mini|Gedenken am Desider-Friedmann-Platz, mittig mit den Kränzen der Repräsentanten der Politik und Religionen am Abend des 8. November 2020. mini|Die Tatorte des Terroranschlags Der Terroranschlag in Wien 2020 ereignete sich am 2. November 2020. Bei dem terroristischen Amoklauf erschoss ein islamistischer Täter vier Menschen und verletzte 23 weitere teils schwer. Gegen 20 Uhr Ortszeit wurden die ersten Schüsse in der Seitenstettengasse in der Innenstadt Wiens gemeldet, in der sich das sogenannte Bermudadreieck, ein belebtes Lokalviertel, befindet.

Der vermutlich einzeln handelnde Täter war der 20-jährige Kujtim Fejzulai, der in Österreich geboren wurde und dessen Eltern aus Nordmazedonien (Volksgruppe der Albaner) stammen. Er wurde von der Polizei erschossen.Focus, 20 Jahre alt, vorbestraft, wollte nach Syrien: Was wir über Attentäter von Wien wissen, 5. November 2020, abgerufen am 5. November 2020 Er war Sympathisant der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), weshalb die Ermittler die Tat als islamistisch motiviert einstufen. Zunächst ging die Polizei von mehreren Tätern aus.Nehammer: Täter war IS-Sympathisant, auf www.derstandard.at

Ermittlungen Tathergang und Fahndung Der Anschlag begann kurz vor 20 Uhr, am Vorabend des landesweiten Lockdowns aufgrund der COVID-19-Pandemie, als ein in Weiß gekleideter Bewaffneter vom Friedmann-Platz aus in Richtung Fleischmarkt schoss. Durch diese Schussabgabe wurde ein 21-jähriger Österreicher tödlich verletzt. Der Täter lief anschließend in die Judengasse und schoss vermutlich wahllos auf mehrere Lokale am Ruprechtsplatz, wobei eine 24-jährige Deutsche getötet wurde. Als Nächstes begab sich der Täter in die Seitenstettengasse und schoss auf eine 44-jährige Österreicherin, die später im Krankenhaus ihren Verletzungen erlag. Im Bereich der Ecke Seitenstettengasse/Rabensteig kehrte er um und lief die Seitenstettengasse wieder zurück Richtung Judengasse, wobei er mit der Pistole neuerlich auf die 44-jährige Österreicherin schoss. In den folgenden Minuten bewegte er sich weiter auf unklaren Wegen durch die Seitenstettengasse und die umgebenden Gassen, wobei er mehrfach die Richtung wechselte. Um 20:03:21 konnte der Täter in der Seitenstettengasse vor einem Lokal erstmals von der Polizei gesichtet werden, wobei es zu einem Schusswechsel kam.Blick in Einsatzprotokoll der Polizei In: orf.at, abgerufen am 9. November 2020. An der Ecke Rabensteig/Schwedenplatz erschoss er einen 39-jährigen Österreicher, der gerade vor seinem Asiafoodlokal stand. An einer kleinen Gasse beim Franz-Josefs-Kai wurde der Mann in einen Schusswechsel mit einer Polizeistreife verwickelt, wobei ein 28-jähriger Polizist angeschossen und schwer verletzt wurde. Schließlich bewegte sich der Täter weiter in Richtung Morzinplatz und von dort aus wieder zum Ruprechtsplatz, wo er um 20:09 Uhr, neun Minuten nach Auslösung des Terroralarms, von Beamten der Sondereinheit WEGA durch einen tödlichen Schuss gestoppt werden konnte.Terroranschlag in Wien: IS reklamiert ihn für sich, Experte warnt vor Gefahr. In: focus.de, abgerufen am 4. November 2020.Täter hatte islamistischen Hintergrund. In: orf.at, abgerufen am 6. November 2020. Insgesamt hatte der Täter im Laufe des rund neunminütigen Anschlags 17 Menschen angeschossen. 10 weitere Personen verletzten sich auf der Flucht oder durch Splitter.Diese Route nahm der Attentäter von Wien In: kurier.at, abgerufen am 6. November 2020. Gemäß dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) ist „wahllos auf Personen in den Lokalen“ geschossen worden, insbesondere auf draußen sitzende Gäste.Terror in Wien: Vier Passanten und ein Attentäter nach Terrorattacke tot - Mögliche Verbindungen zum „Islamischen Staat“ (IS). In: fr.de, 3. November 2020.

