Die Einheitsfront der Zahnärzte wurde am 24. Juni 1933 von 38 führenden deutschen Zahnarztprofessoren in Leipzig auf Initiative des späteren Reichszahnärzteführers Ernst Stuck gegründet, um sich dem nationalsozialistischen „Führerprinzip“ zu verpflichten. Mit dieser Erklärung bestätigten die Anwesenden Stuck in seiner Führerrolle. Zudem wurde Otto Loos zum zahnärztlichen Reichsdozentenführer bestimmt.Dominik Groß, , Zahnärztliche Mitteilungen, 110, Nr. 7, 1. April 2020, S. 74–76. Abgerufen am 23. Oktober 2020. Alle Heilberufe – also Ärzte, Apotheker, Zahnärzte und Dentisten – wurden in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) eingegliedert.
18 Mitglieder waren bereits im Frühjahr 1933 der NSDAP beigetreten, neun folgten in den späteren Jahren. Fünf traten der SS bei, neun der SA. 14 Mitglieder waren auch Mitglieder des Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbunds, neun der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, acht des Nationalsozialistischen Lehrerbunds, acht des Reichsluftschutzbundes, sieben des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebunds, vier des Nationalsozialistischen Altherrenbunds (NSAHB), drei des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps und zwei der Hitlerjugend (HJ). Es wurden drei Mitgliedschaften im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund und je eine Mitgliedschaft im Nationalsozialistischen Fliegerkorps, im Reichskolonialbund (RKB) und im Reichsbund der Deutschen Beamten (RDB) festgestellt.
Das Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat folgte am 11. November 1933 zur Feier der „nationalsozialistischen Revolution“ des Jahres auf einer Festveranstaltung im Krystallpalast in Leipzig als Gelöbnis von etwa 900 deutschen Gelehrten, darunter die Zahnmediziner Hans Fliege, Edwin Hauberrisser, Hans Rebel und Joachim von Reckow.
Mitglieder Name Geboren HochschulrangGeorg Axhausen1877 ordentlicher ProfessorWilhelm Dieck1867ordentlicher ProfessorHermann Euler1878ordentlicher ProfessorHeinrich Fabian1889außerordentlicher ProfessorKarl Falck1884außerordentlicher ProfessorCarl Fritsch1882außerordentlicher ProfessorKarl Greve1897außerordentlicher ProfessorKarl Hauenstein1887außerordentlicher ProfessorHans Heinroth1895ordentlicher ProfessorAlexander Albin Hentze1871ordentlicher ProfessorEmil Herbst1872außerordentlicher ProfessorEduard Hille1873außerordentlicher ProfessorOtto Hübner1876außerordentlicher ProfessorRudolf Kleeberg1892PrivatdozentAdolf Klughardt1886ordentlicher ProfessorPeter Paul Kranz1884außerordentlicher ProfessorOtto Loos 1871ordentlicher ProfessorRudolf Müller1886ordentlicher ProfessorJosef Münch1894außerordentlicher Professor Name Geboren HochschulrangHermann Peckert1876ordentlicher ProfessorHeinrich Pfaff1870ordentlicher ProfessorEduard Precht1893außerordentlicher ProfessorFriedrich Wilhelm Proell1881ordentlicher ProfessorHans-Hermann Rebel1889ordentlicher ProfessorJohannes Reinmöller1877 ordentlicher ProfessorMatthäus Reinmöller1886außerordentlicher ProfessorOskar Römer1866ordentlicher ProfessorWolfgang Rosenthal1882außerordentlicher ProfessorCurt Scheidt1901PrivatdozentHans Schlampp1900PrivatdozentKarl Friedrich Schmidhuber1895PrivatdozentFriedrich Schoenbeck1878außerordentlicher ProfessorHermann Schröder1876ordentlicher ProfessorEugen Wannenmacher1897außerordentlicher ProfessorRudolf Weber1894außerordentlicher ProfessorPaul Gerhard Weissenfels1890 außerordentlicher ProfessorPaul Wustrow1890ordentlicher ProfessorKarl Zilkens1876ordentlicher Professor
Für die Mehrheit der Mitglieder der Einheitsfront der Zahnärzte erwies sich die Teilnahme als karrierefördernd. Die Gruppe der jüngeren Hochschullehrer (unter 40) und diejenigen, die der SS und der NSDAP beigetreten waren, profitierten mehr als die anderen. Karriere-Rückschläge wurden vor allem von Dozenten erlebt, die entweder später als politisch unzuverlässig angesehen wurden oder – obwohl sie Nationalsozialisten waren – innerhalb der NSDAP in Machtkämpfe gerieten. Wer im Dritten Reich seine Karriere ausweiten konnte, fand nach der Entnazifizierung auch wieder den Weg zum Erfolg im Nachkriegsdeutschland.
Siehe auch Zahnmedizin im Nationalsozialismus
Literatur Lisa A. Bitterich, Dominik Groß: Die Angehörigen der „Einheitsfront der Zahnärzte“ im „Dritten Reich“ und nach 1945. In: Sudhoffs Archiv. Bd. 104 (2020), Heft 1, S. 101–132,
Einzelnachweise
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