Das Naturschutzgebiet Hofehübel Bärenfels im Osterzgebirge besteht seit 1961. Es umfasst einen knapp 72 Hektar großen naturnahen Bergmischwald.
Lage und Erschließung Das Gebiet liegt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen in der Gemarkung von Bärenfels, einem Ortsteil der Stadt Altenberg. Es umfasst den etwa 700 Meter breiten, nördlich von Bärenfels gelegenen Höhenrücken des bis zu 692 Meter hohen Hofehübels zwischen der Roten Weißeritz im Osten und dem Pöbelbach im Westen. Angrenzende Ortschaften sind Bärenfels im Süden und Kipsdorf im Osten.
Das Gebiet ist durch Forstwege erschlossen, die teilweise als markierte Wanderwege ausgewiesen sind.
Geschichte Die Wälder des Osterzgebirges dienten seit dem Mittelalter zur Versorgung mit Bauholz, Brennholz sowie zur Herstellung von Holzkohle. Ein wichtiger Nachfrager waren die Bergwerke und Hüttenstandorte der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří mit Abbau- und Verarbeitungsstandorten u. a. in Altenberg, Sadisdorf, Schellerhau und Schmiedeberg.
Die Holznachfrage stiegt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts infolge der Industrialisierung und des Bevölkerungswachstums nochmals stark an. In diesem Zusammenhang wurden die Mischwälder des Osterzgebirges zur Deckung des Holzbedarfes zunehmend in „Holzfabriken“ aus Fichtenreinbeständen umgewandelt. Im Gebiet um Bärenfels verantwortete dies der königlich-sächsischen Oberforstmeisters Heinrich Maximilian von Klotz (1796–1864), der ab 1830 als Forstmeister und ab 1844 als Oberforstmeister im Forstbezirk Bärenfels wirkte. Von Klotz ließ 1832 im Forsthof Bärenfels eine heute noch als Denkmal erhaltene Forstsamendarre errichten. In ihr wurden vorrangig die Samen von Fichten geerntet, getrocknet, entflügelt, gereinigt, gelagert und verkauft. Die Samendarre sorgte für herkunftsgesichertes und qualitativ hochwertiges Vermehrungsgut und konnte den Bedarf für Aufforstungen und Neupflanzungen zuverlässig und sicher decken. Im Ergebnis dieser Bewirtschaftung konnte zwar der Holzbedarf nachhaltig gedeckt werden, der Wald entwickelte sich jedoch zu Fichtenreinbeständen, die sich zunehmend anfällig für Schäden aus Witterung und Schädlingsbefall zeigten.
1926 übernahm Hermann Krutzsch (1886–1952) die Leitung des Forstreviers Bärenfels. Krutzsch begann, die „Fichten-Holzfabrik“ wieder in einen naturgemäßen Wirtschaftswald umzuwandeln. Seinem Grundsatz nach sollte ein naturgemäßer Wirtschaftswald auf gleicher Fläche aus Bäumen unterschiedlichen Alters aufgebaut sein, ein Mischwald mit standortgemäßen Baumarten wie Buche, Tanne, Fichte, Bergahorn, Kiefer und Lärche in qualitativ bester Verfassung und Vorratshöhe. Aufgrund der von ihm formulierten und umgesetzten Grundsätze gilt Krutzsch als Begründer der naturgemäßen Waldwirtschaft. Zur Umsetzung seiner Bewirtschaftungsprinzipien wurden Krutzsch am Hofehübel (692 Meter) nördlich von Bärenfels und am Spitzberg (749 Meter) südlich von Bärenfels Modellforstgebiete zugestanden.
