Die spanische Monarchie (Spanisch: Monarquía Española), verfassungsrechtlich bezeichnet als die Krone (Spanisch: la Corona) ist die parlamentarische Monarchie Spaniens und das höchste Amt des Landes. Die Monarchie umfasst den regierenden Monarchen, dessen Familie sowie den königlichen Haushalt, welcher den Monarchen in der Ausübung seiner Pflichten und Prärogativrechte unterstützt. Die spanische Monarchie wird momentan von König Felipe VI., Königin Letizia und deren Töchtern Leonor, Fürstin von Asturien, und der Infanta Sofía repräsentiert.
Die spanische Verfassung von 1978 reetablierte eine konstitutionelle Monarchie als Regierungsform Spaniens nach dem Ende des Franco-Regimes und der Wiederherstellung der Demokratie durch Adolfo Suárez. Die Verfassung bestätigte die Rolle des Königs von Spanien als Personifikation und Inbegriff des spanischen Staates sowie als Symbol von Spaniens fortdauernder Einheit und Beständigkeit. Zudem gilt der Monarch als Vermittler und Moderator der staatlichen Einrichtungen Spaniens. Gemäß der Verfassung ist der König das Staatsoberhaupt sowie Oberbefehlshaber der spanischen Streitkräfte. Die Verfassung legt die Nutzung der königlichen Anrede und Titulatur, die königlichen Prärogativrechte, die erbliche Thronfolge, die Aufwandsentschädigung und die Regentschaft im eventuellen Fall der Minderjährigkeit oder Arbeitsunfähigkeit des Monarchen fest. Laut der Verfassung unterstützt der Monarch zudem das Vorantreiben der Beziehungen mit Nationen mit gemeinsamer Vergangenheit. Der König von Spanien ist ex officio Präsident der Organisation Iberoamerikanischer Staaten und vertritt sozusagen über 700 Millionen Menschen aus 24 Mitgliedsstaaten weltweit.
Die spanische Monarchie hat ihre Wurzeln im Tolosanischen Königreich der Westgoten, das nach dem Untergang des Weströmischen Reiches gegründet worden war. Nach der muslimischen Eroberung bildete sich das Königreich Asturien, das die Reconquista aufnahm, die 1492 durch die „Katholischen Könige“ Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragon erfolgreich abgeschlossen wurde. Der unter deren Herrschaft entsandte Christoph Kolumbus legte mit dem von ihm entdeckten Seeweg nach Amerika die Grundlage für die Eroberung Amerikas und den Aufstieg Spaniens zur Weltmacht.
Für das Jahr 2021 belief sich das offizielle Budget der spanischen Monarchie auf 8,4 Millionen Euro, eine der niedrigsten öffentlichen Ausgaben für die Institution der Monarchie in Europahttps://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/spaniens-koenig-zeigt-sich-sparsam-890-000-euro-zurueckgelegt-18064693.html und auch deutlich unter dem Budget des deutschen Bundespräsidialamtes.44,08 Millionen Euro im gleichen Jahr:
Geschichte
Die Monarchie in Spanien hat ihre Wurzeln im Westgotischen Königreich und dessen christlichen Nachfolgereichen Navarra, Asturien (später León und Kastilien) und Aragón, welche in der Reconquista (dt.: Wiedereroberung) der Iberischen Halbinsel gegen die maurischen Herrscher kämpften. Eine der frühesten einflussreichen Dynastien ist das Haus Jiménez, das unter seiner Führung im 11. Jahrhundert einen Großteil des christlichen Teils der Iberischen Halbinsel vereinte. Von Sancho III. von Navarra bis Urraca von León und Kastilien beanspruchten Familienmitglieder der Jiménez den historischen westgotischen Titel Imperator totius Hispaniae für sich. Urracas Sohn und Erbe Alfons VII. von León und Kastilien war der erste König aus dem spanischen Zweig des Hauses Burgund, sowie der letzte, der den Titel eines Kaisers von ganz Spaniens führte. Nach seinem Tod wurde das Reich unter seinen Söhnen aufgeteilt. Der Erste kastilische Bürgerkrieg (1366–1369) endete mit der Ermordung König Peters durch seinen illegitimen Halbbruder Heinrich von Trastámara, der als Heinrich II. den Thron bestieg. Dieser begründete die Dynastie der Trastámara. Peters Erbin, seine Enkelin Katharina von Lancaster, heiratete später Heinrich III., den Enkel Heinrichs II., wodurch beide Dynastien vereint wurden.
