mini|hochkant|Alexander Hamilton (John Trumbull, 1792)|alternativtext=Ein jüngerer Alexander Hamilton in einem grauen Anzug und einem weißen Halstuch. Das Porträt zeigt seinen gesamten Körper; Hamilton steht. Der Second Report on the Further Provision Necessary for Establishing Public Credit („Zweiter Bericht zu weiteren Maßnahmen, die für die Schaffung öffentlichen Kredits notwendig sind“), genannt Report on a National Bank, war der zweite bedeutende Finanzbericht des ersten Finanzministers der Vereinigten Staaten von Amerika, Alexander Hamilton. Er schlug vor, eine Nationalbank zu gründen. Trotz einer kontroversen Debatte um die Verfassungsmäßigkeit solch einer Institution wurde dennoch 1791 die First Bank of the United States (kurz: BUS) gegründet.
Entstehung und Einflüsse Der erste Finanzminister der Vereinigten Staaten, Alexander Hamilton, führte Anfang der 1790er Reformen durch, die dem modernen Kapitalismus in den Vereinigten Staaten den Weg ebneten und die Bundesregierung stärkten. Zu diesen Zwecken wollte er die Kaufleute (Im 18. Jahrhundert fielen sowohl Händler, Banker als auch die ersten Industriellen unter diesen Begriff.) als Wirtschaftsmotor und Unterstützung für die Regierung mobilisieren. Um Hamilton bildete sich bald die Gruppe der Föderalisten, deren Wählerbasis aus den wohlhabenden Kaufleuten der Ostküste bestand. Auch Präsident George Washington stellte sich an die Seite Hamiltons. Die Opposition bildeten die Republikaner um Thomas Jefferson und James Madison. Ihre Wählerschaft, Pflanzer aus den Südstaaten und Siedler aus der Frontier, fühlten sich von Hamiltons Reformen wirtschaftlich benachteiligt. In diesem politischen Diskurs spielte die erst 1789 ratifizierte Verfassung, an deren Ausarbeitung sowohl Hamilton als auch Madison beteiligt waren, eine besondere Rolle. Die Föderalisten beriefen sich auf eine breite Auslegung der Verfassung („broad constructionism“), um eine Stärkung der von ihnen kontrollierten Bundesregierung zu rechtfertigen. Die Republikaner warfen ihnen vor, durch ihre Missachtung der Verfassung eine Tyrannei zu ermöglichen. Sie forderten stattdessen eine strikte Auslegung („strict constructionism“).Ron Chernow: Alexander Hamilton S. 385–394. Hamilton gelang es, im 1. Kongress durch verschiedene Kompromisse Mehrheiten für seine Politik zu finden und seine ersten Vorschläge, die er im Report on Public Credit beschrieben hatte, verabschieden zu lassen. Nun beauftragte ihn der Kongress, weitere Mittel gegen die zu hohe Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten zu finden.Richard Sylla und David J. Cowen: Alexander Hamilton on Finance, Credit, and Debt., S. 117. mini|alt=Das Gebäude der Bank of England auf einem Foto aus dem Jahr 2015. Das jahrhundertealte Gebäude wirkt aus heutiger Sicht typisch für seine Zeit.|Die Bank of England bot Hamilton eine wichtige Vorlage (Foto des Hauptgebäudes, 2015). Obwohl Hamilton seit dem Ende der 1770er die Gründung einer Nationalbank forderte, steckte die amerikanische Finanzwelt noch in ihren Kinderschuhen. Im ganzen Land gab es weniger als fünf Banken, darunter die von Hamilton mitbegründete Bank of New York. Die erste Bank der Vereinigten Staaten, die Bank of North America, war erst in den 1780ern gegründet worden. Daher musste sich Hamilton an europäischen Vorbildern orientieren, vor allem an der Bank of England. Für ihn repräsentierten diese Institutionen erste Schritte auf dem Weg, die jungen Vereinigten Staaten zu einer wirtschaftlichen und damit auch politischen Großmacht aufsteigen zu lassen. Zu dieser Überzeugung war er durch die Lektüre der Werke der schottischen Aufklärer und frühen Wirtschaftswissenschaftler David Hume und Adam Smith gelangt. Jefferson und seine Republikaner strebten im Gegensatz zu Hamilton dem Ideal einer „yeoman republic“ nach. Statt habgierigen Kaufleuten sollten einfache, tugendhafte Bauern das Land leiten.Richard Sylla und David J. Cowen: Alexander Hamilton on Finance, Credit, and Debt., S. 121.Stanley Elkins und Eric McKitrick: The Age of Federalism., S. 107–113, 227H. Wayne Morgan: The Origins and Establishment of the First Bank of the United States, S. 472–492, hier: S. 472–473, 476–479
