Paul Josten (* 16. Oktober 1883 in Krefeld; † 1974) war ein deutscher Nationalökonom, der von 1920 bis 1945 im Reichswirtschaftsministerium, von 1946 bis 1948 in westlichen Zonenverwaltungen tätig war.Rüther, Daniela (2003): Freiburger Nationalökonomen auf dem Weg in den Widerstand, Seite 77.
Leben Josten besuchte bis 1903 das Gymnasium in Krefeld und studierte im Anschluss an der Universität Bonn.Hilmar Schmuck, Willy Gorzny (Hrsg.): Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums 1700−1910. Band 70: Jol−Juk. KG Saur, München / New York / London / Paris, 1980, ISBN 3-598-30000-X, Seite 94. Das Diplom erhielt er an der Handelshochschule Köln, 1908 erfolgte seine Promotion zum Dr. jur. an der juristischen Fakultät der Universität Würzburg bei Georg von Schanz mit der Dissertation zum Thema Deutschlands Stellung im Welthandel.Paul Josten: Deutschlands Stellung im Welthandel. Eine wirtschaftspolitische Studie, Köln 1908
Nach längerem Aufenthalt in London und Oxford war er während des Ersten Weltkrieges bei der Kriegsrohstoffabteilung und zuletzt bei der Wirtschaftsabteilung des Oberkommandos in Kiew, übernahm dann die Leitung eines Bleibergwerks mit 1 500 Mitarbeitern, bevor er Ende 1919 vom Reichswirtschaftsministerium angefordert und Ende 1920 eingestellt wurde. Dort machte er rasch Karriere: 1920 Regierungsrat, 1923 Oberregierungsrat, 1924 Ministerialrat, zuständig für Preisangelegenheiten. Obgleich nicht Mitglied der NSDAPHelmut Macron (Hg), Heinrich Strecker (Hg): 200 Jahre Wirtschafts- und Staatswissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Leben und Werk der Professoren. Franz Steiner Verlag Stuttgart 2004 S. 510 ISBN 978-3-515-06657-0 blieb er bis April 1945 im Arbeitsstab Nord des Ministeriums in dieser Funktion, da es den führenden Beamten möglich war, „ungeachtet ihrer politischen Präferenzen“ „ein überparteiliches demokratisches Amtsethos“ aufrechtzuerhalten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er – zuletzt als Ministerialdirektor im Bundeswirtschaftsministerium – mit etlichen Sonderaufgaben betraut: So war er als stellvertretender Generalsekretär des Zonenbeirats in Hamburg, Preiskommissar im Länderbeirat Stuttgart, und Hauptabteilungsleiter II (Wirtschaftspolitik) der Verwaltung für Wirtschaft.
Historische Bedeutung Josten war als Ministerialrat einer der ranghöchsten liberal orientierten Beamten im Reichswirtschaftsministerium des Dritten Reiches. Ab November 1943 bekleidete er den Rang eines Hauptabteilungsleiters und ständigen Vertreters des Staatssekretärs Friedrich Landfried. Josten pflegte Kontakte zum Freiburger Kreis liberaler Wirtschaftsprofessoren, insbesondere zu Adolf Lampe. Sein politischer Einfluss war jedoch begrenzt, sein Versuch von 1938, den Kreis der späteren Ordoliberalen in die Politikgestaltung im nationalsozialistischen Berlin einzubringen, misslang.Daniela Rüther: Freiburger Nationalökonomen auf dem Weg in den Widerstand, Seite 77–78, 83–85. 1946 wurde Josten stellvertretender Geschäftsführer des Zonenbeirats in Hamburg und Preiskommissar beim Länderrat in Stuttgart, zwischen 1947 und 1948 war er Ministerialdirigent bei der Verwaltung für die Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebietes. 1949 wurde Josten namengebend für den sog. „Josten-Entwurf“ eines westdeutschen Wettbewerbsgesetzes. Dieses Papier basierte auf einer Ausarbeitung von 1946 mit dem Titel »Entwurf zu einem Gesetz zur Sicherung des Leistungswettbewerbs und zu einem Gesetz über das Monopolamt«. Es beinhaltete strikte Monopolkontrolle und ein strenges Kartellverbot.Eberhard Günther: Die geistigen Grundlagen des sogenannten Josten-Entwurfs, Seite 183–204.
Veröffentlichungen (Auswahl) Deutschlands Stellung im Welthandel. Eine wirtschaftspolitische Studie. (Dissertationsschrift), Greven & Bechtold, Köln 1908.
Literatur Daniela Rüther: Freiburger Nationalökonomen auf dem Weg in den Widerstand: Neue Erkenntnisse über die Rolle des »Professorenausschusses« von 1939. Historisch-Politische Mitteilungen 2003, H. Rüther 10, Seite 75–94. Eberhard Günther: Die geistigen Grundlagen des sogenannten Josten-Entwurfs, in: Wirtschaftsordnung und Staatsverfassung, hg. von Heinz Sauermann u. Ernst-Joachim Mestmäcker, Tübingen 1975, Seite 183–204.
Weblinks
Eintrag über Josten Dr., Paul in Archivportal-D Eintrag über Josten Dr., Paul in der Deutschen Digitalen Bibliothek
Einzelnachweise
Kategorie:Ökonom (20. Jahrhundert) Kategorie:Ministerialdirigent Kategorie:Ministerialrat (NS-Staat) Kategorie:Ministerialbeamter (Weimarer Republik) Kategorie:Ministerialdirektor (Bund) Kategorie:Preuße Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1883 Kategorie:Gestorben 1974 Kategorie:Mann