Gerhard Dieter Nothacker (* 1953 in Stuttgart) ist ein deutscher Rechtswissenschaftler und Soziologe.
Leben Nothacker legte die Reifeprüfung (Abitur) 1972 am Georgii-Gymnasium in Esslingen am Neckar ab. Von 1972 bis 1976 studierte er Rechtswissenschaften, Philosophie und Germanistik an der Freien Universität Berlin sowie Kriminologie und Sprachwissenschaften an der Université de Caen in Frankreich. Nach seinem 1. Juristischen Staatsexamen war er neben dem Rechtsreferendariat am Kammergericht Berlin als Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Kriminologie, Jugendstrafrecht und Strafvollzug im Fachbereich Rechtswissenschaften der Freien Universität Berlin tätig. Nach der 2. (Großen) Juristischen Staatsprüfung 1980 setzte er diese Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter fort und promovierte 1984 mit dem Thema „Erziehungsvorrang und Gesetzesauslegung im Jugendgerichtsgesetz. Eine systematisch-methodologische Analyse jugendstrafrechtlicher Rechtsanwendungsprinzipien“. Sein 1980 aufgenommenes Studium der Soziologie an der Freien Universität Berlin schloss er 1986 mit dem Diplom ab.
Ab 1985 war er als Rechtsanwalt und ab 1986 zunächst als Regierungsrat z. A. im Rechtsamt des Bezirks Kreuzberg von Berlin sowie von 1987 an als Referent der Amtsleitung in der Senatsverwaltung für Jugend und Familie in Berlin tätig. Von 1989 bis 1990 wirkte er dort in der Familienabteilung als Referent für Rechtsfragen der Familienpolitik an der Vorbereitung der Deutschen Wiedervereinigung mit. Er organisierte etwa im Reichstagsgebäude die erste Tagung der Familienpolitikreferenten der Bundesländer mit den Expertinnen des Familienrechts und der Familienpolitik an der Humboldt-Universität und im Sozialministerium der DDR. Juristinnen und Juristen der DDR bildete er im Familiensozialrecht der Bundesrepublik Deutschland fort. Von 1990 bis 1992 war Nothacker zuletzt als Magistratsdirektor Leiter der Abteilung Jugend und Sport im Bezirksamt Charlottenburg von Berlin (zuständig damit auch für die „Kinder vom Bahnhof Zoo“) und am Aufbau des Jugendamts im Bezirk Köpenick von Berlin beteiligt. 1992 folgte er einem Ruf als Professor für Familien- und Jugendrecht an die Evangelische (Fach-)Hochschule in Freiburg im Breisgau. Von 1993 bis 2019 unterrichtete Nothacker als Professor Recht für Sozialberufe am Fachbereich Sozialwesen (seit 2016: Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften) der Fachhochschule Potsdam und war von 1996 bis 2014 Lehrbeauftragter für Recht am Institut für Rehabilitationswissenschaften der Humboldt-Universitäthttps://agnes.hu-berlin.de/lupo/rds?state=verpublish&status=init&vmfile=no&moduleCall=webInfo&publishConfFile=webInfoPerson&keep=y&publishSubDir=personal&personal.pid=18118. Er ist weiterhin als FachautorNothacker, G. (2018/2019): §§ 35a, 36, 37 SGB VIII (Neubearbeitung). In: R. J. Wabnitz (Hrsg.): Kinder- und Jugendhilferecht. Gemeinschaftskommentar zum SGB VIII. Köln (Luchterhand/Wolters und Kluwer-Verlag) [ ISBN 978-3-472-03165-9], Experte und Moderator auf Fachveranstaltungen zu Themen um Kriminalitäthttps://www.socialnet.de/rezensionen/8978.php, abgerufen am 25. September 2020, Jugendhilfe, Sozialleistungenhttps://www.psychotherapeutenkammer-berlin.de/system/files/document/PTK-Fobi2010-11.pdf, abgerufen am 25. September 2020 und EhrenamtNothacker, G. (2013): Unfallversicherung und Haftung im Ehrenamt und im bürgerschaftlichen sozialen Engagement. Juristische Bestandsaufnahme und rechtspolitische Perspektiven, 1. Auflage; Baden-Baden (Nomos) [ ISBN 978-3-8487-0760-7] sowie als Sachverständiger für Rechtsfragen und Strukturreformen tätig.
Wirken
In der Rechtsmethodologie ist mit seinem Namen das allgemeine Auslegungsprinzip der „teleologischen Perseveranz der Spezialität“ verbunden; es besagt, dass der durch spezielle Vorschriften gekennzeichnete Zweck einer Gesetzesmaterie (z. B. des Jugendstrafrechts) bei Anwendung eines nachrangigen allgemeinen Rechtssatzes (etwa aus der Strafprozessordnung) fortzuwirken hat.Nothacker 1985 [ ISBN 3-428-05877-1], S. 117Nothacker 2019 [ ISBN 978-3-472-03165-9], § 36 Rdnr.8 Zudem hat Nothacker für die Rechtsanwendung das jugendstrafrechtliche Auslegungsprinzip „Verbot der Schlechterstellung Jugendlicher und Heranwachsender gegenüber Erwachsenen in vergleichbarer Verfahrenslage“ entwickelt.
In seiner sozialwissenschaftlichen Forschung hat er etwa die erste Studie nach der Deutschen Wiedervereinigung über die soziale Situation Haftentlassener in den damals neuen Bundesländern vorgelegt,Nothacker/Sandner 1996 [ ISBN 3-9805516-0-1] das in den USA entstandene „Family Peacemaker Program“ zur Vermeidung innerfamiliärer Gewalt in Deutschlandhttps://www.dji.de/fileadmin/user_upload/aktuelles/gewalt.html, abgerufen am 8. September 2020 interkulturell transferierthttps://www.bmfsfj.de/blob/95152/946b68e4e594986f798375c3615d1938/prm-4396-materialiefamilienpolitik-nr--data.pdfNothacker 1998, und Strukturen der JugendhilfeNothacker, G. (2002): Regionalisierung der Jugendgerichtshilfe in Potsdam – eine Evaluationsstudie. Potsdam (Arbeitsmaterialien des Fachbereichs Sozialwesen der Fachhochschule Potsdam Nr. 20) [ ISBN 3-935619-14-6] (zusammen mit K. Weiss) und der Sozialarbeit im StrafvollzugNothacker, G. (2006): Soziales Training mit Straffälligen – ein Projektbericht, Potsdam (Arbeitsmaterialien des Fachbereichs Sozialwesen der Fachhochschule Potsdam Nr. 29) [ ISBN 978-3-935619-24-0] (zusammen mit S. Vogel) evaluiert und beeinflusst.
Werke (Auswahl)
Weblinks Monografien von Gerhard Nothacker im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) Schriftenverzeichnis von Gerhard Nothacker (bis 2015)
Einzelnachweise
Kategorie:Kriminologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Sozialstaat Kategorie:Person der sozialen Arbeit Kategorie:Jugendstrafrecht (Deutschland) Kategorie:Hochschullehrer (Evangelische Hochschule Freiburg) Kategorie:Hochschullehrer (FH Potsdam) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1953 Kategorie:Mann