mini|Statue in Diu Nuno da Cunha (* 1487; † 5. März 1539) war ein portugiesischer königlicher Hofbeamter, Seefahrer, Diplomat und Militär.
Herkunft
Nuno da Cunha wurde 1487 als ältester Sohn von Tristão da Cunha geboren und wurde von frühester Jugend an am portugiesischen Königshof D. Manuels erzogen. Sein Vater gehörte einem alten portugiesischen Adelsgeschlecht an und gelangte im Dienste des Königshauses bis in die höchsten Ämter am portugiesischen Hof.Weitere Informationen zur Familie Cunha finden sich im Artikel zu Tristão da Cunha. Die Mutter Nuno da Cunhas, von Historikern sowohl als D. Antónia Pais als auch als D. Antónia Albuquerque bezeichnet, war die Tochter von Leonor Pais, Schwester von João Rodrigues, einer der wichtigsten Finanzbeamten (Contador-mor) der Stadt Lissabon und von Pêro Gonçalves, Sekretär des portugiesischen Königs D. Afonso V.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 27.
Von seinen Geschwistern ist das Schicksal von zumindest drei seiner Brüder direkt mit dem portugiesischen Estado da Índia verbunden.
Manuel da Cunha gelangte 1510 als Kapitän einer Nau in der Flotte von Gonçalo de Sequeira nach Indien. Er nahm 1510 an der Eroberung von Goa teil und wurde von Afonso de Albuquerque als sehr junger Mann zum königlichen Befehlshaber (Capitão) von Cananor, dem heutigen Kannur, ernannt. Er hatte diese Position jedoch nicht lange inne, da viele Beschwerden über seine Amtsführung erhoben wurden. Der Gouverneur schickte ihn nach Goa, wo er bei Kämpfen im März 1511 starb.T. Lacerda, Os Capitães das Armadas da Índia, S. 209 f.
Simão da Cunha heiratete bereits vor 1518 Isabel de Meneses. Damit verband er sich mit den Grã, einer aus dem Lissabonner Bürgertum hervorgegangenen, jedoch bereits geadelten Familie. Deren Stammvater, Estêvão Anes da Grã, war im Patriziat von Lissabon ein wichtiger Unterstützer des ersten Königs aus dem Hause Avis, Johann I., während der Revolution von 1383–85.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 43. Simão da Cunha wurde 1521 von D. Manuel zum Befehlshaber der ein Jahr zuvor gegründeten „Armada do Estreito“ (Flotte der Meerenge von Gibraltar) ernannt. Diese Flotte hatte die Aufgabe, die portugiesischen Häfen von See aus zu schützen und zu versorgen. Darüber hinaus war sie beauftragt, die Straße von Gibraltar vor muslimischen Korsaren, aber auch vor französischen und englischen Piraten zu schützen. 1528 ging er als Kapitän der Nau „Castelo“ in der Flotte seines Bruders Nuno nach Indien. Er soll nach dem Gouverneur das zweitwichtigste Amt im Estado da Índia übernehmen, den Posten des „Capitão-mor do Mar“ (Oberbefehlshaber der Flotte in Indien).A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 63 f. Er starb noch vor der Ankunft in Indien im Herbst 1529 auf der Insel Hormuz an Fieber.
Ein weiterer Bruder Nuno da Cunhas, Pêro Vaz da Cunha, verheiratet mit Beatrtiz da Silva, der Tochter des königlichen Verwalters (Alcaide-mor) der Kleinstadt Arronches in der Alentejo-Region und Herr von Miranda, verließ ebenfalls 1528 als Kapitän der Nau „Santa Catarina“ im Bestand der Flotte seines Bruders Nuno Lissabon.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 44. Er war für die angesehene Funktion des Capitão (königlicher Befehlshaber) von Goa, der Hauptstadt Portugiesisch-Indiens, vorgesehen, doch konnte er dieses Amt niemals antreten, da er bereits 1529 in Ostafrika bei den Kämpfen um Mombasa an seinen Verwundungen starb.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 63 f.
Leben und Wirken Die ersten Jahre im Dienste von D. Manuel
Bereits mit 18 Jahren gewährte ihm König D. Manuel für geleistete Dienste als Fidalgo des königlichen Hauses ab Januar 1505 eine Vergütung von 40.000 reais jährlich.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 49, Anmerkung 172.
