Die St.-Peter-und-Paul-Kirche in Kozłowo () ist ein Bauwerk aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sie war bis 1945 zentrales Gotteshaus des evangelischen Kirchspiels Klein Koslau (1938 bis 1945 Kleinkosel, polnisch Kozłówko) im ostpreußischen Kreis Neidenburg und ist heute römisch-katholische Pfarrkirche in Kozłowo in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Kozłowo liegt an der Woiwodschaftsstraße 545 zwischen den Städten Nidzica (Neidneburg) und Działdowo (Soldau) im Powiat Nidzicki (Kreis Neidenburg). Das Dorf ist zugleich Bahnstation an der Bahnstrecke Działdowo–Olsztyn ().
Der Standort der Kirche befindet sich in der ulica Kościelna auf dem Dorfanger der einst Klein Koslau bzw. Kleinkosel (Ostpr.) genannten Ortsstelle Kozłówko.
Kirchengebäude Eine Kirche soll es in Koslau bereits in vorreformatorischer Zeit gegeben haben, nachdem der Ort bereits im Jahre 1328 Erwähnung fand.Kozłowo - Koslau bei ostpreussen.net Jedoch erst im Jahre 1692 findet sich ein Bericht über eine Dorfkirche, der das damalige evangelische Gotteshaus als sehr baufällig und einsturzgefährdet beschreibt.Kreisgemeinschaft Neidenburg: Amtsbezirk Kleinkosel
In den Jahren 1733 bis 1738 entstand ein Kirchenneubau,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 126, Abb. 587 dem die Pläne des preußischen Landbaumeister Johann Caspar Hindersin zugrunde lagen.Kreisgemeinschaft Neidenburg: Kirche Klein Koslau Es wurde ein rechteckiger Saalbau errichtet mit einer Fläche von „60 × 35 Fuß“1 preußischer Fuß entspricht etwa 31,5 cm bei einer Höhe von „20 Fuß“ aus verputzten Ziegelsteinen. An den Längswänden waren je fünf rechteckige (später: rundbögige) Fenster angebracht.
Eine flache Decke überspannte die Kirche, die Wände waren geweißt. Der vorherige Südeingang wurde mit dem Turmbau durch einen Westeingang ersetzt. Der Kanzelaltar war eine Arbeit aus dem Jahre 1844. Er war ohne Malerei und Schnitzwerk. Auf des Taufschale aus Messing war der biblische Sündenfall dargestellt.
Im Jahre 1763 erwarb die Kirchengemeinde für 45 Taler ein Orgelpositiv mit sieben Registern aus der Kirche in Heinrichsdorf (polnisch Płośnica). Es wurde von Orgelbaumeister Scheffler aus Usdau (polnisch Uzdowo) überarbeitet und musste 1848 erneut repariert werden.
Das Geläut bestand aus zwei Glocken, die 1848 Johann Groß, der letzte Glockengießer in Königsberg (Preußen), goss. Ihre Last beim Läuten in einem Dachreiter über der Gebäudemitte bedrohte die Stabilität des Kirchendachs, ein westlicher niedriger Holzturm trat später an seine Stelle, der auch den Eingang zur Kirche bildete und um 1900 durch einen höheren Turm ersetzt wurde.
Die Kirche überstand die Weltkriege. Nach 1945 wurde das evangelische Gotteshaus der römisch-katholischen Kirche übereignet, die es den Aposteln Petrus und Paulus widmete und das Innere baulich den veränderten liturgischen Bräuchen anpasste. Seit 1972 ist es wieder eine Pfarrkirche.Erzbistum Ermland: Parafia Kozłowo (polnisch) ohne|mini|Höhenmarke der Königlich Preußischen Landesaufnahme an der Kirche in Kozłówko
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Die Gründung der Kirche in Koslau erfolgte wohl bereits in vorreformatorischer Zeit. Bereits in der Mitte des 16. Jahrhunderts amtierten hier lutherische Geistliche.Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 64–65 1725 wurden die Kirchengemeinde Klein Koslau und Groß Schläfken (polnisch Sławka Wielka) bei Bewahrung der jeweiligen Eigenständigkeit unter einem Pfarramt vereint. Pfarramtssitz war bis 1945 Klein Koslau. Das Kirchenpatronat war königlich, später dann oblag es den staatlichen Behörden.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 494 Das Kirchspiel Klein Koslau war bis 1919 in den Kirchenkreis Soldau (polnisch Działdowo) eingegliedert, danach war es bis 1945 Teil des Kirchenkreises Neidenburg (Nizica). 1925 zählte es 2675 Gemeindeglieder in sieben Ortschaften.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in Kriegsfolge setzten dem Leben der evangelischen Gemeinde vor Ort ein Ende. Erst nach und nach sammelten sich wieder evangelische Kirchenglieder, die jetzt zur Heilig-Kreuz-Kirche Nidzica in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gehören.