Inhalt Ende des 18. Jahrhunderts kannten sich die meisten Politiker in den Vereinigten Staaten nicht mit den Wirtschaftswissenschaften aus, weshalb Hamilton in der ersten Hälfte seines Berichts die Grundlagen des Bankensystems und dessen Nutzen erläutern musste. Banken dienen Hamilton zufolge dem Zweck, das tote Kapital der Bürger – ihre Ersparnisse, die nicht zum Wirtschaftswachstum beitrugen – durch Investitionen mit Nutzen zu beleben, also die Wirtschaft und die Regierung eines Landes mit wichtigen Finanzmitteln zu versorgen. Durch ihre Banknoten vereinfachten sie den Handel, indem sie das im Land verfügbare Geldkapital erhöhten. Geschickt geführte Banken könnten nämlich mehr Banknoten ausgeben, als ihnen eigentlich zur Verfügung stünde. Ebenso förderten Banknoten, die deutlich einfacher zu transportieren seien als Münzen, die Geldzirkulation und damit die Steuereintreibung. Mit Krediten könnten Banken wiederum die Regierung in Krisenzeiten vor dem Bankrott bewahren. Daraufhin entkräftet er einige mögliche Gegenargumente. Viele Politiker hatten die Befürchtung, Banknoten könnten Metalle als Währung verdrängen und zu ihrem Export aus dem Land führen. Hamilton meinte hingegen, dass die Menge an Metallen vom Gleichgewicht zwischen Export und Import abhänge. Je mehr ein Land verkaufe, desto mehr Metalle habe es zur Verfügung stehen. Banken würden den Export fördern, also zu einer Mehrung der Metalle im Land führen.Richard Sylla und David J. Cowen: Alexander Hamilton on Finance, Credit, and Debt., S. 119–120.Stanley Elkins und Eric McKitrick: The Age of Federalism., S. 226Carson Holloway: Hamilton versus Jefferson in the Washington Administration: Completing the Founding or Betraying the Founding?, S. 59–65 hochkant|mini|alt=Ein Foto des neoklassizistischen Hauptsitzes der Nationalbank.|Das Gebäude der National Bank, aufgenommen zwischen 1980 und 2006 In der zweiten Hälfte geht Hamilton auf die Struktur der Nationalbank ein. Diese müsse neu gegründet werden, da die bisher bestehenden Banken die Rolle einer Nationalbank in ihrer bisherigen Form nicht erfüllen könnten. Der Kongress sollte ihr eine Charta auf zwanzig Jahre ausstellen, in welcher Zeit keine weiteren Nationalbanken gegründet werden dürften. Die Marktkapitalisierung sollte sich auf $10 Mio. belaufen; der Regierungsanteil auf einen Fünftel. Diese $2 Mio. sollten über die nächsten zehn Jahre in Raten abbezahlt werden. Als Anteilseigner war der Staat an möglichen Profiten beteiligt. Privatpersonen sollten ihre Anteile primär durch Staatsanleihen erwerben. Eine Zinsrate über 6 % wäre der Bank nicht gestattet; Kredite an Bundesstaaten oder Privatpersonen aus dem Ausland müssten vom Kongress geprüft werden. Der Finanzminister könnte wöchentlich die Rechnungen der Nationalbank einsehen. Ansonsten wäre das neue Organ vom Staate unabhängig und von einem Board of Directors mit einer regelmäßigen Rotation geleitet. Die directors wählten regelmäßig einen Bankenpräsidenten. So sollte Machtmissbrauch durch Politiker oder das Entstehen einer unkontrollierten Clique an der Spitze der Bank vermieden werden. Ausländer konnten zwar Anteile erwerben, doch durften sie weder director werden, noch konnten