Sterne im Euro NCAP-Crashtest (1999) 105px Die Mercedes-Benz Baureihe 168 (W 168/V 168) war die erste Generation der Mercedes-Benz A-Klasse und wurde von 1997 bis 2004 produziert. Mit ihr wagte Mercedes-Benz den Einstieg in ein völlig neues Segment: kompakte, frontgetriebene Fahrzeuge mit hohem Alltagsnutzen. Innerhalb der Markenhistorie gilt die Baureihe als ungewöhnlich mutiges Konzept, das bewusst mit traditionellen Mercedes-Limousinen brach und dadurch sowohl Begeisterung als auch Skepsis auslöste.

Technisch prägend war das Sandwichboden-Konzept, das den Antrieb schräg unter der Fahrgastzelle platzierte und so eine ungewöhnlich hohe Sitzposition bei gleichzeitig kompakten Außenmaßen ermöglichte. In Kombination mit der variablen Innenraumgestaltung entstand ein für die damalige Zeit außergewöhnlich flexibles Raumkonzept, das besonders im urbanen Einsatz seine Stärken ausspielte. Internationale Aufmerksamkeit erhielt das Modell zudem durch den Elchtest, der zur konstruktiven Überarbeitung des Fahrwerks und zur frühen, serienmäßigen Einführung des Elektronischen Stabilitätsprogramms (ESP) führte; ein Sicherheitsmerkmal, das später im gesamten Volumensegment zum Standard wurde.

Die Baureihe wurde als W 168 sowie ab 2001 auch als Langversion V 168 in den Werken Rastatt und Juiz de Fora (Brasilien) gefertigt und erreichte eine Gesamtproduktion von über 1,1 Millionen Fahrzeugen.

Die Motorenpalette reichte von sparsamen Vierzylinder-Ottomotoren mit 1,4 und 1,6 Litern sowie 1,9 Litern Hubraum bis zu Dieselmotoren mit 1,7 Litern Hubraum. Eine besondere Rolle innerhalb der Modellpalette nahm der A 210 EVOLUTION ein, der mit vergrößertem Hubraum, sportlicher Abstimmung und eigenständiger Optik als dynamischste Serienvariante der Baureihe positioniert war und heute als Liebhabermodell gilt. Ergänzend entstanden weitere vereinzelte Sonder- und Sportvarianten, darunter der A 38 AMG mit 3,8 Litern Hubraum, der als Extremstudie die Grenzen des Plattformkonzepts demonstrierte und heute als Kuriosum gilt.

Vorgeschichte Entgegen einem verbreiteten Vorurteil beschäftigte sich Mercedes-Benz bereits früh mit kompakten Fahrzeugkonzepten. Schon die Typen 8/18 ab 1911 sowie der Mercedes 6/25/40 PS von 1924 galten in ihrer jeweiligen Zeit als vergleichsweise kleine Automobile.

Nach der Gründung der Daimler-Benz AG entstanden mehrfach Entwürfe für kleinere Fahrzeugklassen. Sowohl Ferdinand Porsche als auch sein Nachfolger Hans Nibel arbeiteten an kompakten Fahrzeugkonzepten. Der Konstrukteur Josef Müller entwickelte später eine Kleinserie von zwölf Fahrzeugen mit 1,2-Liter-Motor.

In den 1930er Jahren folgten mit dem Typ 130 und dem Typ 120 H weitere kompakte Modelle. 1935 entstand zudem mit dem W 144 ein Prototyp mit Frontantrieb, der jedoch nicht in Serie ging und später vernichtet wurde.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden kleinere Fahrzeugkonzepte untersucht. Ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt war das NAFA („Nahverkehrsfahrzeug“) von 1981, ein kompakter Stadtwagen mit besonders platzsparendem Konzept. Zahlreiche Ideen dieses Projekts gelten heute als konzeptionelle Vorläufer der späteren A-Klasse.

Marktsituation und Zielsetzung Mit der Gründung der damaligen Mercedes-Benz AG im Jahr 1989 trieben die Vorstände Jürgen Hubbert (zuständig für Pkw) und Dieter Zetsche (Entwicklungschef für Pkw, sales and marketing) die komplette Erneuerung des Programms voran, die auch eine Modelloffensive umfassen sollte.

Zukunft der Marke Mercedes-Benz baute vornehmlich Limousinen der Oberklasse, der oberen Mittelklasse und ab 1982 mit dem 190er der Mittelklasse. Das konservative Markenimage der Mercedes-Benz-Pkw führte dazu, dass ihre Käufer im Durchschnitt immer älter wurden. Nach den Worten von Markenvorstand Jürgen Hubbert war der Hersteller „auf dem besten Weg, in eine Positionierungsfalle zu tappen. Hätten wir uns mit den kleinen Stückzahlen der S-Klasse (49.996 im Jahr 1996) zufriedengegeben, wären wir in die Rolls-Royce-Ecke geraten; ein existenzielles Problem für das gesamte Unternehmen“.

