mini|hochkant=1.4|Nordfassade des Schlosses Vigny mini|hochkant=1.4|Schlossansicht von Süden

Das Schloss Vigny () ist eine neugotische Schlossanlage in der französischen Gemeinde Vigny des Départements Val-dʼOise. Sie ging aus einem Herrenhaus () des 14. Jahrhunderts hervor, das zu Beginn des 16. Jahrhunderts von Georges d’Amboise durch ein Renaissanceschloss ersetzt wurde.

Im Laufe seiner Geschichte gehörte die Anlage einigen der mächtigsten Familien Frankreichs, darunter Mitgliedern der Häuser Amboise, Montmorency und Rohan. Diese empfingen dort hochgestellte Persönlichkeiten wie die Könige Heinrich II. und Ludwig XIII. sowie Kardinal Richelieu. Durch den Grafen Philippe Vitali, prince de SantʼEusebio, ab 1888 im Stil der Neugotik erstmals instand gesetzt und verändert, wird die in ihrer Substanz stark bedrohte Schlossanlage seit 2018 durchgreifend restauriert und saniert. Die Arbeiten werden dabei mit Mitteln der öffentlichen Hand, Lotterien, Spenden und durch die Unterstützung von Denkmalinstitutionen gefördert. Damit sollen sowohl das seit dem 28. Dezember 1984 als eingeschriebenes Monument historique () eingestufte Schloss als auch sein Park, der am 27. April 1988 in das französische Denkmalinventar aufgenommen wurde, dauerhaft gerettet werden.

Geschichte Anfänge Eine Seigneurie Vigny existierte bereits im 13. Jahrhundert, aber erst für 1337 ist auch ein dortiges Herrenhaus verbürgt. In jenem Jahr verzichtete Éloi (auch Eloit) de Loudon, genannt Souillart, Sohn und Erbe der Jeanne la Crespelle, auf seine Rechte am Manoir in Vigny. Später war die Seigneurie im Besitz der Familie Courcelles. Alten Chroniken zufolge soll sie während des Hundertjährigen Krieges dann an Richard Marbury, einen Gefolgsmann von John of Lancaster, erstem Herzog von Bedford, gekommen sein. Seine Kinder aus der Ehe mit Jeanne de La Croix verkauften den Besitz 1501 an Louis de Hédouville, Seigneur von Sandricourt und 1495 Bailli sowie Gouverneur von Blois. Nach dessen Tod veräußerte seine Witwe Françoise de Rouvray Manoir und Land am 16. November 1504 an Kardinal Georges d’Amboise weiter.

Die Familien Amboise und Montmorency mini|hochkant|Georges dʼAmboise legte den Grundstein für das heutige Schloss; Porträt aus dem 16. Jahrhundert

Der erste Minister Ludwigs XII. ließ in Vigny ein Schloss errichten, das in seiner Grunddisposition als geschlossene Vierflügelanlage noch an mittelalterliche Wehranlagen erinnerte, doch zugleich schon erste Elemente der französischen Renaissance zeigte. Dabei ist nicht sicher, ob Georges d’Amboise ein bestehendes Gebäude aus- bzw. umbauen oder einen kompletten Neubau errichten ließ. Möglicherweise war der Schlossbau schon, kurz bevor der Kardinal neuer Seigneur wurde, begonnen worden. Bekannt ist, dass er sich gerne nach Vigny zurückzog, um Abstand von den politischen Geschäften und dem französischen Königshof zu gewinnen. Zur selben Zeit vollendete Georgesʼ Neffe Charles II. d’Amboise den Neubau des Schlosses Chaumont an der Loire, das vermutlich Modell für die Anlage in Vigny gestanden hat, denn die beiden Schlösser weisen große Ähnlichkeiten auf. Bei Georgesʼ Tod im Jahr 1510 waren die Bauarbeiten in Vigny noch nicht abgeschlossen, und so oblag es seinem Erben Georges II. d’Amboise, den Schlossbau zu beenden. Er vergrößerte den Landbesitz durch Zukäufe umliegender Ländereien und erwarb im Jahr 1541 das benachbarte hinzu. Er starb 1550 im Schloss und hinterließ es seiner Schwester Renée dʼAmboise, welche die Anlage am 23. Juni 1555 für 50.000 Livres an Anne de Montmorency, Connétable von Frankreich, verkaufte. Dessen Devise Aplanos (auf Deutsch in etwa „standhaft, beständig, gradlinig“) findet sich über dem Hauptportal. Sie war (vermutlich in der Regierungszeit Ludwigs XIV.) entfernt worden, um an dieser Stelle einen Balkon anzubringen. Bruchstücke der Inschrift und des Montmorency-Wappens wurden Ende des 19. Jahrhunderts im Schlossgraben gefunden und für die heutige Rekonstruktion verwendet.