Matrimonialunion unter den Katholischen Königen Siehe auch: Katholische Könige
Im 15. Jahrhundert wurden durch die Heirat Isabellas I. von Kastilien und Ferdinands II. von Aragon, beide Mitglieder des Hauses Trastámara, das Königreich Kastilien und die Krone Aragon vereint. Zwar wurden beide Reiche in Personalunion regiert, jedes Königreich behielt jedoch seine eigenen Institutionen und Cortes. 1492 wurde Granada, das letzte muslimische Territorium auf der Iberischen Halbinsel, von den Katholischen Königen erobert.
Die Territorien des spanischen Weltreichs in der Neuen Welt waren abhängig von der Krone Kastiliens. Nach den spanischen Entdeckungsfahrten und Siedlungen in der Karibik sowie der spanischen Eroberung Mexikos und Perus, schuf die Krone in wichtigen Regionen eigene Real Audiencias (Gerichte) und setzte Vizekönige als oberste Vertreter des Monarchen ein.
Habsburg-Monarchie Durch die Heirat Königin Johannas von Kastilien mit Philipp dem Schönen fiel die spanische Monarchie an das Haus Habsburg. Der erste Herrscher der neuen Dynastie war Karl V. (in Spanien Karl I.). Die Herrschaft von Philipp II. stellte den Höhepunkt des Siglo de Oro, einer Periode von großer kolonialer Expansion und Wohlstand dar. 1700 starb Karl II. als letzter der spanischen Habsburger. Sein Tod löste den Spanischen Erbfolgekrieg aus.
Bourbon-Monarchie Die Nachfolge Karls II. war stark umstritten. Karl hatte den Enkel seiner Schwester Maria Teresa, Philipp, Herzog von Anjou, zu seinem Erben ernannt. Diese mögliche Vereinigung von Frankreich und Spanien, zweier großer europäischer Mächte, löste den Spanischen Erbfolgekrieg aus. Der Krieg wurde in den Verträgen von Utrecht (1713) und Rastatt (1714) beigelegt, die das europäische Mächtegleichgewicht bewahrten. Philipp von Anjou wurde als Thronerbe bestätigt, gleichzeitig wurde eine Vereinigung der Königreiche Frankreich und Spanien verboten. Philipp V. war der erste König von Spanien aus dem Haus Bourbon (spanisch: Borbón). Felipe VI., der heute amtierende Monarch, gehört ebenfalls dieser Dynastie an.
1808 wurde König Ferdinand VII. von Napoleon Bonaparte zur Abdankung gezwungen, an seiner Stelle wurde Joseph Bonaparte als König eingesetzt. Die Bourbonen standen in der Folge im Mittelpunkt des Widerstands gegen die französische Herrschaft. Nach dem Vertreiben der Franzosen aus Spanien erhielt Ferdinand die Krone zurück. Mit der Pragmatischen Sanktion von 1830 hob Ferdinand das von Philipp V. eingeführte Salische Gesetz auf, das Frauen von der Thronfolge ausschloss. Daraufhin wurde Ferdinands älteste Tochter Isabella zur Thronfolgerin. Gegner der Pragmatischen Sanktion sahen in Ferdinands jüngerem Bruder Carlos den rechtmäßigen Thronerben.
Erste Spanische Republik
1873 wurde nach der Abdankung von König Amadeus I., der nach dem Sturz Isabellas II. als König eingesetzt worden war, die Erste Spanische Republik ausgerufen. Nachdem sich die Armee hinter Alfons XII., Sohn Isabellas II., gestellt hatte, brach die Regierung zusammen, was zur Restauration der Bourbonen-Monarchie führte.
Zweite Spanische Republik und Franquismus
Bei landesweiten Gemeindewahlen siegten 1931 die republikanischen Kräfte, die ein Ende der Monarchie forderten. Angesichts dieser Ergebnisse verließ König Alfons XIII. Spanien, verzichtete jedoch nicht auf seinen Thronanspruch. Die provisorische Regierung begründete die Zweite Spanische Republik. Ein Staatsstreich gegen die linke Regierung löste 1936 den Spanischen Bürgerkrieg aus, der am 1. April 1939 mit dem Sieg General Francisco Francos endete. Das faschistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland unterstützten Franco im Spanischen Bürgerkrieg.