Das Modellforstgebiet Hofehübel bildete den Grundstein des heutigen Naturschutzgebietes. Krutzschs Prinzipien fielen in der DDR den industriemäßigen Produktionsmethoden in der Forstwirtschaft weitgehend zum Opfer. Gleichwohl erfolgte in dieser Zeit am 30. März 1961 die erstmalige Unterschutzstellung als Naturschutzgebiet auf einer Fläche von 51,21 Hektar. Die Festsetzung wurde am 30. Oktober 2001 durch eine erweiterte Festsetzung ersetzt. Diese umfasste nehen Waldflächen auch Wiesenflächen, so dass sich die Größe des Schutzgebietes auf 71,8 Hektar erweiterte. Das Schutzgebiet wird unter der Bezeichnung „D 40 Hofehübel Bärenfels“ geführt.
Schutzzweck Hauptschutzziel ist der Erhalt des naturnahen Bergmischwaldes, der wertvolle Altholzbestände eines Hainsimsen-Buchenwaldes mit vereinzelt eingestreuten Weiß-Tannen umfasst.
Das Naturschutzgebiet Hofehübel liegt im Landschaftsschutzgebiet d 78 „Oberes Osterzgebirge“. Es ist zudem Bestandteil des FFH-Gebietes Nr. 175 „Pöbelbachtal und Hofehübel“.
Naturraum Das Naturschutzgebiet umfasst Höhenlagen zwischen 530 Meter (Pöbelbachtal) und 692 Meter (Hofehübel). Der mittlere Jahresniederschlag erreicht Werte zwischen 890 und 980 mm. Er ist aufgrund der vorherrschenden Westwetterlagen und der Lage des Gebietes im Luvbereich des östlich benachbarten Höhenzuges um die Tellkoppe (756 Meter) vergleichsweise hoch. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 5,5–6,7 °C. Das Klima ist insgesamt als feucht und kühl zu bezeichnen.
Geologisch ist das Gebiet zweigeteilt: im südlichen und östlichen Bereich stehen zur Roten Weißeritz hin Lithiumglimmer-Granit („Schellerhauer Granit“) an, die gegenüber der Erosion widerstandsfähig sind, teils grobe Blöcke bilden und insgesamt vergleichsweise nährstoffarm zu Podsol- und Pseudogleyböden verwittern. Im Norden und am westlichen Hang zum Pöbelbach hin dominiert hingegen Grauer Gneis, der überwiegend zu podsoligen Braunerden verwittert. Insgesamt dominieren damit Bodentypen, die eher ein Waldwachstum als eine landwirtschaftliche Nutzung ermöglichen.
Die Flora des Gebietes wird von einem montanen Bergmischwald geprägt, der wohl der potentiellen natürlichen Vegetation der Waldgesellschaften Mitteleuropas in dieser Höhenlage sehr nahe kommt. Prägend sind Rotbuchen, Fichten, Eschen, Bergulmen, Stieleichen und Berg-Ahorne.
Die zur potentiellen Vegetation zählenden Weiß-Tannen fielen weitgehend dem Waldsterben zum Opfer, welches im Erzgebirge bis Anfang der 1990er Jahre insbesondere durch die Luftverschmutzungen der Industrie des Nordböhmischen Beckens verursacht wurde. Ende der 2000er Jahre waren im Gebiet nur noch 33 Alt-Tannen aus dem vorindustriellen Zeitalter vorhanden.SMUL (Hrsg.): Naturschutzgebiete in Sachsen. Dresden 2008, S. 584 Am Osthang ist an der Alten Böhmischen Straße noch der Stumpf eine Weiß-Tanne erhalten, die im Winter 1955/56 der Frosttrocknis zum Opfer fiel und 1959 gefällt werden musste. Die sogenannte Krutzschtanne (nach dem 1952 verstorbenen Bärenfelser Oberforstmeiser Hermann Krutzsch) war zum Zeitpunkt der Fällung etwa 220 Jahre alt, etwa 37 Meter hoch, hatte einen Brusthöhendurchmesser von 96 Zentimeter und brachte eine Holzmasse von 11 Erntefestmeter Derbholz.Daten der "Krutzsch-Tanne" auf einer Informationstafel vor Ort
In der Strauchschicht finden sich typische Pflanzen der Rotbuchenwälder wie z. B. Breitblättriger Dornfarn, Brombeeren, Drahtschmielen, schmalblättrige Hainsimsen, Purpur-Hasenlattich, Heidelbeeren, Quirlblättriger Weißwurz, Schattenblumen, Wald-Flattergras, Wald-Sauerklee und Wolliges Reitgras. Auf den vereinzelten Berg- und Feuchtwiesen treten u. a. Kuckucks-Lichtnelken, Magerwiesen-Margeriten, Moor-Labkraut und Hohe Schlüsselblumen auf.