Die Familien Lévis und Rohan Anne de Montmorency vermachte das Schloss seiner Frau Madeleine de Savoie, der es bis zu ihrem Tod im Jahr 1586 gehörte. Dann ging es an den dritten Sohn des Paares, Charles, bei dessen kinderlosem Tod 1612 es sein Neffe Henri II. de Montmorency, Admiral von Frankreich, erhielt. Allerdings besaß Charlesʼ Witwe Renée de Cossé ein lebenslanges Nießbrauchrecht, sodass Henri II. erst nach ihrem Tod 1622 die Verfügungsgewalt über die Anlage erhielt. Wegen seiner Beteiligung an einem Aufstand gegen Kardinal Richelieu wurde er 1632 in Toulouse hingerichtet und seine Güter von der Krone eingezogen. Henris Schwester Marguerite, verwitwete Herzogin von Ventadour, erhielt Vigny aber im März 1633 vom König zurück. Sie vermachte das Schloss bei ihrem Tod 1660 ihrem Drittgeborenen François Christophe de Lévis-Ventadour. Weil dieser aber schon im Jahr darauf unverheiratet starb, ging das Erbe an Louis-Charles de Lévis, den Sohn von François Christophes älterem Bruders Charles. Der Erbe war zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig und stand unter der Vormundschaft seiner Mutter Marie de La Guiche. Bis ihr Sohn die Verwaltung seiner Güter selbst übernahm, nannte sie sich .

mini|Vigny und sein Schloss im Trudaine-Atlas, 1745–1780

Louis-Charlesʼ einzige Tochter Anne-Geneviève aus der Ehe mit Charlotte de La Mothe-Houdancourt heiratete 1691 Louis-Charles de La Tour d’Auvergne, prince de Turenne, und erhielt das Schoss Vigny als Mitgift. Nach dem frühen Tod ihres ersten Mannes heiratete sie in zweiter Ehe Hercule Mériadec de Rohan und hinterließ Vigny bei ihrem Tod 1727 ihrem Enkel Charles de Rohan, Fürst von Soubise, dem ältesten Sohn ihres bereits verstorbenen Sohnes Jules Francois Louis de Rohan. Nur ein Jahr vor ihrem Ableben hatte sie im Schloss noch eine neue Kapelle einrichten lassen. Charles war zum Zeitpunkt der Erbschaft erst elf Jahre alt und seine Eltern zwei Jahre zuvor beide an den Pocken gestorben; deshalb wurden Schloss und Herrschaft Vigny vorerst von seinem Großvater Hercule-Mériadec verwaltet. Aber auch nach dem Erreichen seiner Mündigkeit hielt sich Charles nur sehr selten in Vigny auf, denn er bevorzugte als Aufenthaltsort das neuere und komfortablere Schloss Roberval, das er von seinem Großvater geerbt hatte. Wegen hoher Schulden musste er das Nießbrauchrecht am Schloss in Vigny 1759 an Jean-Baptiste Yvel verkaufen. Dieser überließ die Anlage aber Charlesʼ Tochter Victoire Armande Josephe zur Nutzung. Sie zog sich dorthin zurück, nachdem sie und ihr Mann Henri Louis Marie de Rohan durch ihren völligen Bankrott einen Skandal in Paris ausgelöst hatten. Das Paar hatte deshalb 1782 den Hof verlassen und alle Hofämter abgeben müssen. Zu jener Zeit waren die Schlossgebäude schon stark heruntergekommen und die Schlosskapelle bereits nicht mehr genutzt und leergeräumt.

