mini|Caroline Mathilde, Königin von Dänemark und Norwegen mit ihrem Mathildenorden, Porträt von Jens Juel (1771) Caroline Mathilde von Hannover (englisch Caroline Matilda, deutsch auch Karoline Mathilde) (*  im Leicester House, London; † 10. Mai 1775 in Celle), war eine englische Prinzessin und von 1766 bis 1772 als Ehefrau von Christian VII. Königin von Dänemark und Norwegen. Anfang 1772 wurde sie wegen ihrer Affäre mit dem Leibarzt Johann Friedrich Struensee geschieden und nach Celle verbannt, wo sie von ihren Kindern getrennt bis zu ihrem frühen Tod lebte.

Leben Englische Prinzessin

Caroline Mathilde wurde als letztes von neun Kindern des Prince of Wales, Friedrich Ludwig von Hannover, posthum fast vier Monate nach dem Tod des Vaters geboren. Ihre Mutter war Augusta von Sachsen-Gotha. Caroline Mathildes ältester Bruder wurde 1751 Prince of Wales und folgte 1760 als König Georg III. von Großbritannien und Irland seinem Großvater. Sie erblickte das Licht der Welt in Leicester House, einem gemieteten Stadtpalais in Westminster, nördlich des heutigen Leicester Square, wo der Kronprinz und seine Frau lebten, nachdem der König sie nach einem Streit aus der königlichen Residenz verbannt hatte.

Obwohl ihr Vater vor ihrer Geburt gestorben und sein Titel auf ihren Bruder Georg übergegangen war, wurde sie nicht als Schwester, sondern als Tochter des Prince of Wales bezeichnet. Am 1. August 1751 wurde sie im Leicester House vom Bischof von Norwich auf den Namen Caroline Matilda getauft. Ihre Paten waren ihr älterer Bruder Prinz Georg, ihre Tante Prinzessin Caroline und ihre Schwester Prinzessin Augusta.

Während der verbleibenden Jahre der Regierungszeit Georgs II. entschied sich Augusta dafür, mit ihren Kindern zurückgezogen zu leben und sie weit weg vom englischen Hofe und den Verderbungen des Hoflebens aufwachsen zu lassen. Infolgedessen wurde Augusta für die Art und Weise der Erziehung der Kinder kritisiert, da sie sie in einer abgeschiedenen familiären Umgebung, in der sie selten Menschen außerhalb der Familie trafen, von der Außenwelt isolierte.

Aus Caroline Mathildes Jugend sind nur zwei öffentliche Auftritte, 1761 bei der Krönung ihres Bruders zum König und 1764 als Brautjungfer bei der Heirat ihrer ältesten Schwester Augusta mit dem braunschweigischen Erbprinzen Karl Wilhelm Ferdinand, bekannt,Philipps: Königin Coroline Mathilde von Dänemark. Die Geliebte des Leibarztes; S. 19. ansonsten weiß man wenig über ihre Jugend. Sie wuchs in Leicester House und in Kew an der Themse westlich von London auf, wo ihre Mutter Gärten anlegte und pflegte. Diese Leidenschaft teilte ihre Mutter mit dem Premierminister Lord Bute, zu dem ihr ein Verhältnis nachgesagt wurde.

Caroline Mathilde – meist nur „Matilda“ genannt, während der volle Name in offiziellen Papieren erschien – wurde puritanisch erzogen. Sie erhielt eine gute Ausbildung, sprach nach zeitgenössischen Berichten Englisch, Französisch, Deutsch, Dänisch und Italienisch, spielte Cembalo und las gern und viel.Matthias Wehry: Die Fernleihen der dänischen Königin. In: Mbmagazin. Hannover 2012, 150/51, S. 20–23; S. 20. Da ihre Mutter schon bei ihrer Geburt nicht mehr Frau des Thronfolgers, sondern nur noch dessen Witwe war, war Mathilde für Heiratsambitionen wenig interessant.

Dänische Königin mini|Christian VII. und Caroline Mathilde Im Alter von 13 ½ Jahren wurde Caroline Mathilde ohne ihr Wissen mit dem zwei Jahre älteren dänisch-norwegischen König Christian VII., ihrem Cousin ersten Grades, verlobt. Diese Ehe war von dem dänischen Staatsminister Johann Hartwig Ernst von Bernstorff eingefädelt worden, dem es darum ging, das gute Verhältnis Dänemark-Norwegens zu Großbritannien zu festigen. Bereits Caroline Mathildes frühverstorbene Schwiegermutter Louise war eine englische Prinzessin gewesen.

