Horst Gentzen (* 14. März 1930 in Berlin-Schöneberg als Horst Wolfgang Jürgen Gentzen; † 9. August 1985 in Berlin-Wilmersdorf)Anonymus: Sterbeeintrag für Horst Wolfgang Jürgen Gentzen vom 14. August 1985, in: Sterberegister Wilmersdorf 1985, Urk.-Nr. 1556, Landesarchiv Berlin. war ein deutscher Schauspieler und Synchronsprecher.

Karriere Horst Gentzen nahm zwischen 1946 und 1949 Schauspielunterricht in der Schule von Leonore Ehn in Berlin. Bereits 1946 gab er sein Theaterdebüt als kleiner Heizer in Marcel Pagnols Der goldene Anker im Schlosspark-Theater in Berlin, wo er auch von 1946 bis 1948 sein erstes Bühnenengagement erhielt. Ab 1949 spielte er für zwei Jahre mit Lil Dagover in einem Tourneetheater.

Bereits 1947 gab er neben Paul Dahlke in Und finden dereinst wir uns wieder… sein Spielfilmdebüt. Während er als Theaterschauspieler vor allem auf Westberliner Bühnen auftrat, wirkte er im Film auch bei den DEFA-Produktionen im Ostteil der Stadt mit, so auch in Einmal ist keinmal unter der Regie von Konrad Wolf und in Slatan Dudows Filmdrama Unser täglich Brot. Daneben spielte er im Westen in einigen Komödien des Regisseurs und Kabarettisten Hans Deppe, aber auch einen von Horst Buchholz’ Freunden in Endstation Liebe (nach der Vorlage von Will Tremper). Ab den 1960er-Jahren wurden die Film- und Fernsehauftritte des immer jugendlich wirkenden Gentzen rar. Stattdessen verlagerte er seinen künstlerischen Schwerpunkt von Bühne und Film immer mehr auf einen anderen darstellerischen Bereich, die Arbeit als Sprecher.

Bereits seit 1952 wirkte er bei Radioproduktionen des RIAS als Sprecher mit und arbeitete vor allem in der Synchronisation ausländischer Filme. Durch seine hohe, zuweilen kieksende Stimme war er prädestiniert für komödiantische Rollen und ist einem breiten Publikum vor allem als deutscher Standardsprecher von Jerry Lewis sowie als Stimme von Kermit dem Frosch aus der Muppet Show (in der Sesamstraße wurde Kermit von Andreas von der Meden gesprochen) bekannt. In einer Neufassung der Synchronisation von Wir sind vom schottischen Infanterieregiment (1966) synchronisierte er Stan Laurel. Daneben lieh er seine Stimme zahlreichen prominenten Schauspielkollegen wie Roman Polański (Tanz der Vampire), Danny DeVito (Scalawag), Gérard Depardieu (Die Affäre Dominici), Gene Wilder (Quackser Fortune hat 'nen Vetter in der Bronx) und Peter Lorre (in den Neufassungen von Casablanca und Abenteuer in Panama sowie in seinen acht Filmen als Detektiv Mr. Moto). In den ersten beiden Filmen der Beatles, A Hard Day's Night (1964) und Help! (1965), sprach er Ringo Starr.

Einen seiner größten Erfolge erzielte er mit seiner Mitwirkung am 7. James-Bond-Film 1971 (Diamantenfieber), für den er Mr. Kidd, einem Killer, gespielt von Putter Smith, seine Stimme lieh.

Eine seiner letzten Arbeiten war die Synchronisation des britischen Komikers Kenneth Williams für Neufassungen einiger Komödien der Carry-On-Filmreihe, die das ZDF zwischen 1984 und 1986 in einer losen Reihe unter dem Titel Ist ja irre... ausstrahlte. Für die ersten sieben Filme der Reihe lieh noch Horst Gentzen Williams seine markante Stimme, dann musste er durch Stefan Behrens ersetzt werden.

Privates Gentzen war Anfang der 50er Jahre mit dem Mediziner und Psychiater Alexander Boroffka (1920–2014) liiert. Dessen Mutter, die Potsdamer Fotografin Else Boroffka-Niemeyer (1890–1976), fotografierte die beiden jungen Männer 1950 in Einzelporträts. Gentzen betrieb später einen Antiquitätenladen am Bundesplatz in Berlin. Er wohnte zuletzt in Berlin-Friedenau.

