Der Große Preis von Singapur 2008 (offiziell 2008 Formula 1 SingTel Singapore Grand Prix) fand am 28. September auf dem Marina Bay Street Circuit in Singapur statt und war das 15. Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 2008.

Berichte Hintergrund Nach dem Großen Preis von Italien führte Lewis Hamilton in der Fahrerwertung mit einem Punkt vor Felipe Massa und mit 14 Punkten vor Robert Kubica. In der Konstrukteurswertung führte Ferrari mit fünf Punkten vor McLaren-Mercedes und mit 17 Punkten vor BMW Sauber.

Es war die erste Austragung des Großen Preises von Singapur im Rahmen der Formel-1-Weltmeisterschaft und das 800. WM-Rennen. Einen Großen Preis von Singapur hatte es zuletzt 1973 gegeben, jedoch ohne WM-Status, so dass kein Sieger zu diesem Rennen antrat. mini|Die Kerbs in Kurve zehn Gleichzeitig war es die erste Austragung eines Formel-1-Rennens als Nachtrennen unter Flutlicht. Die meisten Fahrer und Teams lobten die Strecke nach der Durchführung von Streckeninspektionen und den von den Streckenbehörden getroffenen Vorkehrungen. Es wurden allerdings Bedenken hinsichtlich hoher Unebenheiten an den Bordsteinen der Schikane in Kurve zehn geäußert. Es wurden auch Bedenken hinsichtlich der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen im Falle von Regen während des Rennens geäußert.

Training Im ersten freien Training setzte Hamilton mit 1:45,518 Minuten die Bestzeit, gefolgt von Massa und Kimi Räikkönen.Christian Nimmervoll: Gelungene Nachtpremiere: Hamilton vor den Ferraris. 26. September 2008. Auf motorsport-total.com (abgerufen am 15. November 2020)

Im zweiten freien Training war Fernando Alonso mit 1:45,654 Minuten Schnellster vor Hamilton und Massa. Das zweite freie Training begann mit zweiminütiger Verspätung, da sich VIP-Gäste zu lange beim Pitwalk aufgehalten hatten.Christian Nimmervoll: Alonso strahlt in der Nacht von Singapur am hellsten. 26. September 2008. Auf motorsport-total.com (abgerufen am 15. November 2020)

Mit 1:44,506 Minuten war Alonso auch im dritten freien Training Schnellster vor Hamilton und Massa.Christian Nimmervoll: Drittes Training: Alonso ärgert die Großen. 27. September 2008. Auf motorsport-total.com (abgerufen am 15. November 2020)

Qualifikation Das Qualifying bestand aus drei Teilen mit einer Nettolaufzeit von 45 Minuten. Im ersten Qualifying-Segment (Q1) hatten die Fahrer 18 Minuten Zeit, um sich für das Rennen zu qualifizieren. Die besten 15 Fahrer erreichten den nächsten Teil. Räikkönen war Schnellster. Die beiden Force-India-Piloten sowie Rubens Barrichello, Sébastien Bourdais und Nelson Piquet, jr. schieden aus. Giancarlo Fisichella blieb dabei aufgrund eines Unfalls ohne Zeit.

Der zweite Abschnitt (Q2) dauerte 15 Minuten. Die schnellsten zehn Piloten qualifizierten sich für den dritten Teil des Qualifyings. Massa war Schnellster. Die beiden Red-Bull-Piloten sowie Jenson Button und Jarno Trulli schieden aus. Alonso schied wegen eines technischen Defekts ohne Zeit aus.Christian Nimmervoll, Dieter Rencken: Alonso fast wie in alten Zeiten. 27. September 2008. Auf motorsport-total.com (abgerufen am 15. November 2020)

Der letzte Abschnitt (Q3) ging über eine Zeit von zwölf Minuten, in denen die ersten zehn Startpositionen vergeben wurden. Massa fuhr die Bestzeit und sicherte sich so die 14. Pole-Position seiner Karriere. Ihm folgten Hamilton und Räikkönen auf den Plätzen zwei und drei.

Rennen mini|Massa beim verpatzten Boxenstopp In der Aufwärmrunde kam es zu einem Dreher von Piquet jr., welcher aber seinen Startplatz einnehmen konnte. Fisichella musste derweil aus der Boxengasse starten. Nach seinem Unfall im ersten Teil der Qualifikation musste sein Wagen repariert werden, das Team verstieß dabei gegen die Parc-fermé-Regeln.Fabian Hust: Fisichella startet aus der Boxengasse. 28. September 2008. Auf motorsport-total.com (abgerufen am 15. November 2020) Alonso und Rosberg starteten auf weichen Reifen, alle anderen Fahrer auf hart. mini|Felipe Massa während des Rennens Zu Beginn kamen Massa, Meisterschaftsrivale Hamilton und Räikkönen alle sicher durch die erste Kurvensequenz und behielten ihre Positionen. In Kurve drei kam es zu einer Berührung zwischen Kubica und Heikki Kovalainen, wodurch Kovalainen zwei Plätze an Sebastian Vettel und Timo Glock verlor. Nick Heidfeld und Alonso schnitten die erste Kurve ab, bekamen aber keine Strafe. Massa begann, sich von Hamilton zu lösen, der wiederum Räikkönen hinter sich ließ. Trulli auf Platz neun hielt die hinter ihm Fahrenden zunächst auf, wurde dann aber in Runde vier von Rosberg spektakulär überholt und in der Folge auch von den anderen Fahrern. Dem führenden Massa gelang es bis zur zehnten Runde, rund drei Sekunden Vorsprung herauszufahren.