In bürgerlicher Hand und Wiederherstellung im Stil der Neugotik Als Jean-Baptiste Yvel 1788 starb, gelangte das Nießbrauchrecht am Schloss nicht wieder zurück an die Eigentümer, denn schon im Jahr 1782 hatte Charles de Rohan dieses Recht gegen 100.000 Livres für die Zeit nach Yvels Tod an Pierre Nicolas Comynet und seine Frau verkauft. Erst nach Comynets Tod 1817 konnte die Familie Rohan wieder vollständig über die Schlossanlage verfügen. Eigentümer waren zu jenem Zeitpunkt zu je gleichen Teilen Louis VI. Henri Joseph de Bourbon, prince de Condé, und Louise-Adélaïde de Bourbon-Condé, die beiden Kinder von Charlesʼ Tochter Charlotte aus ihrer Ehe mit Louis V. Joseph de Bourbon, Fürst von Condé, sowie Marie Louise Joséphine de Rohan, eine Tochter Victoires, und Berthe Antoinette Aglaé de Rohan-Guéméné, eine Enkelin Victoires. Da die Ländereien der Seigneurie nicht so aufgeteilt werden konnten, dass sie den vier gleichen Anteilen ihrer Eigentümer entsprachen, wurden Schloss und Herrschaft 1822 versteigert. Die Schlossanlage brachte dabei 131.000 Francs, für die anderen Besitzungen kamen noch einmal 574.000 Francs zusammen, sodass sich der Verkausferlös auf insgesamt 705.000 Francs belief. Neue Eigentümer wurden Louis François Xavier Declercq und das Ehepaar Lefebvre, denen je eine Hälfte gehörte. Eine Beschreibung der Schlossanlage aus jener Zeit beweist, dass ihr damals bereits einer der ursprünglichen sechs Türme fehlte. Vermutlich war er absichtlich niedergelegt worden, um den wehrhaften Charakter zu mildern.

mini|Schloss Vigny nach den Bauarbeiten unter Philippe Vitali

Am 30. Dezember 1829 erwarben Armand Meriadec Benjamin de Rohan-Rochefort, Sohn des Fürsten von Rochefort, und Berthe Antoinette Aglaé de Rohan-Guéméné den Besitz für die Familie Rohan zurück. Der Kaufpreis betrug 700.000 Francs. Berthe lebte bis zu ihrem Tod im Jahr 1841 im Schloss und hinterließ es ihrem Mann, der 1846 verstarb. Schon am 20. November 1844 war das Schloss samt Park für 265.000 Francs an Victoire Alexandrine Legrand, geborene Caffin, veräußert worden. Sie hinterließ es ihrer gleichnamigen Tochter, einer verheirateten Madame Touchard, die es in zwei Teilen am 7. Juni 1855 und am 26. Juli 1856 für insgesamt 270.000 Francs dem Pariser Bankier Paul Lambert Louis Poictevin verkaufte. Von diesem erwarb es am 8. November 1867 der Graf Philippe Vitali, prince de Sant’Eusebio, für 280.000 Francs. Vitali hatte als Unternehmer im Eisenbahnsektor ein stattliches Vermögen gemacht und ließ das verwahrloste Schloss von dem Architekten und Viollet-le-Duc-Schüler Charles Henri Cazaux im neogotischen Stil restaurieren. Ab 1888 wurde dabei nicht nur alte Bausubstanz saniert, sondern es wurden auch ruinöse Teile niedergelegt und durch neue Bauten ersetzt. Unter Philippe Vitali entstanden so die neugotische Kapelle am Westende des Nordflügels (dort, wo man gemäß einer Schlossbeschreibung aus dem Jahr 1660 die erste Schlosskapelle vermutete) und der wuchtige Donjon-Nachbau am Südende des Ostflügels. 1894 folgten die zwei Pavillons am Eingang des Schlossgeländes, nachdem bereits zwei Jahre zuvor das Gärtnerhaus restauriert worden war. Der Graf ließ auch die zum Teil eingebrochenen und verlandeten Wassergräben wiederherstellen. Dabei wurden die Reste zweier mittlerweile verschwundener Schlossflügel gefunden. Die Arbeiten dauerten noch bis mindestens 1905, denn in jenem Jahr erfolgte die Wiederherstellung des Kutscherhauses. Sie gaben der Anlage ihr heutiges Aussehen. Die Innenräume erhielten eine Ausstattung mit neuester Technik und eine Einrichtung mit Möbeln, die teilweise aus dem 15. bis 17. Jahrhundert stammten. Der neue Schlossherr forstete zudem den Schlosspark wieder auf und vergrößerte den zum Schloss gehörenden Landbesitz, sodass dieser schließlich eine Größe von etwa 3800 Hektar hatte.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts