mini|Denar des Brutus, 43 oder 42 v. Chr. Als EID MAR-Münzen werden im Auftrag des römischen Politikers und Caesarmörders Marcus Iunius Brutus ausgegebene Aurei und Denarii aus der Spätzeit der Römischen Republik bezeichnet. Die Münzen zeigen auf dem Avers das Porträt des Brutus. Die rückseitige Aufschrift EID MAR steht für EIDIBUS MARTIIS oder „an den Iden des März“ und ist von ebenso unmissverständlichen Symbolen begleitet, dem Pileus als Symbol der Freiheit und zwei Pugiones, stellvertretend für die beiden Mörder Brutus und Gaius Cassius Longinus. Mit diesen Münzen wollte Brutus den Mord an Gaius Iulius Caesar feiern und sich selbst als Retter der Freiheit und der Republik darstellen.

Während von dem Silberdenar weniger als hundert Exemplare bekannt sind, ist der Aureus noch seltener. Im British Museum, der Sammlung der Deutschen Bundesbank und im Privatbesitz gibt es nur drei dieser Münzen. Die in Privatbesitz wurde am 29. Oktober 2020 für drei Millionen Euro zuzüglich 20 oder 24 Prozent Aufschlag versteigert und ist damit die weltweit teuerste römische Münze. Die Aurei wurden über lange Zeit für Fälschungen gehalten und erst seit wenigen Jahrzehnten als authentisch akzeptiert. Der Denarius wird allerdings häufig nachgeprägt oder gefälscht.

Historischer Hintergrund mini|Gaius Iulius Caesar mit Lorbeerkranz im Profil nach rechts, auf dem Revers Venus mit Statue der Victoria und Speer, Februar oder März 44 v. Chr.

Gaius Iulius Caesar war nach seinem Sieg in der Schlacht von Pharsalos vom römischen Senat in den Jahren 48, 46, 45 und 44 zum Konsul gewählt worden. Die Dauer dieses Amtes war eigentlich auf ein Jahr beschränkt, zwischen zwei Wahlen musste ein Zeitraum von zehn Jahren liegen und es mussten sich stets zwei Konsuln die Macht teilen. Darüber hinaus wurde Caesar in den Jahren 49, 48-47 und 46-44 der Titel des Diktators verliehen. Dieses Amt bedeutete die Alleinherrschaft zum Abwenden existenzbedrohender Gefahren für den Staat und war normalerweise auf sechs Monate beschränkt. Im Februar 44 v. Chr. hatte Caesar sich für zehn aufeinanderfolgende einjährige Amtszeiten zum Diktator ernennen lassen. Am 15. Februar trat er öffentlich in der alten Königstracht auf. Das und seine mit einem geplanten aber nicht mehr verwirklichten Feldzug betriebene Alexander-Imitatio nährten den Verdacht, Caesar wolle die Republik zugunsten einer Monarchie abschaffen. Im römischen Senat bildete sich um die Anführer Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus, die zum Töten Caesars entschlossen waren, eine Gruppe von etwa 80 Verschwörern und Mitwissern. Am 15. März 44 v. Chr., den Iden des März, wurde Caesar während einer Senatssitzung im Theater des Pompeius von einer Gruppe Senatoren um Brutus und Cassius mit 23 Dolchstichen getötet. Die Mörder rechtfertigten ihre Tat als Tyrannenmord und betrachteten sich selbst als die Befreier Roms und als Retter der Republik.

Zwei Tage nach dem Mord an Caesar gewährte der Senat den Caesarmördern eine Amnestie. Doch mit seiner Grabrede hetzte Marcus Antonius das Volk Roms derart auf, dass Brutus und Cassius aus der Stadt fliehen mussten. Ende August 44 v. Chr. flohen Brutus und Cassius in den Osten, wo Brutus zum Prokonsul der Provinz Creta et Cyrene ernannt worden war. Im Jahr 43 v. Chr. wurde er zum Prokonsul von Makedonien, Achaea und Illyrien ernannt. Dieses Jahr verbrachten Brutus und Cassius mit dem Kampf gegen die Caesarianer im Osten Griechenlands und mit der eigenen Aufrüstung. Im Oktober 43 v. Chr. errangen die Caesarianer die Macht in Italien und erklärten Brutus und Cassius zu Staatsfeinden. Ein Jahr später, im Oktober 42 v. Chr., kam es in Makedonien zur Schlacht bei Philippi. In der ersten Schlacht wurde Cassius durch Marcus Antonius besiegt, während Brutus mit seinen Truppen einen Sieg über Octavian erringen konnte. Cassius ließ sich von seinem Freigelassenen töten, da er fälschlich von einer völligen Niederlage ausging. Die zweite Schlacht im Oktober oder November 42 v. Chr. endete mit einer Niederlage Brutus’, der sich von einem Freund töten ließ.

