mini|Kerry Livgren in Memphis Tennessee mit Kansas auf Monolith Tour (November 1979)
Kerry Allen Livgren (* 18. September 1949 in Topeka, Kansas) ist ein US-amerikanischer Rockmusiker (Gitarrist, Keyboarder und Komponist). Bekannt wurde er vor allem als Gründungsmitglied der Progressive-Rock-Band Kansas. Während seiner Zeit als Bandmitglied war er deren Hauptkomponist. Die Welthits Carry On Wayward Son und Dust in the Wind stammen aus seiner Feder. Livgren ist bekannt für seine komplexen Kompositionen und sein herausragendes Gitarrenspiel.
Nach dem Verlassen von Kansas startete Livgren eine Solokarriere und gründete die christliche Rockband AD sowie die progressive Rockband Proto-Kaw.
Darüber hinaus war er als Gastmusiker bei vielen säkularen und christlichen Musikprojekten tätig wie, Mylon LeFevre (Love Rustler, 1978), Steve Walsh (Schemer Dreamer, 1980), 2nd Chapter of Acts (Rejoice, 1981), Neal Morse (Testimony, 2003) und Explorers Club (Raising the Mammoth, 2002).
Biografie – musikalische Anfänge mini|hochkant|Kerry Livgren, 1976 Livgren wuchs in Topeka (Kansas) auf. Er war das Älteste von vier Geschwistern seiner Eltern Allen Leroy (Wirtschaftsingenieur) und Betty Livgren. Sein Vater war außerdem Musiker und Pilot. In beide Fußstapfen wird Kerry Livgren später treten. Erst mit 14 Jahren fing Livgren an, sich für Musik zu interessieren und fühlte sich zur klassischen Musik und dem Jazz hingezogen, während Gleichaltrige zu dieser Zeit Elvis Presley hörten. Seine ersten musikalischen Schritte begann er mit einer selbstgebauten elektrischen Gitarre, brachte sich bei, diese zu spielen, erlernte im Teenageralter weitere Instrumente, wie das Keyboard und schrieb eigene Songs. Livgren war noch Schüler an der Topeka West High School, als er mit engen Freunden die Band „Gimlets“ gründete. Sie spielten Livgrens eigene Kompositionen, die eine Mischung aus Pop und psychedelischem Rock waren. Schließlich wurden sie an den Wochenenden in ganz Kansas bis in den Nachbarstaat Missouri gebucht. 1967 schloss er die High School ab. Livgren besuchte für einige Zeit die Washburn University. Während dieser Zeit trat er verschiedenen Bands bei oder gründete neue wie die Mellotones, Saratoga und zwei Vorgängerbands von Kansas, die bereits Kansas hießen (Formation I und Formation II). Livgren war oft mit den Bands musikalisch unzufrieden, bis schließlich Phil Earth, der Kerry Livgren von seiner gemeinsamen Zeit der Kansas Formation I her kannte und nun bei White Clover Schlagzeug spielte, ihm vorschlug, dieser Band beizutreten. White Clover benannte sich schließlich in Kansas um. So entstand 1973 die dritte Kansas-Bandformation (III) mit Kerry Livgren an der Gitarre und Keyboard, dem Sänger und Keyboarder Steve Walsh, dem Sänger und Geiger Robby Steinhardt, Bassist Dave Hope, Gitarrist Rich Williams und Phil Ehart am Schlagzeug. Sie wurden bei Kirchner Record 1973 unter Vertrag genommen.