Zu diesem Zeitpunkt wurde von mehreren Tätern ausgegangen, die sich noch auf der Flucht befänden. Der Entschärfungsdienst des BMI wurde angefordert, weil vermutet wurde, dass der getötete Täter mit einem Sprengstoffgürtel ausgerüstet sei. Der vermeintliche Sprengstoffgürtel stellte sich als Attrappe heraus.Tote und Verletzte nach Schüssen. In: ORF.at. 3. November 2020, abgerufen am 3. November 2020. Direkt nach der Tat wurden die Seitenstettengasse, der Graben, der Fleischmarkt, der Bauernmarkt, Salzgries und der Morzinplatz als Tatorte behandelt. Im Laufe des Abends weiteten die Sicherheitskräfte die Fahndung im weiteren Stadtgebiet von Wien aus. Innerhalb Wiens wurden nach Angaben des Generaldirektors für die öffentliche Sicherheit Franz Ruf Straßensperren errichtet.

Die österreichische Bundesregierung teilte gegen 22 Uhr mit, es sei nun wichtig, alle verfügbaren Kräfte in Bereitschaft zu bringen, um die Durchhaltefähigkeit der Exekutive sicherzustellen; die Bundesregierung habe daher mit sofortiger Wirkung die notwendigen Kräfte des Österreichischen Bundesheers aktiviert. Das Bundesheer übernahm den Schutz wichtiger Objekte, um die Polizei zu entlasten. Zusätzliche Kontrollen an der nahen Grenze zu Tschechien wurden durch die tschechischen Behörden veranlasst.

Am 3. November 2020 wurde bekannt, dass es sich vermutlich um einen Einzeltäter gehandelt hatte. Die Beteiligung weiterer flüchtiger Attentäter konnte jedoch nicht ausgeschlossen werden.Drei Tote bei islamistischem Terroranschlag in Wien, ein Täter erschossen – Mehrere Hausdurchsuchungen, mehrere Festnahmen. In: derstandard.at, abgerufen am 6. November 2020.

Der Anschlag ereignete sich wenige Tage nach dem islamistischen Anschlag in Nizza und steht damit ebenfalls im zeitlichen Zusammenhang mit dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen. Ein direkter Zusammenhang wurde allerdings nicht nachgewiesen.

Polizeieinsatz Der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, Franz Ruf, gab in einer Pressekonferenz bekannt, dass der erste Notruf um 20:00 Uhr bei der Polizei eingegangen sei. Die erste Schussabgabe durch Streifenpolizisten sei bereits um 20:03 Uhr erfolgt. Die Polizisten hätten entsprechend der für solche Lagen vorgesehenen Strategie gehandelt, den Täter unmittelbar zu bekämpfen, um seine Bewegungsfreiheit einzuschränken. Im Laufe des ersten Schusswechsels, im Bereich der Seitenstettengasse Richtung Schwedenplatz, sei ein 28-jähriger Wiener Polizist am Oberschenkel angeschossen und schwer verletzt worden. Nach dem Eintreffen weiterer Polizeikräfte, darunter Beamten der Sondereinheit WEGA, habe es an unterschiedlichen Örtlichkeiten insgesamt noch fünf weitere Feuergefechte gegeben, ehe der Täter im Bereich der Ruprechtskirche tödlich getroffen worden sei. Ein Projektil sei unterhalb seines linken Schulterblattes eingedrungen, habe sich geteilt und den linken Lungenflügel sowie das Rückgrat verletzt. Da der Täter augenscheinlich einen Sprengstoffgürtel trug, wurde der Entschärfungsdienst angefordert, der mit einem Entschärfungsmanipulator-Roboter Gegenstände des am Boden Liegenden abnahm und röntgte. Dabei wurde auch schon ein Gesichtsbild des Täters gemacht, das half, ihn rasch per Augenschein zu identifizieren. Der Sprengstoffgürtel stellte sich als eine Attrappe heraus. Der Tote wurde erkennungsdienstlich behandelt, also auch seine Fingerabdrücke abgenommen, und bis Mitternacht, also 4 Stunden nach seiner Tötung, zuverlässig identifiziert. Anschließend wurde die Wohnung des Täters in Wien aufgesprengt und durchsucht. Bei dem Anschlag hatten sieben Polizisten ihre Dienstwaffen benutzt.Erste Details über Attentäter orf.at, 3. November 2020