Zunächst galt ihre ältere Schwester Louisa, zu der Caroline Mathilda ein enges Verhältnis hatte, als bevorzugte Heiratskandidatin, doch nachdem Bernstorff von ihrer schwachen Konstitution erfahren hatte, wurde stattdessen Caroline Mathilde als Braut ausgewählt. Am 14. Juli 1766 wurde nach langen Verhandlungen der Ehevertrag unterschrieben. Caroline Mathilde schied mit der Eheschließung aus dem englischen Königshaus aus. Ihre Mitgift ging vollständig in den Besitz der dänischen Krone über.Philipps: Königin Caroline Mathilde von Dänemark. Die Geliebte des Leibarztes; S. 24–28. mini|Ball bei der Hochzeit von Caroline Mathilde und Christian VII. im Rittersaal von Schloss Christiansborg Bernstorff, der um die beginnende Geisteskrankheit des jungen Königs wusste und hoffte, dass die Ehe dessen Ausschweifungen Einhalt gebieten würde, drängte auf eine baldige Hochzeit, obwohl Georg III. seine Schwester noch für zu jung hielt.Philipps: Königin Caroline Mathilde von Dänemark. Die Geliebte des Leibarztes; S. 32. Am 1. Oktober 1766 fand im St James’s Palace in London die Trauungszeremonie „per procurationem“ statt. Der Bräutigam war nicht anwesend. Er wurde von Caroline Mathildes Bruder Edward vertreten.

Anschließend reiste die junge Braut ab und wurde in Altona den dänischen Behörden übergeben. Ihr englischer Hofstaat reiste wieder zurück, ihre neue Hofmeisterin wurde Louise von Plessen. Die eigentliche Hochzeit folgte am 8. November 1766 im Schloss Christiansborg in Kopenhagen. Am 1. Mai 1767 wurden Caroline Mathilde und Christian VII. gekrönt.

Christian nahm kaum Notiz von seiner jungen Frau, sondern vergnügte sich zusammen mit seinem Günstling Conrad Holck weiter bei den zahlreichen Hoffesten und mit seiner sado-masochistischen Geliebten Anna Cathrine Benthagen. Die junge Königin bemühte sich, ihre neue Heimat kennenzulernen, litt aber zunehmend unter der Missachtung ihres Mannes und der strengen Hofetikette. Auf die traditionelle Reise eines neugekrönten Königs durch sein Land im Sommer 1767 nahm Christian VII. sie nicht mit.Philipps: Königin Caroline Mathilde von Dänemark. Die Geliebte des Leibarztes; S. 60f.

Am 28. Januar 1768 brachte sie im Alter von sechzehn Jahren ihr erstes Kind zur Welt, den Kronprinzen und späteren König von Dänemark und Norwegen Friedrich VI. Kurz danach entließ der König ihre Oberhofmeisterin Louise von Plessen, weil diese ihn zu einer freundlicheren Behandlung seiner jungen Frau gemahnt hatte. Ausgerechnet Holcks Schwester Margrethe von der Lühe wurde ihre Nachfolgerin. Im Mai desselben Jahres brach Christian VII. zu einer längeren Reise durch Europa mit Aufenthalten in Altona, Paris und London auf. Caroline Mathilde durfte ihn nicht begleiten, obwohl sie gerne ihre Mutter besucht hätte. Sie verbrachte den Sommer auf Schloss Frederiksborg mit ihrem Sohn. Während dieser Zeit begann sie, sich in das Hofleben einzufügen.

Der König kehrte am 12. Januar 1769 nach Kopenhagen zurück. Er brachte Johann Friedrich Struensee als Leibarzt an seinen Hof und ernannte ihn später zum Minister. Er hatte Struensee zu Beginn seiner Reise in Altona kennengelernt. Struensee war offenbar in der Lage, mit der geistigen Labilität des Königs umzugehen, und der König entwickelte ein besonderes Vertrauen zu ihm. Seinem Wunsch, dass auch seine Frau den neuen Vertrauten kennenlernen sollte, begegnete Caroline Mathilde zunächst mit Misstrauen, da sie Christians sonstige Günstlinge nicht schätzte.Mathias Hattendorff: Ihr "Wesen ist frey und ungezwungen und es scheint dass Sie die genirte Lebens Arth nicht liebet" – Caroline Mathilde und Johann Friedrich Struensee. In: Caroline Mathilde. Von Kopenhagen nach Celle – Das kurze Leben einer Königin (Lit.), S. 27–70; S. 28.

