Die vormals herzogliche Burg Ratibor () ist eine Burg im Stadtteil Ostróg in Racibórz (deutsch Ratibor) in der Woiwodschaft Schlesien in Polen. Sie liegt am rechten Ufer der Oder.

Geschichte Die bereits 1108 erstmals erwähnte Burg bestand damals vermutlich aus einer Holz-Erde-Befestigung. Sie war vom Hauptstrom der Oder im Westen und durch einen Seitenarm im Osten natürlich geschützt. In ihrer Insellage ähnelt sie den ersten Burgen in Breslau und Oppeln.

1155 wurde Ratibor als Kastellanei bezeichnet. 1163 wurde sie zum Sitz der Herzöge von Ratibor. Der Oderübergang von Ratibor ist einer der ältesten Übergänge über die obere Oder. Hier überschritten die Mongolen 1241 den Fluss, ebenso das Kreuzzugsheer von König Ottokar 1255.

Ab 1173 war die Burg Sitz des Piastenherzogs Mieszko I. Kreuzbein und 1281–1336, unter Mieszko III. († 1313/16), Primislaus/Przemko († 1306), und Lestko Sitz einer eigenen Dynastie. Nach 1532 waren die Habsburger Landesherren.

Der erste Bauabschnitt einer neuen gemauerten Burg wurde unter Herzog Primislaus begonnen. Die Schlosskapelle stammt vermutlich von vor 1287. Im Konflikt zwischen dem Breslauer Bischof Thomas II. und Herzog Heinrich IV. nahm dieser den Bischof auf, der als Dank ein Kollegiatstift von drei Kanonikern gründete, dessen Stiftung, dem Thomas von Canterbury gewidmet, für 1283 urkundlich belegt ist.

Während des 15. Jahrhunderts bis Anfang des 16. Jahrhunderts wurden die Wälle durch Mauern und Bastionen ersetzt, die jedoch starken Unterspülungen der Oder ausgesetzt waren. Verwaltet wurde die Burg wurde von einem Burggraf.

In einem Grundbuch, das 1582 im Auftrag des Markgrafen Georg von Jägerndorf angelegt wurde, sind ein Torhaus, ein gewölbter Keller, Wohnräume, ein großer Saal, eine baufällige Kapelle und Ställe aufgeführt.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde der südliche Gebäudeflügel erweitert und das Tor wiederaufgebaut. Im Jahr 1812 erwarb der Kurprinz von Hessen-Kassel die Burg, ab 1834 gehörte sie dem Viktor von Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst. Sitz der Herrschaft war jedoch nicht Burg Ratibor, sondern das säkularisierte Kloster Rauden.

Die Burg brannte 1858 teilweise aus, wurde aber in der alten Form wiederhergestellt und diente der herzoglichen Verwaltung. Bei Kriegsende 1945 wurde die Burg 1945 stark beschädigt. Im Jahr 1949/50 wurden das Torhaus und die Kapelle wiederhergestellt.

Bauwerk Die heutige Burg steht auf unregelmäßigem Grundriss mit Flügeln auf drei Seiten um einen nach Süden geöffneten Burghof. Die Mauerkrone war so breit, dass die Wärter darauf gehen konnten. Wesentliche Umbauten stammen aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg.

Die Einfahrt führt von Westen durch das Torhaus, neben dem sich die Kapelle befindet. Sie ist ein einschiffiger Ziegelbau mit Werksteinteilen und zeigt viele Einzelformen, die in dieser frühen Form selten sind. Die Kapelle, zwischen ca. 1280 bis 1300 erbaut, fast gleichzeitig wie der Chor der Breslauer Kreuzkirche, ist mit ihrer ungleichmäßigen Einwölbung und mit ihren verschiedenkappigen Kreuzgewölben, Sitznischen, spitzwinkeligen Wimpergen und klaren Fenstermaßwerken ein Beispiel der jungen Gotik in Schlesien. Die Kunstgeschichte weist auf hessische Vorbilder und Parallelen in Marburg, Frankenberg und Wetzlar hin.

Literatur Günther Grundmann: Burgen, Schlösser und Gutshäuser in Schlesien – Band 1: Die mittelalterlichen Burgruinen, Burgen und Wohntürme. Verlag Wolfgang Weidlich, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-8035-1161-5, S. 50–52. Helmut Sieber: Schlösser in Schlesien. Weidlich, Frankfurt/Main 1971, S. 143–1444, ISBN 978-3-803-50332-9

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Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Racibórz Kategorie:Burg in Polen Kategorie:Ersterwähnung 1108 Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Zerstört in den 1940er Jahren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Schlesien Ratibor