Kansas 1973–1983 mini|hochkant|Kansas 1976 Die ersten drei Kansas-Alben Kansas (1974), „Song for America“ (1975) und „Masque“ (1975) waren zunächst kommerziell wenig erfolgreich. Erst mit dem Erfolg von „Leftoverture“ (1976) und „Point of Know Return“ (1977) verkauften sich diese Alben besser und wurden vergoldet. Livgren war zu dieser Zeit der Hauptkomponist und schrieb das Album „Leftoverture“ fast im Alleingang inklusive ihres ersten Billboard Top 11 Hit „Carry On Wayward Son“ (Peak 4.1.1977). Im Februar 1978 erlangte Kansas mit „Dust in the Wind“ ihren weltweit erfolgreichsten Song. Er erreichte am 8. April 1978 in den Billboards mit Rang 6 die höchste Platzierung und hielt sich dort 17 Wochen. Livgren hatte dieses Akustikstück eigentlich als Übung für sein Fingerpicking genutzt. Seine Frau "Vicci" fand es jedoch so gut, dass sie ihm vorschlug, einen Text dazu zu komponieren und einen Song daraus zu machen. Livgren stellte schließlich der Band den fertigen Titel „Dust in the Wind“ vor und er wurde dann auf dem Album „Point of Know Return“ veröffentlicht. Die Alben „Leftoverture“ und „Point of Know Return“ erreichten vierfach Platinstatus.
Mit dem nächsten Kansas-Album Monolith (1979) begann für Livgren ein Wendepunkt im Leben. Er setzte sich schon länger mit Sinnfragen und inhaltlich mit dem Urantia-Buch auseinander. Seine Gedanken dazu spiegelten sich auch in einigen Kompositionen auf dem Album wider. Das Buch Urantia entstand in den USA zwischen 1924 und 1955 und beruft sich auf Offenbarungen übermenschlicher Persönlichkeiten. Es nimmt Bezug auf den Ursprung und die Bedeutung des Lebens sowie das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen. Während der Monolith Tour trat als Vorgruppe „LeRoux“ auf, dessen Sänger und Gitarrist Jeff Pollard, ein Christ, mit Livgren oft über die Verlässlichkeit des Buches Urantia im Vergleich zur Bibel diskutierte. „I was becoming very aware of Jesus Christ as opposed to any other religious doctrine.“ („Ich wurde mir Jesu Christi im Gegensatz zu jeder anderen religiösen Lehre sehr bewusst.“) Livgren sagte in einem Interview: Christ werden sei für ihn ab einem gewissen Punkt unvermeidbar gewesen.
Im Juli 1980 veröffentlichte Livgren sein erstes Soloalbum Seeds of Change, was seinen christlichen Glauben widerspiegelte. Für dieses aufwendig produzierte Album engagierte er viele namhafte Musiker, wie den damaligen Black-Sabbath-Sänger Ronnie James Dio, den Schlagzeuger Barriemore Barlow von Jethro Tull, den Rock- und Gospelsänger Mylon R. LeFevre, den Frank-Zappa-Tontechniker und Sänger Dav(e)y Moire, Steve Walsh und andere.
Manche Kritiker, wie die Autoren des Magazins Billboard (Juli 1980) fanden aufgrund der christlichen Texte das Album „uninteressant und zum Vergessen“. Andere Musikkritiker dagegen beurteilten es auf Grund der musikalischen Breite und Qualität mit hervorragend. Dennoch war dieses Album ein finanzieller Flop.
Das nächste Kansas-Album Audio-Visions (September 1980) enthielt nun ebenfalls Texte, die von Livgrens christlichem Glauben handelten, wie die Titel „Hold on“ und „Relentless“. Das führte zu Ärger mit anderen Bandmitgliedern, besonders Steve Walsh, der die Band schließlich Ende 1981 während der Produktion von Vinyl Confessions (1982) verließ. Robbie Steinhardt folgte Walsh später aus den gleichen Gründen bei der Produktion des Kansas-Albums Drastic Measures (1983). Mit der Single Play the Game Tonight von „Vinyl Confessions“, bei der Livgren Mitautor war, schafften Kansas 1982 ihren dritten Top 20 Hit (Peak Position 17). Zum Album Drastic Measures, steuerte Livgren dann nur noch drei Titel bei, weil er mit der musikalischen Ausrichtung hin zum AOR unzufrieden war. Als progressiver Musiker wollte er den Mainstream-Rock nicht dauerhaft bedienen und er liebte seine musikalischen Freiheiten. Sein Song Mainstream auf dem Album drückte die Kritik an der Plattenindustrie aus. System rejects it Lost the handle, what’s it all been for? Tired of trying, seeing so much more It's so predictable and everybody judges by the numbers that you’re selling Just crank ’em out on the assembly line and chart ’em higher (higher, higher) Just keep it simple boys it’s gonna be alright as long as you’re inside the Mainstream. Are we moving too far away? Is it worth it if it doesn’t pay?
