Monarchismus ist die staatstheoretische Position zugunsten der Monarchie, das heißt beispielsweise des vererbbaren oder gewählten König- oder Kaisertums, wobei die Bezeichnungen für Monarchen abhängig von Sprache und Tradition variieren. Neben dem Kaiserreich Japan existieren heute Königreiche, ein Großherzogtum (Luxemburg), Fürstentümer, Sultanate und Emirate als souveräne Staaten mit monarchischer Spitze. Auf subnationaler, aber konstitutionell bedeutsamer Ebene sind die monarchischen Teilstaaten Malaysias zu nennen, deren Herrscher den Titel eines Sultans oder, im Falle von Perlis, eines Rajas tragen, da sie den König für eine jeweils fünfjährige Amtszeit wählen, sowie die Herrscher der Teilstaaten der Vereinigten Arabischen Emirate, die ebenfalls das Staatsoberhaupt des Landes aus ihrer Mitte bestimmen.
Eine Abgrenzung gegenüber der Diktatur oder der Demokratie ist nicht möglich, da die konstitutionelle, verfassungsgebundene Monarchie beliebige Integrationen in demokratische Staatssysteme erlaubt, andererseits absolute Herrschaftsformen bestehen, wie sie auch in nicht-monarchischen Staaten zu finden sind. Die Spannbreite geht von Monarchien, in denen keine Volksvertretung existiert, über Staaten, wo das Parlament vorzugsweise administrative und beratende Funktionen hat, bis hin zu Monarchien, in denen der Regent nur noch Repräsentationsaufgaben wahrnimmt und die politischen Entscheidungen an anderer Stelle, heute in der Regel vom Parlament bzw. der parlamentarisch verantwortlichen Regierung getroffen werden.
Historische Positionen Die Legitimationen der Macht, die innerhalb von Monarchien vererbt wird, haben ihre eigene Geschichte in den verschiedenen Herrscherhäusern und den Kulturen, in denen diese regieren. Der Monarchismus als staatstheoretische Option bedarf demgegenüber einer Situation, in der eine Alternative zur Monarchie diskutabel wird. Die wesentlichen monarchistischen Entwürfe entstammen deshalb historischen Situationen, in denen die Beseitigung oder Modifikation der Monarchie oder aber die Restauration einer monarchischen Regierungsform zur Debatte stand. Deshalb waren sowohl Gegner wie Befürworter der Monarchie als Herrschaftsform an der Entwicklung des Monarchismus als staatstheoretischer Konzeption beteiligt.
Die älteste staatsphilosophische Auseinandersetzung geht zurück auf Platon mit dem Werk Der Staat (gr. Politeia), in dem monarchische, aristokratische und demokratische Staatsformen – letztere anhand der Athener Demokratie – miteinander verglichen werden.
mini|Thomas Hobbes
Thomas Hobbes: Plädoyer für die absolute Monarchie Thomas Hobbes wird zwar heute als der zentrale Philosoph des Absolutismus eingestuft, jedoch darf nichts darüber hinwegtäuschen, dass seine zentralen Werke als atheistische, mit dem Christentum im Widerstreit stehende gebrandmarkt wurden und dem Absolutismus zumindest in dieser Hinsicht nicht als Legitimation dienen konnten. Traten die Monarchien des Mittelalters und der frühen Neuzeit mit einem Anspruch auf Gottesgnadentum, auf Rechtfertigung ihrer Herrschaft durch Gott auf, so negierte Hobbes diese Legitimationsgrundlage grundsätzlich.
Sein Leviathan (1651) erschien kurz nach der Enthauptung Karls I., während der Autor im französischen Exil lebte. Im Blick auf die politische Katastrophe postulierte Hobbes, dass Macht als absolute und unumschränkte Gewaltausübung unverzichtbar sei, um den „Krieg aller gegen alle“ zu unterbinden. Der absolute Regent handele dabei, seiner eigenen Natur und damit dem puren Selbsterhalt verpflichtet, nicht auf das Gemeinwohl bedacht. Dennoch entspringe solcher Machtausübung Zivilisation, da sie die Gewalt suchenden Rechtsansprüche aller einzelnen zurücksetze. Brutalität war damit auf allen Ebenen die Grundannahme, mit der Konsequenz, dass gerade aus ihr menschliche Zivilisation erwuchs: ein friedlicher Zustand, in dem niemand, dem sein Leben lieb war, den öffentlichen Frieden störte – einen öffentlichen Frieden, der wirtschaftliches Wachstum und Macht nach außen zuließ.