Alonso war der erste Fahrer, der zum Boxenstopp kam (Runde zwölf). Nach seinem Stopp lag er zunächst auf Platz 20. Zwei Runden später kam es zu einer Safety-Car-Phase. Alonsos Teamkollege Piquet jr. war in eine Mauer gekracht, nachdem er am Ausgang einer 90°-Linkskurve das Heck verloren hatte. Während einige Fahrer ihren Boxenstopp noch rechtzeitig absolvieren konnten, mussten Rosberg und Kubica nach der Schließung der Boxengasse zum Nachtanken an ihre Box, da beiden der Treibstoff ausging. Beide bekamen dafür jeweils eine Zehn-Sekunden-Zeitstrafe. Trotzdem lag Rosberg nach seinem Stopp zunächst in Führung und konnte deutlich Vorsprung gewinnen, da Trulli und Fisichella hinter ihm die schnelleren Fahrzeuge aufhielten.

Nach Freigabe der Boxengasse kamen beide Ferrari gleichzeitig an die Box. Massa verursachte einen Unfall durch zu frühes Losfahren. Er nahm den Tankschlauch mit und räumte seine halbe Crew ab. Ein Mechaniker wurde dabei so stark verletzt, dass er ins Medical Centre musste. Am Ende der Boxengasse blieb Massa stehen, und es wurde versucht, den Schlauch zu entfernen, der sich allerdings verkantet hatte. Es dauerte, bis der Schlauch gelöst werden konnte. Massa bekam zudem auch noch eine Durchfahrtsstrafe wegen unsicherer Fahrweise. Für Räikkönen wurde die Ersatztankanlage benutzt. Sein Boxenstopp verlief reibungslos. Barrichello blieb noch während der Safety-Car-Phase stehen mit Verdacht auf Benzinmangel, obwohl er zuvor an der Box gewesen war.

Am Ende von Runde 20 wurde das Rennen wieder freigegeben. Rosberg lag vor Trulli, Fisichella, Kubica und Alonso. In der 28. Runde kam Rosberg an die Box, um seine Strafe abzuleisten. Er fiel dadurch zurück auf Platz vier. Kubica fiel durch die Strafe noch weiter zurück. Mark Webber verlor durch einen Fahrfehler fünf Plätze und schied in Runde 29 mit technischem Defekt aus. Hamilton fuhr längere Zeit hinter David Coulthard, um vorrangig Punkte zu sichern.

Ein weiterer, vorgezogener Boxenstopp von Massa gegen Mitte des Rennens brachte nicht den erhofften Erfolg. Massa wurde von Kubica überholt und kam am Ende als 13. ins Ziel. mini|Nick Heidfeld während des Rennens mini|David Coulthard vor Lewis Hamilton Trulli befand sich auf einer Einstoppstrategie. Nach seinem Stopp in Runde 33 übernahm Alonso die Führung. Es gelang ihm, seinen Vorsprung auszubauen, so dass er nach seinem letzten Stopp wieder als Führender auf die Strecke kam. Hamilton überholte in der 42. Runde Coulthard für den dritten Platz. Nach 45 Runden lag Alonso knapp über sechs Sekunden vor Glock und Rosberg mit weiteren elf Sekunden auf dem dritten Platz. Der Toyota-Fahrer kam zwei Runden später an die Box und kam als Fünfter zurück. Ein langsamer werdender Trulli irritierte Massa, der leicht anschlug. Als er wieder losfuhr, musste Adrian Sutil ausweichen und krachte in Runde 51 in die Mauer in der Unterführung. Es kam zu einer weiteren Safety-Car-Phase. Den Restart gewann Alonso, der sich nach zwei Runden bereits sechs Sekunden abgesetzt hatte. Er gewann das Rennen. Zum ersten Mal seit dem Großen Preis von Japan 2006 konnte Renault ein Rennen gewinnen. Für Alonso war es der erste Sieg seit dem Großen Preis von Italien 2007.

Zweiter wurde Rosberg vor Hamilton. Glock wurde Vierter, Vettel Fünfter, Heidfeld Sechster. Zum ersten Mal in der Formel-1-Geschichte landeten somit vier deutsche Fahrer in den Punkten. Die restlichen Punkteplatzierungen gingen an Coulthard und Kazuki Nakajima. mini|Das Podium mit Nico Rosberg, Fernando Alonso und Lewis Hamilton Räikkönen schied auf Platz fünf liegend in Runde 57 aus, nachdem er in einer Schikane als Folge von Unkonzentriertheit die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hatte. Aufgrund der zurückgelegten Distanz wurde er dennoch als 15. gewertet.Christian Nimmervoll: Singapur: "Magic Alonso" ist der König der Nacht! 28. September 2008. Auf motorsport-total.com (abgerufen am 6. November 2020) Räikkönen fuhr während des Rennens seine zehntschnellste Runde der Saison und stellte damit seinen eigenen Rekord ein, den er mit Michael Schumacher teilte. Heidfeld hingegen brach Schumachers Rekord und wurde zum 25. Rennen in Folge gewertet.