Das System lehnt es ab den Halt verloren, wofür war das alles? Ich habe es satt zu versuchen, um so viel mehr zu sehen. Es ist so vorhersehbar und jeder beurteilt [dich] nach den Zahlen, die du verkaufst Produzier Sie [die Songs] wie am Fließband und charte (platziere) Sie höher (höher, höher). Halte [die Songs] einfach, Jungs, es wird in Ordnung sein, solange du im Mainstream bleibst. Bewegen wir uns zu weit weg? Ist es das wert, wenn es sich nicht auszahlt?
Schließlich verließ auch Livgren Kansas.
Kerry Livgren/AD 1983–1988 1983 gründete Livgren mit seinem Kansas Bandkollegen Dave Hope, der nach seiner überwundenen Drogensucht ebenfalls Christ wurde die Band AD (Anno Domini). Sie bestand aus Kerry Livgren (Gitarre, Keyboard), Dave Hope (Bass), Warren Ham (Harmonika, Gesang), Dennis Holt (Schlagzeug) und Michael Gleason (Gesang, Keyboard). Das erste Album der Band Time Line (1984) war eigentlich als Soloalbum Livgrens gedacht. Livgren und seine Band beschlossen jedoch unter gemeinsamen Namen weiterzumachen. So entstand AD. Es folgten bis 1988 noch drei weitere Alben. Vertragsschwierigkeiten mit CBS, auf Grund Livgrens Verstrickungen mit Kansas verhinderten, dass AD auf dem säkularen Markt ihre Alben veröffentlichen durften und wechselten so zum Label Sparrow, eine von EMI gegründete Untergruppe für christliche Musik (EMI-Christian Music Group). Livgren versuchte den Spagat alte Kansas Fans mit Fans christlicher Rockmusik zu verbinden. Spielte er vorher vor tausenden Zuhörern in Stadien, trat er nun in kleinen Hallen und Kirchen auf. Die Band tourte ausgiebig zwischen 1983 und 1986. Obwohl die Band offiziell nie aufgelöst wurde, gab es nach dem 1988 veröffentlichten Album Prime Mover keine neuen Veröffentlichungen mehr. Das letzte offizielle Album enthielt nur noch die Mitglieder Livgren der alle Instrumente spielte und den Sänger Warren Ham. Prime Mover wurde noch mehrmals überarbeitet („Prime Mover II“) und schließlich mit neuen eingespielten Instrumenten und unveröffentlichten Titeln als Prime Mover (Redux) 2008 letztmals in sehr guter Soundqualität veröffentlicht.
Soloprojekte 1989–2000 1989 veröffentlichte Livgren One of Several Possible Musiks, ein Instrumental-Album. Dieses Projekt, eine Mischung aus Rock- und orchestraler Synthesizermusik wurde mit dem GMA Dove Award als bestes Instrumental-Album des Jahres ausgezeichnet. Mark Allender von AllMusic befand dieses Album als spektakuläre Ansammlung von Songs, die Livgrens schöpferische Kraft nicht nur als Komponist zeigen, sondern auch wie er als Musiker ohne Beschränkungen neue musikalische Wege erforscht.
1994 zog Livgren von Atlanta zurück nach Topeka, seine Heimatstadt in Kansas, und gründete dort in einer umgebauten Scheune auf seinem Grundstück die Produktionsfirma GrandyZine und Numavox Records. Bis heute werden dort viele Musikproduktionen umgesetzt.
Sein nächstes Soloprojekt „When Things Get Electric“ (1995, remastered 2005) war ein Rockalbum, das sich mit der Endzeit beschäftigte. Viele Musiker dieser Arbeit sind Familienmitglieder, aber auch der Kansas Violinist David Ragsdale. Für die Episode The Mind’s Eye: A Computer Animation Odyssey der Kunstfilm-Serie Mind’s Eye schrieb und produzierte Livgren 1997 den Soundtrack Odyssey into the Mind’s Eye.
Kansas-Reunion 2000