mini|Freilichtmuseum ASTRA in Sibiu (Hermannstadt) in Siebenbürgen, Rumänien. Ein Freilichtmuseum (auch Freilandmuseum, Freiluftmuseum, Bauernhofmuseum oder Museumsdorf) ist eine Institution, in der eine Sammlung von am Originalstandort (in situ) erhaltenen, umgesetzten oder rekonstruierten Baudenkmälern – oft einschließlich deren Ausstattung – der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Ziel eines Freilichtmuseums ist es, die Besucher über ein bestimmtes Thema und/oder eine Epoche zu informieren. Vorzugsweise zeigen Freilichtmuseen Gebäude und Anlagen vergangener Zeiten. Sie bieten so einen Eindruck damaliger Bau- und ggf. Lebensweisen. Freilandmuseen stellen an sich selbst den Anspruch, die Museumsgebäude in einer landschaftlich, siedlungsgeographisch und ökonomischen an den jeweiligen Herkunftsort angelehnten Umgebung (Kulturlandschaftsprinzip) auszustellen.

Definition und Geschichte Volkskundliche Freilichtmuseen mini|hochkant|Das Bukowina-Dorfmuseum (Muzeul Satului Bucovinean) liegt in Suceava in Rumänien mini|Alte Windmühlen im Freilichtmuseum Pirogow in Kiew, Ukraine

Der häufigste Typ des Freilichtmuseums ist das volkskundliche (oder ethnologische) Museum. Es sind in der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle wissenschaftlich geführte Einrichtungen zum Erhalt, zur Erforschung und Präsentation von Zeugnissen des vor- oder frühindustriellen ländlichen Wohnens, Arbeitens und Lebens. Auf ihrem Gelände werden in der Regel die historischen Gebäude von ihren Originalstandorten umgesetzt und zu neuen, thematischen Ensembles (Mühlenmuseum) zusammengefügt. Auswahlkriterien sind neben der Verfügbarkeit das Alter und der Zustand, der Bedeutungsgehalt und die Relevanz der mit dem jeweiligen Gebäude unter musealen Bedingungen zu vermittelnden Inhalte. Auch die Notwendigkeit, ein Gebäude zu retten da es an seinem Originalstandort nicht erhalten werden konnte (z. B. wegen eines Straßenbaus oder weil keine neue Nutzung gefunden werden kann) führt oftmals zur Übernahme in ein Freilichtmuseum. Idealerweise, aber selten, handelt es sich um ein Ensemble von Gebäuden, die an ihren Originalstandorten (in situ) stehen, wie zum Beispiel das Freilichtmuseum Schwerin-Mueß am Schweriner See.

Freilichtmuseen können ein intensiveres Verständnis für die Lebensumstände vergangener Zeiten ermöglichen, als Bücher oder Filme es vermögen. Auch eine ganz detailgenaue textliche Beschreibung kann nicht den gleichen Einblick in Lebensumstände vermitteln, wie die sinnliche Erfahrung eines Aufenthalts in originalen Gebäuden mit authentischer Einrichtung. Dies gilt insbesondere, wenn dieses Freilichtmuseum „lebt“, das heißt zum Beispiel Brot backen genauso möglich ist, wie die Gerüche von Pflanzen oder Tieren wahrzunehmen. Diese direkten emotionalen Erfahrungen können Auslöser für ein daran anschließendes theoretisches Vertiefungsbedürfnis sein. Auf jeden Fall kann die Assoziation mit sinnlichen Erfahrungen die Erkenntnisse aus theoretischer Beschäftigung so vertiefen, dass sie langfristig im Gedächtnis gespeichert bleiben.Kleiner Museumsführer – Mecklenburgisches Volkskundemuseum Schwerin-Muess. S. 4–6. ISBN 978-3-944033-17-4

Daneben widmen sich viele Freilichtmuseen auch Sammlungen (z. B. Trachten, Volkskunst, Waldglas, Keramik, Werkzeuge) oder dem Erhalt des Genreservoirs von vom Aussterben bedrohten Haustieren und Nutzpflanzen.

mini|Die als weltweit erstes Freilichtmuseum geltende Sammlung von König Oskar II. mit der Stabkirche von Gol (um 1900, bevor sie vom Norsk Folkemuseum übernommen wurde). mini|Fischerkate im Kaschubischen Freilichtmuseum (Wdzydze Kiszewskie, Polen) mini|Altböhmische Chaluppe im Museum von Přerov nad Labem (Alt Prerau an der Elbe) in Tschechien mini|Bauernhausmuseum Bielefeld Mai 1995: Meierhof (kurze Zeit später durch Brand vollständig zerstört) und Bockwindmühle mini|Das Etno-Dorf Selo Stanišić