In der Zwischenzeit war die gesamte Innenstadt abgeriegelt, der öffentliche Verkehr eingestellt sowie der Luftraum gesperrt worden. Die Flugpolizei entsandte drei mit Nachtsichttechnik ausgestattete Hubschrauber der Flugeinsatzstellen (FEST) Wien, Salzburg und Klagenfurt, welche die ganze Nacht über in Wien im Einsatz waren. Die Einsätze wurden von der FEST Meidling aus geflogen. Insgesamt befanden sich rund 1000 Beamte im Einsatz, darunter 250 von Cobra und WEGA.Regierung spricht von islamistischem TerrorIslam. Terror in Wien: Flugpolizei stand zehn Stunden für Fahndungsflüge im EinsatzGroßfahndung nach Terror in Wien läuft Laut Karl Nehammer im Juni 2021 bei der symbolischen Übergabe des Vorsitzes vom Atlas-Verbund standen Spezialeinheiten aus Deutschland, Tschechien, Slowakei und Ungarn zur grenzüberschreitenden Unterstützung bereit, die aber nicht abgerufen werden mussten.

Laut Austria Presse Agentur hätten am 3. November 2020 um 03:00 Uhr Razzien in der österreichischen Islamistenszene in Wien, Niederösterreich und Oberösterreich unter Einbeziehung zahlreicher Beamter von Spezialeinheiten wie WEGA, Cobra und EGS stattfinden sollen, die sich bereits am Vorabend auf den Einsatz vorbereitet hätten. Dies sei eine Erklärung für das rasche Einschreiten dieser Spezialkräfte in der Innenstadt zum Zeitpunkt des Anschlags. Vermutungen, wonach die Aktion verraten worden sein könnte und der Täter daraufhin seinen Tatplan umgesetzt habe, konnten nicht bestätigt werden. FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl richtete diesbezüglich jedoch am 4. November 2020 eine parlamentarische Anfrage an den Innenminister.Operation "Ramses": Razzia für Tag nach Wien-Anschlag geplant?3990/J XXVII. GP

Täter Innenminister Karl Nehammer gab bei einer Pressekonferenz am 3. November bekannt, dass es sich bei dem erschossenen Täter um einen 20-jährigen Sympathisanten des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) handle. Der Mann wurde am 24. Juni 2000 in Mödling (Niederösterreich)„Oaschloch“ in falter.at, abgerufen am 3. November 2020. geboren und wuchs dort auf. Seine Eltern gehörten zur albanischen Minderheit in Nordmazedonien, weshalb er neben der österreichischen auch die nordmazedonische Staatsbürgerschaft hatte. Er besuchte jeweils vier Jahre die Volksschule und Hauptschule in Wien, danach ein Jahr lang eine Fachmittelschule und im Anschluss zwei Jahre eine HTL. Zum Zeitpunkt des Anschlags wohnte er bei seinen Eltern in Wien.

Er war dem Verfassungsschutz bekannt, da er einer von rund 90 österreichischen Islamisten war, die nach Syrien ausreisen wollten.Täter war IS-Sympathisant, auf focus.deDie Welt, Innenminister nennt Details zu Attentäter (20) – zwei Festnahmen, abgerufen am 3. November 2020. Im Februar 2020 wurde ihm der Reisepass entzogen, seine Bemühungen, ersatzweise an einen Personalausweis zu kommen, blieben erfolglos. Eine im Oktober erfolgte Warnung des Verfassungsschutzes durch die slowakische Polizei (der Täter hatte mit einem Begleiter versucht, in der Slowakei AK-47-Munition zu kaufen) blieb folgenlos.

Am Morgen des Tattages hatte der Täter verschiedene Bilder auf Instagram gepostet, die unter anderem ein Treuegelöbnis zum Anführer des IS Abu Ibrahim al-Haschimi al-Quraischi beinhalten sowie ihn mit den späteren Tatwaffen zeigen.Erste Details über mutmaßlichen Täter, auf bild.de Auf Videoaufnahmen mehrerer Überwachungskameras und Augenzeugen ist ein Täter zu sehen, der bis auf den Kopf in ein weißes Gewand gekleidet ist. Er trug eine schwarze Kopfbedeckung, mehrere Ausrüstungstaschen sowie eine Langwaffe am Körper. Außerdem hatte er eine Sprengstoffgürtel-Attrappe umgelegt.Livestream der ZIB Spezial zum Anschlag in der Wiener Innenstadt, 2. November 2020 um 22.56 Uhr.Terroranschlag in Wien? Erste dramatische Bilder von dem Anschlag in Wien rund um den Schwedenplatz. Video von VOL.at auf YouTube, 2. November 2020, abgerufen am 3. November 2020. (Zum Abspielen des Videos Anmeldung bei YouTube erforderlich.) Wie sich später herausstellte, war er mit einem Sturmgewehr, einer Faustfeuerwaffe und einer Machete bewaffnet.