Hexenlager in Nalerigu|mini mini|220px|Still aus dem Film The Witches of Gambaga, produziert von Amina Mama, 2010 Ein Hexenlager (engl. witch camp, dt. auch Hexendorf) ist in Ghana eine Zufluchtsstätte für Opfer der modernen Hexenverfolgung.

Kultureller Hintergrund Zur traditionellen Religion in Ghana gehört in manchen Gegenden auch der Hexenglaube. Frauen werden dort schon lange aus verschiedenen Gründen der Hexerei beschuldigt. Man nimmt an, dass einige Lager bereits seit über 100 Jahren bestehen.

Viele Frauen sind Witwen. Es wird vermutet, dass Verwandte sie der Hexerei beschuldigten, um sich den Besitz der verstorbenen Männer anzueignen. Viele Frauen sind auch psychisch krank, ein in Ghana wenig verstandenes Problem.

Im Norden Ghanas gibt es zahlreiche Hexenlager, in denen insgesamt etwa 1000 Frauen und Kinder leben: Gambaga, Gushiegu, Gbintiri, Nabule, Gushiegu Ghetto, Gushiegu Town, Kpatinga, Tindang/Gnani, Kukuo, Duabone, Banyasi und Nalerigu. In Gambaga erhalten die Frauen den Schutz des örtlichen Häuptlings und arbeiten dafür auf seinen Feldern. Das Hexenlager in Gambaga wurde durch den Film The Witches of Gambaga, produziert von Amina Mama aus dem Jahr 2010 bekannt.

Aktivisten in Ghana berichten, die Zahl der Ausgestoßenen in den Hexenlagern habe zugenommen und die Lebensmittelversorgung sei unzureichend.

Die offizielle ghanaische Politik zur Schließung der Lager und Rückansiedelung der geflüchteten Frauen (Resettlement) war Nichtregierungsorganisationen zufolge bislang erfolglos.Felix Riedel: Failing State-Interventions and Witch Hunts in Ghana 2017 (englisch).

Rechtsschutz Eine „wohlbegründete Furcht vor (Hexen-)Verfolgung“ kann ein Fluchtgrund im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention sein.Jill Schnoebelen: Witchcraft allegations, refugee protection and human rights: a review of the evidence UNHCR Research Paper Nr. 169, 2009 (englisch). Durch einen Umzug in andere Landesteile Ghanas könne gesellschaftlichem Druck und Verfolgung wie Genitalverstümmelung oder Hexenverfolgung jedoch ausgewichen werden, wenngleich dies angesichts weitverzweigter Verwandtschaftsbeziehungen keine völlige Sicherheit biete.Asylgerichtshof, Erkenntnis vom 20. Oktober 2009 - A14 228939-0/2008

Ghana gilt nach deutschem Asylrecht als sicherer Herkunftsstaat.

Literatur Leo Igwe: The Witch is not a Witch: The Dynamics and Contestations of Witchcraft Accusations in Northern Ghana. Univ.-Diss., Bayreuth 2016 (englisch). Baba Iddrisu Musah: Ambivalence of Culture in Ghana’s Alleged Witches’ Camps. A Micro-Level Approach to Human Rights. Univ.-Diss., Gießen 2019. Nomos-Verlag, 2020. ISBN 978-3-8487-6590-4. Leseprobe (englisch).

Weblinks Felix Riedel: Ghana: Die Hexenjagdflüchtlinge von Gushiegu Die Zeit, 13. Juli 2011. Hexendörfer in Ghana: „Sie sind nicht mehr Mutter, Tochter, Ehefrau“ FAZ, 13. April 2013.

Einzelnachweise

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