mini|300x300px|Karte Transkaukasiens im 2. Jahrhundert v. Chr.; die Gaeli sind hypothetisch (in der Landschaft Atropatene) eingezeichnet Die Gaeli oder Geli ( und ; deutsch Gaeler oder Geler) waren ein medischer Volksstamm, der griechischen und römischen Schriftstellern zufolge am südwestlichen Ufer des Kaspischen Meeres lebte. In diesen Quellen werden seinen Angehörigen fantasievolle Eigenschaften und Gebräuche zugeschrieben, die das Volk als exotisch charakterisieren sollten.

Namensformen und Lokalisierung In den antiken Quellen erscheinen unterschiedliche griechische Namensformen, so bei Strabon Strabon, Geographika 11,5,1 (p. 503); 11,7,1 (p. 508); 11,8,1 (p. 510)., bei Plutarch Plutarch, Pompeius 35. und bei Claudius Ptolemäus .Claudius Ptolemäus, Geographike Hyphegesis 6,2,5.

Die ältesten Informationen zu den Gaeli stammen von Strabon. Dieser beschreibt sie als skythischen Stamm, der zwischen den kaukasischen Albanern und den mythischen Amazonen lebe, und beruft sich als Quelle auf das Geschichtswerk des Theophanes von Mytilene.Strabon, Geographika 11,1,5 (p. 503). An anderer Stelle listet Strabon als die fünf Stämme an der Südküste des Kaspischen Meeres die Gaeler, Kadusier, Amarder, Vitier und Anariaker auf.Strabon, Geographika 11,1,7 (p. 508). Wenn die Reihenfolge in dieser Auflistung, wie es wahrscheinlich erscheint, der Lage ihrer Siedlungsgebiete von West nach Ost entspricht, hätten die Gelae direkt östlich des Flusses Araxes an der Grenze zu Armenien gelebt. Plinius der Ältere nennt dagegen die Bezeichnungen „Gaeler“ und „Kadusier“ als Synonyme, wobei ersteres die einheimische Bezeichnung des Stammes, zweiteres die griechische Namensform sei.Plinius der Ältere, Naturalis historia 6,48. Claudius Ptolemäus wiederum setzt die Kadusier mit den Legai gleich, ohne die Gaeli zu erwähnen.Claudius Ptolemäus, Geographike Hyphegesis 6,2,5. Dies hat zu der Vermutung geführt, dass sich auch bei Plinius ursprünglich diese andere Gleichsetzung gefunden habe, aber das Wort „Legai“ in der Überlieferung des Textes verloren ging (Lacuna).Kai Brodersen (Hrsg.): C. Plinius Secundus d. Ä.: Naturkunde. Lateinisch–deutsch. Buch VI: Geographie: Asien (Sammlung Tusculum). Artemis & Winkler, Zürich/Düsseldorf 1996, ISBN 3-7608-1586-3, S. 184 im Kommentar. Hans Treidler erwägt, dass es sich bei den Gaeli um eine Untergruppe der Kadusier gehandelt haben könnte.

Zugeschriebenes Brauchtum In der antiken Literatur wurden den Gaeli teilweise fantasievolle Eigenschaften zugeschrieben, die sie als exotische Völker außerhalb der Zivilisation darstellen sollten. So sollen bei ihnen die Frauen diejenigen Arbeiten übernommen haben, die sonst den Männern zufielen, etwa die Bestellung des Ackers oder das Errichten der Häuser. Umgekehrt hätten sie sich ihre Geschlechtspartner selbst aussuchen können und mit so vielen Männern, wie sie wollen, geschlafen, gerade auch mit Fremden. Darüber hinaus würden sich bei den Gaeli die Frauen weder parfürmieren noch gefärbte Stoffe tragen sowie stets barfuß gehen. Die Männer dagegen trügen weiche und bunte Kleidung, Schmuck und Parfüme, obwohl sie ansonsten nicht „verweiblicht“ seien und im Krieg und der Jagd durchaus Tapferkeit zeigten.Eusebius von Caesarea, Praeparatio evangelica 6,10,9 f.; Pseudo-Clemens, Recognitiones 9,22.

Ethnische Einordnung Es gilt als wahrscheinlich, dass der Name der heutigen iranischen Landschaft und Provinz Gilan, die sich südlich des Kaspischen Meeres befindet, von den Gaeli abgeleitet ist.

Moderne Gelehrte haben verschiedene Hypothesen über die ursprünglichen Siedlungsgebiete, die ethnische Zugehörigkeit und die Sprache der Gelen entwickelt. So kam Peter Karlowitsch von Uslar zu dem Ergebnis, dass Spuren des Volksnamens im Norden von Dagestan zu finden seien.Peter von Uslar: Этнография Кавказа. Языкознание („Ethnographie des Kaukasus. Linguistik.“) Band 4: Лакский язык („Die Lak-Sprache“). Tbilisi 1890. Wassili Wladimirowitsch Bartold und E.A. Grantovsky akzeptierten Plinius’ Gleichsetzung der Gelen und Kadusier und sahen in ihm diesem Volk und seiner Sprache die Vorfahren der heutigen iranischen Talisch-Sprache und ihrer Sprecher.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Kadusier Kategorie:Skythen Kategorie:Iranischsprachige Ethnie