In der Fahrerwertung blieben die ersten drei Positionen unverändert. In der Konstrukteurswertung übernahm McLaren-Mercedes die Führung vor Ferrari und BMW Sauber.

Meldeliste TeamNr.FahrerChassisMotorReifen1Ferrari F2008Ferrari 2.4 V823BMW Sauber F1.08BMW 2.4 V845Renault R28Renault 2.4 V867Williams FW30Toyota 2.4 V889!Red Bull RB4Renault 2.4 V81011Toyota TF108Toyota 2.4 V81214Toro Rosso STR2BFerrari 2.4 V81516Honda RA108Honda 2.4 V81720Force India VJM01Ferrari 2.4 V821McLaren-Mercedes fiel aufgrund einer Strafe infolge der Spionage-Affäre automatisch auf die letzte Position in der Teamrangliste22McLaren MP4-23Mercedes-Benz 2.4 V823 Anmerkungen

Klassifikationen Qualifying Pos. Fahrer Konstrukteur Q1 Q2 Q3 Start 1 1:44,519 1:44,014 1:44,801 1 2 1:44,501 1:44,932 1:45,465 2 3 1:44,282 1:44,232 1:45:617 3 4 1:44,740 1:44,519 1:45,779 4 5 1:44,311 1:44,207 1:45,873 5 6 Heidfeld wurde wegen Behinderung von Barrichello um drei Plätze zurückversetzt. 1:45,548 1:44,520 1:45,964 9 7 1:45,042 1:44,261 1:46,244 6 8 1:45,184 1:44,441 1:46,328 7 9 1:45,103 1:44,429 1:46,611 8 10 1:45,127 1:44,826 1:47,547 10 11 1:45,642 1:45,038 – 11 12 1:45,660 1:45,133 – 12 13 1:45,493 1:45,212 – 13 14 1:46,028 1:45,298 – 14 15 1:44,971 – – 15 16 1:46,037 – – 16 17 1:46,389 – – 17 18 1:46,583 – – 18 19 1:47,940 – – 19 20 Fisichella wurde erlaubt zu starten, da er im freien Training ausreichend schnell gefahren war.Fisichella musste aus der Boxengasse starten, da an seinem Wagen Teile getauscht wurde, als er unter Parc-fermé-Bedingungen stand. keine Zeit – – Box

Anmerkungen

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 61 2 1:57:16,304 15 1:45,768 (55.) 2 61 3 + 2,957 8 1:46,454 (39.) 3 61 2 + 5,917 2 1:46,072 (55.) 4 61 2 + 8,155 7 1:47,044 (50.) 5 61 2 + 10,268 6 1:47,271 (13.) 6 61 2 + 11,101 9 1:47,306 (14.) 7 61 2 + 16,387 14 1:47,562 (41.) 8 61 2 + 18,489 10 1:47,287 (13.) 9 61 2 + 19,885 12 1:48,128 (61.) 10 61 2 + 26,902 5 1:47,337 (14.) 11 61 3 + 27,975 4 1:46,899 (14.) 12 61 2 + 29,432 17 1:47,820 (29.) 13 61 3 + 35,170 1 1:45,757 (13.) 14 61 1 + 43,571 Box 1:49,101 (28.) 15 57 2 DNF 3 1:45,599 (14.) – 50 1 DNF 11 1:46,972 (32.) – 49 2 DNF 19 1:49,270 (38.) – 29 1 DNF 13 1:49,183 (61.) – 14 1 DNF 18 1:50,320 (13.) – 13 0 DNF 16 1:50,449 (13.)

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten acht des Rennens bekamen 10, 8, 6, 5, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e).

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 McLaren-Mercedes 84 2 Ferrari 77 3 BMW Sauber 64 4 Ferrari 57 5 BMW Sauber 56 6 McLaren-Mercedes 51 7 Renault 38 8 Toro Rosso-Ferrari 27 9 Toyota 26 11 Toyota 20 10 Red Bull-Renault 20 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 13 Williams-Toyota 17 12 Renault 13 14 Honda 11 15 Williams-Toyota 9 16 Red Bull-Renault 8 17 Toro Rosso-Ferrari 4 18 Honda 3 19 Force India-Ferrari 0 20 Force India-Ferrari 0 21 Super Aguri-Honda 0 22 Super Aguri-Honda 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 135 2 134 3 120 4 51 5 46 6 31 Pos. Konstrukteur Punkte 7 28 8 26 9 14 10 0 11 0

„Crashgate-Affäre“