Ökologische Aspekte Mercedes-Benz besaß den damals zweitgrößten deutschen Elektrokonzern AEG. Die Version der A-Klasse als Elektroauto wurde bis 1997 weiterentwickelt. Die Kapazität der zusammen mit AEG entwickelten Zebra-Batterie betrug 30 kWh und ermöglichte eine Reichweite von 125 Meilen bzw. 200 km sowie eine (abgeregelte) Höchstgeschwindigkeit von 80 mph/128 km/h.Prospekt der Daimler-Benz AG, 12/1997: The A-Class Electric Vehicle, Powered by the ZEBRA Battery System PDF-Prospekt, aufgerufen am 23. Januar 2012 Aus wirtschaftlichen Gründen wurde die Version mit Elektroantrieb nicht in die Serienfertigung übernommen.

Auch wurde in Kalifornien durch die CARB das Clean Air Act und Zero Emission Mandate ausgearbeitet und 1990 als Gesetz verabschiedet. Es sollte die Automobilhersteller zwingen, schrittweise emissionsfreie Automobile einzuführen. Kalifornien als bevölkerungsreichster Bundesstaat der USA und einer der größten Absatzmärkte für Automobile weltweit übte somit Druck auf die Hersteller aus. Dies führte nicht nur zur Entwicklung und Produktion des General Motors EV1, sondern beeinflusste die Fahrzeugentwicklungen aller großen Automobilhersteller. Die Antriebsvariante mit Elektromotor wurde daher vor allem in den USA erprobt und war in Europa weitgehend unbekannt. Nach Lockerung der kalifornischen Gesetzgebung wurden die Vorbereitungen der Serienproduktion der Elektroversion der A-Klasse aus wirtschaftlichen Überlegungen eingestellt.

Raumökonomie Weitere Gründe für den Einstieg in die Kompaktklasse waren die veränderten Verkehrsverhältnisse verglichen mit früheren Jahrzehnten (zunehmende Verkehrsdichte in den Innenstädten, Parkplatznot, lange Staus) und damit einhergehend veränderte Bedürfnisse der Kunden.

Entwicklung Studien mini|Evolution von „NAFA“ über die „Studie A“ zur A-Klasse (von rechts nach links) Eine Vorgabe lautete: Mit geringen Außenabmessungen ein Auto anzubieten, das dennoch ein „richtiger“ Mercedes ist, was Solidität und Komfort [anbelangt].Werner Walz, Harry Niemann: Daimler-Benz: wo das Auto anfing - Seite 228, 1997 Der Durchbruch kam mit der Erfindung des Sandwich-Konzeptes 1991, wodurch die Studie A möglich wurde. Schon damals wurde parallel zum Prototyp mit Verbrennungsmotor ein Prototyp mit Elektroantrieb entwickelt. Vorgestellt wurde die Studie A erstmals auf der IAA im September 1993. Doch schon ab Juni 1992 wurde intern die Serienproduktion vorgeplant und parallel zur Prototypenentwicklung vorangetrieben., Tübingen 2003 80 bzw. 95 Prozent der befragten Messebesucher der IAA 1993 bzw. Tokyo Motor Show 1994 befürworteten einen kleinen Mercedes-Benz in der Art dieses Konzeptfahrzeuges. Dieses Ergebnis führte zu einer schnellen Entscheidung des Daimler-Benz-Vorstands für die Serienfertigung. Im August 1994 konnte bereits der erste Prototyp unter Alltagsbedingungen getestet werden.

Design Um den Anspruch auf Innovation und Jugendlichkeit zu unterstreichen, wurden bei der Mercedes A-Klasse neue Wege beschritten und ein Fahrzeug entwickelt, das sich wesentlich von ähnlichen Modellen der Konkurrenz unterschied. Von den verschiedenen Skizzen wurden jene von Steve Mattin ausgewählt, die dann durch den Chefdesigner Bruno Sacco überarbeitet wurden.

Das äußere Erscheinungsbild zeichnete sich durch klare Linien, eine kompakte Silhouette und eine sportive Note aus. Die Karosserie wies eine aerodynamisch effiziente Form auf, die durch sanft geschwungene Linien und einen neuartigen Kühlergrill mit dem bekannten Mercedes-Stern im Zentrum geprägt war.

