Der K.Bay.Sts.B. Blatt 340 ist ein Güterwagen der bayerischen Staatseisenbahn. Dabei handelt es sich um einen zweiachsigen Schemelwagen der Gattung Hz nach dem Musterblatt 340 für die Bayerischen Staatseisenbahnen gemäß Wagenstandsverzeichnis von 1913 (im WVWV steht als Abkürzung für Wagenstandsverzeichnis von 1897 die Blatt-Nr. 221). Der Wagentyp wurde ausschließlich ohne Bremsen gebaut.
Geschichte Zum Transport von Langholz – Ladelängen größer 6.000 mm – wurden vor allem in den Anfangsjahren des Eisenbahntransports, als die Wagen noch sehr kurz waren, Spezialwagen benötigt. Man führte daher bei den einzelnen Bahnverwaltungen die mit Langholztransporten befasst waren – s. z. B. die Preußische Staatseisenbahnen, Württembergische Staatsbahn, die Badische Staatsbahn und auch die Bayerische Staatsbahn – sogenannte Schemelwagen ein. Die zeichneten sich durch einen mittig auf der Ladefläche stehenden Drehschemel aus, auf dem die Ladung abgelegt werden konnte. Die Wagen wurde immer paarweise eingesetzt, so dass die Ladung auch bei größerer Länge kurvengängig war.
Beschaffung Zwischen 1883 und 1890 beschafften die K.B.Sts.B insgesamt 468 Schemelwagen nach Blatt Nr. 337 gemäß dem Wagenstandsverzeichnis von 1913. Diese Wagen waren ohne Bremseinrichtungen und hatten auch keine Bordwände.
Verbleib Die Wagen wurden bei der K.B.Sts.B. als Gattung Hrz. geführt. Von der DRB wurden die Wagen unter dem Gattungsbezirk Hw Regensburg geführt. Sie werden zwar bei der DB noch im Merkbuch von 1852 als Gattung Hw 01 benannt, ob es aber je zu Umzeichnungen kam, ist nicht belegt. Die Wagen dürften spätestens Anfang der 1950er Jahre ausgemustert worden sein.Carstens, Güterwagen Band 5, Seite 120
Konstruktive Merkmale Untergestell Das Untergestell der Wagen war komplett aus Profileisen aufgebaut. Die äußeren Längsträger hatten ein Doppel-T-Profil mit einer Höhe von 268 mm. Im Gegensatz zu anderen Untergestellbauarten waren bei diesem auf Grund der Belastung durch den Drehschemel keine durchgehenden, inneren Längsträger vorhanden. Vielmehr wurden die diagonalen Pufferstützen bis zur Wagenmitte geführt, wo sie auf zwei links und rechts von der Mitte vorhandene, verstärkte Querträger trafen (siehe auch die Wagenskizze). Als Zugeinrichtung hatten die Wagen Schraubenkupplungen mit Sicherheitsbügel. Die Zugstange war wegen der besonderen Befestigung des Drehschemels nicht durchgehend, sondern wurde um diesen im Bogen herumgeführt. Sie war mittig gefedert. Als Stoßeinrichtung besaßen die Wagen Stangenpuffer mit einer Einbaulänge von 612 mm. Die Pufferteller hatten einen Durchmesser von 370 mm.
Laufwerk Die Wagen hatten aus Flacheisen geschmiedete Fachwerk-Achshalter der kurzen, geraden Bauform. Gelagert waren die Achsen in geteilten Gleitachslagern bayerischer Bauform. Die Räder hatten Speichenradkörper der Bauart 38 mit einem Raddurchmesser von 986 mm. Die Federung bestand jeweils aus acht 1.130 mm langen Federblättern mit einem Querschnitt von 76 × 13 mm.
Wagenkasten Der Wagenkasten war komplett aus Holz mit eisernen Profilverstärkungen aufgebaut. Die Wagen hatten alle keine Bordwände. Die Bodenplanken waren 60 mm stark. In den Wagenboden waren insgesamt 4 Flacheisen eingelassen mit Rungentaschen für zusätzliche Steckrungen auf beiden Seiten. Da sich die Rungentaschen bei diesem Wagenmodell außerhalb des Wagenbodens befanden konnte die volle Breite des Bodens als Ladefläche genutzt werden.
Im Gegensatz zu späteren Bauarten konnte bei diesem Modell der mittig angebrachte, aus Eisenprofilen bestehende, Drehschemel nicht durchgedreht werden. Das Auflager des Drehschemels war mit Eisenzinken versehen um ein Verrutschen der Ladung zu verhindern. Zusätzlich gab es noch Sicherungsketten mit Einschlaghaken, die ebenfalls das Verrutschen der Ladung verhindern sollten. Die beiden Doppel-Steckrungen des Drehschemels waren mit Spannketten verbunden.
Ausstattung Je nach Lieferserie standen den Wagen sechs bis acht zusätzliche Steckrungen zur Ladungssicherung zur Verfügung. Nur die beiden Wagen 71 049 und 71 242 verfügten abweichend nur über vier zusätzliche Steckrungen. Dafür waren diese beiden Wagen aber auch schon mit dem neuen, durchdrehbaren auf Rollen geführten Drehschemel ausgestattet. Bei diesem waren die Rungen des Drehschemels auch zum umklappen und nicht mehr nur eingesteckt.
Zusätzlich gab es noch Sicherungsketten mit Einschlaghaken, die ebenfalls das Verrutschen der Ladung verhindern sollten.
Skizzen, Musterblätter, Fotos
Wagennummern Die Daten sind den WV der Kgl.Bayer.Staatseisenbahnen, aufgestellt nach dem Stande vom 31. März 1897 und dem 1. März 1913 entnommen.
HerstelldatenWagennummern je EpocheAbmessungenFahrwerkFassungsraumGewichteZusatzinfos Bau-jahr Her-stel-ler An-zahl ab 1875 ab 1909(1907) DR(ab 1923) Aus-gemu-stert Anz.Achs. Rad-stand LüP Unt.Gest. LA. Brem-sen Lade-länge[mm] Lade-breite[mm] Boden-flächem2 Lade-raumm3 Lade-gewicht [t] Eigen-gewicht [t] Bemerkungen Blatt-Nr.aus WV vonGattung 2241897H. 3371913Hrz. Hw Regensburg (siehe Legende) (siehe zusätzliche Angaben in der Infobox rechts Oben) Drehschemel mit Doppel-KipfstangenBayerischer Ausdruck für Steckrungen1883/8410070 830–70 929Re 70 830–70 929101-14 609alle Länderbahntypen zusammengefasst23.6508.224E7.0002.48217,410,0–10,56,3–6,6mit 6 zusätzlichen Kipfen188415070 930–71 079Re 70 930–71 07923.6508.224E7.0002.48217,410,0–10,56,0–6,318845071 100–71 149Re 71 100–71 14923.6508.224E7.0002.48217,410,0–10,56,3–6,518842071 080–71 099Re 71 080–71 09923.6508.224E7.0002.48217,410,0–10,56,0–6,3mit 8 zusätzlichen Kipfen18844971 150–71 198Re 71 150–71 19823.6508.224E7.0002.48217,410,0–10,56,3–6,418909971 199–71 297Re 71 199–71 29723.6508.224E7.0002.48217,410,0–10,56,5
Anmerkungen / Hinweise
Einzelnachweise
Weblinks Digitalisat des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, Blatt 340 aus dem Wagenstandsverzeichnis von 1913
Literatur
Kategorie:Güterwagen (Deutschland) Kategorie:Bayerische Staatseisenbahnen