sie als Anteilseigner die Firmenpolitik mitbestimmen. Nur der Nationalbank, nicht der Bundesregierung, war der Druck von Papiergeld gestattet. Die Bundesregierung könne dieses Mittel in Krisenzeiten missbrauchen und eine Inflation auslösen, wie es schon während des Unabhängigkeitskrieges mit dem Kontinental-Dollar geschehen war. Aus demselben Grund müsse die Nationalbank in privaten Händen bleiben. Die für damalige Zeiten vergleichsweise hohe Marktkapitalisierung sollte verhindern, dass eine zu kleine Clique die Kontrolle über die Bank übernimmt.Richard Sylla und David J. Cowen: Alexander Hamilton on Finance, Credit, and Debt., S. 120–121.Stanley Elkins und Eric McKitrick: The Age of Federalism., S. 226–227Carson Holloway: Hamilton versus Jefferson in the Washington Administration: Completing the Founding or Betraying the Founding?, S. 68–74
Umsetzung mini|hochkant|James Madison (John Vanderlyn, 1816)|alternativtext=Ein Porträt des älteren Madison mit einem schwarzen Anzug, einer weißen Fliege und einer weißen Perücke vor dunklem Hintergrund. Hamilton legte seinen Bericht dem Kongress am 14. Dezember 1791 vor. Verschiedene Interessengruppen stellten sich gegen seine Vorschläge. Viele Republikaner, vor allem Politiker aus der Frontier wie James Jackson, warfen Hamilton vor, ausschließlich Kaufleute bereichern zu wollen. Für sie symbolisierten Banken die Korruption der Großstadt und der dortigen Elite. Auf Grund solcher Skandale wie der Südseeblase war die Finanzwelt weiten Teilen der einfachen Bevölkerung verhasst. Man dürfe „Kapitalisten“ nicht vertrauen, als Leiter der Nationalbank dem Allgemeinwohl zu dienen. Solch ein allgemeines Misstrauen gegenüber dem „mercantile“ oder „moneyed interest“ war in der frühen Republik jedoch noch deutlich weniger ausgeprägt als in der Jacksonian Democracy der 1830er Jahre. Einige Pflanzer schlossen sich ihrem Misstrauen gegenüber den Kaufleuten an, waren laut dem Historiker Kenneth Bowling als Südstaatler jedoch auch vom Standort motiviert. Die Bank hätte ihren Sitz nämlich in der vorübergehenden Hauptstadt Philadelphia, also im Nordstaat Pennsylvania. Dadurch sahen sie das Versprechen bedroht, dass der Regierungssitz 1800 nach Washington, D. C. wechseln sollte. Des Weiteren fürchteten die Gegner einer Bank eine so hohe Stimulierung des Rohstoffexports durch Banknoten, dass zu viel Wohlstand nach Europa fließen würde. Einige Abgeordnete befürworteten statt einer einzigen Nationalbank mehrere kleinere. Auf diese Art und Weise sollte ein staatliches Monopol vermieden werden und ein größerer Teil der Vereinigten Staaten von einer Nationalbank profitieren können. So wie Hamilton beriefen sich auch seine Gegner auf englische Vorbilder, nämlich auf die „country opposition“ gegen den ersten Premierministers Robert Walpole, der ähnliche Reformen wie Hamilton durchgeführt hatte. In den Augen vieler Republikaner herrschte in allen Regierungsformen ein hohes Risiko für Machtmissbrauch, weshalb sie niemals zu viel Macht ansammeln sollte. Dem war sowohl die Bank als auch Hamiltons Ideologie entgegengesetzt. Dieser meinte nämlich, dass die Vereinigten Staaten nur mit einer starken Bundesregierung eine Großmacht werden könne.Stanley Elkins und Eric McKitrick: The Age of Federalism., S. 229–230.H. Wayne Morgan: The Origins and Establishment of the First Bank of the United States, S. 472–492, hier: S. 480–484Benjamin B. Klubes: The First Federal Congress and the First National Bank: A Case Study in Constitutional Interpretation, S. 19–41, hier: S. 23–28, 37 mini|hochkant|Thomas Jefferson (Rembrandt Peale, 1800)|alternativtext=Ein Jefferson mittleren Alters in einem schwarzen Anzug und einem weißen Halstuch.