1506 begleitete er seinen Vater nach Indien, übernahm verschiedene Aufgaben und vertiefte seine militärischen Kenntnisse bei Kämpfen unter dem Befehl von Afonso de Albuquerque, der Nuno da Cunha für bewiesene Tapferkeit und auf Grund seiner militärischen Fähigkeiten zum Ritter schlug. Aber auch der Vizekönig Francisco de Almeida sowie dessen Sohn Lourenço de Almeida nutzten die Kenntnisse von Cunha bei verschiedenen militärischen Auseinandersetzungen in Indien.
Ob Nuno da Cunha gemeinsam mit seinem Vater 1508 oder etwas später nach Portugal zurückkam ist unsicher. Sicher belegt ist aber, dass er 1512 seinen militärischen Dienst für den König in Safi (portugiesisch: Safim) begann. Die in der wohlhabenden Region von Doukkala gelegene marokkanische Handels- und Hafenstadt Safi wurde zwischen 1508 und 1541 von den Portugiesen beherrscht. Der erste portugiesische Befehlshaber (Capitão) der Stadt war Diogo de Azambuja, der Großvater von Nuno da Cunhas erster Frau Maria da Cunha. In den permanenten Scharmützeln und Auseinandersetzungen mit den muslimischen Nachbarn von Safi lernten und vervollkommneten Generationen junger portugiesischer Adliger ihre militärischen Kenntnisse und Fähigkeiten. In Safi kommandierte Nuno da Cunha 100 „Lanzen“, auf seine Kosten bzw. die seiner Familie voll ausgerüstete und bewaffnete Reiter, für etwas mehr als ein Jahr. Danach übernahm er auch diplomatische Aufgaben. So war er zeitweilig an der ab 1514 unter Leitung seines Vaters stehenden Botschaft der Portugiesen in Rom tätig. 1521 begleitete er dann D. Beatriz, Tochter D. Manuels, zu ihrem zukünftigen Ehemann Karl III. nach Savoyen.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 50 f.
In diese Zeit fiel auch die noch unter der Herrschaft D. Manuels erfolgte Ernennung Nuno da Cunhas zu einem der Vedores da Fazenda (im Prinzip zu einem der Finanzminister) des Königreichs Portugal. Ein im Oktober 1521 ausgestelltes Dokument wurde bereits von Nuno da Cunha als Vedor da Fazenda unterzeichnet. Die Chronisten Garcia de Resende und Damião de Góis wiesen darauf hin, dass Nuno da Cunha schon als Vedor da Fazenda am Hofe des Erben der Krone Portugals, D. João, des späteren Johann III., tätig war. Es war daher nur folgerichtig, dass nach dem Tod König D. Manuels der neue Herrscher João bzw. Johann III. die Übergabe dieses wichtigen Amtes von Tristão da Cunha an Nuno da Cunha, d. h. vom Vater an den Sohn, bereits kurz nach seinem am 19. Dezember 1521 erfolgtem Regierungsantritt bestätigte.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 51.
Nuno da Cunha und Johann III. 1524 war Nuno da Cunha wahrscheinlich an den Vorbereitungen einer weiteren Indienreise des zum Vizekönig ernannten Vasco da Gama als Finanzbeauftragter des Königs beteiligt. Eine ganze Reihe von Dokumenten und Rechnungen, die mit dem Bau der Schiffe und der Ausrüstung der Flotte Vasco da Gamas zu tun haben, tragen zumindest seine Unterschrift.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 52.
In den Jahren 1525 bis Mitte 1527 war Nuno da Cunha mit der Organisation der Buch- und Nachweisführung in den Verwaltungsbezirken (Comarcas) des Landes beauftragt. Bei dieser für die Berechnung und Planung der Einnahmen des Königreiches äußerst wichtigen Tätigkeit stand er in ständigem und engen Kontakt mit Johann III. Offensichtlich war der König mit der Arbeiten Cunhas sehr zufrieden, denn 1525 erfolgte als ein weiterer Gunstbeweis die Übergabe der Kommende von Fonte Arcada des Ordens der Christusritter an Nuno da Cunha. Die im Ordensbezirk Penafiel gelegene Güter von Fonte Arcada hat sicherlich zum gesellschaftlichen Prestige von Nuno da Cunha in ideeller und materieller Hinsicht beigetragen. Diese Kommenda ging später von Nuno da Cunha an seinen ältesten Sohn, Pêro da Cunha, über.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 52 f.