Kirchspielorte In das evangelische Kirchspiel Klein Koslau (1938 bis 1945 Kleinkosel (Ostpr.)) bis 1945 eingepfarrt:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Geänderter Name1938–1945 Polnischer Name Deutscher Name Geänderter Name1938–1945 Polnischer Name * Groß Koslau Großkosel Kozłowo Polko Koselmitte Pólko Kozłowskie * Groß Sakrau Zakrzewo Sabloczyn Sablau Zabłocie Kozłowskie * Klein Koslau Kleinkosel (Ostpr.) Kosłówko Sontopp Santop Sątop
Pfarrer Bis 1945 amtierten an der Kirche zu Klein Koslau (Kleinkosel (Ostpr.)) als evangelische Pfarrer: Salomon Sarembius, 1578 Henricus Faber, 1585/86 Balthasar Nedelius, ab 1590 Severin Stobbe, bis 1608 Andreas Osenicius, 1609–1610 Stanislaus Iwanowski, 1610–1612 Julian Poniatowski (?), 1611–1614 Balthasar Nadolnius, 1614–1625 Adam Rex (König), 1637–1657 Paul Schwetlick, 1660–1697 Johann Stigalius, 1698–1701 Jacob Jeglinski, 1702–1719 Christian Kelch, 1719–1725 Georg Krebs, 1728–1746 Michawel Kurella, 1749–1787 Christian Schellong, 1787–1811 Bernhard Brachvogel, 1811–1816 Johann Friedrich Porrmann, 1817–1827 Samuel Marcus, 1827 Paul Böttcher, 1829–1834 Friedrich Wilhelm Böttcher, 1833–1847 Ernst August von Gizycki, 1847–1881 Philipp Salkowski, 1881–1886 Gustav Friedrich Bercio, 1887–1916 August Pasternack, 1916–1917 Ernst Link, 1917–1927 Brückner (Missionar), 1928–1929 Wilhelm Otto Pfeiffer, 1930–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern Klein Koslau/Kleinkosel haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig aufbewahrt: Taufen 1719 bis 1749, 1765 bis 1874 Trauungen 1719 bis 1749, 1765 bis 1811, 1819 bis 1874 Begräbnisse 1719 bis 1749, 1765 bis 1871 Konfirmationen 1719 bis 1749
Römisch-katholisch Pfarrgemeinde Vor 1945 lebten nur sehr wenige Katholiken in der Region Klein Koslau. So wurden in Klein Koslau selbst im Jahre 1858 lediglich zehn katholische Einwohner gezählt. Sie gehörten zur Pfarrkirche in Soldau (polnisch Działdowo). Das änderte sich in den Jahren nach 1945, als zahlreiche polnische Neubürger, fast ausnahmslos römisch-katholischer Konfession, sich hier ansiedelten. Sie nutzten das bisher evangelische Gotteshaus als ihre Kirche, und 1972 wurde hier eine eigene Pfarrei (polnisch Parafia) errichtet. Sie ist dem Erzbistum Ermland zugeordnet.
Dekanat Kozłowo Heute ist das Dorf Kozłowo auch Sitz des gleichnamigen Dekanats. Zu ihm gehören sechs Pfarreien des Erzbistums Ermland: Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Kozłowo Groß Koslau1938-1945: Großkosel Sarnowo Scharnau Napierki Napierken Szkotowo Skottau Rozdroże Karlshöhe Turowo Thurau
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1730er Jahren Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Peter-und-Paul-Kirche Kategorie:Kirchengebäude des Erzbistums Ermland Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Kozłowo Kategorie:Saalkirche in Polen