Struensee-Affäre mini|Das Bild von Zahrtmann spielt auf die angenommene Vaterschaft Struensees an Louise Auguste von Dänemark, der Tochter Caroline Mathildes, an Caroline Mathilde war unglücklich in ihrer Ehe mit Christian, der sie wenig beachtete und dessen Geisteskrankheit sich immer deutlicher ausprägte. Während eines Aufenthaltes auf Schloss Frederiksberg im Sommer 1769 empfahl Struensee dem Königspaar zur Förderung der Gesundheit und der Gemeinsamkeit zusammen auszureiten. Die 19-jährige Königin fand großes Gefallen an den von Struensee vorgeschlagenen Ausritten. Dass sie dafür um der besseren Beweglichkeit willen in Hosen im Herrensattel saß, erregte großes Aufsehen und Anstoß und wurde bald Inhalt zahlreicher nach der Einführung der Pressefreiheit erscheinenden Flugblätter.Struensee. Der Fall. Diffamierung und Sturz eines Reformers. Hannover 2011; S. 15f. Nach Aussage ihrer Kammerfrau Elisabeth von Eyben begann das Liebesverhältnis zu Struensee bereits während dieser Reise.Hattendorff: Ihr "Wesen ist frey und ungezwungen und es scheint dass Sie die genirte Lebens Arth nicht liebet" – Caroline Mathilde und Johann Friedrich Struensee; S. 31f.

Während einer Pockenepidemie in Kopenhagen 1770 impfte Struensee auch den Kronprinzen Friedrich gegen die Pocken. Damit gewann er endgültig die Zuneigung und das Vertrauen der Königin. Sie verliebte sich in Struensee und begann spätestens im Frühling des Jahres 1770 eine Liebesbeziehung mit ihm, die dem König anscheinend gleichgültig, vielleicht sogar willkommen war. So ergab sich eine harmonische Ménage à trois. Im Sommer 1770 war auch Struensee dabei, als der Hof von Frederiksberg über Schloss Gottorf nach Schloss Traventhal reiste. Auf der gesamten Reise war Caroline Mathilde nach den späteren Aussagen ihrer Kammerfrauen häufig krank, habe keine Nacht mit dem König verbracht, aber dafür umso mehr die Gesellschaft des Leibarztes gesucht.Hattendorff: Ihr "Wesen ist frey und ungezwungen und es scheint dass Sie die genirte Lebens Arth nicht liebet" – Caroline Mathilde und Johann Friedrich Struensee; S. 42. mini|Mathildenorden Auf der Rückreise verkaufte die Königin in Hamburg einen Teil ihres Schmucks, um einen neuen Orden, den Mathildenorden, zu stiften.Porträt einer der Ordensträgerinnen (vermutlich die Königin selbst) Zu den zwölf Empfängern des am Geburtstag des Königs am 29. Januar 1771 verliehenen Ordens gehörten neben dem Königspaar, der Königinwitwe Juliane von Braunschweig-Wolfenbüttel und ihrem Sohn Erbprinz Friedrich auch Struensee, Enevold von Brandt, Schack Carl von Rantzau, Louise von Plessen, die sich inzwischen in Celle niedergelassen hatte, und Caroline von Schimmelmann, die Ehefrau des Schatzmeisters Heinrich Carl von Schimmelmann.Hattendorff: Ihr "Wesen ist frey und ungezwungen und es scheint dass Sie die genirte Lebens Arth nicht liebet" – Caroline Mathilde und Johann Friedrich Struensee; S. 58.

Am 7. Juli 1771 kam Prinzessin Louise Augusta auf Schloss Hirschholm zur Welt. Ihr Vater war mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der König, sondern Struensee. Christian VII. erkannte Louise Augusta aber allen Zweifeln zum Trotz an. Anlässlich ihrer Taufe erhob er Struensee zum Lehnsgrafen.

Gerüchte über das Verhältnis der Königin mit Struensee mehrten sich und gingen bis zu dem Verdacht, das Paar wolle den König und dessen Stiefmutter beseitigen, um heiraten zu können. Diese Gerüchte wurden von Struensees Gegnern bewusst im Volk ausgestreut, denn als Minister wirkte er im Sinne der Aufklärung und minderte die Macht des Adels.

Verhaftung und Scheidung mini|Flugblatt von 1772 mit Spottbild der reitenden Königin, links Struensee im Gefängnis und die Amme mit Louise Auguste Einige Adelige spielten der Stiefmutter des Königs, Juliane von Braunschweig-Wolfenbüttel, ein Dokument zu, das über ein Komplott berichtete, mit dem der König zur Abdankung gezwungen werden sollte. Struensee solle den Staatsstreich genauestens vorbereitet haben, bei dem Christian VII. am 28. Januar 1772 verhaftet und zur Abdankung gezwungen werden solle. Der offizielle Hofberichterstatter Peter Suhm überreichte Juliane Marie die Kopie des angeblich geheimen Papiers, das aus Struensees Tresor stammen sollte. Auf Grundlage dieses Dokuments wurde Struensee nach einem im Kopenhagener Schloss veranstalteten Maskenball am 17. Januar 1772 um 4 Uhr morgens verhaftet, die Königin kam in Schutzhaft nach Schloss Kronborg.