Seine Einkünfte als königlicher Finanzbeamter sowie als Inhaber der Kommende von Fonte Arcada ermöglichten Nuno da Cunha ein seinen sozialen Positionen entsprechendes Leben zu führen. Allein das Amt des Vedor da Fazenda des Königreiches war mit Einkünften in Höhe von ca. 210.000 Reais jährlich dotiert. Es war mit verschiedenen Privilegien und Vorteilen verbunden. Dazu gehörten eine Reihe von Gratifikationen bis hin zu den Zahlungen zur Unterstützung für die Unterkunft bei Hofe (Moradias), die einem Mitglied des königlichen Rates gewährt wurden. Zu seinen Einnahmen zählte auch das 1522 verliehene Recht, über die Casa da Índia für bis zu 20.000 reais pro Jahr Gewürze zu verkaufen.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 53 f. Zum Vergleich belief sich das Jahreseinkommen eines Chirurgen oder Wundarztes 1526 in Lissabon auf 20.000 Reais in bar, unter Einbeziehung der zugehörigen Lebensmittelzahlungen (Getreide, Gemüse, Fleisch) erhöht sich das Einkommen auf 29.516 Reais.Zur Einordnung vergleiche die einzeln oder gemeinsam veröffentlichten Angaben der portugiesischen Historiker Leonor F. Costa, Nuno Palma und Jaime Reis auf der Projektseite: Prices, Wages and Rents in Portugal 1300-1910, The PWR Data Files, Prices, Lisbon prices, Instituto de Ciências Sociais da Universidade de Lisboa, , abgerufen am 20. November 2021
Abgesehen von seinen umfangreichen Kenntnissen im Finanzwesen, seinen militärischen Erfahrungen und seinem Wissen über die Verhältnisse in Indien, das er bereits in frühen Jahren an der Seite seines Vaters sammelte, war Nuno da Cunha einer der engsten Vertrauten des seit 1521 regierenden Johann III. All das zusammen führte 1528 zu seiner Ernennung zum neuen Gouverneur der portugiesischen Besitzungen in Indien.A. Martins de Carvalho, Nuno da Cunha e os capitães da Índia (1529–1538), S. 54.
Die Situation im Estado da Índia Durch kriegerische Maßnahmen und rücksichtslose Gewalt, andererseits aber auch durch ein abgestuftes System von Verträgen mit einheimischen Herrschern hatten die Portugiesen ihren Estado da Índia errichtet. Vor allem Afonso de Albuquerque trieb diesen Prozess voran. Als er 1515 starb, war von den einst arabischen Befestigungen nur Aden noch nicht in portugiesischer Hand. Aden wurde jedoch 1524 ebenfalls erobert.W. L. Bernecker und K. Herbers, Geschichte Portugals, S. 143.
Die Herrschaft der Portugiesen in Asien war jedoch alles andere als gesichert. Im Norden Indiens entstand das Mogulreich und breitete sich nach Süden aus. Auch die Osmanen stießen in den westlichen Indischen Ozean vor und die osmanischen Behörden in Ägypten begannen, Berichte über Stärke, Umfang und Eigenarten der portugiesischen Seemacht zu erstellen oder in Auftrag zu geben.S. Subrahmanyam, Holding the World in Balance, S. 1367. Darüber hinaus brach in den späten 1520er Jahren ein erheblicher Streit zwischen den rivalisierenden Anhängern von Pêro Mascarenhas und denen von Lopo Vaz de Sampaio um die verschiedenen Gouverneursposten in Portugiesisch-Indien aus, der beinahe zu einem Bürgerkrieg in den Straßen von Goa, Malakka und Cochin geführt hätte. 1529 schlug der am Königshof sehr einflussreiche Dom Jaime, vierter Herzog von Bragança, sogar vor, die meisten portugiesischen Festungen in Asien aufzugeben, um die verfügbaren Ressourcen auf die portugiesischen Befestigungen in Nordafrika zu konzentrieren.S. Subrahmanyam, Holding the World in Balance, S. 1368 f.
Auch im Vergleich zu den Erträgen, die die Spanier inzwischen aus ihren amerikanischen Besitzungen bezogen, waren die Portugiesen ins Hintertreffen geraten. Anders als noch 15 Jahre vorher waren um 1530 der portugiesische Hof sowie viele andere Portugiesen überzeugt, dass ihr eigenes Überseeunternehmen nun deutlich weniger erfolgreich war, als das der Spanier.S. Subrahmanyam, Holding the World in Balance, S. 1371.