Die konzeptionelle Neuartigkeit sollte durch die Gestaltung des Interieurs und der angebotenen Fahrzeuglackierungen betont werden. Viele Farben waren eigens für das Modell entwickelt worden.

Während in der Ausstattungslinie „Classic“ Cockpitblenden und Stoffe je in vier Farben auswählbar waren, waren es in der Ausstattungslinie „Elegance“ nur die Cockpitblenden und in der Ausstattungslinie „Avantgarde“ keine, dort waren die Cockpitblenden erst anthrazit lackiert, ab Mitte 1999 grau beledert.

Präsentation und Reaktion Auf der Frankfurter IAA im September 1995 wurde das Innenraumkonzept der A-Klasse präsentiert. Die Gesamtlänge des Fahrzeugs ist gegenüber der Studie mittlerweile um 225 Millimeter gewachsen. Das Platzangebot vergrößerte sich weiter, insbesondere im Kofferraum.

Auf dem Genfer Auto-Salon im März 1997 stellte Mercedes die A-Klasse offiziell vor. Zwei Ottomotoren mit 1,4 l bzw. 1,6 l Hubraum standen zur Auswahl. Der Verkauf startete acht Wochen später im Mai 1997 und im Oktober stand der Wagen bei den Händlern. Die A-Klasse war auch als Innovationsträger konzipiert und wurde daher beworben als „Ein starkes Stück Zukunft“. Zwischen März und Oktober 1997 wurde das neue Mercedes-Modell auf der „A-Motion-Tour“ genannten Marketingveranstaltung in 20 europäischen Städten der Öffentlichkeit vorgestellt. Am 15. Oktober 1997 endete diese im Werk Rastatt, wo das Modell auch gefertigt wurde. Insgesamt sahen etwa 500.000 Menschen an 185 Tagen die Show der „A-Motion-Tour“.

Die Ausweitung der Zielgruppe von Mercedes wurde von Ferdinand Piëch als Angriff auf das Portfolio der Volkswagen Group gewertet, die mit einer Luxusstrategie und später auf die A-Klasse auch direkt mit dem Audi A2 reagierte.https://driventowrite.com/2017/05/16/1997-mercedes-a-class-w168-profile/

Modellentwicklung 18. Oktober 1997: Markteinführung der A-Klasse mit den Motorisierungen A 140 und A 160 21. Oktober 1997: Durchführung des Elchtests durch eine schwedische Automobilzeitschrift 11. November 1997: Produktionsstopp 26. Februar 1998: Wiederaufnahme der Produktion August 1998: Einführung der Motorisierungen A 160 CDI und A 170 CDI Mai 1999: Einführung der Motorisierung A 190, erste kleine Modellpflege mit Aufwertung der Ausstattungslinien, Änderung Stern auf dem Lenkrad. September 2000: zweite kleine Modellpflege: u. a. Modifizierung des Griffs an der Heckklappe, Edelstahlapplikation in der Einstiegsleiste März 2001: große Modellpflege; neu im Programm: die „verlängerte“ A-Klasse (V 168), die zusätzliche Länge von 170 mm kommt (verstellbar) den Fondpassagieren oder dem Kofferraum zugute. 2002: Einführung des A 210 Evolution (Stückzahl 2629 Einheiten)

Farben Bei Markteinführung waren folgende Farben verfügbar: Tiefseeblau, Mondsilber, Glutrot, Meteorgrau, Kaskadenblau, Vulkanrot, Dschungelgrün, Schneeweiß, Oasengrün, Floraviolett.

Beispiele einiger Unilacke:

Beispiele einiger Metalliclacke:

Höhere Positionierung Obwohl das Fahrzeug anfangs polarisierte und modern sowie designorientiert positioniert wurde, sprach es aufgrund seiner Fertigungsqualität, seiner hohen Sitzposition mit guter Rundumsicht und der Praktikabilität alle Altersgruppen an und wurde ein großer Erfolg, insbesondere bei zahlungskräftigen Kunden. Mercedes reagierte mit einer breiteren Palette an gehobeneren Ausführungen: Im Oktober 1998 die auf 250 Fahrzeuge limitierten „Edition Häkkinen“ und „Edition Coulthard“, das AMG Optik-Paket und die kleine Modellpflege 1999, der stärkeren Motorisierung A 190, den optionalen Einzelsitzen im Fond und mit der Aufwertung der Elegance-Ausstattung und der Avantgarde-Ausstattung. Auch die Farben wurden gewechselt: Schrille Töne wie Kaskadenblau, Oasengrün und Floraviolett wurden ersetzt durch Atollblau, Nachtschwarz und Novaviolett.

Modellpflege im März 2001