Der Hofehübel ist zudem Lebensraum des Rotwildes und insbesondere einer für Bergmischwälder typischen Vogelwelt u. a. mit Fichtenkreuzschnabel, Grauspecht, Hohltaube, Kleiber, Raufußkauz, Schwarzspecht, Waldlaubsänger, Zwergschnäpper und verschiedenen Meisenarten. Zu den hier heimischen Lurchen und Kriechtieren gehört auch der Feuersalamander.
Touristische Nutzung Über den Hofehübel verlaufen verschiedene Forstwege. Ein am Osthang verlaufender Weg ist Teil eines markierten Wanderweges (gelber Strich), der von Schmiedeberg über Schellerhau zum Kahleberg verläuft.
Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat im Naturschutzgebiet vier Lehrpfade mit insgesamt 60 Informationstafeln angelegt.Lehrpfade im sächsischen Wald Dazu werden ausgehend vom historischen Forsthof Bärenfels auch Führungen angeboten.
Der Forsthof Bärenfels selbst umfasst ein Walderlebniszentrum mit einer Ausstellung zur Geschichte des Hofes, zum Wirken des Oberforstmeisters Hermann Krutzsch, die historische Samendarre von Heinrich Maximilian von Klotz von 1832 und ein Arboretum mit elf natürlichen Waldgesellschaften.
Auf dem Hofehübel befinden sich zudem die Grabstätte des königlich-sächsischen Oberforstmeisters Heinrich Maximilian von Klotz (1796–1864), ein Gedenkstein für den Oberforstmeister Hermann Krutzsch (1886–1952) und das Weltkriegsdenkmal von Bärenfels.
Ausgangspunkte für eine Wanderung zum Hofehübel sind Bärenfels und Kipsdorf mit entsprechenden Parkmöglichkeiten bzw. der Anbindung an den ÖPNV, in Kipsdorf auch an die Weißeritztalbahn.
Galerie
Siehe auch Liste der Naturschutzgebiete im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Literatur
Grüne Liga Osterzgebirge e.V. (Hrsg.): Naturkundliche Wanderziele im Ost-Erzgebirge. Naturführer Ost-Erzgebirge Band 3. Sandstein-Verlag, Dresden 2007, ISBN 978-3-942422-48-2 Felix Funke: Bärenfelser naturgemäße Waldwirtschaft: Grundsätze, Ziele und Erfolge. Deutscher Bauernverlag, Berlin 1953 Hermann Krutzsch: Waldaufbau. Deutscher Bauernverlag, Berlin 1952 SMUL (Hrsg.): Naturschutzgebiete in Sachsen. Dresden 2008, ISBN 3-932627-17-2
Weblinks
NSG Hofehübel - Informationsseite der Grünen Liga Osterzgebirge e.V. Naturschutzgebiet Hofehübel - Auszug aus dem Naturführer Osterzgebirge der Grünen Liga Osterzgebirge e.V. Lehrpfade im sächsischen Wald mit Informationen zu den Lehrpfaden des Staatsbetrieb Sachsenfors am Hofehübel
Einzelnachweise
Kategorie:Naturschutzgebiet im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Kategorie:Schutzgebietsgründung 1984