Ornamental Farms als Vorläufer

Die Idee, einzelne landwirtschaftliche Gebäude oder ganze Dörfer als Schauobjekte auszustellen, wurde schon im 18. Jahrhundert in der Form der sogenannten Ornamental Farm von der Aristokratie gepflegt. Die Anfangsidee war, vorhandene landwirtschaftliche Bereiche in einen Schlosspark zu integrieren. Diese Idee entwickelte sich dann zur Mitte des 18. Jahrhunderts dahingehend weiter, dass die landwirtschaftlichen Objekte (Bauernhäuser, Mühlen, Molkereien etc.) ohne praktischen Zweck in den Park gestellt wurden. Sie wurden so zu einer reinen, romantischen Staffage, in der die hochgestellten Damen und Herren für ein paar Stunden romantisches Landleben – oder das was sie dafür hielten – spielen konnten.

Frühe Gründungen Im Zuge der europaweit im Gefolge der Industrialisierung aufkommenden „Heimatschutzbewegung“ wurden die ersten Bemühungen zur Rettung von Zeugnissen des „Traditionellen“ (= Vorindustriellen) gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Skandinavien unternommen. Vorgänger, wie etwa das von Marie-Antoinette in Versailles erbaute idealisierte Dorf Hameau de la Reine dienten keinen wissenschaftlichen Zielen. Das schwedische Freilichtmuseum Skansen in Stockholm, gegründet 1891, war der Ausgangspunkt für alle anderen europäischen Freilichtmuseen. Die von König Oskar II zusammengestellte Häusersammlung, gegründet 1881, seit 1907 Teil des Norwegischen Freilichtmuseums Norsk Folkemuseum im heutigen Oslo, war ein Vorbild für Skansen in Stockholm.Hegard, Tonte: Romantikk og fortidsvern : historien om de første friluftsmuseer i Norge. Oslo, Universitetsforlaget 1984, S. 201–212. Das Freilichtmuseum Skanzen Přerov nad Labem in Alt Prerau an der Elbe, heute Přerov nad Labem (Tschechien) wurde 1895 das erste Freilichtmuseum in Ost- und Mitteleuropa und mit Unterstützung des Erzherzogs Ludwig Salvator von Österreich-Toskana gegründet. Als ältestes Freilichtmuseum Deutschlands gilt das 1889 aus Ostenfeld 15 km nach Husum translozierte Ostenfelder Bauernhaus. Das erste zentrale Freilichtmuseum Dänemarks wurde 1901 in Lyngby bei Kopenhagen eingerichtet. 1912 folgte in Jütland das Glud Museum. Der Kaschubische Ethnografische Park (Kaszubski Park Etnograficzny) ist das älteste Freilichtmuseum Polens. 1906 wurde das von seinen Einwohnern auf der Suche nach Arbeit verlassene Dorf auf Initiative des Ehepaars Theodora und Isidor Gulgowski zum Freilichtmuseum. Das Heidemuseum Dat ole Huus in Wilsede wurde 1907 gegründet. Das Freilichtmuseum in Bremerhaven-Speckenbüttel wurde 1908 gegründet. Ebenfalls 1908 begann der Aufbau des Freilichtmuseums Bunge auf Gotland, Schweden Der erste deutsche Versuch zur Gründung eines größeren Freilichtmuseums geschah 1909 in Königsberg (Preußen), doch die gezeigten Bauernhäuser waren keine versetzten Originalgebäude, sondern Rekonstruktionen von Häusern aus verschiedenen Landschaften Ostpreußens und Litauens. 1940 wurde dieses Museum demontiert und nach Hohenstein gebracht, wo es heute als Teil des Polnischen Freilichtmuseums besucht werden kann. Im Juni 1910 war die Fertigstellung und somit die Eröffnung des Freilichtmuseums Ammerländer Bauernhaus in Bad Zwischenahn Das Freilichtmuseum Diesdorf in der Altmark wurde 1911 gegründet. Das zentrale Freilichtmuseum der Niederlande wurde ab 1912 in Arnheim aufgebaut. Das Freilichtmuseum auf der Insel in Stade wurde 1913 aufgebaut und 1914 der Öffentlichkeit übergeben. Die Thüringer Bauernhäuser in Rudolstadt bestehen aus drei aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammenden Häusern. Sie wurden in den Jahren 1913/14 in umliegenden Dörfern abgetragen und im Rudolstädter Stadtpark wieder aufgebaut. Das erste Freilichtmuseum Westfalens ist das Bauernhausmuseum Bielefeld. Als Haupthaus diente der 1915/17 dorthin umgesetzte „Haus Meier zu Ummeln“ von 1606. Dieses Gebäude wurde 1995 durch einen Brand vernichtet. Das Nordfjord Folkemuseum wurde 1920 eröffnet. Das Weindorf Koblenz wurde für die „Reichsausstellung Deutscher Wein“ vom 8. August bis 13. September 1925 errichtet. Es war nie ein Museum im engeren Sinne. Es bestand aus vier neu errichteten Fachwerkhäusern, die die verschiedenen deutschen Anbaugebiete repräsentierten. Im Zweiten Weltkrieg zerstört, wurde das Weindorf bis 1951 vereinfacht wieder aufgebaut. Es wird heute von Gastronomiebetrieben genutzt. Als erstes Freilichtmuseum in Rumänien wurde der 1929 der Parcul Etnografic „Romulus Vuia“ gegründet.