Hobbes trat als Philosoph auf, er begründete seine Setzungen erkenntnistheoretisch mit der Philosophie eines ganz neuen Materialismus. Die Religion und die Moral wurden dabei nachgeordnet zu Instrumenten der perfekten Machtausübung. In der neuen Staatsphilosophie blieben sie dem absoluten Herrscher untergeordnet.
Der Herrscher konnte theoretisch ein selbsternannter Diktator, Gewaltherrscher sein. Effektiv war der Leviathan in der Anlage der Argumente jedoch ein Plädoyer für die Monarchie, als die einzige Herrschaftsform, die den Machtwechsel der Diskussion entzog und damit absicherte. In ihr gab es kein Machtvakuum, wie es bei Amtswechseln von Regierungen eintreten musste, wenn diese Neuwahlen ausschrieben – und damit keine Gefahr, dass eine Revolution genau in diesem Machtvakuum ausbräche.
Die Theorie war gleichzeitig mit ihrer Unterordnung der Kirche unter die Krone auf Großbritannien zugeschnitten. Als der Leviathan erschien, regierte die religiös begründete Parlamentsherrschaft in Großbritannien als Schreckgespenst, wie es der Leviathan ausmalte.
Tatsächlich wurde Hobbes für die Herrscher Europas zum Tabu, da hier die Monarchie als Gewaltherrschaft eingeführt wurde, die keiner Religion und keiner Moral mehr unterworfen war. Gerade die Radikalität dieses Gedankens machte den Leviathan auf der anderen Seite in der rechtsphilosophischen Diskussion zum einflussreichsten Werk. Hier wurden erstmals ohne Rückgriff auf Transzendenz die Macht und der Staat legitimiert – in einer philosophisch radikalen Provokation, die eine Suche nach besseren Legitimationen nach sich ziehen musste.
miniatur|hochkant=0.7|John Locke
John Locke: Die dem Gemeinwohl untergeordnete Monarchie John Locke wird heute eher mit dem Parlamentarismus und der Demokratie als mit dem Monarchismus in Verbindung gebracht. Seine Zwei Abhandlungen über die Regierung (1689) gewinnen vor dem Hintergrund der Glorious Revolution Bedeutung. Diese bewies historisch, dass Hobbes mit seinen philosophischen Postulaten irrte. Es war durchaus möglich, dass eine Nation die Regentschaft absetzte, ohne dass der Kampf aller gegen alle ausbrach. Selbst eine Revolution, der Extremfall des Machtwechsels, konnte zum Besten des Gemeinwohls geschehen.
Die weltliche Macht ließ sich vor diesem historischen Hintergrund neu legitimieren. Es war möglich, sie den Interessen des Gemeinwohls unterzuordnen. Locke plädierte für einen Schutz des Privatbesitzes sowie für Institutionen, die im Bedarfsfall einen dem Gemeinwohl schadenden Regenten absetzen konnten. Er plädierte für ein Parlament, das sich als gewähltes den Interessen des Gemeinwohls verpflichten musste – Positionen, die in die Formulierung der konstitutionellen Monarchie führten und die gleichzeitig der Errichtung einer Demokratie ohne Monarchen die wichtigsten Vorgaben machten. Die Vereinigten Staaten von Amerika etablierten eine solche noch im Verlauf des Jahrhunderts.
Friedrich II. von Preußen: Aufgeklärter Absolutismus Plädoyers für die Monarchie aus Monarchenhand sind selten. Dasjenige, das Friedrich II. von Preußen mit seinem Anti-Machiavell (1740) nach den Diskussionen mit Voltaire vorlegte, erregte die Begeisterung der Intellektuellen Europas. Die deutsche Ausgabe des Jahres 1745 erschien angebunden an eine Übersetzung des Fürsten Machiavellis. Voltaire ließ durchblicken, dass der Autor ein hoher Staatsmann sei, unter der Hand sprach sich Friedrichs II. Identität als der Verfasser herum, mit dem Voltaire korrespondierte.