Numismatischer Hintergrund mini|Denar des Brutus mit Porträt der Libertas auf dem Avers, rückseitig Lucius Iunius Brutus hinter einem Accensus und zwischen zwei Liktoren nach links schreitend, wohl 54 v. Chr. mini|Silberdenar mit dem Porträt Caesars und der Umschrift CAESAR DICT PERPETVO, 44 v. Chr.

Brutus war im sechsten Jahrzehnt v. Chr., das genaue Jahr ist umstritten, als römischer Münzmeister tätig. Im Rahmen dieser Tätigkeit schlug er Münzen mit dem Bildnis des Lucius Iunius Brutus, als dessen direkten Nachfahren er sich selbst sah. Die Legende BRVTVS weist dabei sowohl auf das Bildnis als auch auf den Münzmeister Marcus Iunius Brutus.

Caesar war nicht der erste Römer, der zu Lebzeiten auf einer Münze abgebildet wurde. Um 197 bis 194 v. Chr. wurde der römische Feldherr und Politiker Titus Quinctius Flamininus, der von der griechischen Bevölkerung als Befreier gefeiert wurde, auf einem goldenen Stater mit griechischer Aufschrift dargestellt. Die Münzstätte, und ob die Ausgabe der Münze von griechischer Seite oder von Flamininus selbst in Auftrag gegeben wurde, ist ungeklärt. Das Porträt ähnelt allerdings in vielen Details den Münzbildnissen des von Flamininus besiegten Philipp V. von Makedonien, was für eine griechische Herkunft spricht. Von der Münze sind nur wenige Stücke erhalten.

Im fünften Jahrzehnt v. Chr. wurden wiederholt Münzen mit dem Abbild Julius Caesars geschlagen. So ließ der mit Caesar befreundete Gaius Vibius Pansa Caetronianus, Statthalter der Provinz Bithynia et Pontus, Caesar im Jahr 47 v. Chr. auf Bronzemünzen der Stadt Nikaia in Bithynien abbilden. Zwei Jahre später erschien Caesars Porträt auf Bronzemünzen der Stadt Lampsakos in Mysien. Diese beiden heute äußerst seltenen Münzen hatten keine Aufschrift, die auf Caesar hinwies. Die Prägungen werden dadurch erklärbar, dass im griechischen Teil des römischen Reiches keine großen Vorbehalte gegen das Abbilden lebender Personen auf Münzen bestanden.

Anders sah es in Rom selbst aus, die Darstellung lebender Personen auf Münzen war unvorstellbar, und die Münzbilder wurden in der römischen Republik von den Münzmeistern bestimmt. Vor der Herrschaft Caesars waren nur Abbilder von Göttern oder lange Verstorbenen auf Münzen dargestellt worden, und dies in einer unüberschaubaren Vielfalt. Im Januar 44 v. Chr. schlug der römische Münzmeister Marcus Mettius aus Anlass der bevorstehenden vierten Wahl Caesars zum Diktator erstmals einen Silberdenar mit dessen Porträt. Auf dem Revers war die römische Göttin Juno in einem Streitwagen abgebildet. In den folgenden Monaten wurden mehrere Münzen mit abgewandelten Porträts Caesars ausgegeben. Den Höhepunkt und das Ende der in Caesars Auftrag ausgegebenen Münzen war im Februar eine Münze mit Caesars Porträt, mit einer rituellen Kopfbedeckung, die ihn wie einen Priester beim Darbieten eines Opfers zeigte. Die Aufschrift lautete CAESAR DICT PERPETVO und wies auf die kürzlich erfolgte vierte Wahl zum Diktator hin. Entgegen den bis heute tradierten Angaben späterer Historiker bedeutete die Umschrift nur „ununterbrochen Diktator“. Damit wurde deutlich gemacht, dass die zehn einjährigen Amtszeiten, für die Caesar 46 v. Chr. ernannt worden war, ohne Unterbrechung aufeinander folgen sollten. Das wird auch durch den ungewöhnlichen Verzicht auf die Abkürzung PERP deutlich, die auf einer Münze zu erwarten wäre. Die Umschrift mit der Bedeutung „Diktator auf Lebenszeit“ hätte CAESAR DICT(ator) PERPETVVS gelautet, und so wäre auch die Verkürzung CAESAR DICT(ator) PERP verstanden worden. Gleichwohl wurde die Darstellung wohl in dem eigentlich vermiedenen Sinn verstanden. Die vermeintlich gottgleiche Darstellung seiner selbst war eine Ungeheuerlichkeit und bestärkte die Verschwörer in ihrem Argwohn, Caesar strebe die Alleinherrschaft an.

