zu einer Massenschlägerei.Moser: Der Jurakonflikt. S. 50.
1980er Jahre Am 16. März 1980 hielt das seine Delegiertenversammlung im im bernisch gebliebenen Cortébert ab, was die als Provokation empfanden. Bereits zwei Wochen zuvor kündigten sie die Anwendung von Gewalt an, worauf der Bundesrat die Berner Kantonsregierung eindringlich dazu aufforderte, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Mehrmals versuchten die , das Versammlungslokal zu stürmen, wurden aber von den daran gehindert. Unter dem Schutz der sich ansonsten sehr passiv verhaltenden Kantonspolizei konnten die Delegierten ihr Treffen beenden und wurden anschliessend zum Bahnhof begleitet.Moser: Der Jurakonflikt. S. 152–155. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Jugendbewegungen stiessen auch in den eigenen Reihen zunehmend auf Kritik und nahmen in der Folge deutlich ab.
mini|Ersatz des Unspunnensteins