Friedrich zeigt sich mit den ersten Seiten angewidert von der Machtpolitik Machiavellis, die das Wohl des Landes im Ernstfall dem puren Machterhalt unterordnet. Machiavelli sei noch ein Mann des barbarischen vergangenen Zeitalters gewesen. Der aufgeklärte Monarch herrsche in der Regel nicht über ein erworbenes Land, er zügelte seinen Ehrgeiz, er erwäge die Landesentwicklung, er stelle seine Arbeit in den Dienst des ihm anvertrauten Landes. Zivilisation ist angestrebt. Ein Unding ist in ihr der Regent, der politische Morde begeht, ein Unding ist selbst Ludwig XIV., der aus Prestigegründen Europa angriff. Fénelons Telemach (1699/1700) gibt (Kap. VII) den Ton der Menschlichkeit vor, dem sich der Regent unterordnet. Für die freien, keinem Monarchen unterworfenen Republiken ergreift Friedrich (Kap. IX) unter der Hand das Wort: Monarchien enden mit ihren Herrscherhäusern, Reiche gehen unter. Republiken aber, so der junge Monarch, gewännen eigene Stabilität, gerade da sie die höchsten Machtmittel niemandem in die Hand geben, der sie missbrauchen könnte. Die durchgängige Kritik an Machiavellis Plädoyer für den schonungslosen Machteinsatz führt mit dem 15. Kapitel in Plädoyers für jene Regentschaften, die vor der Geschichte als segenbringende bestehen. Der tugendsame, sich selbst beherrschende Herrscher muss gerade in Anbetracht des Grauens, das die Machtausübung, wie Machiavelli sie skizziert, auslöst, die bessere Machtausübung anstreben. Liebe seines Volkes, Vertrauen müsse der Regent anstreben.
Die Option eines aufgeklärten, den Werten der Aufklärung verpflichteten Absolutismus blieb am Ende ein Desiderat. Friedrich II. warf die meisten der zuvor geäußerten Maximen im ersten Konflikt mit Österreich über Bord. Der Siebenjährige Krieg sollte im Verlauf ganz Europa involvieren. Bürgerliche Freiheiten, die religiöse Toleranz, die Preußen Vertriebenen zugestand, geriet in der Praxis in Misskredit als pure Kalkulation auf den wirtschaftlichen Profit, den die Ansiedlungen bieten mussten. Unter Intellektuellen bestätigte Friedrich mit der Bereitschaft, die eigenen Maximen hintanzustellen Machiavelli, den Autor der genau dies gefordert hatte. Unter Verteidigern der Monarchie blieb zu erwägen, ob Friedrich summa summarum nicht doch zugunsten Preußens gehandelt hatte, das unter seiner Regentschaft unter Europas Großmächte trat.
Monarchismus in der Gegenwart
Deutschland
Preußens Aufstieg im Prozess der nationalen Einigung verlief vor allem zu Lasten der übrigen territorialen Herrschaften des deutschen Sprachraums. Monarchismus gewann in diesem Prozess im Reichsgebiet eine stark lokalpatriotische Ausprägung – und eine nationalistische, was die Legitimation Preußens und des Hauses Hohenzollern anbetrifft, das mit der Reichseinigung die zentrale Stellung unter den Regentschaften gewann. Die politischen Parteien und Strömungen des 19. Jahrhunderts unterstützten die Monarchie mehrheitlich, wo sie die Reichseinigung voranbrachte. Eigene monarchistische Strömungen gab es in der Arbeiterbewegung, Ferdinand Lassalle wagte sich hier bis zum Bruch mit der eigenen Bewegung an Otto von Bismarck als den entscheidenden Politiker der nationalen Einigung heran. Erst die Einigungskriege Preußens brachten die sozialistische Bewegung auf einen eindeutig antimonarchistischen Kurs. Klarer hatten sich die Kommunisten von Anfang an gegen den Monarchismus ausgesprochen. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges, der den deutschen Kaiser 1918 zur Abdankung und zur Emigration in die Niederlande zwang, verlor der Monarchismus in Deutschland an Boden, er gewann im selben Prozess jedoch eine von nun an neben dem Lokalpatriotismus zu notierende Perspektive als nationalistische Alternative zur Weimarer Republik.
Während der 1920er Jahre plädierten Anhänger des Hauses Hohenzollern für die Wiedereinführung der Monarchie, blieben aber unter den Entwicklungen, die die Weimarer Republik in die Diktatur des Dritten Reichs nahm, chancenlos. Das Dritte Reich verbot die monarchistischen Bewegungen, insbesondere da die Monarchie als Staatsform auf Rückhalt in der aus dem Adel rekrutierten alten Offizierselite hoffen konnte.