Nach dem Mord an Caesar und ihrer Flucht nach dem Osten begannen Brutus und sein Mitverschwörer Cassius mit der Ausgabe eigener Münzen, die zunächst unverfängliche Motive zeigten. Gold und Silber für die Münzen stammten von thrakischen Fürsten, die Brutus freiwillig unterstützten. Während seiner Zeit als Prokonsul von Makedonien in den Jahren 43 und 42 v. Chr. ließ Brutus in einer beweglichen Feldmünze zwölf verschiedene Münzen schlagen, vier Aurei, sechs Denarii und zwei Quinarii. In einer dritten Phase der Münzfertigung des Brutus, im Jahr 42 v. Chr., wurden Münzen ausgegeben, auf denen Brutus mit der Aufschrift IMP als Imperator bezeichnet wurde. Es handelt sich um sechzehn in einer Feldmünze geschlagene Münzen, sechs Aurei, neun Denarii und einen Quinarius. Erst zum Ende der dritten und letzten Phase, im Sommer oder Frühherbst 42 v. Chr., wurden der Denarius und der Aureus mit dem Bildnis Brutus’ und dem Bekenntnis zum Mord an Caesar ausgegeben.

Aureus und Denarius des Brutus Beschreibung Die EID MAR-Münzen haben einen Durchmesser von 19 bis 20 mm, die Aurei ein Gewicht von etwa 8 Gramm und die silbernen Denarii ein Gewicht um 3,6 Gramm. Der Avers zeigt das Porträt des bärtigen und barhäuptigen Brutus im Profil nach rechts. Die Umschrift lautet BRVT (über dem Haupt, für „Brutus“), IMP (rechts, vor dem Gesicht, für „Imperator“) und L•PLAET•CEST hinter dem Kopf (für den Münzmeister L. Plaetorius Cestianus). Am äußeren Rand befindet sich ein Perlkreis, der bei den meisten Münzen nur unvollständig vorhanden ist.

Auf dem Revers ist in der Mitte ein Pileus (Freiheitsmütze) abgebildet, flankiert von zwei Dolchen mit unterschiedlich geformten Heften, deren Spitzen nach unten gerichtet sind. Darunter befindet sich die Aufschrift EID MAR für EIDIBUS MARTIIS oder „an den Iden des März“. Auch der Revers weist einen meist unvollständigen Perlrand auf.

Ikonografie Der EID MAR-Münzen zeigen das einzige mit Gewissheit authentische Porträt des Marcus Iunius Brutus. Mit der Darstellung seines eigenen Porträts auf der Vorderseite griff Brutus das Handeln des von ihm ermordeten Julius Caesar auf, der das eigene Porträt als erstes Abbild einer lebenden Person auf römische Münzen aufbringen ließ. Wie im Fall der Münzen Julius Caesars ist die Abbildung als Mittel der Propaganda und als überhöhte Darstellung der eigenen Person zu sehen. Brutus ließ sich mit einem Bart darstellen, obwohl es in Rom längst üblich war, sich glatt zu rasieren. Der Bart war nur noch Kennzeichen der Philosophen und Rhetoren und wurde in der bildenden Kunst als Kennzeichen des Alters verwendet. Brutus’ Bart wurde als Ausdruck der Trauer darum gesehen, dass ein Einzelner die Freiheit durch sein Machtstreben gefährdet hat. Diese Interpretation als Trauerbart kann neben dem auf der Rückseite gezeigten Stolz auf den Tyrannenmord nicht befriedigen. Tatsächlich hat Brutus als Münzmeister seine angeblichen Vorfahren Lucius Iunius Brutus und Gaius Servilius Ahala den Gepflogenheiten ihrer Zeit entsprechend bärtig dargestellt. Mit dem eigenen Porträt mit Bart stellte Brutus eine Verbindung zu seinen Vorfahren her, die als Tyrannenmörder und Begründer der römischen Republik galten.

Das Münzbild der Rückseite geht noch weiter. Der Pileus in der Mitte war seit langer Zeit ein Attribut der Libertas, der personifizierten Freiheit, und wurde von ihr auf zahlreichen Münzen als Kopfbedeckung getragen oder in der Hand gehalten. Dabei bedeutete der Begriff der Freiheit einerseits die politische Freiheit und die Gleichheit der Mitglieder der Aristokratie untereinander und die Zurückweisung von Monarchie und Autokratie. Sie bedeutete aber auch die Gleichheit aller Bürger Roms vor dem Gesetz und die Freiheit von staatlicher Willkür. Der Pileus, die Freiheitsmütze, war die stolz getragene Kopfbedeckung der freien Römer und als solche jedem Römer bekannt. Eine Freiheitsmütze wurde Sklaven, Kriegsgefangenen und Gladiatoren zur Freilassung verliehen.