Zur Weltausstellung 1929 in Barcelona wurde das Poble Espanyol als ein „typisches“ spanisches Dorf errichtet. Es sollte nach der Weltausstellung wieder abgebaut werden, existiert aber bis heute. Bauerndörfer als Teil großer Ausstellungen waren damals jedoch keine Neuigkeit. Der attraktivste und bemerkenswertester Teil der Ethnographische Ausstellung 1895 in Prag war das Ausstellungsdorf. Bei der Budapester Millenialausstellung 1896 waren volkstümliche Gebäude aus dem ganzen damaligen Ungarn ausgestellt. Beides ist nicht erhalten. abgerufen am 13. April 2015 Weiter neugebaute „typische“ Dörfer entstehen seit etwa dem Jahr 2000 im serbischen Sprachraum: Etno Selo Stanišić im serbischen Teil von Bosnien & Herzegowina ab 2003 und nicht weit davon entfernt das Küstendorf (Drvengrad) in Serbien.

Als das erste größere „zentrale“ Freilichtmuseum Deutschlands gilt das Museumsdorf Cloppenburg (Cloppenburg in Niedersachsen), gegründet 1934. Das älteste Freilichtmuseum in Süddeutschland ist das 1922 eröffnete Pfahlbaumuseum Unteruhldingen.

Gründungen der Nachkriegszeit Einen großen Aufschwung erlebten Freilichtmuseen in der Nachkriegszeit, da Modernisierungen, Straßenbau sowie die Gewinnung von Bodenschätzen zu einem raschen Verlust historischer Substanz führten. Gleichzeitig war es möglich, entsprechende Ausstellungsobjekte zu erwerben.

Das älteste landwirtschaftliche Freilichtmuseum Süddeutschlands ist das 1955 ursprünglich als Museumsbauernhof eröffnete Schwäbische Bauernhofmuseum (Illerbeuren in Bayern). In den 1960er Jahren kam es zu einer Gründungswelle von Freilichtmuseen, etwa 1961 dem Bauernhofmuseum Perschen. Anlagen wie das LVR-Freilichtmuseum in Kommern oder das LWL-Freilichtmuseum Detmold mit derzeit über 100 Hektar Gelände und über 110 Gebäuden entstanden. 1965 wurde das Schleswig-Holsteinische Freilichtmuseum gegründet. Eine weitere Gründungswelle erfasste ab den 1970er Jahren auch den deutschen Süden. Neben Anlagen wie dem 1976 eröffneten und 38 Hektar großen oberbayerischen Freilichtmuseum Glentleiten, dem 1977 gegründeten Freilandmuseum Oberpfalz und dem seit 1979 errichteten Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim entstanden vor allem kleinere regionale Museen, die im Gegensatz zu „zentralen“ Freilichtmuseen die Gegebenheit und Kontinuität des Ortsbezuges und der regionaltypischen Authentizität (Zusammenhang von Haus- und Landschaftsform) für sich beanspruchen.

Für die Schweiz ist von herausragender Bedeutung das Schweizerische Freilichtmuseum Ballenberg. Neben dem Österreichischen Freilichtmuseum in Stübing in der Steiermark sind das Salzburger Freilichtmuseum in Großgmain sowie das Museumsdorf Niedersulz in Niederösterreich die bekanntesten. Eines der jüngsten Freilichtmuseen ist der Geschichtspark Bärnau-Tachov an der bayrisch-tschechischen Grenze mit mehr als 30 Rekonstruktionen von früh- bis spätmittelalterlichen Gebäuden. In Südtirol wurde 1976 das Freilichtmuseum Dietenheim begründet, das eine Reihe alpiner Bauernhöfe umfasst.

Freilichtmuseen außerhalb des deutschsprachigen Raums mini|Domein Bokrijk