Horst Gentzen starb 1985 im Alter von 55 Jahren an einer Leberzirrhose im St. Gertrauden-Krankenhaus in Berlin-Wilmersdorf. Er wurde auf dem Friedhof Schöneberg III in Berlin-Friedenau beigesetzt. Mittlerweile ist das Grab nicht mehr vorhanden.

Filmografie (Auswahl) 1947: Und finden dereinst wir uns wieder… 1947: Kein Platz für Liebe 1948: 1-2-3 Corona 1949: Unser täglich Brot 1949: Man spielt nicht mit der Liebe 1950: Fünf unter Verdacht 1951: Es geht nicht ohne Gisela 1954: Die tolle Lola 1955: Einmal ist keinmal 1956: Tausend Melodien 1957: Spielbank-Affäre 1958: Das verbotene Paradies 1958: Endstation Liebe 1958: Schmutziger Engel 1965: Im Schlaraffenland

Synchronrollen Für Jerry Lewis

1952: Schrecken der Division als Hap Smith 1952: Seemann, pass auf! als Melvin Jones 1954: Der sympathische Hochstapler als Homer Flagg 1954: Im Zirkus der 3 Manegen / Der Zirkusclown als Jerome F. "Jerry" Hotchkiss 1955: Der Gangsterschreck als Wilbur Hoolick 1955: Maler und Mädchen als Eugene Fullstack 1957: Der Regimentstrottel als Private Meredith C. Bixby 1958: Der Geisha-Boy als Gilbert Wooley 1961: Der Bürotrottel als Morty S. Tashman 1963: Der Ladenhüter als Norman Phiffier 1963: Der verrückte Professor als Prof. Julius Kelp / Buddy Love 1964: Die Heulboje als Stanley Belt 1964: Der Tölpel vom Dienst als Jerome Littlefield 1965: Boeing-Boeing als Robert Reed 1966: Drei auf einer Couch als Christopher Pride / Warren / Ringo / Rutherford / Heather 1966: Das Mondkalb als Pete Mattemore 1982: Slapstick als Wilbur Swain/Caleb Swain 1983: Immer auf die Kleinen als Warren Nefron / Dr. Perks Für Kenneth Williams

1959: Ist ja irre – Lauter liebenswerte Lehrer als Edwin Milton 1986: Ist ja irre – Diese strammen Polizisten (1960) als Constable Stanley Benson 1986: Ist ja irre – Der Schiffskoch ist seekrank (1962) als Leonard Marjoribanks 1986: Ist ja irre – ’ne abgetakelte Fregatte (1964) als Captain Fearless 1986: Ist ja irre – Agenten auf dem Pulverfass (1964) als Desmond Simpkins 1986: Ist ja irre – Cäsar liebt Kleopatra (1964) als Julius Cäsar 1986: Ist ja irre – Der dreiste Cowboy (1965) als Richter Burke 1986: Ist ja irre – Alarm im Gruselschloss (1966) als Dr. Orlando Watt Für Peter Lorre

1936: Geheimagent als Professor 1937: Mr. Moto und der China-Schatz als Mr. Kentaro Moto 1937: Mr. Moto und der Schmugglerring als Mr. Kentaro Moto 1938: Mr. Moto und der Dschungelprinz als Mr. Kentaro Moto 1938: Mr. Moto und der Kronleuchter als Mr. Kentaro Moto 1938: Mr. Moto und der Wettbetrug als Mr. Kentaro Moto 1939: Mr. Moto und die Flotte als Mr. Kentaro Moto 1939: Mr. Moto und die geheimnisvolle Insel als Mr. Kentaro Moto 1939: Mr. Moto und sein Lockvogel als Mr. Kentaro Moto 1975: Casablanca (1942) als Ugarte 1979: Detektiv mit kleinen Fehlern (1947) als Kismet Für Charles Hawtrey

1969: Das total verrückte Irrenhaus als Dr. Charles Stoppidge 1977: Das total verrückte Campingparadies (1969) als Charlie Muggins 1977: Ein total verrückter Urlaub (1972) als Justus Tuttle 1980: Die total verrückte Königin der Amazonen (1970) als Tonka der Große Für Ringo Starr 1964: Hi-Hi-Hilfe! als Ringo 1964: Yeah! Yeah! Yeah! als Ringo

Literatur Thomas Bräutigam: Horst Gentzen. In ders.: Stars und ihre deutschen Stimmen. Lexikon der Synchronsprecher. Schüren, Marburg 2009, ISBN 978-3-89472-627-0, S. 103–104

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Einzelnachweise

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