Nach 16 Jahren ohne Monarchie und Königreich, wurde Spanien 1947 von Franco zum Königreich erklärt, der Thron blieb jedoch vorerst vakant, Franco selbst sah sich wohl als eine Art Reichsverweser an. Ihm oblag es, seinen Nachfolger zu ernennen, was er jedoch zeitlebens aufschob.
Wiederherstellung der Monarchie Trotz seiner zeitweisen Allianz mit den carlistischen Thronprätendenten, ernannte Franco in seinem Testament Juan Carlos I. aus dem Haus Borbón zu seinem Nachfolger. Juan Carlos spielte eine entscheidende Rolle bei der Transition in Spanien, dem Übergang vom Franquismus zur parlamentarischen Monarchie. So nötigte er 1976 den Ministerpräsidenten Carlos Arias Navarro zum Rücktritt und beauftragte stattdessen den Reformer Adolfo Suárez mit der Regierungsbildung. Im darauffolgenden Jahr fanden die ersten freien Parlamentswahlen statt. 1978 unterzeichnete Juan Carlos die neue Verfassung Spaniens. 1981 wurde ein Putschversuch des Militärs, der die Diktatur wieder einführen sollte, durch das entschlossene Auftreten von Juan Carlos beendet, der in seiner Rolle als Oberbefehlshaber der spanischen Streitkräfte in einer Fernsehansprache die Armeeangehörigen in die Kasernen zurückbeorderte und sich selbst hinter die Demokratie und die Verfassung stellte.
Krone, Verfassung und königliche Prärogative mini|Spanische Königskrone Die spanische Krone ist Gegenstand von Titel II Die Krone, Artikel 56 bis 65 der spanischen Verfassung von 1978. Der König ist Symbol der Einheit und Dauer des spanischen Staates, repräsentiert das Land und erfüllt die Rolle des „Vaters der Nation“.
Gemäß der Verfassung liegt die Souveränität beim Volk, das somit dem König die Macht verleiht, zu regieren:Das spanische Volk, von dem alle Staatsgewalt ausgeht, ist Träger der nationalen Souveränität.
– Artikel 1. (2) der spanischen Verfassung von 1978Der Monarch überwacht und vermittelt zwischen den Institutionen und vertritt Spanien international als oberster Repräsentant. Er übt die Funktionen seines Amtes gemäß der Verfassung und den Gesetzen aus:Der König ist Oberhaupt des Staates, Symbol seiner Einheit und Dauer. Er wacht als Schiedsrichter und Lenker über das regelmäßige Funktionieren der Institutionen, vertritt als höchster Repräsentant den spanischen Staat in den internationalen Beziehungen, vor allem mit jenen Nationen, die mit Spanien eine historische Gemeinschaft bilden, und er übt die Funktionen aus, die ihm die Verfassung und die Gesetze ausdrücklich zuweisen.
– Artikel 56. (1) der spanischen VerfassungBei der Thronbesteigung und der Proklamation vor den Cortes Generales schwört der König einen Eid, seine Pflichten getreu auszuüben und die Verfassung und Gesetze einzuhalten. Zusätzlich verpflichtet sich der König, die Einhaltung der Gesetze zu sichern. Außerdem schwört der König, die Rechte der spanischen Bürger und der Autonomen Gemeinschaften zu respektieren. Den gleichen Eid schwört zudem der Thronfolger beim Erreichen der Volljährigkeit, sowie ein möglicher Regent, verbunden mit einem Treueschwur gegenüber dem König.(1) Bei seiner Proklamation vor den Cortes Generales schwört der König den Eid, sein Amt getreu auszuüben, die Verfassung und die Gesetze einzuhalten und für ihre Einhaltung Sorge zu tragen und die Rechte der Bürger und der Autonomen Gemeinschaften zu achten.
(2) Den gleichen Eid sowie den der Treue zum König schwören der Thronfolger bei Erreichen der Volljährigkeit und der Regent oder die Regenten bei der Übernahme ihres Amtes.
– Artikel 61 der spanischen VerfassungDer Eid lautet wie folgt:Ich schwöre, meine Aufgaben treu wahrzunehmen, die Verfassung und die Gesetze aufrechtzuerhalten und durchzusetzen und die Rechte der Bürger und der autonomen Gemeinschaften zu respektieren.